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Wer in alten Systemen denkt, sieht die Rally nicht Dax Sentiment: Das Überraschungspotential ist auf der Oberseite

Dax Oberseite

Das Überraschungspotential für den DAX liegt auf der Oberseite, schrieb ich vor einer Woche, denn das Sentiment sicherte die Aktienmärkte nach unten ab.

DAX schießt nach oben

Tatsächlich schoss der DAX diese Woche kräftig in die Höhe. Schauen wir mal, wie die Stimmung der Anleger auf diese Entwicklung reagiert hat.

Unser Anlegersentiment ist auf den Wert von -0,5 angestiegen. Damit müssen wir noch immer von einer niedergeschlagenen Gemütslage der Anleger sprechen, doch die richtig schlechte Laune der vergangenen zwei Monate ist erst einmal verschwunden.

Trotz der deutlichen Rally beim DAX dieser Woche ist die Verunsicherung unter Anlegern leicht angestiegen. Nach einem Wert von -2,0 in der Vorwoche notiert die Verunsicherung nun wieder bei -2,3. Wir können daraus ablesen, dass viele Anleger nicht long positioniert sind und daher nicht von den steigenden Kursen profitieren. Sie plagen sich nun mit der Frage, ob es schon zu spät zum Einstieg ist, oder aber ob sie weiterhin unbeteiligt der Trendwende hinterher blicken müssen.

Entsprechend ist die Zukunftserwartung wieder ein Stückchen negativer geworden. Nach einem Wert von +0,1 in der Vorwoche messen wir diese Woche -0,4. Es gibt also wieder eine leichte Mehrheit für die Bären.

Die Investitionsbereitschaft steigt jedoch von 2,1 in der Vorwoche auf 2,6 an. „Wollen“ würden viele Anleger schon, wenn nur die Kurse nochmals kurz zurück kommen würden.

Das Euwax-Sentiment der Privatanleger ist auf -10 gerutscht und signalisiert eine stark gestiegene Absicherungsneigung. Noch immer trauen viele Anleger dem Kursanstieg nicht mehr als eine Bärenmarktrallye zu. Entsprechend positioniert man sich nun für die baldige Wiederaufnahme des Bärenmarktes. Das ist, soviel vorab, im Sinne der Sentimenttheorie als Kontraindikator ein bullisches Zeichen.

Auch die institutionellen Anleger sichern sich ab. Das Put/Call-Verhältnis der Eurex ist auf 1,9 angestiegen, was eine erhöhte Nachfrage nach Put-Optionen zur Absicherung bedeutet.

In den USA hingegen geht das Put/Call-Verhältnis der CBOE leicht zurück. US-Fondsmanager haben ihre Investitionsquote von 43% auf 54% angehoben. Die Bulle/Bär-Rate ist auf -19% angestiegen. Vor einer Woche noch gab es 56% Bären, nun sind es nur noch 46%.

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Den gesamten Oktober hindurch sind die Aktienmärkte angestiegen. Der technische Angst und Gier Indikator des S&P 500 ist in diesem Zeitraum von extremer Angst auf Gier angestiegen, aktuell notiert dieser Indikator bei 60%. Erste Überhitzungsanzeichen zeigt der Short Range Oscillator des S&P 500, der über 5 gesprungen ist. Ab Werten über 4 spricht man von einem überkauften Markt, eine Abkühlung ist zumindest kurzfristig wahrscheinlich.

Interpretation der Stimmung

Endlich darf ich mal wieder von einer neutralen Stimmung beim DAX sprechen. Mit einer kurzen Unterbrechung im August haben wir im laufenden Jahr eigentlich nur negative Stimmungsvorzeichen gemessen. Inzwischen ist der Pessimismus vielen Anlegern in Fleisch und Blut übergegangen. Die Denke geht nur noch in die Richtung, wann man Verkaufen kann, nicht mehr, wann Käufe sinnvoll sein könnten.

Das ist genau der Nährboden, der dieser Rallye weiteren Nährstoff geben könnte. Das Handelsvolumen ist weiterhin dünn und es gibt nur noch wenige Anleger, die tatsächlich Positionen zum Verkauf stellen. Die Stimmung bleibt gedämpft, Verkaufsorders sind jedoch inzwischen selten.

Entsprechend reicht schon eine moderate Nachfrage, um zu weiter steigenden Kursen zu führen. Wie wir diese Woche gesehen haben, steigen nicht mehr die Kurse der Tech-Giganten Microsoft, Amazon, Alphabet und Facebook, die in den vergangenen 10 Jahren für immer neue Indexrekorde gesorgt haben. Vielmehr steigen die Aktien von Industrieunternehmen wie Basler (+16%), Indus Holding (+10%), Deutz (+9%), Jenoptik (+10%), Pfeiffer Vakuum (+10%), SGL Carbon (+17%), Jungheinrich (+9%), Airbus (+9%), SMA Solar (+25%) und vielen mehr zweistellig.

Wer in alten Systemen denkt, sieht die Rallye nicht. Mag sein, dass die Aktienmärkte tatsächlich kurzfristig einen Rücksetzer erleben, nachdem im Oktober +10% erzielt wurden. Doch weiterhin sorgt das Anlegersentiment nach unten hin für eine gute Absicherung, während das Überraschungspotential weiterhin auf der Oberseite bestehen bleibt.

Der Wechselkurs USD/EUR zeigt eine extrem pessimistische Ausgangslage auf. Gleichzeitig hat der Euro begonnen, gegenüber dem US-Dollar an Boden gut zu machen. Die Investitionsbereitschaft in diesem Bereich ist groß, auch die Investitionsabsicht lässt auf eine Fortsetzung der angelaufenen Erholung des Euros hoffen.

Hinweis: Bei aktiver Beteiligung (https://www.animusx.de/) an den wöchentlichen Umfragen erhalten Sie die Ergebnisse (Grafiken nebst schriftlicher Auswertung) kostenlos.



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