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Dax – warum ist er so stabil? Eine Spurensuche

Der Dax ist derzeit erstaunlich stabil! Dabei ist eigentlich eine Rezession – zumindest eine technische – schon eine ausgemachte Sache in Deutschland. Das deutsche Wirtschaftswachstum war im zweiten Quartal geschrumpft und die Indikatoren im laufenden dritten Quartal haben sich eher noch verschlechtert. Doch was hindert Anleger derzeit daran, auf den Verkaufsknopf beim Dax zu drücken?

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Das Marktsentiment im Dax und die Positionierung der Anleger

Vor Einbrüchen an den Märkten herrscht erfahrungsgemäß eine positive Stimming der Investoren oder gar Euphorie – sprich, sie sind gut investiert und fallen als Nachkäufer weitgehend aus. In Deutschland hat diese Woche ein Sentimentindikator des Handelsblatts ein kurzfristiges Kaufsignal generiert, welches nur viermal seit 2014 in stärkerer Form auftrat!

Aber auch in den USA hat ein Indikator der Bank of America Merrill Lynch zum ersten Mal ein Kaufsignal seit Januar geliefert. US-Fondsmanager sind mit 60 Prozent ziemlich unterinvestiert, der Bull/Bear-Indikator für Privatanleger und der Fear & Greed-Index stehen deutlich im Angstbereich. In Deutschland zeigt ein Insiderbarometer der Frankfurt School of Finance @ Management (Directors Dealings) auf stärkere Aktienkaufneigung hiesiger Vorstände und Aufsichtsräte hin. Auch wenn wir uns im gefürchteten Aktienmonat September befinden, droht von dieser Seite zumindest weniger Gefahr.

Der Wechselkurs

US-Präsident Trump beschwert sich in immer kürzeren Abständen über den starken US-Dollar beispielsweise im Vergleich zum Euro. Ein klarer Nachteil für US-Exportfirmen und damit vice versa ein Vorteil für europäische Firmen.

Am 1. Februar 2018 (beim letzten Dax-Hoch) stand der US-Dollar zum Euro noch bei 1,25, derzeit liegt er um und bei 1,10, ein kleiner Rückenwind für von Handelsstreit so gebeutelte deutsche Exportwirtschaft.

Die Notenbankpolitik

„Don’t fight the Fed“, lautet in den USA eine Mahnung an Investoren, die sich in der Vergangenheit zumeist ausgezahlt hat. Nachdem aus dem Umfeld der Europäischen Zentralbank eindeutig Signale für bedeutsame zinspolitische Maßnahmen bei der nächsten Sitzung am 12. September gesendet wurden, reagieren die Investoren auch in Deutschland nach dem Muster früherer Tage. Ob in Europa Zinssenkungen überhaupt noch eine Wirkung entfalten können, steht aber auf einem anderen Blatt. Zudem ist es auch mit einer gewissen Unsicherheit behaftet, ob bereits im September die vom Markt erwarteten, großen Schritte überhaupt kommen werden.

Die Antizipationsfunktion des Dax

Aktienindizes haben die Eigenschaft, sich nicht zu sehr um aktuelle Konjunkturdaten zu scheren, außer es handelt sich um Frühindikatoren – sie preisen stärker etwas in der Ferne Liegendes ein. Manchmal irrtümlicherweise, aber stets früher als die frühesten Indikatoren. Der Dax hat sein Hoch mit 13.599 Punkten bereits am 23. Januar 2018 erreicht, also bereits vor mehr als eineinhalb Jahren. Weit vor den Indikatoren, die erst später den Wirtschaftsabschwung angezeigt haben. Die Sicht des Dax geht bereits ins Jahr 2020 und dort sieht man anscheinend Licht am Ende des Tunnels – im US-Wahljahr.

Aktuell gibt es aber auch kleine Silbersteifen am Horizont, wie die Einkaufsmanagerindizes Verarbeitendes Gewerbe und Dienstleistung aus China über der Wachstumsschwelle und der aktuelle globale Index (PMI), der von Juli mit 53,2 Punkten im August auf 53,5 Punkte gestiegen ist. Im Dax überraschte der neue Daimler-Chef, Öla Källenius, mit seiner Prognose, dass er keinen langen Abschwung erwartet, sondern eine Trendwende im zweiten Halbjahr.

Die aktuelle Entspannung auf verschiedenen Politikfeldern zwingt in dieser Woche anscheinend auch den ein oder anderen in den Markt, weil Absicherungspositionen aufgelöst werden – Stichwort Short Squeeze. Sei es wegen der Entwicklung in Italien bei der Regierungsbildung oder beim Brexit, in dem Boris Johnson eine krachende Niederlage nach der anderen einstecken muss und der ungeordnete Austritt zum Ende Oktober immer unwahrscheinlicher wird. Dann die jüngsten Ereignisse in Hongkong, die von den Märkten als positiv angesehen werden.

„Politische Börsen haben kurze Beine“, lautet ein uralter Spruch an der Börse. Auf die jetzige Kursentwicklung bezogen könnte das heißen, dass das Hoffnungsszenario rasch wieder in sich zusammenfällt. Aber man scheint in Anlegerkreisen das saisonale Muster des schwachen Börsenmonats September, von dem tagtäglich in den Medien berichtet wurde, sehr ernst genommen und sich stark aus dem Markt zurückgezogen zu haben. Dann genügen bereits kleine positive Zeichen, um einen unerwarteten Aufwärtsschub zu erzwingen.

Dieser könnte jetzt bald getestet werden, wenn wieder Volumen in die Märkte kommt. Und das wird geschehen, vielleicht schon ab Freitag – nach der Veröffentlichung des US-Arbeitsmarktberichts – und ab der kommenden Woche mit den Notenbanksitzungen von EZB, Fed und anderen.

Fazit

Man preist derzeit im Dax eine technische Rezession in diesem Jahr ein, die aber erst Mitte November durch das Statistische Bundesamt bestätigt werden kann. Anschließend sollte es mit der Wirtschaft wieder nach oben gehen, unterstützt durch die weltweit erkennbare Verbilligung des Geldes durch die Notenbanken. So das Positivszenario, welches die Märkte gerade spielen.

Der große Störenfried ist Donald Trump mit seinem Handelskrieg mit China, aber auch hier geht man zumindest für eine gewisse Zeit von einem Waffenstillstand aus – schließlich will der Präsident wiedergewählt werden.

Da kann er noch so oft von seiner starken Verhandlungsposition twittern – die Konjunkturdaten sagen etwas anderes aus.

Um nicht missverstanden zu werden: Ich schreibe hier nicht vom Beginn eines neuen Aufwärtstrends, sondern von einem Kursaufschwung, der durch die Konstellation verschiedener Faktoren ausgelöst wurde. Die große Rezession und damit der ausgeprägten Bärenmarkt wird kommen. Nur könnte es tatsächlich noch etwas dauern bis dahin, zu groß und zu gewichtig sind die Argumente der „Big Player“, um ihn noch hinauszuzögern.

Der Dax nimmt eine Erholung der deutschen Wirtschaft im Jahr 2020 vorweg

Foto: Deutsche Börse AG



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