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Dax: Was kann jetzt retten?

Es geht kontinuierlich abwärts für den Dax, zentrale Unterstützungen wurden in den letzten Tagen gebrochen. Nun stellt sich die Frage: wo soll eigentlich jetzt die Rettung herkommen?

Was ist eigentlich der Grund für die Schwäche beim deutschen Leitindex? Die Zahlen der Dax-Konzerne jedenfalls sind es eher nicht, im Vergleich zu den Vorjahren machen viele Dax-Konzerne mehr Gewinne, die deutsche Wirtschaft bleibt trotz leichter Schwächezeichen im Hochkonjunktur-Modus, die Lage in Italien scheint nicht zu eskalieren – und auch der Handelskrieg hat bisher keine neue Dimension erreicht, solange die USA nicht weitere Strafzölle gegen China verhängen.

Eine denkbare Erklärung ist: Kapital fließt zurück in die USA, einerseits durch die Leitzinsanhebungen durch die Fed und die weitere Bilanzreduzierung der Notenbank, andererseits durch die Sogwirkung der US-Steuerreform. Darunter leiden besonders die Schwellenländer, die gewissermaßen das schwächste Glied in der Kette sind, aber wohl eben auch die „entwickelten“ Länder ausserhalb der USA (wenn auch in geringrem Umfang). Es ist wohl die durch die Fed bedingte Liquiditätsverknappung, die nun langsam aber sicher ihre Wirkung entfaltet.

Neu in dieser Woche sind die Minuszeichen bei den großen US-Tech-Werten – aber das ist normalerweise für den so wenig Tech-lastigen Dax eigentlich kein Problem. Aber besonders an der Wall Street zeigt sich – und das ist dann auch für den Dax ein Problem – eine deutlich erkennbare Risikoaversion: man kauft defensive Werte wie Telekom und Versorger, und verkauft im Gegenzug die Wachstums-Werte, weil langsam klar wird, dass es mit dem Wachstum nicht unendlich weiter gehen wird, vielmehr der öffentliche Gegenwind stärker wird gegen die Dominanz dieser Konzerne. Für Aktienmärkte aber ist es immer schlecht, wenn Wachstumserwartungen zurück geschraubt werden – die Börse lebt schließlich wesentlich von der Fanatsie!

Was der Dax jetzt braucht, wäre ein positives Signal an der Stelle, an der er am Verwundbarsten ist: beim Thema Handelskrieg. Trump steht innenpolitisch durch das Buch von Woodward und dem anonymen Bericht in der New York Time eines Regierungs-Insiders unter Druck: alles in der Trump-Administration sei chaotisch, der Präsident praktisch kaum zurechnungsfähig. Was Trump jetzt braucht, sind Erfolgsmeldungen – und eine Erfolgsmeldung könnte etwa sein, dass der US-Präsident belegen kann, dass sein Gespräch mit Kim Yong-un doch etwas bewegt hat. Um diesen Beweis anzutreten, braucht Trump aber die Hilfe Chinas – daher ist denkbar, dass wir in nächster Zeit versöhnliche, deeskalierende Töne der Trump-Adminstration gegenüber China hören werden. Und das wäre für die Aktienmärkte der Stoff, den es braucht, damit die Risikobereitschaft wieder zurück kehrt.

Charttechnisch bleibt die Lage sehr angespannt:


(Chart durch anklicken vergrößern)

Es droht eine große Top-Formation, deren Abschlagspotential in Richtung der 11.000er-Marke reichen kann, wie der Langfristchart des Dax zeigt:


(Chart durch anklicken vergrößern)

Also nicht wirklich rosige Perspektiven! Vielleicht aber könnten heute sogar schwache US-Arbeitsmarktdaten helfen – wenn die Märkte dann die Karte spielen, dass die Fed doch die Zinsen nicht viel weiter anheben wird..



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1 Kommentar

  1. Der Gedanke Kapitalrückfluss in die USA beim Dax hat schon was für sich. Schließlich ist unser Leitbarometer mehrheitlich in ausländischer Hand (BlackRock allein mit fast 60Mrd. € vor Kurzem und dabei mit einen Anteil an Bayer!!!! von über 7%). Wenn also die Amerikaner der Ansicht sind, dass Deutschland als Exportkönig vom Handelskrieg besonders betroffen sein wird und die USA aufgrund ihres Binnenmarktes als „Safe Haven“ angesehen werden, wäre so eine Kapitalbewegung schon plausibel. Wenn sich die Investoren mit der Unverwundbarkeit der Vereinigten Staaten da mal nicht täuschen.
    Gruß

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