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Hintergrund

DAX-Zyklus wirft seine dunklen Schatten voraus

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Gastbeitrag von Michael Leist

Es gibt kurze Zyklen wie den Tag-Nacht Zyklus und längere Zyklen wie den Jahreszyklus. Aber alles, was zeitlich darüber hinausgeht, haben wir zumeist nicht auf dem Schirm, weil es hierfür keinen evolutionären Selektionsdruck gab. Daher fällt es vielen Menschen schwer, mehrjährige Zyklen an den Finanzmärkten zu erkennen. Dies liegt oft auch daran, dass die meisten DAX-Analysten gängige Marktindikatoren schlicht missachten und lediglich kurzfristige Widerstands- und Unterstützungslinien diskutieren. Hat sich dann der Chart ein Stückchen weiterbewegt, werden diese wieder durch neue ersetzt. Dabei sind wirkliche trendbegrenzende Linien selten und können den Kursverlauf auch dann noch nachhaltig beeinflussen, wenn der ursprüngliche Trendkanal bereits Geschichte ist.

Viele Leute fragen sich im Moment, ob die derzeitige Seitwertsbewegung im DAX nicht schon eine Wendeformation sein könnte und halten Ausschau nach imaginären Schulter-Kopf-Schulter Formationen. Und hier kommen die Indikatoren ins Spiel:

Marktindikatoren wurden zu dem Zweck entwickelt, aus dem Chaos der Kurzentwicklung heraus Muster sichtbar zu machen.
So dient das Histogramm des MACD Indikators als Grundlage für die Ermittlung der Trendstärke. Dabei gilt: Je größer ein positiver Balken im Histogramm ausfällt, desto wahrscheinlicher ist eine positive Fortsetzung des Aufwärtstrends.
Daneben zählt der Slow Stochastik Indikator zu den oszillatorischen Indikatoren. Hiermit können wiederkehrende überkaufte und überverkaufte Zustände innerhalb eines Trends sichtbar gemacht werden.

Um Ihnen das Erkennen des hier dargestellten Zyklus innerhalb des DAX-Wochencharts zu erleichtern habe ich das Indikatorbild, welches in der Vergangenheit unseren heutigen Dax Zykluszustand entspricht, mit einer roten vertikalen Linie markiert.

Neben dem MACD und dem Stochastik Indikator trägt die rote, seit 2009 gültige, trendbegrenzende Linie eine entscheidende Rolle zum Verständnis der gegenwärtigen Situation im DAX bei. Wenn wir uns nun den Trendkanal von 2009/2010 ansehen, so erkennt man zeitgleich im Histogramm des MACD Indikators eine Divergenz zum Trendkanal (rote Linie). D.h. der Kurs steigt noch, aber den Bullen geht langsam die Luft aus. Normalerweise ist dieses Muster ein verlässliches Zeichen für eine bevorstehende Korrektur am Markt. Doch von Schwäche ist Ende 2010 keine Spur. Der DAX durchbricht sogar die roten trendbegrenzende Linie nach oben und läutet damit das letzte Hurra am Markt ein (jeweils rechtsseitig von der grauen vertikalen Linie im Kursverlauf).

Aber warum nur macht der DAX so etwas und hört nicht auf das klare Muster im MACD Indikator? Dazu muss man zweierlei wissen. Erstens gibt es im DAX einige wenige Unternehmen, die man als sichere Häfen bezeichnen könnte, da sie Produkte des täglichen Lebens herstellen, in ihren Segmenten eine oligopole Markstellung besitzen und über eine hohe Eigenkapitalquote verfügen. Diese wenigen Unternehmen werden in bevorstehenden Krisenzeiten von smarten Investoren gekauft und ziehen den Index nach oben. Zweitens schlagen aufgrund der langen Erfolgsstory nun auch diejenigen zu, die sonst nicht in Aktien investieren und kaufen vermehrt bekannte Unternehmensanteile. Beides zusammen führt zu einem überdurchschnittlich langen überkauften Zustand im Slow Stochastik Indikator.

Doch dieser Zustand ist aufgrund der zunehmend schlechter werdenden Nachrichtenlage am Markt nicht zu halten und der DAX fällt Anfang 2011 kurzfristig in seinen alten Trendkanal zurück. Damit beginnt am Markt die Verteilung der Aktien von den starken in die schwachen Hände und auch smarte Investoren, die kurz zuvor noch sichere Häfen im DAX angefahren haben, reduzieren nun ihre Aktienquote und halten ihr Geld trocken. Auf Indikatorseite ist diese Zeit mit immer kürzer werdenden Aufenthalten im überkauften Bereich des Slow Stochastik Indikators gekennzeichnet und auch der MACD Indikator liefert auf Wochenbasis kein neues Kaufsignal mehr. Zu guter Letzt ist auch noch das Volumen rückläufig und es bildet sich im Chart eine rechteckige Dreiecksformation aus.

Am Ende kommt es wie es kommen muss – und was uns auch schon die Divergenz im MACD Histogramm angedeutet hatte, nämlich zu einer starken Korrektur im DAX. Auch die gegenwärtige Hasse im DAX scheint mit der Überwindung der roten Trendbegrenzung Ende 2013 das letzte Hurra eingeläutet zu haben und seit Mitte März 2014 ist die Verteilung von den starken in die schwachen Hände zu beobachten.

Auch von einer Outperformance des MDAX gegenüber dem DAX kann heute nicht mehr die Rede sein. Seit dem Rücksetzer bis an die 9000er Marke im März laufen die Indices sogar auseinander, was wiederum dafür spricht, dass der Großteil der deutschen Aktien nicht mehr bereit ist zu steigen. Die Outperformance des DAX gegenüber dem MDAX ist vermutlich nur noch dem größeren Bekanntheitsgrad der Einzelunternehmen geschuldet.

Fazit: Der vorherrschende Zyklus im DAX-Wochenchart ist wie folgt zu lesen:
1. Den Bullen geht die Luft aus
(Divergenz zwischen dem MACD Histogramm und dem Trendkanal)
2. Das letzte Hurra
(Durchbruch der trendbegrenzenden Line und überdurchschnittlich langer Aufenthalt im überkauften Bereich des Slow Stochastik Indikators.)
3. Verteilung an die schwachen Hände
(Rücksetzer durch die rote Trendline mit zeitgleichem Verkaufssignal im MACD Indikator wird hochgekauft liefert aber kein neues Kaufsignal. Das Volumen ist rückläufig, der DAX läuft besser als der MDAX und der Slow Stochastik Indikator zeigt auf Wochenbasis immer tiefere Hochpunkte.)

All dies haben wir bereits zwischen 2009 bis Mitte 2011 gesehen und wir können es auch im Zeitfenster von 2012 bis Mitte 2014 wiederfinden!

Zum Schluss möchte ich noch einmal auf die Schönheit der roten/blauen Trendlinien zurückkommen die doch schon so alt ist (Ursprung: Trendkanal 2009) und dennoch so präzise die lokalen Tiefpunkte dieses Jahres vorhersagen konnten. Lassen Sie mich somit mit einem lyrischen Zitat schließen:

Wenn uns das Alter fortrafft eines Tags,

Sollst du (Urne) bestehn, von Leid, dem hier nichts gleicht,

Umringt, ein Freund dem Menschen, dem du sagst:

„Schönheit ist Wahrheit, Wahrheit schön“  soviel

Wißt Ihr auf Erden, und dies Wissen reicht.

John Keats, Ode auf eine Griechische Urne

Final DAX-Wochenchart

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Wie zuletzt im Januar und September 2018 glauben die Aktienmärkte, sie lebten in der Besten aller Welten – kein Risiko, nirgends..

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Wie zuletzt im Januar und September 2018 glauben die Aktienmärkte, sie lebten in der Besten aller Welten: die Fed werde ihnen nicht mehr weh tun, es werde einen tragfähigen Deal zwischen den USA und China geben, dazu auch eine Lösung im US-Budgetstreit (heute muß sich Trump entscheiden, ob er den Kompromißvorschlag annimmt oder nicht). Gleichzeitig sind die US-Indizes so überkauft wie seit Ende 2016 nicht mehr (als damals nach einem ersten Schock über die Wahl Trumps eine massive Rally eingesetzt hatte). All das kann noch extremer werden – aber die Vergangenheit lehrt: lange geht so eine Vertrauensseligkeit nicht gut. Der Dax hinkt den US-Märkten weiter hinterher..

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Der Dax kann seine Erholung fortsetzen – aber es fehlt dieser Erholung schlicht an Dynamik! Die Anstiege verlaufen langsam, die Abverkäufe dagegen mit hoher Dynamik, sodass der Index – auf die letzten Handelswochen gesehen – ein Schritt nach vorne macht, um dann zwei Schritte wieder zurück zu machen. Von Entwarnung kann daher noch überhaupt keine Rede sein!

Im Chart wird deutlich, wie vergleichsweise gering die Erholung ausgefallen ist bislang:

(Chart durch anklicken vergrößern)

Das sieht nicht nach Bullen-power aus! Eher ein zaghafter Versuch, das Schlimmste abzuwenden – und das trotz der daueroptimistischen Wall Street, die gestern wieder einmal zulegen konnte, vor allem die schwergewichtigen Tech-Werte wie Apple (in Vorfreude auf die heutige Präsentation der neuen Apple-Produkte) und Amazon. Aber auch in den USA gilt: es erreichen mehr Aktien 52-Wochen-Tiefs als 52-Wochen-Hochs, der Anstieg ist von den wenigen Tech-Schwergewichten getragen, der breite Markt sieht deutlich negativer aus. Mithin sind die großen Tech-Werte die Schminke, die die Falten kaschieren – aber man sollte sich nicht von dem Makeup täuschen lassen!

Andernorts ist die Lage völlig anders: der Shanghai Composite ist heute auf den tiefsten Stand seit zweieinhalb Jahren gefallen, die Märke und Währungen der Schwellenländer bleiben unter Druck, auch die europäischen Indizes sind sämtlich charttechnisch angeschlagen. Es ist diese Schizophrenie, die nachdenklich stimmt: leben die Amerikaner auf einem anderen Planeten? Nun, wer Donald Trump als Präsidenten wählt, muß wohl auf einem anderen Planeten leben..

Die Fakten sind: die Fed verknappt die Liquidität, die Schwellenländer daher besonders unter Druck, und der Handelskrieg ist erst in seinem Anfangsstadium. Die Kombination aus diesen Faktoren bringt die ganze Welt uner Druck, nur eben die Amerikaner nicht. Dort hofft man auf NAFTA, glaubt, dass einem der Handelskrieg nichts anhaben könne, und die Fed werde schon brav bleiben und die Zinsen nicht deutlich anheben. Dort also die optmistischste Interpretation der Dinge, überall sonst auf der Welt sehen die Fakten anders aus! Inzwischen ist die Spanne so groß (etwa zwischen amerikanischen und chinesischen Tech-Werten), dass eine Wieder-Annäherung nur eine Frage der Zeit ist – ewig kann man nicht schizophren bleiben..

Für den Dax gilt: erst über dem Widerstand von 12100 Punkten besteht wieder – charttechnisch gesehen – Hoffnung. Besser noch, der Dax überwände den seit Ende Juli bestehenden Abwärtstrend bei 12220/12250 Punkten. Auf der Unterseite ist nun das Tief bei 11860 Punkten entscheidend: noch läßt sich dieses gestern erreichte Verlaufstief als Fehlausbruch nach unten interpretieren – aber wenn dann die 11860 auch noch fallen sollte, wäre das ein klares Zeichen dafür, dass Dynamik auf der Unterseite aufkommen wird..

 


By Josemanuel. – Own work, CC BY-SA 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1284536

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Allgemein

Tribalisierung statt Globalisierung: Eine Generation geht verloren

Die Globalisierung steht am Beginn eines großen Rückschlags – und eine ganze Generation ist gezwungen, ihre eigenen Werte zu verraten..

Markus Fugmann

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am

Von Markus Fugmann

Ich bin 1969 geboren und entstamme damit einer Generation, die grundsätzlich optimistisch veranlagt ist. Als wir erwachsen wurden, fiel die Mauer, ging die Sojwetunion unter und verschwanden damit gefühlt alle Grenzen, die unseren Drang nach (Bewegungs-)Freiheit begrenzt hatten. Als Jugendliche fürchteten wir die Atomkraft, fürchteten, dass uns Atombomben auf den Kopf fallen – wie einst die Gallier, dass ihnen der Himmel auf den Kopf fiele.

All das ist nicht passiert. Und mit dem Ende der Sojwetunion und damit dem Ende des Kalten Krieges stand uns die Welt offen, schien eine Art ewiger Frieden erreicht, gewissermaßen das Ende der Geschichte (Fukujama). Wir reisten, probierten uns und das andere Geschlecht aus, alles war möglich, die Globalisierung kam, wir nutzten als erste Generation den Computer, lernten in der Schule programmieren, nutzten das Internet – und drängten heraus in die Welt. Diese Welt, so schien es, wächst zusammen – und wir fanden das gut so, weil es das Spektrum unserer Möglichkeiten vergrößerte.

Nun aber, zu einer Zeit, in der normalerweise diese Generation an die entscheidenden Schaltstellen der Gesellschaft in Politik und Wirtschaft gelangt, haben wir das Gefühl, wir sind irgendwie von gestern. Schon die heute Mitte 30-jährigen sind von uns grundsätzlich verschieden: ja, man kann ins Ausland gehen, aber man will dann zurück kommen, heiraten und ein Haus bauen. Das war so ziemlich das Letzte, was noch unserer Generation als Ideal vorschwebte. Diese Sehnsaucht nach Heimeligkeit war uns fremd, sie ist aber wohl die logische Konsequenz für eine Generation, die das Internet mit der Muttermilch aufgesogen hat und die nun ein Bedürfnis nach kuscheliger Wärme hat – und der es reicht, sich auf Google Maps jene Orte anzuschauen, zu denen wir noch gereist sind.

Es gibt bei dieser jüngeren Generation eine Tendenz zur Abschottung – ebenso wie in den großen Strömungen des Zeitgeists, der sich derzeit Bahn bricht. Dass derzeit rechskonservative Strömungen aufkommen, ist kein Zufall. Das Rad der Geschichte dreht sich gewissermaßen zurück, es gibt einen klaren Gegentrend zur Globalisierung, den ich als „Tribalisierung“ (Rückbesinnung auf den eigenen „Stamm“) bezeichne: ob Trump in den USA, die AfD in Deutschland, die FPÖ in Österreich, Le Pen in Frankreich etc. – das Motto lautet: wir schotten uns ab!

Rechtskonservative Bewegungen hat es auch früher gegeben seit dem Ende des Kalten Krieges – aber sie waren irgendwie aus der Zeit gefallen und hatten daher keine Chance. Diesmal ist das anders. Denn eines ist klar: die massenhafte Immigration nach Europa ist kein Thema, das vorbei gehen wird. Im Gegenteil: es wird immer dringender!

Was wir mit syrischen Bürgerkriegsflüchtlingen erlebt haben, ist nur der Auftakt, sie sind nur die Vorhut für weit größere Ströme nach Europa. Flüchtlingsströme aus Syrien oder dem Nahen Osten werden irgendwann abebben – der Nahe Osten ist nicht unser größtes Problem. Dagegen werden sich bald Flüchtlingsströme aus Afrika massiv intensivieren, schon aus demografischen Gründen: Afrikas Bevölkerung wird sich bis 2050, also in nur 35 Jahren, von einer Milliarde auf dann zwei Milliarde verdoppeln – nicht weil Afrikanerinnnen mehr Kinder bekämen als früher – im Gegenteil. Nur die Zahl afrikanischer Frauen im gebährfähigen Alter wird aufgrund der demografischen Struktur in den afrikanischen Ländern bald stark nach oben schießen.

Und weil es faktisch keine Perspektive dafür gibt, diese stetig steigende Bevölkerung ausreichend zu versorgen bzw. Jobs zu schaffen, wird ein nicht geringer Teil dieser Menschen nach Europa drängen als einzig logisches underreichbares Ziel. Es geht hier um viele Millionen Menschen, vor allem junge Männer, die in ihren Heimatländern faktisch keine Chance haben, Jobs zu bekommen und Familien zu gründen. Und wir werden uns nicht anders zu helfen wissen, als eine Festung Europa zu errichten, weil diese Einwanderungsströme selbst beim besten politischen Willen nicht zu handhaben sind.

Und vermutlich wird es exakt meine Generation sein, deren Vertreter dann an der Macht sind, die diesen Festungsbau anordnen und ausführen wird. Weil es nicht anders geht, ob man will oder nicht. Und genau deswegen haben die rechskonservativen Strömungen, die genau das jetzt schon fordern, Zukunft. Sie thematisieren das, was auf uns zukommen wird, wollen Homogenität, Sicherheit, etablierte, vor-globalisierte Strukturen zurück – also all das, was meine weltoffene Generation überwiegend eigentlich nicht will. Und trotzdem wird es meine Generation sein, die faktisch die Voraussetzungen dafür schaffen wird.

Darin besteht eine gewisse Tragik: man ist gezwungen, die eigenen Werte zu verraten. Und insofern geht eine Generation verloren, die mit ihrer Humanität und ihrer Offenheit aus der Zeit zu fallen beginnt. Die Zeiten, in denen die Welt noch offen stand, sind jedoch offenkundig vorbei, die Globalisierung weicht der Tribalisierung. Vielleicht wächst dann wenigstens das Verständnis dafür, dass wir in Europa alle in einem, demselben Boot sitzen – und es gar keine Alternative zu einer wie auch immer definierten europäischen Gemeinschaft gibt..

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