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Deflation oder Inflation: Kommt im Januar die Wende?

Die Pandemie führte in Deutschland zu erhöhtem Sparverhalten und die Senkung der Mehrwertssteuer sorgte zusätzlich für Preisrückgänge – ein ideales setup für Deflation. Damit ist aber ab Januar Schluss

Wolfgang Müller

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Deflation – während diese den Verbraucher freut, ist sie für Unternehmen und Geldpolitik ein echtes Ärgernis. Während der Corona-Pandemie griff der Staat aber sogar zu dem Notprogramm einer Mehrwertsteuersenkung, um die Verbraucher zu entlasten. Was dies kurzfristig und mittelfristig für Folgen hat, darüber hat sich das Ifo-Institut Gedanken gemacht.

Deflation: Der Preisrückgang durch die Steuersenkung

Am 1. Juli diesen Jahres trat sie in Kraft, die Senkung von 19 auf 16 Prozent bei vielen Produkten des täglichen Lebens. Aber in sieben Wochen soll sie rückgängig gemacht werden. Welchen Effekt dies auf die Preisentwicklung gehabt hat, darüber haben sich Forscher des Ifo-Instituts Gedanken gemacht. Man wertete die Preise von 60.000 Produkten im Online-Shop der deutschen Handelskette Rewe aus und verglich sie mit der österreichischen Tochter Billa, wo es diese Senkung nicht gegeben hat.

Das Ergebnis: In Österreich stiegen die Preise seit Anfang Juni um bis zu 0,8 Prozent, in Deutschland sanken sie im Durchschnitt um bis zu 1,2 Prozent. Bedeutet einen maximalen Unterschied von zwei Prozent. Dabei war die Preisentwicklung im Online-Shop entsprechend der im Supermarkt. Deutschland hat einen unglaublich hart umkämpften Lebensmittelhandel, was ausländische Konzerne immer zu spüren bekommen haben, bei ihren gescheiterten Expansionsversuchen. Deshalb glaubt das Ifo-Institut, dass diese Preisentwicklung auch bei Aldi und Co anzutreffen ist. Interessant ist die Feststellung, dass die Supermärkte die Mehrwertsteuersenkung nicht in allen Bereichen umgesetzt haben. Bei 15 Prozent der Waren (Lebensmittel, Getränke) gab es eine starke Senkung –  dafür in anderen Bereichen ( Bücher, Schmuck) kaum eine Änderung.

Der Effekt auf die Konjunktur und der Steuerausfall

Ob die Senkung der Mehrwertsteuer einen Effekt auf die Konjunktur gehabt hat oder gar eine Deflation begünstigt, darüber ist sich das Ifo-Institut in seiner Studie nicht sicher.

Und damit, ob das gesparte Geld tatsächlich im Supermarkt zu mehr Umsatz geführt hat. Klar ist, dass viele Menschen in Zeiten der Unsicherheit ihre Sparquote erhöht haben. Das Institut glaubt weiterhin, dass Maßnahmen wie ein Bonus beim Kindergeld oder das Kurzarbeitergeld einen größeren konjunkturellen Impetus hätten, weil diese Menschen mit geringerem Einkommen eher zur Verkonsumierung führen würde. Dabei befinden sich die Wissenschaftler des Ifo-Instituts insgesamt im Kreise ihrer Kollegen, die es für strittig erachten, dass der Staat auf Steuermindereinnahmen von etwa 20 Milliarden Euro verzichtet hat.

Kommt jetzt der Januareffekt?

Was passiert im Januar, wenn die Senkung wieder zurückgenommen wird! Werden die Unternehmen den vollen Satz auf die vorher nicht ganz abgesenkten Preise aufschlagen?

Hierzu Florian Neumeier, ein Mitarbeiter der Untersuchung des Ifo-Instituts: „Es besteht die Möglichkeit, dass die Preise dann stärker steigen als sie vorher gesenkt wurden“. Es gibt ein Beispiel aus Finnland, wo der so genannte Boomerang-Effekt festgestellt wurde, was bedeutet, dass sich dort die Anhebung doppelt so stark bemerkbar gemacht hat, wie die vorherige Senkung. In Sachen Preisentwicklung kommt in Deutschland ab Januar noch ein Sondereffekt hinzu, den ich bereits im Sommer in einem Artikel dargestellt habe: die Anhebung der Mineralölsteuer infolge der CO2-Abgabe. Wir haben in Deutschland über 47 Millionen zugelassene Kfz, die zu über 95 Prozent konventionell betankt werden und Millionen von Ölheizungen, so dass dieser Effekt durch schlagen muss. Hier die im Bundesrat festgelegten Anhebungen.

Deflation oder Inflation?

Berechnungen des Center Automotive Research (CAR) sehen sogar noch höhere Anstiege:

2021: Benzin plus 8,1 Cent pro Liter, Diesel plus 9,2 Cent pro Liter
2022: Benzin plus 9,7 Cent, Diesel plus 11 Cent
2023: Benzin plus 11,4 Cent, Diesel plus 12,8 Cent
2024: Benzin plus 14,6 Cent, Diesel plus 16,5 Cent
2025: Benzin plus 17, 9 Cent, Diesel plus 20,2 Cent

Fazit

Der Preisrückgang in der EU in den letzten Monaten verunsichert die Wirtschaft und er hatte Einfluss auf die Politik der Notenbank – man fürchte eine Deflation. Vor kaum einem Szenario fürchtet man sich mehr, als vor dem deflatorischen, wenn Verbraucher ihre Käufe verschieben in der Erwartung günstigerer Gelegenheiten. Die Pandemie führte in Deutschland zu einem erhöhten Sparverhalten und die Senkung der Mehrwertssteuer sorgte zusätzlich zu einem Preisrückgang – ein ideales setup für Deflation. Damit ist aber ab Januar Schluss und auch eine mögliche Beendigung der Pandemie im nächsten Jahr könnte hierzulande die Deflation beenden. Auch werden viele kleine und große Steuererhöhungen (von der CO2-Abgabe bis in die Kommunalsteuern) dem „offiziellen“ Preisrückgang vermutlich ein Ende setzen.

Was ist wahrscheinlicher: Inflation oder Deflation?

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    D.Webre

    12. November 2020 14:21 at 14:21

    Alle Selbstständigen, die während des Lockdowns nicht wirtschaftlich tätig sein konnten, mussten und müssen sparen, um über die Runden zu kommen. Dazu kommen die Arbeitslosen, die Kurzarbeiter, die Kleinrentner und die Hartz-IV-Empfänger.

    Die Menschen die jetzt schon offiziell arbeitslos (2,78 Mio. Okt. 2020) sind, dann die, die zwar nicht offiziell, aber doch irgendwie arbeitslos sind (0,76 Mio. Okt. 2020) und die Kurzarbeiter (3,3 Mio- Okt. 2020) – also insgesamt 6,84 Mio. Menschen können und/oder wollen nicht mehr konsumieren, als sie dringend müssen.

    Dazu kommen dann noch die Hartz IV Empfänger (3,83 Mio. Okt. 2020) und Kleinrentner (15,7 % der Rentenempfänger).

    In der Summe sind es also min. 10,67 Millionen Menschen, die nicht mehr konsumieren, nur weil eine Mehrwertsteuersenkung eine Preisreduzierung – wenn sie denn überhaupt weitergegeben wird – von 2,5 % bewirkt.

    Es fliegt niemand, es reist niemand, es geht niemand aus.

    Die Leute halten ihr Geld zusammen. Es kommt was kommen muss: Es gibt eine Inflation für Güter des täglichen Lebens, und eine (vorübergehende) Deflation bei Immobilien, Autos usw.

    Das wird lehrbuchmäßig spannend.

    Steuererhöhungen und zusätzliche Abgaben mögen ja zunächst inflationär wirken, aber d. h. letzten Endes doch nur, da die Einkommen ja nicht steigen, dass ein Großteil der Menschen noch mehr dazu gezwungen wird, den Gürtel noch enger zu schnallen.

    Realwirtschaftliches Wachstum bringt das nicht. Das Problem liegt auf der Nachfrageseite. Höhere Preise durch noch mehr Steuern dürften dann zu einer noch größeren Konsumzurückhaltung führen (jedenfalls bei mindestens 30 % der Bevölkerung).

    Für die Wirtschaft ist das auch nichts Gutes, denn die höheren Steuern können unter Umständen, aufgrund der verhaltenen Nachfrage, gar nicht vollumfänglich weitergegeben werden, was dann einen noch größeren Effizienzdruck für die, ohnehin teils angeschlagenen, Unternehmen bedeuten würde.

    Die Kommunen rechnen 2020 mit einem Steuerausfall von 15,6 Milliarden.
    Der Bund und die Länder rechnen mit einem Steuerausfall von 82 Milliarden (davon 33 Milliarden Bund).

    Der Bund will sich 400 Milliarden anstelle der geplanten 200 Milliarden wegen der Coronakrise am Markt leihen.

    Prost Mahlzeit!

  2. Avatar

    Mike Lohmann

    12. November 2020 15:57 at 15:57

    Die Ökonomen und auch Politiker scheinen ein einfaches Rezept zu haben. Sind die Einnahmen zu gering, wird einfach der Preis erhöht. Gutes Beispiel der Benzinpreis. Jahrelange Werbung, dass man kleine Autos fahren soll, um Bezin zu sparen, sowie Empfehlungen, mit welchen technischen Tricks dies noch optimaler gelingen könne etc. Resultat heute: Egal wie die Sparer darauf geachtet haben, die Politik sorgt dafür dass sie alle ausgetrickst wurden und nun einfach mit wesentlich höheren Gebühren belohnt wurden.

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Negativzinsen und Druckerpresse: Auswirkungen auf Menschen und Schrottunternehmen

Claudio Kummerfeld

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Negativzinsen helfen Schrottfirmen und schaden den Sparern

Die Druckerpressen von EZB, Federal Reserve und Co laufen auf Hochtouren. Und dank dem neuem US-Präsidenten Joe Biden (Vereidigung am 20. Januar) dürfte das Tempo an neu geschaffenem Geld und neuer Staatsverschuldung nochmal Fahrt aufnehmen. Auch die Eurozone steht dem mit der EZB in Nichts nach. Die Null- und Negativzinsen bleiben weiter dort wo sie sind, und das auf lange Zeit. Das haben die Notenbanker auf beiden Seiten des Atlantiks klar gemacht. Was passiert, wenn Negativzinsen und Druckerpresse auf Menschen und Schrottunternehmen treffen? Hier kurz und knapp zwei Beispiele.

Die Schrottunternehmen werden auch gerne als Zombieunternehmen bezeichnet. Dies sind Unternehmen, die zum Beispiel noch nicht mal genug Geld verdienen um ihre Zinslast auf Kredite bedienen zu können. Oder sie überleben nur noch dank Staatshilfen, aber nicht aus strukturell echten Einnahmen. Wer Schrott ist, muss am Kapitalmarkt für Schulden eine höhere Risikoprämie zahlen. Denn der potenzielle Käufer von Schrottanleihen will sich das höhere Risiko einer Nicht-Zurückzahlung der Anleihe natürlich honorieren lassen. Von daher notieren die Renditen von Junk Bonds (Anleihen begeben von Unternehmen mit zweifelhafter Bonität) immer deutlich höher als die von gut angesehenen Unternehmen.

Derzeit aber, wo die Notenbanken alles mit frisch gedrucktem Geld überschwemmen und wo die Negativzinsen alles runterdrücken, da profitieren auch die Zombieunternehmen von immer weiter fallenden Renditen für ihre Schulden. Wie der folgende zehn Jahre zurückreichende Chart zeigt, ist die durchschnittliche Rendite für Junk Bonds in den USA auf ein neues Rekordtief von 4,45 Prozent gesunken, mehr als zwei Prozentpunkte unter dem Zehnjahresdurchschnitt. Die Zombies freuen sich also über immer geringere Kosten für ihre Schulden.

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Der Spar-Michel zahlt die Zeche

Man erinnere sich noch zurück, als hier und da die aller erste Sparkasse oder Volksbank Negativzinsen für Kontoguthaben einführte. Was gab das für einen Aufschrei. Heute ist das Alltag. Und die Lawine rollt immer weiter. Die ganz frische Veröffentlichung des Portals Biallo zeigt, dass auch die Direktbanken immer stärker auf den Zug aufspringen. 240 Banken insgesamt kassieren mittlerweile Negativzinsen im Privatkundenbereich, bei Firmenkunden sind es 317 Geldhäuser. Beim sogenannten Verwahrentgelt gelten in der Regel bestimmte Freibeträge, die von 5.000 Euro bis zu Millionenbeträgen reichen. Elf Geldhäuser langen bereits ab dem ersten Euro zu. Die DKB folgt aktuell der ING und führt ab sofort einen Negativzins in Höhe von minus 0,5 Prozent ein – für Einlagen ab 100.000 Euro auf dem Tagesgeld- und Girokonto. Wie bei der ING sollen Bestandskunden erst mal nicht betroffen sein.

Damit dürfte die Negativzins-Welle, die derzeit auf Sparer zurollt, noch mal deutlich an Fahrt gewinnen. Denn laut jüngsten Recherchen von Biallo haben auch große Regionalbanken in Hamburg, München und Köln zuletzt einen Strafzins für private Einlagen eingeführt. Erst gar keine Negativzinsen, jetzt gibt es immer mehr, aber mit Freibeträgen. Da das Umfeld aus Null- und Negativzinsen noch jahrelang anhalten wird, und da die Banken margentechnisch unter immer größerem Druck stehen, darf man annehmen, dass diese Freibeträge in Zukunft stetig verringert werden, und dass auch immer öfter von Bestandskunden Negativzinsen kassiert werden, und nicht nur von Neukunden.

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US-Arbeitsmarktdaten im Detail: Extrem schwach! Der Amazon-Effekt in brutaler Klarheit

Claudio Kummerfeld

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USA Flagge und Adler

Die US-Arbeitsmarktdaten wurden um 14:30 Uhr veröffentlicht mit einem Zuwachs von 245.000 Stellen für November, was deutlich schlechter war als erwartet (Prognose 470.000). Bezüglich der Gesamtzahl von 245.000 neuen Stellen gab es einen Abbau von 99.000 Stellen beim Staat. Somit gibt es im November 344.000 neu geschaffene Stellen im Privatsektor. Im Verarbeitenden Gewerbe gab es insgesamt einen Zuwachs von nur 55.000 Stellen. Im Untersektor Bergbau lag die Veränderung bei +1.000. Auf dem Bau waren es +27.000 Stellen, und in der Industrie +27.000. Die folgende Grafik zeigt die gesamten Daten für das Verarbeitende Gewerbe im November.

Zum Vergrößern bitte die Grafiken anklicken.

Grafik zeigt US-Arbeitsmarktdaten für November im Detail

Verbleibt bei den neu geschaffenen Stellen im November noch ein Plus von 289.000 Stellen im US-Dienstleistungssektor. Ein sehr schwacher Wert nach +783.000 im Oktober. Der Einzelhandel baute 34.700 Stellen ab. Das ist dramatisch, wo der Sektor doch als einer der Jobmaschinen gilt. Elektronikgeschäfte bauten netto 11.300 Stellen ab, Sport- und Buchgeschäfte 12.100 Stellen, und Kaufhäuser sowie große Supercenter (Walmart etc) verloren netto 20.800 Stellen. Gleichzeitig explodieren die Neueinstellungen bei Amazon und Co (also vor allem Amazon). Alleine im November wurden netto 81.900 neue Kurierfahrer eingestellt, und 36.800 Mitarbeiter in Warenlagern.

Grafik zeigt Details zu Job-Änderungen im US-Einzelhandel

Der Sektor „Professional and Business Services“ konnte 60.000 Stellen hinzugewinnen (sehr schwach), wobei hier alleine fast 70.000 neue Jobs bei Zeitarbeit und Hilfsarbeit entstanden. Andere Teilsegmente in dem Bereich bauten also eher Stellen ab. Der Bereich „Pflege und Bildung“ ist mit nur +54.000 Stellen auch sehr schwach dabei. Wobei der Bereich Bildung 5.700 Stellen abgebaut hat. Die Pflege schuf 59.600 neue Stellen. Der mit Abstand größte Einzelposten, wenn es um das schnelle Schaffen neuer Jobs in den USA geht, ist in der Regel der Bereich „Freizeit und Bewirtung“, also Restaurants, Freizeitparks etc.  Hier ist die Schaffung neuer Stellen im November extrem schwach ausgefallen mit gerade mal +31.000. Innerhalb dieses Segments wurden bei Restaurants und Bars sogar 17.400 Stellen abgebaut. Die zweite Corona-Welle lässt grüßen.

Grafik zeigt Details zu verschiedenen US-Jobdaten

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Coronavirus: Herdenimmunität, ein Geduldsweg, vor allem in Deutschland

Wolfgang Müller

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Die Impfung gegen das Coronavirus nimmt immer mehr Gestalt an, nicht nur in China, in Russland, in der Türkei, ab Montag in Großbritannien, aber bald auch in Deutschland. Endlich die Plage loswerden, immun werden, so die berechtigte Hoffnung Vieler. Eines aber spricht gegen eine rasche Herdenimmunität, auch in Deutschland – die Bereitschaft zur Impfung.

Coronavirus: Aktuelle und künftig Immunisierte

Betrachtet man sich die aktuellen Infektionszahlen, so erkennt man große Unterschiede bei den offiziell registrierten Infizierten mit dem Coronavirus. In den USA ist bereits jeder 23. Bewohner positiv auf Covid-19 getestet worden, in Frankreich jeder 29., in Spanien jeder 27., in Belgien und Tschechien jeder 20. – und in Deutschland? Jeder 76. Einwohner, bei einer Dunkelziffer von vielleicht Faktor drei bis vier, nach Einschätzungen von Virologen. Bleiben also noch über 78 Millionen, die es geschafft haben, sich vor dem Coronavirus zu schützen. Aber was ist mit den USA, wo selbst der Leiter der nationalen Seuchenschutzbehörde von einer Dunkelziffer mit unglaublichem Faktor 10 sprach? Wenn dies zuträfe, hätten schon unglaublich viele Amerikaner die Sache bereits überstanden. Worüber das deutsche Gesundheitswesen eigentlich sehr stolz sein kann, bringt aus jetziger Sicht einen zusätzlichen Nachteil bei der Herdenimmunität.

Die derzeitige Abneigung der Bundesbürger gegen die Impfung

Auch wenn es bereits einen gewaltigen Aufbau für die über 400 Impfzentren in Deutschland gibt, von denen kürzlich die Rede war und die ab 15. Dezember funktionsfähig sein sollen, wird das Thema Massenimpfung eine große Aufgabe werden. Es leben bereits über 83 Millionen Menschen in diesem Lande und bis die so oft zitierte 60 Prozent-Rate erreicht ist, könnte es doch eine Zeit dauern. Zumal mit der Entwicklung der Impfstoffe die Zahl der Impfwilligen sogar abgenommen hat. Eine repräsentative Umfrage hat ergeben, dass derzeit nur 53 Prozent der Bundesbürger zu einer Impfung gegen das Coronavirus bereit sind.

Man bräuchte aber selbst bei einem 100-prozentigen Schutz 60 Prozent der Bevölkerung, die bei der Impfung mitmachen. Bei der bisher verkündeten Wirksamkeit von 95 Prozent sogar noch einige Prozent mehr.

Sicherlich gibt es viele Skeptiker, die sich berechtigt Sorgen um die Nebenwirkungen machen, die man derzeit bei der geringen Probandenzahl gewiss noch nicht ausschließen kann. Die Anzahl sollte aber abnehmen, wenn die Impfungen gut funktionieren. Ein paar Sonderfälle aber, in den Medien verbreitet, schon könnte die Bereitschaft abnehmen. Aber es gibt auch die radikalen Impfgegner, auch Gentechnikgegner, die bis zu einer Herdenimmunität immer noch eine Gefahr darstellen, als mögliche Spreader des Coronavirus.

Die Impfung ist ein gewaltiger Schritt – aber kein Wundermittel, welches in kurzer Zeit die Normalität versprechen kann. Man weiß heute noch nicht, wie lange ein Schutz wirksam sein wird und ob man als Geimpfter nicht doch noch als Virenspreader in Frage kommt. Es wird bei aller Freude über die Impfung noch einiges an Geduld brauchen, denn es werden bestimmt in kurzer Zeit Meldungen entstehen, die contra Impfung verwendet werden können. Zum Beispiel von Menschen, die plötzlich nach der Impfung schwer erkranken, weil sie vor der Impfung noch keine Symptome verspürt haben. Das allgemeine Gesundheitsrisiko bleibt, ebenso das „Fake News-Risiko“ in den sozialen Medien.

Die kommende natürliche Spaltung der Gesellschaft

Es ist sicherlich nicht an der Zeit, um sich allzu viel Gedanken über ein mögliches Zukunftsproblem im Zusammenhang mit der Bewältigung der Corona-Krise zu machen. Aber die Fragestellungen könnten schneller kommen, als man jetzt glaubt. Was passiert mit den Millionen, die es bald geben wird, die geimpft sind und immunisiert: sollen diese weiter Maske tragen und die vielen Sonderregeln beachten? Wird anfangs sicherlich aus Solidarität funktionieren, aber es werden ja täglich mehr. Gar nicht zu reden von den vielen Branchen, die von dem Zusammentreffen vieler Menschen profitieren, wie Tourismus, Kultur, Festveranstalter, diese werden sicherlich die Rückkehr zur Normalität fordern. Es werden sich Gruppen bilden, aber was passiert mit den Verweigerern einer Impfung?

Viele Fragen, nicht nur für den Ethikrat.

Fazit

Die letzten Monate haben gezeigt, wie lange es dauern würde, bis eine natürliche Herdenimmunisierung dem Coronavirus den Garaus machen könnte. Vor allem in Deutschland. Selbst bei 10.000 kontrollierten Fällen pro Tag (3,6 Mio/Jahr) wären es viele Jahre, bis man eine Herdenimmunität erreicht hätte. Ein Kollaps nicht nur für die Wirtschaft und viele Branchen, sondern auch eine unerträgliche Lage für die Menschen und dem Leben in ständiger Angst.

Es geht nicht um die Jugend – in Deutschland gibt es bereits über 21 Millionen Rentner und viele Risikogruppen unterhalb dieser Altersgruppe. Klar gibt es die berechtigten Bedenken über Nebenwirkungen, aber bei einer Impfquote von gut 50 Prozent würde man in Deutschland noch sehr lange mit SARS-CoV-2 leben müssen. Ohne wirksamen Impfstoff gegen das Coronavirus hätte aber gerade Deutschland ein längeres Problem. Es sollte sich eigentlich jeder über den medizinischen Fortschritt freuen, auf die Wirksamkeit der Impfung hoffen und sich auf eine baldige Rückkehr zu sozialen Gewohnheiten des Miteinanders innerlich einstellen. Es dürfte allerdings noch ein gerüttelt Maß an Geduld erfordern.

Über das Coronavirus und Herdenimmunität

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