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Märkte

Ölpreis: IEA sieht Nachfrageschwäche, Eugen Weinberg sieht Immunität

Claudio Kummerfeld

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am

Bohrturm für Öl

Der Ölpreis reagiert die letzten Minuten überhaupt nicht negativ. Das ist erstaunlich. Denn die Internationale Energie-Agentur (IEA) hat vor wenigen Minuten ihren November-Ölmarktbericht veröffentlicht (sollte eigentlich schon gestern erscheinen). Daraus ist ersichtlich, dass die IEA durch die ganz frische Impfstoff-Hoffnung von Biontech und Pfizer keine rasche Erholung für die globale Konjunktur erwartet. So schreibt die IEA, dass man seine Prognose für die globale Öl-Nachfrage für das 4. Quartal um 1,2 Millionen Barrels pro Tag absenkt. Für das erste Halbjahr 2021 senkt man die Erwartung um 0,7 Millionen Barrels pro Tag. Gegenüber der Prognose vor vier Wochen erhöht man für das Gesamtjahr 2021 die Nachfrageerwartung für Öl von 5,5 auf 5,8 Millionen Barrels pro Tag Wachstum. Also, die IEA sieht kurzfristig keinerlei positive Impulse durch eine möglicherweise schnelle Beendigung der Coronakrise, sondern eher auf längere Sicht. Dies könnte jetzt kurzfristig eigentlich negativ auf den Ölpreis wirken? Tut es momentan wenige Minuten nach der IEA-Veröffentlichung aber nicht!

Ölpreis diese Woche schon spürbar gestiegen

Der WTI-Ölpreis konnte von Montag bis gestern binnen genau 48 Stunden von 38 auf 43 Dollar ansteigen. Als Grund kann man ganz eindeutig die Impfstoff-Hoffnung von Biontech und Pfizer idenfifizieren, was die Hoffnung schürt, dass die globale Konjunktur und somit auch Öl-Nachfrage schneller anspringen als gedacht. Bis jetzt kam der Markt aber zurück auf 41,40 Dollar. Aber wie gesagt, die aktuelle IEA-Mitteilung hat in den letzten Minuten keine negative Auswirkung auf den Kurs. Den aktuell leicht schwächeren Ölpreis darf man wohl getrost als kleine technische Reaktion ansehen? Achtung, heute um 17 Uhr deutscher Zeit werden die staatlichen Öl-Lagerbestände in den USA veröffentlicht. Sie können dem Ölpreis einen neuem Impuls geben.

Experte Eugen Weinberg sieht Immunität am Ölmarkt

Der vielleicht anerkannteste Rohstoffexperte in Deutschland Eugen Weinberg von der Commerzbank hat vor wenigen Minuten einen Research-Text zum Ölmarkt veröffentlicht. Er spricht in seiner Headline davon, dass eine Immunität am Ölmarkt entstanden sei. Der Ölpreis würde sich trotz eines ungünstigem Umfelds gut halten. Trotz negativen Rekordzahlen in Bezug auf Covid-19, erneuter Dollar-Stärke und einer steigenden Ölproduktion Libyens, würde sich der Ölpreis weiterhin auf hohem Niveau halten, so Eugen Weinberg. Das aktuell noch recht hohe Niveau im Ölpreis sei umso erstaunlicher, wenn man die negativen Nachfragerevisionen betrachte. So habe die OPEC in ihrem gestrigen Monatsbericht die Nachfrageschätzungen für dieses und das nächste Jahr um jeweils 300 Tsd. Barrel täglich nach unten revidiert. In diesem Jahr würden die Analysten der OPEC mit einem Einbruch um 9,8 Mio Barrels pro Tag rechnen, und einer Nachfrage von lediglich durchschnittlich 90 Millionen Barrels täglich, vor allem wegen einer schwächeren Nachfrage in den OECD-Ländern und zusätzlicher Maßnahmen zur Bekämpfung von Covid-19.

Diese Zahlen solle man laut Eugen Weinberg nicht auf die leichte Schulter nehmen, denn die Revision für das 4. Quartal lag bei minus 1 Mio. Barrels täglich. Auch im nächsten Jahr rechne die OPEC mit einem angesichts des massiven Einbruchs in diesem Jahr recht schwachen Nachfragewachstum von 6,2 Mio. Barrel täglich. Die schleppende Erholung der Nachfrage und ein Produktionsanstieg in den Ländern, die dem Kürzungsabkommen nicht beigetreten sind, dürften starke Maßnahmen seitens der OPEC+ unabdingbar machen. Ob die OPEC+ dazu in der Lage ist, sei allerdings fraglich. Einige Länder hätten entweder so gut wie keine Kürzungen vorgenommen oder die versprochenen zusätzlichen Kürzungen für die vorherige Überproduktion nicht umgesetzt, so Eugen Weinberg. Wir von FMW wollen abschließend nochmal an den Termin heute 17 Uhr erinnern. Vorgestern wurden die privaten API-Daten veröffentlicht, die einen Lager-Rückgang von 5,1 Millionen Barrels zeigten. Meldet die Energy Information Administration heute eine genau so hohe oder noch höhere Zahl beim Rückgang der Lagerbestände, könnte dies den Ölpreis weiter stützen oder sogar steigen lassen.

Chart zeigt Kursverlauf im Ölpreis in den letzten zehn Tagen

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    Stiller User

    12. November 2020 14:28 at 14:28

    Die Analysen von Eugen Weinberg -die meistens auch zutreffen- lese ich immer sehr gerne, das ist wenigstens ein richtiger Experte der sich tiefgründig mit dem Ölmarkt beschäftigt, und nicht irgendein oberflächliches Zeug daher labert wie andere sogenannte „Analysten.“

    @FMW: wo genau findet man denn diese Research-Berichte oder wie wäre es denn wenn ihr die Analysen auf dieser Seite veröffentlicht?

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Finanznews

Aktienmärkte: 1929, 1999, heute – Geschichte reimt sich! Videoausblick

Markus Fugmann

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am

Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich – und so erinnert die derzeitige Euphorie der Aktienmärkte an die Stimmung von 1929 (Boom kurz vor der Weltwirtschaftskrise) und 1999 (Dotcom-Blase). Die Erwartungen an die Wirtschaft nach der Coronakrise sind immens, eine perfekte Welt ist eingepreist. Gestern aber kurz vor US-Handelsschluß dann ein deutlicherer Rücksetzer, nachdem Pfizer bekannt gab, nur die Hälfte des Impfstoff-Volumens im Dezember liefern zu können. Eigentlich ist das ziemlich unbedeutend – zeigt aber, wie empfindlich die Aktienmärkte reagieren, wenn die Impfstoff-macht-alles-wieder-gut-Euphorie hinterfragt wird. Unterdessen verschärft sich die Coronakrise in den USA weiter mit neuen Rekorden, es drohen immer breitflächigere Lockdowns..

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Indizes

DAX daily: Die Wall Street hat ihren Auftritt während der Dax nur zuschaut

Stefan Jäger

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Im Theater der großen Wall Street bleibt dem Dax derzeit nur ein Zuschauerplatz. Während die US-Börsen von Allzeithoch zu Allzeithoch jagen, steht der deutsche Leitindex auf der Stelle und schaut zu. Am gestrigen Handelstag hat sowohl der S&P500, als auch der Nasdaq ein erneutes Rekordhoch erklommen. Währenddessen leidet der Dax unter dem weiter anziehenden Eurokurs, dieser nähert sich allmählich wieder der 1,22 US-Dollar Marke an. Zudem drücken Konjunktursorgen auf die Stimmung der Anleger. Die Wirtschaft muss aufgrund der neuerlichen Lockdown-Maßnahmen in vielen Länder ihren Tribut zahlen. Anders kann man die gestern veröffentlichten Einkaufsmanagerindizes nicht deuten. Diese liegen europaweit deutlich unter einem Wert von 50, was eine schwache Geschäftsentwicklung signalisiert.

Was passiert erst im Dax, wenn die US-Börsen in eine Konsolidierung übergehen? Der Leitindex schafft es ja nicht einmal mehr über die 13.300 anzusteigen, obwohl die Wall Street im Rally-Modus ist. Im gestrigen Handel verlor der Dax 60 Punkte (-0,45%) und schloss schließlich bei 13.252 Zählern. Damit ist das Hoch vom Montag bei 13.445 wieder etwas in die Ferne gerückt. Der Leitindex zeigt deutliche Ermüdungserscheinungen, zudem ist die nächste Handelswoche aus Sicht der Saisonalität auch keine gute Woche. Es riecht zwar schon nach Korrektur, aber noch ist nichts verloren. Zumindest so lange, wie die Wall Street ihr überschwängliches Schauspiel noch fortsetzt.

News und fundamentale Daten

Am gestrigen Abend hat die Nachricht über die Halbierung des Auslieferungsziels für den Impfstoff von Biontech/Pfizer die Märkte belastet. Probleme in der Lieferkette ermöglichen es nur die Hälfte der angedachten 100 Millionen Impfdosen auszuliefern. Die Aktienkurse von Pfizer (-1,8%) und Biontech (-2,5%) geben daraufhin nach.

Das heutige Highlight sind auf jeden Fall die US-Arbeitsmarktdaten. Um 14:30 Uhr werden die Anleger gespannt auf die Daten der Non Farm Payrolls schauen. Man geht zwar bereits von weniger neu geschaffenen Jobs aus, aber auch die Prognose von 469 Tsd. Stellen könnte unterboten werden. Zeitgleich erscheinen zudem noch die US-Handelsbilanz, die Daten der Exporte und Importe sowie die Auftragseingänge. Den Termin kann man sich somit als Trading-Event in seinem Kalender notieren. Die Volatilität dürfte ansteigen und folglich die US-Börsen und den Dax in Bewegung bringen.

Zuvor sehen wir heute aber auch noch Daten aus Deutschland. Vor wenigen Minuten wurden bereits die Auftragseingänge der Industrie veröffentlicht. Diese sind mit 2,9% deutlich besser wie erwartet ausgefallen (Prognose 1,5%; Vormonat 1,1%). Um 9:30 Uhr erscheint dann noch der IHS Markit Einkaufsmanagerindex für das Bauwesen.

Die wichtigen Marken für den Handelstag im Dax

Im Vergleich zu den starken US-Indizes ist es ein Trauerspiel, was der Dax diese Woche an Performance abgeliefert hat. Seit Montag geht es in kleinen Schritten abwärts. Von dem Hoch bei 13.445 sind wir heute Nacht im Tief bei 13.180 angekommen. Im frühen Handel notiert der Kurs wieder über der 13.200er Marke. Vielleicht gelingt es den US-Futures den Dax wieder mit hochzuziehen. Um nochmal die Oberseite anzugreifen, muss der Dax zunächst den Widerstand bei 13.270 überwinden. Dadurch würden sich weitere Ziele bei 13.325 und 13.370 ergeben.

Kann der Dax allerdings das gestrige Tagestief bei 13.232 nicht nachhaltig überwinden, dann sollte sich der Abwärtstrend fortsetzen. Zunächst dürfte er das Nachttief bei 13.180 anlaufen, bevor an der 13.140 ein Unterstützungsbereich wartet. Dort könnte der Dax vorerst wieder drehen. Ansonsten kann es noch eine Etage tiefer gehen, bei 13.050 und 13.020 befinden sich dann die nächsten Unterstützungen.

Der Börsen Jäger

Haben Sie Interesse an konkreten Trading-Ideen, dann werfen Sie doch einen Blick auf unseren neuen Service „Der Börsen Jäger“. In dem kostenlosen Börsenbrief nehme ich Sie mit auf die Jagd und vermittle interessante Anregungen zu fundierten Handelsmöglichkeiten sowohl für die bekannten Indizes und Aktien, als auch für die Devisen- und Rohstoffmärkte.

Dax daily: Tagesausblick 04.12. - H1-Chart - Wall Street stark, Dax schwach

Heutige Pivot Punkte (PP):

13.292 – Pivot Punkt R1

13.236 – Pivot Punkt

13.146 – Pivot Punk.t S1

13.090 – Pivot Punk.t S2

Dax Unterstützungen (US):

13.232 – Tagestief 03.12.

13.180 – Nachttief

13.137 – Schlusskurs 20.11.

13.054 – Tagestief 20.11.

13.004/020 – Doppelboden (Tief 13.11. / 12.11.)

Dax Widerstände (WS):

13.270 – ehemals US

13.325 – mehrfacher WS

13.370 – WS aus dem H1

13.434 – Tageshoch 01.12.

13.460 – September-Hoch

13.500 – offenes Gap vom 21.02.

Disclaimer

Die hier angewandte fundamentale und technische Analyse stellt keine Anlageberatung dar. Es handelt sich auch nicht um Kauf- oder Verkaufsempfehlungen von Wertpapieren und sonstige Finanzinstrumenten. Die Wertentwicklung der Vergangenheit bietet keine Gewähr für künftige Ergebnisse. Die bereitgestellten Analysen sind ausschließlich zur Information bestimmt und können eine individuelle Anlageberatung nicht ersetzen. Eine Haftung für mittelbare und unmittelbare Folgen aus diesen Vorschlägen ist somit ausgeschlossen.

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Märkte

Ölpreis im Fokus – OPEC+ mit Entscheidung über Fördermenge

Claudio Kummerfeld

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Öl-Pumpe vor Sonnenuntergang

Diese ganze Woche war der Ölpreis besonders stark im Fokus der Börsianer. Am Montag sollte sich die OPEC (Kartell für Erdölproduktion) eigentlich schon auf ihre Meinung für eine neue Öl-Fördermenge ab Januar einigen. Dann sollte die sogenannte Gruppe OPEC+ (Mitglieder der OPEC und externe Länder wie Russland etc) am Dienstag eine Gesamtentscheidung treffen. Aber die OPEC kam am Montag zu keiner Entscheidung, und das große Meeting der OPEC+ wurde auf heute vertagt. Seitdem weiß der Ölpreis nicht so wirklich, ob er steigen oder fallen soll. Aber jetzt haben wir endlich eine Entscheidung.

OPEC+ entscheidet sich für mehr Fördermenge

Eigentlich hoffte der Markt, dass OPEC+ ab Januar die Fördermenge für Öl nicht ausweiten würde. Das hätte dem Ölpreis womöglich mehr geholfen. Aber man hat sich ganz aktuell auf einen Kompromiss zwischen zwei Lagern geeinigt. Ab Januar werden die bisherigen Mengenkürzungen von insgesamt 7,7 Millionen Barrels pro Tag um 500.000 Barrels pro Tag auf 7,2 Mio reduziert. Es fließen also ab Januar offiziell 500.000 Barrels pro Tag mehr auf den Weltmarkt – eigentlich ist das eine Belastung für den Ölpreis.

Ab Januar sollen von OPEC und OPEC+ monatliche Treffen abgehalten werden, um die aktuelle Marktlage und eventuell weitere Anpassungen der Fördermenge zu prüfen. Bei diesen Treffen können weitere Reduzierungen der Kürzungen (also Produktionsausweitungen) um jeweils bis zu 500.000 Barrels pro Tag je Monat vorgenommen werden. Also könnte man ab Januar bis April maximal 2 Millionen Barrels pro Tag mehr Öl fördern.

Auch hat man heute beschlossen, dass diejenigen Teilnehmer dieser Vereinbarung bis Ende März 2021 die Fördermengen zusätzlich zu kürzen haben, die bisher zu viel Öl produziert hatten. Frage: Ob das wirklich funktioniert? Bisher gelang das nie so richtig, und weiterer Ärger bei OPEC und OPEC+ ist vorprogrammiert. Ehrlich gesagt (kleines FMW-Fazit): Das wirkt wie ein fauler Kompromiss, bei den Saudis und VAE ihre Zähne mit Pattex zusammenbeißen mussten. Man darf vermuten, dass Länder wie der Irak und einige andere munter drauf los fördern, und dass die Produktionssteigerung im Januar höher als 500.000 Barrels pro Tag ausfällt.

Szenarien für den Ölpreis

Das Szenario des großen Crash im Ölpreis, welches ich gestern erläutert hatte (siehe hier), scheint erstmal abgewendet zu sein. Aber man sollte nie vergessen: Es bleibt eine Möglichkeit in den nächsten Monaten, dass die Saudis über die vermutliche Disziplinlosigkeit anderer Förderländer so sauer sind, dass man seinen letzten Joker zieht, den Markt brutal mit viel zusätzlicher Fördermenge flutet und damit den Ölpreis zum Kollabieren bringt, wie man es schon im März tat. Dann würden die anderen Förderländer an den Verhandlungstisch kommen und wohl wieder zugänglicher für echte verbindliche Mengenkürzungen sein?

Aktuell notiert der WTI-Ölpreis mit 45,76 Dollar gut 50 Cents höher als noch vor ein paar Stunden. Diese jetzige Einigung auf mehr Fördermenge bewirkt also erstaunlicherweise keinen Abrutsch im Ölpreis. Abwarten, wie der Markt die Lage morgen einschätzt. Im Chart sehen wir den Ölpreis-Verlauf in den letzten 30 Tagen.

Ölpreis im Verlauf der letzten 30 Tage

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