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Ölpreis: IEA sieht Nachfrageschwäche, Eugen Weinberg sieht Immunität

Bohrturm für Öl

Der Ölpreis reagiert die letzten Minuten überhaupt nicht negativ. Das ist erstaunlich. Denn die Internationale Energie-Agentur (IEA) hat vor wenigen Minuten ihren November-Ölmarktbericht veröffentlicht (sollte eigentlich schon gestern erscheinen). Daraus ist ersichtlich, dass die IEA durch die ganz frische Impfstoff-Hoffnung von Biontech und Pfizer keine rasche Erholung für die globale Konjunktur erwartet. So schreibt die IEA, dass man seine Prognose für die globale Öl-Nachfrage für das 4. Quartal um 1,2 Millionen Barrels pro Tag absenkt. Für das erste Halbjahr 2021 senkt man die Erwartung um 0,7 Millionen Barrels pro Tag. Gegenüber der Prognose vor vier Wochen erhöht man für das Gesamtjahr 2021 die Nachfrageerwartung für Öl von 5,5 auf 5,8 Millionen Barrels pro Tag Wachstum. Also, die IEA sieht kurzfristig keinerlei positive Impulse durch eine möglicherweise schnelle Beendigung der Coronakrise, sondern eher auf längere Sicht. Dies könnte jetzt kurzfristig eigentlich negativ auf den Ölpreis wirken? Tut es momentan wenige Minuten nach der IEA-Veröffentlichung aber nicht!

Ölpreis diese Woche schon spürbar gestiegen

Der WTI-Ölpreis konnte von Montag bis gestern binnen genau 48 Stunden von 38 auf 43 Dollar ansteigen. Als Grund kann man ganz eindeutig die Impfstoff-Hoffnung von Biontech und Pfizer idenfifizieren, was die Hoffnung schürt, dass die globale Konjunktur und somit auch Öl-Nachfrage schneller anspringen als gedacht. Bis jetzt kam der Markt aber zurück auf 41,40 Dollar. Aber wie gesagt, die aktuelle IEA-Mitteilung hat in den letzten Minuten keine negative Auswirkung auf den Kurs. Den aktuell leicht schwächeren Ölpreis darf man wohl getrost als kleine technische Reaktion ansehen? Achtung, heute um 17 Uhr deutscher Zeit werden die staatlichen Öl-Lagerbestände in den USA veröffentlicht. Sie können dem Ölpreis einen neuem Impuls geben.

Experte Eugen Weinberg sieht Immunität am Ölmarkt

Der vielleicht anerkannteste Rohstoffexperte in Deutschland Eugen Weinberg von der Commerzbank hat vor wenigen Minuten einen Research-Text zum Ölmarkt veröffentlicht. Er spricht in seiner Headline davon, dass eine Immunität am Ölmarkt entstanden sei. Der Ölpreis würde sich trotz eines ungünstigem Umfelds gut halten. Trotz negativen Rekordzahlen in Bezug auf Covid-19, erneuter Dollar-Stärke und einer steigenden Ölproduktion Libyens, würde sich der Ölpreis weiterhin auf hohem Niveau halten, so Eugen Weinberg. Das aktuell noch recht hohe Niveau im Ölpreis sei umso erstaunlicher, wenn man die negativen Nachfragerevisionen betrachte. So habe die OPEC in ihrem gestrigen Monatsbericht die Nachfrageschätzungen für dieses und das nächste Jahr um jeweils 300 Tsd. Barrel täglich nach unten revidiert. In diesem Jahr würden die Analysten der OPEC mit einem Einbruch um 9,8 Mio Barrels pro Tag rechnen, und einer Nachfrage von lediglich durchschnittlich 90 Millionen Barrels täglich, vor allem wegen einer schwächeren Nachfrage in den OECD-Ländern und zusätzlicher Maßnahmen zur Bekämpfung von Covid-19.

Diese Zahlen solle man laut Eugen Weinberg nicht auf die leichte Schulter nehmen, denn die Revision für das 4. Quartal lag bei minus 1 Mio. Barrels täglich. Auch im nächsten Jahr rechne die OPEC mit einem angesichts des massiven Einbruchs in diesem Jahr recht schwachen Nachfragewachstum von 6,2 Mio. Barrel täglich. Die schleppende Erholung der Nachfrage und ein Produktionsanstieg in den Ländern, die dem Kürzungsabkommen nicht beigetreten sind, dürften starke Maßnahmen seitens der OPEC+ unabdingbar machen. Ob die OPEC+ dazu in der Lage ist, sei allerdings fraglich. Einige Länder hätten entweder so gut wie keine Kürzungen vorgenommen oder die versprochenen zusätzlichen Kürzungen für die vorherige Überproduktion nicht umgesetzt, so Eugen Weinberg. Wir von FMW wollen abschließend nochmal an den Termin heute 17 Uhr erinnern. Vorgestern wurden die privaten API-Daten veröffentlicht, die einen Lager-Rückgang von 5,1 Millionen Barrels zeigten. Meldet die Energy Information Administration heute eine genau so hohe oder noch höhere Zahl beim Rückgang der Lagerbestände, könnte dies den Ölpreis weiter stützen oder sogar steigen lassen.

Chart zeigt Kursverlauf im Ölpreis in den letzten zehn Tagen



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1 Kommentar

  1. Die Analysen von Eugen Weinberg -die meistens auch zutreffen- lese ich immer sehr gerne, das ist wenigstens ein richtiger Experte der sich tiefgründig mit dem Ölmarkt beschäftigt, und nicht irgendein oberflächliches Zeug daher labert wie andere sogenannte „Analysten.“

    @FMW: wo genau findet man denn diese Research-Berichte oder wie wäre es denn wenn ihr die Analysen auf dieser Seite veröffentlicht?

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