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Inflation: Gründe, warum sie in Deutschland kommen könnte

Letzte Woche haben wir uns Gründe angehört, warum die USA und speziell die Federal Reserve mit ihrem Ziel, die Inflation auf zwei Prozent oder auch darüber anzuheben, scheitern könnten – aber gilt dies auch für Deutschland? Dort gibt es einige Gründe für einen Anstieg der Teuerung und die sind hausgemacht.

Allgemeine Gründe für einen Anstieg der Inflation

Hierzu  ein paar allgemeine Anmerkungen:

  • Die Rohstoffpreise liegen nach ihrem zyklischen Hoch von 2008 auf einem extremen Tief, erst recht in Relation zu den Aktienpreisen – Beispiel Öl mit seinem Hoch 2008 mit 147 USD. Ein neuer Rohstoffzyklus könnte bevorstehen.
  • Wir stehen in Teilbereichen der Wirtschaft in einer Phase der De-Globalisierung (Glokalisierung) durch erkennbaren Protektionismus oder auch durch das Bestreben vieler Länder sich bei zahlreichen Produkten unabhängiger von (billigen) chinesischen Lieferungen zu machen.
  • Die Geldmengen M1 bis M3 steigen, in Europa lag die jährliche Wachstumsrate zum Ende des ersten Halbjahres bei 12,6 Prozent (M1) beziehungsweise 9,2 Prozent (M3). Wachstumsraten, wie es sie in der Eurozone seit der Finanzkrise 2009 nicht mehr gegeben hat. Eine ähnlich Entwicklung auch in den USA
  • Hinzu kommen für Deutschland einige Besonderheiten, wie die Wohnsituation mit steigenden Mieten, die Abkehr von der schwarzen Null (50 Milliarden neue Schulden wegen Corona bereits im ersten Halbjahr), der teure Sozialstaat, der mit neuen Steuern refinanziert werden muss – und das große Thema Energiewende.
  • Nicht zu vergessen der verminderte Umsatzsteuersatz, der zu Jahresende ausläuft.

Besonderheiten des Warenkorbes für die Berechnung der Inflation

Sicherlich kann man über die Zusammensetzung des Warenkorbes von etwa 700 Gütern und Dienstleistungen, die der Berechnung Inflation in Deutschland zu Grunde liegt, trefflich streiten. Aber da die Bereiche Wohnen, Wasser, Gas und Brennstoffe derzeit mit etwa 32,5 Prozent und der Bereich Verkehr mit 12,9 Prozent gewichtet sind, kann man bereits jetzt schon mit einigen Steigerungen im kommenden Jahr rechnen.

Was zu Zeiten von Corona ein wenig unterging, sind Deutschlands Maßnahmen gegen den Klimawandel, auch unter dem Aspekts des gleichzeitigen Ausstiegs aus der Kernenergie und der Nutzung der Kohle, die bereits verabschiedet sind. Der Bundesrat hatte am 29. November 2019 zum geplanten Gesetz über Maßnahmen eines Klimapakets den Vermittlungsausschuss angerufen, bei dem es am 18. Dezember zu einer Einigung kam. Man beschloss eine stufenförmige Anhebung der CO2-Steuer und weiterer Energiesteuern, wie in dieser Übersicht von Finanztip ersichtlich. Wirksam bereits in vier Monaten.

Inflation und Energiepreise

Berechnungen des Center Automotive Research (CAR) sehen sogar noch höhere Anstiege:

2021: Benzin plus 8,1 Cent pro Liter, Diesel plus 9,2 Cent pro Liter
2022: Benzin plus 9,7 Cent, Diesel plus 11 Cent
2023: Benzin plus 11,4 Cent, Diesel plus 12,8 Cent
2024: Benzin plus 14,6 Cent, Diesel plus 16,5 Cent
2025: Benzin plus 17, 9 Cent, Diesel plus 20,2 Cent

Es ist sehr schwer vorstellbar, dass dies bei derzeit 47 Millionen zugelassenen Kfz mit Verbrennungsmotoren und den Millionen Heizungen in Deutschland, die mit fossilen Energieträgern bestritten werden (8,7 Mio Gas, 5,1 Mio Öl), nicht zu einem spürbaren Anstieg der Inflation kommen sollte. Nicht zur Hyperinflation, aber das Gespenst einer Deflation sollte bald entfleuchen.

Bisher ist mir nicht bekannt, dass man vonseiten der Regierung wegen Corona Änderungen an diesem Gesetzesvorhaben planen würde. Allerdings bezeichnen Umweltwissenschaftler die Anhebung des C02-Preises als viel zu gering.

Fazit

Sicher gibt es auch die Argumente, die gegen einen Anstieg der Inflation sprechen. So die steigende Arbeitslosigkeit oder auch das „Nichtankommen“ der Geldmenge als Inflation der Güter oder die fehlende Umlaufgeschwindigkeit des Geldes von M1 bis M3.

Aber eines ist dennoch absehbar: Der Staat wird nach seiner hohen Schuldenaufnahme wegen Corona ab 2021 an der Steuerschraube drehen, ob beim Konsumenten (man sehe nur das Beispiel Japan mit seiner Mehrwertsteuer), bei Immobilienbesitzern (besser gesagt Eigentümern, juristisch), bei staatlichen Leistungen (Gesundheitskosten in vielen Bereichen) und bereits beschlossen, bei den Energiekosten. Der Anstieg der Energiekosten (Ölpreise) war schon immer der große Treiber bei der Inflation, wer kann sich noch an die 1970-er und 1980-er-Jahre erinnern? Dieses Mal werden es aber nicht die Saudis oder die OPEC sein, sondern Vater Staat!

Gründe, warum in Deutschland die Inflation steigen dürfte



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6 Kommentare

  1. Super wie fast immer die Beiträge von W. Müller. Man könnte noch hinzufügen , wenn die Tieflöhne im Gesundheitswesen und in der Fleischindustrie angepasst werden und die Sklavenarbeit verboten wird, gibt es noch zusätzlichen Schub für die Lebenskosten.
    P.S. Es scheint ,dass Herr Fugmann seine Ansicht zur Inflation etwas anders sieht als beim kürzlichen Beitrag. Niemand weiss es, und wenn es darauf ankommt wird man auch diese Zahlen manipulieren können.

  2. Wenn die preisdrückenden Zombifirmen von von der lebenserhaltenden Maschine abgekoppelt werden, werden die überlebensfähigen Firmen mit höheren Preisen und Margen die Corona Schäden kompensieren müssen. Das Gastgewerbe und die Reiseindustrie werden mit kleineren Umsätzen Gewinne erzielen müssen. Das Alles kann nur mit höheren Preisen passieren. Was passiert mit den seltenen Erden und den Batteriepreisen wenn der E-Auto Anteil von 1% auf über 50% steigen sollte? Wohin das reine Umsatzdenken geführt hat erleben wir doch gerade. Früher oder später sind nur rentable Firmen überlebensfähig.Nur Sekten und Religionen können mit Spenden überleben, wobei diese Spenden auch irgendwo erwirtschaftet werden müssen.Ob Tesla eine Religion oder eine Sekte ist und ob E. Musk ein Sektenführer oder ein Pfarrer ist kann jeder für sich entscheiden.Ich meine der Tesla – Aktie wird bald der Strom ausgehen, oder auch ein Kurzschluss wäre möglich.

    1. Solange unsere glorreiche deutsche Autobranche weiterhin so dämlich ist, die Wirtschaftszweige der Zukunft zu verschlafen und ihre naiv-doof-markentreuen Kunden bis zum Rentenalter auf ein E-Auto warten zu lassen, wird Tesla sicher nicht der Strom ausgehen. Solange unsere Urzeitfossile auf ebensolche Antriebe setzen, wird Reverend Elon zum Multi-Billionär, es sein denn, er lacht sich bereits vorher über die Kurzschlüsse deutscher Auto-Blödheit tot.

      https://www.auto-motor-und-sport.de/verkehr/lieferzeiten-elektroautos-bis-zu-einem-jahr-wartezeit/

  3. Die Nachfrage nach E-Autos wird von der Poltik mit Emissionsrechten künstlich gefördert. Tesla verdient einzig mit dieser Massnahme Geld. Wenn die bisherigen Hersteller, die 99% des Marktes beherrschen , den 1% E-Markt mit vielen Modellen bewerben und der Emissionshandel ( Subvention von Tesla durch Steuerzahler) endet , wird Tesla nicht mehr als Tech-Firma betrachtet, Tesla wird dann in die Kategorie von Wirecard u.s.w. eingereiht, dessen Können vor allem aus Manipulieren von Bilanzen bestand.

  4. Die Beispiele Türkei, Argentinien, Venezuela u.s.w. zeigen, dass auch bei Rezession und hoher Arbeitslisigkeit die Inflation steigen kann. Der Grund ist die Verschuldung mit folgender Währungsschwäche.
    In dieser Beziehung ist also die USA gefährdeter als der Euroraum und nicht umgekehrt.

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