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Der Dax repräsentiert nicht die deutsche Wirtschaft

Warum der Dax nicht die deutsche Wirtschaft repräsentiert

Zum Wochenschluss der letzten Woche geschah es in der letzten Stunde doch noch – der deutsche Leitindex Dax sprang auf ein neues Allzeithoch. Wie kann so etwas sein, ist Deutschland durch das technische Unglück im Suezkanal nicht besonders betroffen? Am Montag konnte man das nachbörsliche Rekordniveau sogar noch ausbauen. Warum? Vermutlich hilft ein Blick auf die Unternehmensgewinne der Dax-30-Unternehmen.

Der DAX und die deutsche Wirtschaft, zwei Paar Stiefel

Wie oft liest man aus Artikeln und Kommentaren das Unverständnis darüber, wie es sein könne, dass die Kurse am deutschen Aktienmarkt seit März 2020 in Schüben eigentlich immer gestiegen sind. Abkoppelung von der Realität, Casino ist oft zu lesen, ganze Wirtschaftszweige (Restaurants, Freizeit, Kultur, Dienstleistungen) sind im Dauer-Lockdown, viele Zombiefirmen werden nur von externen Maßnahmen am Leben gehalten.

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Wieso steigen dann die Kurse auf neue Höchstkurse? Weil die 30 Konzerne im Dax ihr Geld sehr stark im Ausland verdienen und nicht viel mit der Wirtschaft im Landesinnern zu tun haben. Dazu kommt, dass die betroffenen Branchen in der Masse gar nicht börsennotiert sind. Darüber kann man jetzt schimpfen, aber die Börsenkurse kennen kein Gewissen, keine Empathie, es zählen nur die Zahlen und die Aussichten.

Übrigens: Kein Phänomen der Gegenwart, Rüstungs- und Tabakfirmen sind für unglaubliche menschliche Schäden verantwortlich, gekauft wurden die Firmen immer. Auch jetzt, gerade wenn man sich das Comeback von ETFs wie Aerospace&Defense seit Herbst letzten Jahres betrachtet. Zurück zum Dax.

Die Gewinnsituation der Unternehmen

Diese Unternehmenszahllen werden viele verwundern, schließlich hatten wir 2020 doch den größten Wirtschaftseinbruch seit der Finanzkrise. Wie aus Berechnungen des Handelsblatts hervorgeht, haben die 30 Unternehmen des Dax im Coronajahr 117,7 Milliarden Euro vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen verdient und damit nur 3,9 Prozent weniger als im Vorkrisenjahr 2019 (122,5 Milliarden). Vor Steuern versteht sich, denn die Nettogewinne sanken um 48 Prozent auf nur noch 41,8 Milliarden Euro. Für einen Großteil der Rückgänge waren allein fünf Unternehmen im Dax mit 30,6 Milliarden Euro verantwortlich: Bayer, BASF, Continental, Heidelberg Cement und Siemens Energy hatten einmalige Abschreibungen vorgenommen, um die Bilanzen zu bereinigen. Allen voran Bayer mit seinem unseligen Monsanto-Deal, der mit 13,3 Milliarden zu Buche schlug. Das Eigenkapital hat sich reduziert, ohne dass aber Mittel abgeflossen wären.

Aber bereits das abgelaufene Jahr brachte für einige Konzerne Rekordgewinne: Vonovia, Deutsche Post, SAP, Linde und die Deutsche Börse bilanzierten netto so viel wie nie zuvor.

Dax auf Rekordniveau, Gewinne 2021 ebenso?

2021 könnte es weitere Rekordgewinne geben, im vergangenen Quartal wurden die Gewinnschätzungen für das neue Geschäftsjahr für Continental, Deutsche Post und Siemens um mehr als fünf Prozent angehoben, für Volkswagen, Infineon und BASF um über zehn Prozent, für Daimler um 40 und den Chemie Konzern Covestro sogar um über 60 Prozent.

Des Öfteren habe ich den Spruch „der Dax ist ein Call auf die Weltwirtschaft“ in den Raum gestellt, obwohl man hin und wieder gezweifelt hat, ob das deutsche Exportmodell noch Zukunft hat. Bisher schon noch. Ob die USA mit mindestens sechs Prozent avisiertem Wachstum oder China, die schon länger aus der Krise heraus sind, die deutschen Industriekonzerne profitieren von der weltweiten Erholung.

Jetzt steht auch noch ein großes Konjunkturprogramm in den USA in den Startlöchern, um die marode Infrastruktur im Lande zu erneuern, gut für Baukonzerne, Maschinenbau und Chemie – überall werden die Erwartungen nach oben geschraubt. Und natürlich die Automobilindustrie. Wie Phönix aus der Asche aufgestiegen sind die deutschen Automobilhersteller, die nach dem Shutdown im Frühjahr 2020 doch noch 24,3 Milliarden Euro brutto verdient haben. Natürlich wegen China, wo die Deutschen schon 30 oder gar 40 Prozent ihrer Nobelkarossen verkaufen.

Ob das langfristig gut sein kann, steht auf einem anderen Blatt, aber die Aktienkurse werden es im Automobilbereich frühzeitig anzeigen, wie sie es auch zu Beginn der Dieselkrise 2015 getan haben.

Fazit

Sollte die Pandemie mit ihren Mutationen nicht noch das Szenario des Reopenings zertrümmern, werden es die nächsten Quartalszahlen der deutschen Konzerne aus dem Dax zeigen. Die Entwicklung des Leitindex ist kein Spekulationsexzess, sondern wird gestützt von den Erträgen von Unternehmen, die ihre Umsätze und Gewinne nicht im Inland erzielen, sondern weiterhin sehr stark in den beiden führenden Wirtschaftsnationen. Der Dax repräsentiert nicht die deutsche Volkswirtschaft, aber man ist deshalb auch ein Spielball der Weltwirtschaft mit all den künftigen Problemstellungen geworden, wenn man als Profiteur plötzlich in einem Wettstreit um die Vorherrschaft (USA – China) zwischen den Stühlen sitzt. Der Dax wird aktuell mit über 1,35 Billionen Euro bewertet, sollte man da auf über 100 Milliarden Euro Gewinn kommen, wäre das sicherlich kein hohes Kurs/Gewinnverhältnis. Anders als wir es zum Beispiel in Übersee beobachten können.

Deshalb: Börsen täuschen sich oft in ihrer Kursfantasie, speziell bei Einzeltiteln herrscht oft das Extremistan-Szenario. Aber die Indizes glätten vieles und die große Zahl an Firmeninsidern haben in Summa zumeist eine bessere Einschätzung ihres Unternehmens als Analysten.

Sollten die deutschen Unternehmenszahlen offiziell bestätigt werden, wäre es wieder einmal besser gewesen, dem Index nicht grundsätzlich zu misstrauen, sondern zu hinterfragen: Was steckt hinter dem Anstieg?



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