Folgen Sie uns
  • Börsenseminar
  • Brokervergleich
  • Kostenlos das TRADERS´ Magazine erhalten

Indizes

Der eigentlich „unlösbare“ Handelskonflikt zwischen den USA und China in der taktischen Phase – wie kommt Trump aus seiner Zwickmühle? Ein kleines strategisches Gedankenspiel

An der Wall Street war der Handelsstreit in den letzten Tagen plötzlich ein großes Thema..

Veröffentlicht

am

Wenn man sich den Grund für die Auseinandersetzung zwischen den beiden Großmächten betrachtet – die USA möchten den Aufstieg Chinas zur technologischen, wirtschaftlichen, wie auch militärischen Führungsnation verhindern – kann man eigentlich nur zu der Ansicht kommen, dass es zu keiner für beide Seiten befriedigenden Lösung kommen kann. Das wird schon durch Chinas Agenda 2025 deutlich.

An der Wall Street war der Handelsstreit in den letzten Tagen plötzlich ein großes Thema, neben den Sorgen um die Weltwirtschaft, der die Aktienkurse und damit Donald Trump unter Druck bringt. Manche Marktbeobachter sprachen schon davon, dass der Präsident die letzten Tage die Reaktion der Börsenkurse auf die Unsicherheiten im Fortschritt der Gespräche sehr wohl registriert habe. Dazu kommt, dass zum ersten Mal seit fast einem Jahrzehnt die Wachstumaussichten für ein Quartal (Q1 – 2019) in den negativen Bereich gerutscht sind.

 

Chinas Abschwung und die weltweiten Folgen

Es gibt derzeit wohl zwei Faktoren, die eine Lösung des Handelsstreit „auf Zeit“ wahrscheinlich machen. Da ist zum einen die starke Abkühlung der chinesischen Wirtschaft, die der Schuldenorgie der Unternehmen seit 2007 „geschuldet“ ist. Diese wird durch die amerikanischen Zölle auf chinesische Ausführen noch zusätzlich verstärkt. China braucht aber ein starkes Wachstum, um einen deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit zu verhindern und damit soziale Unruhen in einem Land mit 1,4 Mrd Konsumenten. Präsident Li Xiping befindet sich trotz seiner Machtfülle hier in einer prekären Lage.

Für die USA, aber speziell für Trump hat sich die Lage aber auch verkompliziert. Bis vor Kurzem herrschte die Ansicht vor, dass man China mit den Zöllen locker in die Knie zwingen kann, durch die geringeren US-Exporte nach China und die Autarkie einer starken inländischen Konsumökonomie. Nach und nach wird aber evident, welche Gefahren eine zu starke Abschwächung Chinas für die Weltkonjunktur und damit auch für die USA haben wird.

Ein Einbruch der US-Wirtschaft im 11. oder 12. Aufschwungjahr ist das Letzte, was sich der US-Präsident wünscht – ich habe es hier schon öfters in Kommentare gepackt: Trumps oberstes Anliegen ist seine Wiederwahl 2020 und die stünde bei einer Rezession in den Sternen. Diese würde nämlich besonders die unteren Einkommensschichten treffen, die mit Mehrheit für Trump gestimmt haben.

Oder anders ausgedrückt: Die großen Firmen haben ein Interesse am besseren Marktzugang in China und eine Verhinderung des „Technologie-Klaus“ (theft of intellectual property), während es den einfachen Arbeitern und Bauern darum geht, dass deren Produkte mehr nachgefragt werden. Bei einer Eskalation der Verhandlungen wären die angekündigten Sojakäufe aus dem mittleren Westen ruckzuck „gecancelt“. Da liegt der taktische Ansatz.

 

Trumps große Ankündigungen

Wie stünde Trump zudem da, wenn er tagelang twittert, wie gut er sich mit seinem „Freund“ Xi Jiping versteht und wie aussichtsreich die Verhandlungen laufen, nur um dann am 1.März die Zölle auf 25% zu erhöhen. Da würde der Dealmaker sich eher blamieren und an (Rest)-Glaubwürdigkeit verlieren.

Dass Trump nur auf seine Wählerschicht blickt, ohne Rücksicht auf andere Implikationen, denke ich nicht, wie wäre denn sonst die Tatsache zu erklären, dass er vom Sommer 2018 bist in den Dezember gegen die Zinspolitik der Fed und deren Wirkung gegen seine großartige Wirtschaftspolitik twitterte. Mit steigender Intensität und einem ständigen Auge auf die Wall Street, gipfelnd in der Aufforderung an seine Landsleute Mitte Dezember Aktien zu kaufen.

Deshalb ist für mich die wahrscheinlichste Variante in dem eigentlich unlösbaren Konflikt, ein Spielen auf Zeit Trumps, um den kritischen Zeitraum bis zu den Wahlen zu überstehen. Sprich, wachsweiche Zwischenverträge, bei dem sich beide Parteien ein bisschen als Sieger fühlen können. Die volle Konfrontation käme erst dann, wenn der „Maestro“ freie Hand bekommt.

Noch ein Argument. In der US-Wirtschaft waren zu Beginn dieses Jahrzehnts nur 2% der Beschäftigten in der Landwirtschaft tätig, 20% in der Industrie und 78% als Dienstleister (aktuelle Zahlen dürften nicht viel anders aussehen). Höhere Zölle könnten im besten Fall die Einkommensverhältnisse von ein paar Prozent US-Bürger verbessern, eine Rezession,die man dem aktuellen Präsidenten anlasten kann, aber nahezu jeden.

Sollte es jetzt zu einer Verschiebung der automatischen Zollanhebung kommen, wie das Wall Street Journal in einem Bericht erwähnt hat, wird die Angelegenheit für den Präsidenten auch nicht einfacher, die weltwirtschaftlichen Einschläge kommen näher, ebenso wie der Wahlkampf 2020.

Ich muss es nochmals betonen, die Wiederwahl hat für Trump oberste Priorität, das war bereits sehr früh erkennbar.

Denn: Der jetzige US-Präsident reichte am Tag seiner Amtseinführung, dem 20. Januar 2017, die Unterlagen für eine Teilnahme an der Präsidentschaftswahl 2020 bei der Bundeswahlbehörde ein, zu einem früheren Zeitpunkt als alle vorherigen Präsidenten.

5 Kommentare

5 Comments

  1. Frank the Bärliner

    11. Februar 2019 11:00 at 11:00

    Wer ist denn der Technoligie Klaus und wo wohnt er?

    • Wolfgang M.

      11. Februar 2019 12:45 at 12:45

      Frank, Technologie-Klaus ist ein Fabelwesen, welches sich nachts in Kopiererräumen von Firmen herumtreibt. Man spürt die Auswirkungen seiner Arbeit, gesehen hat ihn noch keiner. Nur ein paar Obdachlose im Dongxiaokou Forest Park in Peking.?

  2. Macwoiferl

    11. Februar 2019 12:33 at 12:33

    Kluge Einschätzung, die im Gegensatz zu vielen anderen Beiträgen hier imho den Nagel auf den Kopf trifft!
    Whatever it takes wird man versuchen den Status Quo zu retten.
    Umso besser, wenn man an den Stellschrauben selbst drehen kann…
    Jede Wette – never ever wird es die Zölle vor November 2020 geben!
    @Bärliner: der Klaus heißt Diebstahl mit Nachnamen 😉

    • Markus Fugmann

      11. Februar 2019 12:43 at 12:43

      @Macwoiferl, die Frage ist doch, welchen Horizont die Trump-Administration hat! Ich schließe mich da der Auffassung von Dirk Müller an, der meint, dass die USA sich zwar kurzfristig wirtschaftlich schaden mit Maßnahmen gegen China (wie Zölle), aber eben langfristig versuchen, ihre dominante Position zu sichern – und dafür kurzfritigen Schmerz in Kauf nehmen!

      Hier Müllers Aussagen zu USA-China (gegen Ende des Videos): https://www.youtube.com/watch?v=Xjn3BEJGg84

  3. Hans

    11. Februar 2019 13:25 at 13:25

    Kann auch sein, dass die Chinesischen Handelsüberschüsse mit den USA zu keinen Chinesischen Devisenüberschüssen führen! Jeder Import eines IPhone wird in der US Importbilanz 100% erfasst. Die Chinesen haben nur Anspruch auf einen sehr kleinen Anteil der Devisen Einnahmen. Die Hochwert Komponenten kommen überwiegend aus dem Ausland und müssen in Devisen bezahlt werden. Die Gewinne bzw. Apples F+E Anteile werden in EU Steuerparadiese verschoben. Eine ausgeglichene USA China Bilanz wird ein massives Chinesisches Devisendefizit zu Folge haben. Mittelfristig wird das die Globalisierung zerstören, weil es praktisch unmöglich gemacht wird Wertschöpfung auf den Papier Weltweit hin und her zu verschieben. Einer der größten Verlierer dürfte die Deutsche Industrie und die US Tech Industrie sein. Glaube nicht, dass Trump da groß weiter kommt. Die US Tech Industrie hat einer der stärksten US Lobbies.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Aktien

Marktbericht: Fed, Trump, Microsoft – Amis laufen besser als der Dax

Veröffentlicht

am

Von

Donald Trump feuert mal wieder volle Kanne gegen die Fed. Die solle gefälligst endlich die Zinsen senken, so quasi seine Anweisung an die Fed (hier nachzulesen). Unglaublich, aber inzwischen hat man sich an diesen Ton ja fast schon gewöhnt, obwohl die Fed unabhängig agiert! Aber das war heute für den Markt gar nicht wichtig. Wir wollten es vorab nur nochmal erwähnen, was da vor sich geht. Trump macht den Mini-Erdogan! Aber kommen wir jetzt mal zum konkreten Marktgeschehen.

Werbung: Gratis in Aktien und ETFs investieren. Null-Provision, Null-Aufwand! Erhalten Sie eine Gratisaktie im Wert von bis zu 100€

Fed-Aussagen

Einzelne Funktionäre der Fed haben mit Aussagen gestern und heute die Kurse durcheinander gewirbelt. Da wäre zunächst der in Notenbankkreisen wichtige Chef der New York Fed John Williams. Er hielt gestern Abend eine am Markt viel beachtete Rede, deren Aussagen (Zinsen senken, sobald Wirtschaft schwächelt) dem Markt suggerierte, dass die Zinsen noch stärker gesenkt werden, als bislang erhofft. Heute wurden diese Äußerungen relativiert als grundsätzliche ökonomische Aussagen, aber im Nachhinein kann man Börsenkurse ja auch nicht mehr ändern… und so fiel der US-Dollar gestern Abend sprunghaft, und fast alles, was gegen den Dollar gehandelt wird, stieg sprunghaft an (gut sichtbar im folgenden EURUSD-Chart seit Mittwoch früh).

Dann wurden heute Äußerungen des St. Louis Fed-Chefs Bullard bekannt, der sich klar für nur 25 Basispunkte Zinssenkung am 31. Juli aussprach. Das müsse reichen. Diese Äußerung brachte den Dollar wieder nach oben, und den Euro wieder nach unten.

Und die Indizes?

Im folgenden Chart sieht man den Dax (blau) gegen den Dow seit Mittwoch früh. Seit gestern Abend laufen die Amerikaner besser als der Dax. Sie scheinen die Fed-Story unterm Strich besser wegzustecken. Und außerdem konzentriert man sich aktuell eher auf die heimischen Quartalszahlen. Vor allem berauschen sich die Amerikaner aktuell an den Quartalszahlen von Microsoft, die gestern nach Börsenschluss positiv überraschten. Und Deutschland? Hierzulande hat Angela Merkel sich heute in letzten Aussagen vor ihrem Sommerurlaub auch zur Wirtschaftslage geäußert. Dabei ging es auch um die Konjunktur. Die laufe nicht sonderlich gut usw. Den heutigen Absturz im Dax ab 11 Uhr ab 12.323 Punkten kann man zeitlich gut in Zusammenhang bringen mit Merkels Aussagen. Thema Sommerloch? Wenn solch ein paar allgemeine Worte schon für -80 Punkte gut sind? Denn so stark fiel der Dax. Hätte sich der Dax heute an die Amerikaner gekoppelt (was ja eigentlich der Standard ist), dann könnte man jetzt vielleicht bei 12.350 Punkten stehen? (reine Vermutung) Aktuell notiert der Dax jedenfalls mit 12.229 Punkten, und geht relativ schlaff ins Wochenende.

Dax vs Dow

Öl und sonstige Ereignisse

Der Ölmarkt wurde diese Woche (vor allem heute und gestern) überflutet mit Gründen für steigende und fallende Kurse. Zuletzt war vor allem der Iran ein Thema (bitte hier genauer nachlesen). Für Bullen wie auch Bären lassen sich Argumente finden. Im folgenden Chart sieht man den WTI-Ölpreis seit Montag. Schubweise ging es immer weiter bergab. Man kann eindeutig das Gefühl haben, dass der Markt diese Woche einfach fallen wollte. Trotz einem angeblichen US-Abschuss einer iranischen Drohne zeigt sich der Markt eher fallend. Ein Wahnsinnsmarkt war Öl diese Woche! Wie gesagt, bitte im obigen Link die Details nachlesen.

Die Verbraucherstimmung der Uni Michigan kam vorhin fast genau rein wie erwartet. Diese Daten brachten also keine Impulse. Vorausschauend kann man sagen: Die Amerikaner scheinen mit guter Grundstimmung in die kommende MEGA-Woche zu starten. Es hagelt jede Menge extrem wichtiger Daten von deutschen und US-Konzernen. Der Dax scheint mit seiner müden Sommerloch-Stimmung hinterher zu hinken. Man muss auch bedenken: Die negativen Industrie-Daten in Deutschland liegen wie ein Brett im Magen der Börsianer in Frankfurt, während die Konsumgesellschaft auf der anderen Seite des Atlantik weiter ihre Party auf dem brodelnden Vulkan feiert. Übrigens: Bis jetzt haben 15% aller im S&P 500 enthaltenen Aktiengesellschaften ihre Quartalszahlen gemeldet. Laut FactSet haben 79% davon die (zuvor oftmals gesenkten) Erwartungen übertroffen. Also, kann die Party in den USA nächste Woche weitergehen?

weiterlesen

Gold/Silber

Rüdiger Born: Short-Einstiege im Dax

Veröffentlicht

am

Die aktuelle Lage im Dax und Dow bespreche ich im Video. Die jüngsten Chartverläufe der beiden Indizes sind nicht identisch. Im Dax würde ich heute eher nach Short-Einstiegen suchen. Werfen Sie mit mir auch noch einen Blick auf Gold. Mein heutiger „Trade des Tages“ folgt gleich noch. Wollen Sie ihn und alle folgenden Text-Analysen völlig kostenfrei lesen? Dann melden Sie sich bitte einfach hier an.

weiterlesen

Devisen

Aktuell: Dax und Euro im Fegefeuer von Fed und Merkel

Veröffentlicht

am

Da hatten wir doch gerade erst von einem kleinen charttechnischen Durchbruch im Dax berichtet. Und dann das. Nach jetziger Lesart war es nur ein Fake-Ausbruch im Dax von ingesamt nur 23 Punkten auf bis zu 12.338 Punkten. Jetzt tendiert der Dax abwärts. Er fällt auf 12.236 Punkte, und die heutige Stimmung der Aktienhändler ist im Eimer.

Werbung: Gratis in Aktien und ETFs investieren. Null-Provision, Null-Aufwand! Erhalten Sie eine Gratisaktie im Wert von bis zu 100€

Mal wieder funkt die Fed dazwischen. Erst gestern sorgten Aussagen von NY Fed-Chef Williams (Zinsen senken bei Anzeichen für Konjunktur-Schwäche) dafür, dass der Dollar fiel, und dass fast alles stieg, was gegen den Dollar gehandelt wird. Und jetzt? Vor wenigen Minuten erscheint im WSJ ein Artikel mit einem Interview des St. Louis Fed-Chef Bullard. Er hält für die Fed-Sitzung am 31. Juli eine Zinssenkung von 25 Basispunkten für völlig ausreichend. Mehr sei nicht nötig. Zack. Das bringt den Dollar wieder nach oben, damit den Euro nach unten auf sein Tagestief bei 1,1239.

Aber warum verdammt nochmal fällt dann jetzt der Dax? Der schwache Euro müsste ihn eigentlich eher nach oben pushen? Einerseits soll man im Sommerloch nicht jede Kursschwankung überinterpretieren (wenig Liquidität im Markt vorhanden). Andererseits begann der Dax vorhin genau dann zu fallen, als Aussagen von Angela Merkel bekannt wurden, dass die deutsche Wirtschaft sich gerade in einer schwierigen Phase mit schwachem Wachstum befinde!

Und so kann es doch tatsächlich sein, dass Dax und Euro im Augenblick im Tandem fallen (Chart seit heute Nacht).

Dax und Euro am Fallen

weiterlesen
Bitte abonnieren Sie unseren Newsletter.


Anmeldestatus

Meist gelesen 30 Tage

Wenn Sie diese Webseite weiter verwenden, stimmen Sie automatisch der Verwendung von Cookies zu. Zur Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen