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Deutsche Bankenlandschaft: Zwei wacklige Große, Kleinkram dazwischen, Zombie-Reste, und zwei massive Säulen

Claudio Kummerfeld

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Wie sieht die deutsche Bankenlandschaft im Jahr 2018 aus? Es hat sich viel getan in den letzten 20 Jahren. Hier ein Überblick über vier Bereiche, die wir aufgrund unserer subjektiven Betrachtungsweise wie folgt benannt haben.

Zwei Große

Die Deutsche Bank hatte sich die Postbank einverleibt, und die Commerzbank fast schon gezwungenermaßen die Dresdner Bank. Somit sind offen sichtbar nur zwei große Banken in Deutschland übrig geblieben, die international überhaupt wahr genommen werden. Angeblich sind sie so wichtig, damit die deutsche Industrie auch weiterhin im Ausland Geschäfte machen kann. Man will ja auch weiterhin Exportfinanzierungen, Devisenabsicherungen etc abwickeln können. Ob dafür zwingend zwei extrem große Banken notwendig sind, darf bezweifelt werden.

Außerdem scheut die deutsche Politik die Einführung eines Trennbankensystems, weil man wie jedes Land seine „nationalen Champions“ haben möchte. So sind diese beide Institute größer und systemrelevanter als vor der Finanzkrise, und somit quasi unantastbar. Gehen sie den Bach runter, muss der Steuerzahler einspringen, ob er nun will oder nicht. Die Deutsche Bank hatte sich in den 90ern in das Investmentbanking begeben durch die Käufe von Morgan Grenfell in London und Bankers Trust in New York, die Dresdner durch Kleinwort Benson in London. Das völlig desaströse Ergebnis dieser „Ausflüge“ darf man auch heute noch „bewundern“.

Kleinkram dazwischen

Hinter den beiden Großen gibt es eine ganze Reihe kleiner Banken, die dem Verbraucher im Alltag so gar nicht auffallen. Seit ein paar Jahren sticht die Aareal Bank hervor, die schon mehrmals durch Zukäufe aufgefallen ist. So kauft sie gerade in dieser Woche die gerade in Abwicklung befindliche „Düsselhyp“. 2013 kaufte Aareal die Corealcredit, und 2015 die Westimmo.

Bei den Banken aus der zweiten Reihe gab es in den letzten Jahren zahlreiche Käufe durch ausländische Anbieter. So wurde beispielsweise die früher als hoch renommiert angesehene BHF Bank durch die französische Oddo gekauft, und die Direktbank DAB durch die BNP Paribas. Die sehr renommierte Hauck & Aufhäuser wurde durch die Chinesen von Fosun geschluckt. Privatbanken wie MM Warburg und Berenberg sind immer noch in Eigenregie am Markt tätig. Auch gibt es natürlich in winzigen Nischen eine große Zahl kleiner Wertpapierhandelsbanken und Spezialbanken, die dem Otto-Normalverbraucher gänzlich verborgen bleiben. Aber so sehr ins Detail wollen wir an dieser Stelle nicht gehen.

Neben der DAB hat sich auch bei anderen kleinen Direktbanking-Anbeitern was getan. Onvista ging an die Comdirct (Commerzbank), und biw bank/X.com wurde von der „Fintech Group“ gekauft. So könnte man mit anderen kleinen Beispielen weitermachen. Bei den kleineren Anbietern war in den letzten Jahren also viel Übernahmeaktivität vorhanden. Auffällig ist, dass vor allem ausländische Banken und ausländische Private Equity-Firmen recht aktiv dabei waren diese eher kleinen Banken aus der zweiten Reihe zu kaufen.

Ob die HypoVereinsbank, die inzwischen sogar mit dem Logo ihrer Mutter UniCredit aus Italien auftritt, inzwischen auch in die Kategorie „Kleinkram“ zählt, ist wohl Ansichtssache. Auf jeden Fall hat sie ihren Platz als einer der großen Bankenplayer in Deutschland längst eingebüßt. Es gab bis in die 90er die DB, die CoBa, Dresdner Bank, Hypovereinsbank und Postbank als große private Geschäftsbanken. Bei den „kleinen Banken“ aus der zweiten Reihe sind jüngst neue Fintechs wie „n26“ dazu gekommen, die auf fast alles verzichten. Banking nur noch per App, so deren Motto.

Die Zombies

Ach ja, unsere lieben Landesbanken. Da ist was los. Von der „WestLB“ spricht schon lange niemand mehr. Sie verschwand nach ihrer Abwicklung 2012 quasi aus der öffentlichen Wahrnehmung, nachdem die Manager der Bank durch jahrelanges Missmanagement ein „großes Werk“ vollbracht hatten. Das gleiche gilt für HSH Nordbank, hinter der die Bundesländer Hamburg und Schleswig-Holstein stehen. Sie wird just in diesem Tagen an eine Gruppe von ausländischen Heuschrecken für 1 Milliarde Euro verkauft, nachdem diese Heuschrecken den Kaufpreis aus der HSH über einen schlauen Trick entzogen haben. Für die Steuerzahler der beiden Bundesländer ist die HSH zum Total-Fiasko geworden, weil man einst auf die Idee kam mit 10 Milliarden Euro zu bürgen. Insgesamt wird der Spaß die Steuerzahler wohl 11 oder 12 Milliarden Euro kosten.

Die NordLB aus Niedersachsen dachte sich sie könne stolz die kleinen Nachbarn aus Bremen schlucken, nahm damit aber auch deren Probleme „mit an Bord“. Auch sonst steht die NordLB mehr als wacklig da (hier mehr Detailinfos), und nimmt jetzt offenbar einen Privatinvestor mit an Bord. Auch andere Landesbanken haben sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert.

Nach der Finanzkrise 2008 war bispielsweise die BayernLB de facto schon pleite. Damals pumpte der stolze Freistaat Bayern satte 10 Milliarden Euro in die Bank, wovon man inzwischen mehr als die Hälfte zurückgezahlt hat. Ruhmreich steht die BayernLB deswegen aber heute immer noch nicht da. Die Landesbanken als Ganzes betrachtet sind ein Symbol des Scheiterns. Vom Staat gestützte Banken, wo eigentlich biedere „Bankbeamte“ endlich auch mal in London auf Parties eingeladen werden wollten. Das sing brutal schief. In London lachen sie noch heute! (wie man hört…)

Zwei stabile Säulen

Die zwei stabilen Säulen, die letztlich ganz unbemerkt und im Stillen das deutsche Finanzsystem tragen und als dickes Fundament dienen, sind die beiden Verbundsysteme der Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken. Der Erfolg und die Stabilität dieser Systeme liegt darin, dass sie zwar als Bankengruppen bundesweit organisiert sind. Aber jede kleine Sparkasse und jede kleine Volksbank ist rechtlich eine völlig eigenständige Bank. Damit ist jeder einzelne Anbieter zu klein um beispielsweise für ausländische Heuschrecken interessant zu sein.

Außerdem gehören diese Institute in der Regel den Kommunen vor Ort. Und sie sind zu klein um am internationalen Kapitalmarkt mitmischen zu können. Sie konzentrieren sich auf die eigentliche Kernfunktion einer Bank, nämlich das Entgegennehmen von Einlagen und das Verleihen von Geld. Sie sind dabei seit der Abschaffung der Zinsen durch die EZB massiv Filialen zu schließen. Sie werden aber im Vergleich zu DB und CoBa weiterhin die Flächenanbieter in den Regionen bleiben. Mit diesen beiden Säulen gibt es in Deutschland eine Stabilität im Finanzsystem, die man in anderen Ländern vergeblich sucht. Die Kleinteiligkeit der einzelnen unabhängigen Verbundmitglieder ist das Erfolgsgeheimnis.

Wenn da nicht Deutsche Bank und Commerzbank wären, die als total systemrelevante Banken eine ständige Bedrohung für die Stabilität des Systems darstellen… (hier dazu ein anderer Artikel von uns

Bankenlandschaft - Banken in Frankfurt
Deutsche Banken, zahlreich versammelt in Frankfurt am Main. Foto: Christian Wolf, www.c-w-design.de (CC BY-SA 3.0 de)

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Denker

    12. September 2018 12:29 at 12:29

    Als ob die Sparkassen und Reifeisenbanken mit ihren Billionen an Spareinlagen nicht unter die Räder kämen,..schließlich hängen sie auch an den Landesbanken.Die Gier nach dem Vermögen der Mittelschicht wird nicht vor den Sparkassen und Volksbanken halt machen.
    Die Einlagensicherung ist ein Witz.

    „Die Einlagensicherung der deutschen Kreditwirtschaft dürfte in einer schweren Finanzkrise mit Bankschieflagen in Schwierigkeiten geraten. Man muss davon ausgehen, dass die jeweiligen Sicherungstöpfe der privaten Banken, der Sparkassen und der Volksbanken kaum mehr als 4 Milliarden Euro umfassen. Kunden, die sich glücklich schätzen, über flüssige Mittel im sechsstelligen Bereich zu verfügen, sollten ihre Gelder bis zur Grenze von jeweils 100.000 Euro auf mehrere Banken verteilen.“

    http://www.faz.net/aktuell/finanzen/finanzmarkt/einlagensicherung-ab-100-000-euro-vertrauensfrage-15776780.html

    Meiner Meinung nach sind das nur Beruhigungspillen für die ganz Dummen, so wurden Anfang 2018 alle Haushalte über die Einlagensicherung informiert… zur Entspannung, wohlgemerkt fast 10 nJahre nach der Krise… wissen die mehr?,…Nachtigall ick hör dir trapsen.

  2. Avatar

    Friedrich Schmidt

    17. September 2018 18:12 at 18:12

    Seit ca. 2004 dürfen unsere unerkannten, weil angeblich systemrelevanten Zombies als Großbanken ihre Bilanzen munter „anpassen“, um nicht jäh als inzwischen finanziell unrettbare Insolvenzkandidaten öffentlich aufzufallen.

    Alle von ihnen in ihrem höchst risikoreichen Derivatgeschäft seit Jahrzehnten eingekauften „Papiere“, heute am Markt absolut unverkäuflich und mit Null € in der Bilanz korrekt zu bewerten, dürfen zum damaligen „Einkaufspreis“, also mit X-Billionen- € „rechtens“ bilanziell gehalten werden.

    Wer sich so im Billionen-€-Bereich aus dem Fenster lehnt, selbst wenn das deutsche Bilanzrecht, früher mit der absoluten Grundlage der Bilanzwahrheit und der Bilanzklarheit vor Tricksereien einigermaßen gesichert, dies heute rechtsformal zulässt, muss sich als Banken-Zombie mit unermesslichen Risiken bezeichnen lassen.

    Dass man sich, wenn man nur systemrelevant ist, sozusagen „alles“ nach Herrn Draghi, sogar im Wortsinne – dann auch Bilanzbetrug im Billionenbereich und Insolvenzverschleppung einbegriffen – heraus nehmen darf, wird sich bitter rächen.

    Es gibt nun mal keine freie Mahlzeit im Weltfinanzgeschäft und jede Schuld rächt sich auf Erde, haben wir von Goethe gelernt.
    Nur eine Bilanz, die man nach dem Wort von Churchill eigenhändig gefälscht hat, ist hinreichend zuverlässig. Wohl wahr!!! Aber in Deutschland galt dies bislang noch nie. Man darf auf die nahe und nächste Zukunft „gespannt“ sein.

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Corona-Hilfen: Ausfallzahlungen im November, und eine ganz wichtige Änderung!

Claudio Kummerfeld

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Neue Corona-Hilfen vom Bund

Aufgepasst liebe Selbständige und Unternehmer, es tut sich was bei den Corona-Hilfen des Bundes. Es ist ja inzwischen bekannt, dass die Bundesregierung betroffene Unternehmer mit bis zu 75 Prozent der Umsätze aus November 2019 entschädigen will, wenn sie jetzt im November 2020 durch Betriebsschließungen Umsatzeinbußen erleiden. Dies soll für Betriebe mit weniger als 50 Mitarbeitern gelten. Für Betriebe mit mehr als 50 Mitarbeitern gibt es gestaffelt Erstattungen von 70 Prozent und weniger. Vor allem die Gastronomie wird wohl profitieren, aber auch Freizeiteinrichtungen, und womöglich deren Zulieferbetriebe. Details werden gerade noch geklärt. Diese Corona-Hilfen sind sehr wichtig. Sonst hätte dieser neue kleine Lockdown, der ab Montag startet, wohl endgültig viele Unternehmen finanziell ruiniert.

Die genauen Details der neuen Hilfen sollen laut Olaf Scholz noch veröffentlicht werden auf https://www.ueberbrueckungshilfe-unternehmen.de . Noch ist die Seite nicht auf aktuellem Stand, aber aus den ganz frischen Aussagen der beiden Minister hört man, dass die beiden Ministerien genau in diesem Minuten die Details ausarbeiten. Also sollte man morgen oder am Wochenende diese Seite mehrmals besuchen und nach neuesten Infos Ausschau halten. Anträge sollen schnell bearbeitet werden. Wir empfehlen die nächsten Tage auch immer einen Blick zu werfen auf die Webseiten des Bundeswirtschaftsministeriums und des Bundesfinanzministeriums.

Corona-Hilfen mit kleinem, aber sehr wichtigem Detail

Aber ein wichtiges Detail bei den Corona-Hilfen wird für viele Unternehmer eine große Erleichterung darstellen, um jetzt weiter durchhalten zu können. Denn bisher galt die ziemlich unsinnige und unfaire Regelung, dass die KfW-Schnellkredite in der Coronakrise nur für Unternehmen zugänglich waren, die mindestens 10 Mitarbeiter haben. Jetzt liest man im offiziellen Infotext des Bundeswirtschaftsministeriums (siehe hier), dass der KfW-Schnellkredit für Unternehmen mit weniger als 10 Beschäftigten zugänglich gemacht werden soll. Diese winzige Änderung bei den Corona-Hilfen kann für viele kleine Unternehmer die Rettung bedeuten, zumindest in Sachen Liquiditätshilfe. Hier weitere Details im Wortlaut vom Ministerium:

Es hat sich als unvermeidlich erwiesen, für die Dauer der nächsten vier Wochen auch viele Unternehmen zu schließen, um auf diese Weise Kontakte im erforderlichen Umfang zu reduzieren. Das betrifft unter anderem Gastronomiebetriebe, Bars, Clubs und Diskotheken, aber auch Dienstleistungsbetriebe, Messen, Kinos, Freizeitparks oder Fitness-Studios. Viele von ihnen haben Vorbildliches bei der Umsetzung von Hygiene- und Abstandskonzepten geleistet und seit Ausbruch der Pandemie schwere Umsatzrückgänge hinnehmen müssen.

Die Bundesregierung wird diese Betriebe umfassend unterstützen, um ihnen den Fortbestand in dieser schweren Zeit zu erleichtern:

Wir gewähren den von temporären Schließungen erfassten Unternehmen eine außerordentliche Wirtschaftshilfe, die bis zu 75 Prozent des Umsatzes des Vorjahresmonats erfasst;

Wir werden die Leistungen der Überbrückungshilfe verlängern und für die hauptbetroffenen Wirtschaftsbereiche wesentlich verbessern;

Wir öffnen den KfW-Schnellkredit für Unternehmen mit weniger als 10 Beschäftigten;

Die Regelungen gelten unter anderem für Unternehmen, Selbständige und Soloselbständige. Insbesondere auch in der Kultur- und Veranstaltungswirtschaft.

Die beschlossenen Maßnahmen zeigen, dass wir unsere Unternehmen nicht allein lassen, sondern zielgerichtet unterstützen. Hierzu stellen wir Mittel bis zu einer Höhe von 10 Milliarden Euro bereit.

Hier weitere aktuelle Aussagen aus der vorhin gelaufenen PK von Olaf Scholz und Peter Altmaier, in Kurzform zusammengefasst:

Der Kultur- und Veranstaltungswirtschaft will man auch über den November hinaus eine Perspektive aufzeigen. Und auch der Gastronomie will man helfen die anstehende harte Zeit zu überstehen. An Einzelheiten arbeite man jedoch noch. Auch will man eine Verlängerung der „Überbrückungshilfe III“ bis ins nächste Jahr hinein erreichen. Und bis zu 300.000 Euro sollen auch über Kredite der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bereitgestellt werden können.

Hier die PK im Video:

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Christine Lagarde: Headlines zur EZB-Pressekonferenz – sehr dovish!

Markus Fugmann

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Die wichtigsten Aussagen der EZB-Chefin Christine Lagarde auf der EZB-Pressekonferenz – wie wird sie sich zu den ökonomischen Perspektiven durch die neuen Lockdowns äussern?

– Lagarde und Vize de Guindos betreten den Saal – beide mit Mundschutz..

– Neue Corona-Welle: Wirtschaft verliert an Fahrt, klare Verschlechterung des Ausblicks, vor allem im Dienstleistungsbereich

– Konsumenten halten sich zurück

– Inflation geringer aufgrundd fehlender Nachfrage

– FMW: jetzt das Übliche Loblied auf die EZB-Maßnahmen (gähn..)

– Risiken klar abwärtsgerichtet

– EZB wird im Dezember auf die neue Entwicklung reagieren und dabei auch Wechselkurs berücksichtigen

– Corona-Maßnahmen bringt „headwinds“ für wirtschaftlichen Ausblick (FMW: wo ist bloß die viel besungene „V-Erholung“?)

– Inflation dürfte negativ bleiben wegen deutscher Mehrwertsteuersenkung und niedrigem Ölpreis (FMW: Brent Öl fällt gerade erstmals seit Mai unter die Marke von 37 Dollar)

– Banken zeigen bei Kreditvergabe strengere Kriterien aufgrund steigender Risiken

– jetzt kommt der schon rituelle Aufruf Lagardes zu fiskalischen Maßnahmen, diese sollten zielgerichtet sein

– Lagarde jetzt über „Next Generation EU“ – wie Daniel Stelter sagen würde die „Klimaplanwirtschaft“

– Lagarde „hat“ fertig, jetzt kommen Fragen, natürlich alle virtuell..

—-

– Lagarde: für nächste EZB-Sitzung im Dezember werden alle Instrumente untersucht – das wird bereits vorbereitet, damit die EZB bei der Erholung (der Vermögenspreise…?) helfen kann

– FMW: Lagarde bisher sehr dovish, das bringt auch den Ölpreis so unter Druck, der Euro jetzt unter 1,17

– Lagarde: morgen kommen BIP-Zahlen, diese „könnten positiv überraschen“ (Prognose ist +15%), aber für das 4.Quartal sieht es nicht gut aus

– Lagarde zu Inflation: wir die derzeit negative Inflation nicht Deflation, weil es ein Sondereffekt der Pandemie ist

– Lagarde: Dass die Staaten der Eurozone Anleihen mit Gemeinschaftshaftung ausgeben, hat die Wahrnehmung der Eurozone verändert

– Lagarde: haben auf dieser Sitzung nicht über Veränderung der Geldpolitik diskutiert

Hier der Live-Feed zur EZB-PK:

Chrstine Lagarde - die Aussagen auf der EZB-Pressekonferenz

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Hans-Werner Sinn: Warum die Inflation ausbleibt, und wann sie kommt

Claudio Kummerfeld

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Der ehemalige Chef des ifo-Instituts, hoch angesehene und bekannteste Ökonom Deutschlands Hans-Werner Sinn (hier jüngst im Gespräch mit Marc Friedrich) hat aktuell der Mission Money ein ausführliches Interview gegeben. Ein echter zweiter Lockdown müsse in Deutschland vermieden werden, so der Appell von ihm.

Die deutsche Wirtschaft wird laut Hans-Werner Sinn die zweite Corona-Welle überleben. Aber es werde eine große Pleitewelle geben. In einem ersten Schritt würden zahlreiche Unternehmen in die Insolvenz gehen, die bis jetzt dank ausgesetzter Insolvenzpflichten viel neue Schulden angehäuft hätten. Und erst in einem zweiten Schritt würde es dann die Banken hart treffen, weil die ja in Folge der Insolvenzen die Kreditausfälle zu verkraften hätten.

Hans-Werner Sinn mit Schwerpunktthema Inflation

Ein zentral wichtiges Thema im folgenden ausführlichen Interview ist die möglicherweise anstehende Inflation in Europa und Deutschland. Hans-Werner Sinn äußert sich hierzu ausführlich. Vor Corona habe die Geldmenge der EZB 3,2 Billionen Euro betragen, seitdem sei bis heute 1 Billion Euro dazugekommen. Bis Sommer 2021 werde die Summe auf 5,4 Billionen Euro anwachsen. Es entstehe ein gigantischer Geldüberhang.

Hans-Werner Sinn erklärt ausführlich seine große Sorge vor der anstehenden Inflation. Zunächst erklärt er ausführlich, warum es bislang trotz Geldschwemme keine Inflation in Form von Preisexplosionen gebe (ab Minute 23 im Video). Seine Ausführungen dazu sind hochinteressant. Das zusätzlich geschaffene oder besser gesagt in den letzten Monaten nicht ausgegebene Geld sei nicht aktiv, weil es herumliege. Bei den Bürgern auf den Sparkonten oder im Tresor. Bei den Banken liege es laut Hans-Werner Sinn herum zum Beispiel auf deren Zentralbankkonten. Es werde nicht vollständig als Kredit an Wirtschaft oder Verbraucher herausgereicht. Daher wirke die gestiegene Geldmenge nicht inflationär. Denn in Krisenzeiten würden sich die Menschen nicht trauen Geld auszugeben.

Aber nach der Krise, wenn es zum Beispiel einen Impfstoff gegen Corona gebe und die Wirtschaft wieder boomt, dann steige auch wieder der Optimismus bei den Menschen. Gewerkschaften würden höhere Löhne verlangen, die Unternehmen würden die Preise anheben usw. Die Inflation könne dann sehr leicht über das 2 Prozent-Ziel der EZB ansteigen. Dann müsse die EZB die Zügel anziehen. Aber dann stehe man vor einem gewaltigen Problem. Hierzu wollen wir die wirklich sehr interessanten und aufschlussreichen Ausführungen von Hans-Werner Sinn nicht vorwegnehmen. Schauen Sie bitte das Video! Nur so viel. Er erläutert auch dann möglicherweise anstehende Folgeeffekte wie dann platzende Luftbuchungen und ein Bankensterben.

Hans-Werner Sinn
Hans-Werner Sinn. Foto: https://www.hanswernersinn.de/de/Bildarchiv

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