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Die Fracker kommen schneller zurück als die meisten glauben

In dieser Woche hört man von russischen Branchenvertretern wie auch aus dem Umfeld der OPEC mehrfach die Zahl 60. Bei einem Ölpreis ab 60 Dollar würden die Fracker in den USA wieder anfangen…

Redaktion

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FMW-Redaktion

In dieser Woche hört man von russischen Branchenvertretern wie auch aus dem Umfeld der OPEC mehrfach die Zahl 60. Bei einem Ölpreis ab 60 Dollar würden die Fracker in den USA wieder anfangen ihre Produktion langsam hochzufahren, so derzeit der Tenor. Dabei haben wir doch gerade im Frühjahr gelernt, dass viele Fracker einerseits überlebt haben, weil sie ihre Kapazitäten in eine Art Winterschlaf versetzt haben, und andererseits weil sie ihre Effizienz massiv verbesserten. Sie waren gezwungen aufgrund der dramatisch gefallenen Ölpreise seit Ende 2014 die Kosten kräftig zu senken. Das heißt: Die Zulieferer mussten ihre Preise senken, die Technik selbst wurde optimiert, und pro Bohrstelle verbesserte man die Ausbeute.

All das hat dazu geführt, dass manche Fracker schon bei Ölpreisen in den 40ern den Break Even erreichen. Mehrere Fracking-Unternehmen verkündeten schon im Frühjahr ihr Break Even läge um die 50 US-Dollar (WTI-Preis). Werde der nachhaltig erreicht oder überlaufen, werde man seine Produktion hochfahren. Da die Kapazitäten bei vielen Firmen nicht abgebaut sind, sondern wie gesagt nur im Winterschlaf, dürfte so etwas lediglich mehrere Wochen statt mehrere Monate dauern. Noch in 2014 lag bei vielen Frackern der Break Even bei 60 Dollar oder knapp darüber.

Es gibt leider keine genauen durchschnittlichen Angaben, da die Branche in den USA dezentral und privatwirtschaftlich arbeitet, anders als fast der gesamte Rest der Welt. Der eine arbeitet nicht mit den modernsten Methoden, der andere hat extrem ertragreiche Bohrlöcher gefunden – so gibt es keine einheitlichen Gewinnschwellen, sondern nur grob zu schätzende Werte. Aber wichtig waren die Aussagen mehrerer großer Förderer aus dem Frühjahr, dass man ab 50 wieder hochfahren würde. Und genau da sind wir jetzt angekommen. OPEC + Russland scheinen zu glauben, dass die Fracker erst ab 60 Dollar wieder hochfahren, aber wie gesagt, das dürfte schneller gehen.

Ein Frühindikator, dass die gesamte Fördermenge in den USA bald wieder gut steigen dürfte, ist die Zahl der Rig Counts, also der aktiv betriebenen Bohrstellen in den USA. Die stieg von Mai bis jetzt von 328 auf 428. Das Aktivieren der Bohrstellen hat also schon begonnen. Saudi-Arabien hatte mit seiner Öl-Schwemme von Ende 2014 eigentlich erreichen wollen, dass die Fracking-Industrie in den USA komplett vom Markt gefegt wird durch eine Pleitewelle. Das ging aber so nicht wirklich auf, was auch uns überraschte. Einige Firmen gingen zwar pleite, andere aber fusionierten. Wiederum andere konnten sich mit billigem Geld vom Markt für Schrottanleihen am Leben halten, andere Firmen fuhren einfach ihre Kapazitäten runter und entließen viele ihrer Mitarbeiter.

Die Industrie selbst aber ist noch da. In den letzten zwei Jahren hat sich aber durch die niedrigen Ölpreise der Staatshaushalt von Saudi-Arabien und Co pulverisiert. In den völlig vom Öl abhängigen Ländern trat ihre strukturelle Schwäche durch diesen Ölpreis-Krieg offen zu Tage. Jetzt geht ihnen die Puste aus, und sie brauchen wieder höhere Ölpreise. Das bedeutet letztlich: Den Ölpreis-Krieg, den die Saudis Ende 2014 begannen, gewinnen wohl die Fracker. Denn die US-Volkswirtschaft ist nicht zu 100% von der Höhe des Ölpreises abhängig wie die in Saudi-Arabien. Das ist der entscheidende Vorteil der Amerikaner.

4 Kommentare

4 Comments

  1. Avatar

    marc

    12. Oktober 2016 10:56 at 10:56

    Hab kürzlich gelesen, dass sich die globale Ölnachfrage 2016 auf 96,9 Millionen Barrel pro Tag beläuft.
    Die US Shale Produktion erreichte ihren Höhepunkt 2015
    mit 4,9 Millionen Barrel pro Tag.
    Wie kann es sein, dass die Fracker derart den Ölpreis
    beinflussen sollen, wenn sie nur etwa 5% des globalen Ölbefarfs decken?
    Oder hab ich da was falsch verstanden?

    • Avatar

      HansWurst

      12. Oktober 2016 20:12 at 20:12

      Die USA waren mit täglich 12,3 Millionen Barrel pro Tag doch der Weltweit größte Ölroduzenten im Jahre 2015.
      Dieses Jahr sollen es laut Schätzungen 11,7 Millionen Barrel täglich sein.
      2012 waren es „nur“ 7,8 Millionen am Tag.

  2. Avatar

    joah

    12. Oktober 2016 11:21 at 11:21

    Das in der Wirtschaft mit offenen Karten gespielt würde, glauben auch nur noch verdrehte Gutmenschen: wenn man offiziell verlautbart, dass das eigene Wirtschaftlichkeitsniveau (für die Sprachverweigerer: „break even“) bei 50US$ läge, dann befindet es sich in Wahrheit darunter. Der Rest macht die Logik, insofern noch vorhanden.

  3. Avatar

    Volker Fritz

    13. Oktober 2016 08:24 at 08:24

    Die Annahme, wegen der Zunahme der Bohrtürme in den USA und in Kanada, schon
    eine Wiederbelebung erkennen zu können, trifft nicht zu. Die Entwicklung in den letzten 1,5 Monaten zeigt, dass der vermehrte Einsatz zum Stillstnad kommt. Zudem gibt es einige Vorkommen in Mischgebieten, wo sowohl konventionell als auch durch Fracking Öl gefördert wird. Dort liegen auch die angeblich super günstigen Produktionskosten.
    Es geht bei all diesen Angaben sehr viel um Börsenwerte und Hoffnungen. Deshalb werden auch die verrücktesten Geschichten gern geglaubt, anstatt zu begreifen, dass man sein Geld in der nächsten großen Spekulationsblase nach der „Häuserblase“
    verloren hat. Aber der Rückschlag ist noch nicht ausgestanden. Hunderte Milliarden
    US Dollar stecken noch in vermeintlichen „assets“ die wertlos sind. Und die Saudis und die Russen werden ihre Preise deutlich unter 60 USD halten müssen, wenn sie
    amerikanisache Öllieferungen aus dem Markt halten wollen
    Fritz

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EZB hält Bedingungen für Südländer günstig

Er hat seinen Kommentar betitelt mit der Headline „Was Günstige Finanzierungsbedingungen wirklich bedeuten“. Er zielt auch auf die oberflächlichen Gründe der EZB ab, nämlich Kreditkunden in der Wirtschaft zu günstigen Konditionen zu verhelfen. Es sei interessant zu beobachten, wie stark Christine Lagarde das Konzept der „günstigen Finanzierungsbedingungen“ betont habe. Sie folge dabei einem „holistischen Ansatz“ und habe verschiedene Zinsen im Blick – etwa die für Kredite an Unternehmen oder private Haushalte. Tatsächlich aber (so Jörg Krämer) dürfte es der EZB aber vor allem darum gehen, die Renditeaufschläge der Anleihen der besonders hoch verschuldeten Staaten zu begrenzen. So lasse sich beobachten, dass die EZB im Rahmen ihres PEPP-Programms immer dann mehr Staatsanleihen kaufe, wenn die Risikoaufschläge steigen (siehe Grafik). Zitat Jörg Krämer:

Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg habe ein EZB-Vertreter gesagt, dass die EZB sogar bestimmte Höchstwerte für die Risikoaufschläge einzelner Staatsanleihen bestimmt habe. Offenbar sieht es die EZB als ihre Aufgabe an, die Währungsunion zusammenzuhalten, solange die hoch verschuldeten Staaten nicht ihre Hausarbeiten machen und damit latent die Existenz der Währungsunion gefährden.

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