Folgen Sie uns

Allgemein

Die krumme Nummer mit der Restschuldversicherung bei Krediten: Banken erhalten bis zu 70% der Versicherungsprämie als Provision

Jetzt war das Thema Restschuldversicherung an der Reihe. Das Ergebnis ist erschütternd, so möchten wir es mal mit klaren Worten benennen…

Redaktion

Veröffentlicht

am

FMW-Redaktion

Sie haben sicher schon mal von dem leidigen Thema gehört, oder sind sogar selbst betroffen? Sie benötigen einen Kredit. Sie gehen zu Ihrer Hausbank. Dort stellt man Ihnen den Kredit in Aussicht, weist aber sofort „freundlich“ darauf hin, dass eine zusätzliche Absicherung des Kredits doch Sinn mache. Was, wenn Sie arbeitslos werden? Dann springt die Versicherung ein. Viele Kreditnehmer unterschreiben so eine Restschuldversicherung zusätzlich zum Kreditvertrag.

Oft bedeutet das enorme Zusatzkosten für die Kreditnehmer. Schon seit Jahren kritisieren Verbraucherschützer immer wieder die (vermeintliche) Praxis von Banken, dass suggeriert werde, der Kredit sei an die Voraussetzung gebunden, dass diese zusätzliche „Absicherung“ des Kredits nötig sei. Wohl aus Angst den Kredit nicht zu erhalten, unterschreiben viele Kreditnehmer diesen Zusatzvertrag. Aber wie viele aus Angst, wie viele aus Unwissenheit, und wie viele Kunden einfach nur so unterschreiben… wie will man dazu eine Studie mit belegbaren Zahlen durchführen? Das ist unmöglich.

Aber die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hatte sich der Sache angenommen. Erstaunlich, wie verbraucherfreundlich die BaFin seit einigen Monaten agiert und auch aktiv einzelne Finanzsektoren durchleuchtet. Es ist ja fast unglaublich! Jetzt war das Thema Restschuldversicherung an der Reihe. Das Ergebnis ist erschütternd, so möchten wir es mal mit klaren Worten benennen. Hier die Bafin auszugsweise im Zitat:

Die Untersuchung der Aufsicht ergab auch, dass die von den Versicherungsunternehmen an die Kreditinstitute geleisteten Provisionen teilweise außerordentlich hoch sind. Zwölf Kreditinstitute gaben an, 50 Prozent der Versicherungsprämie zu erhalten. Bei zwölf weiteren Banken lag der Provisionshöchstsatz unter 50 Prozent, bei sieben Instituten über 50 Prozent. In wenigen Einzelfällen betrugen die Provisionen mehr als 70 Prozent.

Bis zu 70% der von den Kreditnehmern bezahlten „Absicherungskosten“ bleiben also nicht bei der Versicherung, sondern fließen als Vermittlerprovision zurück an die Bank. Kann man es also so formulieren: Die Restschuldversicherung bei Krediten ist eher eine Provisionserzeugungsmaschine für Banken. Darf man das so sagen? Weiter schreibt die BaFin zu ihren Untersuchungsergebnissen:

So gaben etwa zwei Drittel der befragten Banken an, tendenziell mehr Verbraucherdarlehensverträge ohne Restschuldversicherung zu vergeben als mit der Absicherung. Ein Drittel der Institute vertreibt die Mehrzahl ihrer Verbraucherdarlehensverträge allerdings konstant mit Restschuldversicherung. Beim Verbraucher kann dann der Eindruck entstehen, dass ein Darlehensvertrag an den Abschluss einer Restschuldversicherung geknüpft ist.

Und noch etwas Erstaunliches hat die BaFin festgestellt. Die Kreditkunden sind oft gar nicht die Versicherungsnehmer bei der Restschuldversicherung. Zitat:

In vielen Fällen ist nämlich nicht der Kunde selbst Versicherungsnehmer, sondern die Bank, die ihm gleichzeitig auch die Versicherung vermittelt. Dies führt mangels ausdrücklicher gesetzlicher Regelungen dazu, dass dem Kunden gegenüber Informations- und Beratungspflichten nicht gelten sowie Widerrufs- und Kündigungsrechte nicht greifen. Im Ergebnis bedeutet das, dass Verbraucher nur auf freiwilliger Basis Informationen erhalten und Verträge kündigen oder widerrufen können.

Könnte mit einzelnen Punkten der vorher erwähnten Praxis von Banken und Versicherungen bald Schluss sein? Laut BaFin wird gerade im Zuge der europäischen Versicherungsvertriebsrichtlinie „IDD“ diskutiert, in wie fern man die Resultate dieser Untersuchung mit einfließen lassen kann in die Umsetzung der Richtlinie in deutsches Recht im Februar 2018. Ist die BaFin bei Kreditkunden genau so verbraucherfreundlich wie bei dem Verbot der CFD-Nachschusspflicht vor Kurzem? Oder hat die Banken-Lobby mehr Einfluss als die im Vergleich verschwindend kleine CFD-Lobby? Aber nein, Lobbyisten nehmen keinen wirklichen Einfluss auf Entscheidungen von Politik und Behörden, das versteht sich von selbst…

Die komplette Analyse der BaFin zum Thema Restschuldversicherung können Sie hier einsehen.


Das BaFin-Gebäude in Frankfurt am Main. Foto. Kai Hartmann Photography / © Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht / www.bafin.de

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    F. Müller

    23. Juni 2017 15:41 at 15:41

    Sehr schade, dass der Artikel so einseitig über die Ergebnisse der Marktuntersuchung berichtet. Es lohnt sich durchaus, die ganzen 35 Seiten des Ergebnisberichtes zur Marktuntersuchung zu lesen.

    Auf Seite 35 f. heißt es z.B.: „Die Gesamtzahl der Beschwerden, die von den Versicherungsunternehmen in Sachen Restschuldversicherung für die Jahre 2014 und 2015 gemeldet wurden, erscheint in Anbetracht der Größe des Marktes für Restschuldversicherungen und der permanenten öffentlichen Kritik an diesem Produkt überraschend gering. Auch die von der BaFin erfassten Beschwerdezahlen bei Versicherungen für die Jahre 2015 und 2016 lassen erkennen, dass die Restschuldversicherung zumindest keinen offensichtlichen Beschwerdeschwerpunkt darstellt und entsprechen insoweit den von den Versicherungsunternehmen übermittelten Daten.“

    Die Kritik an dieser Art der Versicherung scheint ja in Teilen berechtigt. Sämtliche positiven Aspekte unter den Tisch fallen zu lassen, wird dem Thema jedoch nicht gerecht.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Allgemein

Nullzinsphase in der Realität: BaFin entzieht zwei Pensionskassen die Betriebserlaubnis

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Nullzinsphase

Die Nullzinsphase erfreut zwar private Kreditnehmer und Staaten, die sich zum Traumkonditionen verschulden können. Aber wo Kredite für die einen nur Schulden sind, da sind sie auf der anderen Seite für Fondsgesellschaften, Rentenversicherungen und Pensionskassen nichts anderes als eine Geldanlage, die Zinsen abwerfen muss. Tut sie das nicht, geraten die Zusagen gegenüber den Kunden und die gesamten Kalkulationen der Kassen ins Wanken. Neben 20 Lebensversicherungsgesellschaften hat die BaFin derzeit auch 36 Pensionskassen unter sogenannter „verschärfter Beobachtung“.

Zwei Pensionskassen endgültig ohne Betriebserlaubnis

Schon im Jahr 2018 hatte die BaFin den Pensionskassen „Kölner Pensionskasse“ und „Pensionskasse der Caritas“ die Anordnung erteilt, dass sie nicht weiter ihrer Arbeit nachgehen dürfen (wir berichteten damals). Die beiden legten aber Widerspruch ein. Nun hat die BaFin offiziell mitgeteilt, dass die Entziehung der Betriebserlaubnis für die beiden Pensionskassen rechtskräftig ist, rückwirkend zum 31.12.2020 (hier und hier die offiziellen Mitteilungen). Beide Meldungen sind im Wortlaut identisch, daher drucken wir hier nur eine ab. Zitat:

Die BaFin hat gemäß § 304 Absatz 1 Nr. 2 Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) die Erlaubnis zum Betrieb des Versicherungsgeschäfts der Pensionskasse der Caritas VVaG mit Bescheid vom 24. Oktober 2018 widerrufen. Das Unternehmen konnte die Mindestkapitalanforderung nicht erfüllen und hat einen Finanzierungsplan zur Beseitigung dieser Unterdeckung vorgelegt, der aus Sicht der BaFin unzureichend war. Der Bescheid ist mit Ablauf des 31. Dezember 2020 bestandskräftig geworden. Der Betrieb des Versicherungsgeschäfts ohne die erforderliche Erlaubnis stellt eine Straftat dar. Gemäß § 304 Absatz 5 VAG darf die Pensionskasse der Caritas VVaG keine neuen Versicherungsverträge abschließen und bestehende Versicherungsverträge weder verlängern noch erhöhen.

In der Realität bedeutet dies, dass diese beiden Pensionskassen nur noch ihr vorhandenes Bestandsgeschäft abwickeln dürfen. Den insgesamt 55.000 betroffenen Anspruchsinhabern auf Pensionen dürften womöglich nach und nach Kürzungen ihrer Ansprüche und Auszahlungen bevorstehen. Die beiden Pensionskassen sind nun sozusagen in Liquidation. Sie werden noch solange bestehen, bis die letzten der jetzt noch eher jungen Mitglieder irgendwann sterben. Also werden diese Pensionskassen also auf Jahrzehnte hinweg Abwicklungsanstalten mit Restbeständen sein.

Man kann es sich kaum vorstellen, aber es ist, wie es ist. Das Finanzsystem und in diesem Fall das System der Pensionskassen beruht vor allem darauf, dass die eingezahlten Beiträge auch am Kapitalmarkt Zinsen abwerfen, damit die vorhandenen Vermögensbestände sich vermehren. Seit Jahren knabbert nun die Nullzinsphase an den Reserven. Womöglich sind diese beiden Kassen nur der Anfang einer Entwicklung? Denn man sieht es ja, die Zinsen in Euroland werden noch sehr lange auf der Null-Linie verharren.

weiterlesen

Allgemein

Aktuell: Citigroup und Wells Fargo melden Quartalszahlen

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Die Quartalszahlen von Citigroup und Wells Fargo wurden soeben veröffentlicht. Zunächst Citi. Hier die wichtigsten Kennzahlen.

Der Umsatz liegt bei 16,50 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 18,38/erwartet 16,50).

Der Gewinn liegt bei 2,08 Dollar pro Aktie (Vorjahresquartal 2,11/erwartet 1,35).

Die Aktie notiert vorbörslich mit -1,7 Prozent.

Die Kreditausfälle sinken von 1,84 vor einem Jahr auf 1,27 Milliarden Dollar im letzten Quartal. Von den Rücklagen für möglicherweise noch ausfallende Kredite wurden 197 Millionen Dollar abgebaut, was also den Gewinn erhöht.

Citigroup-Quartalszahlen

Wells Fargo

Die große Konsumentenbank Wells Fargo hat soeben auch ihre Zahlen veröffentlicht. Hier die wichtigsten Kennzahlen.

Der Umsatz liegt bei 17,93 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 19,86/Erwartungen 18,1).

Der Gewinn liegt bei 0,64 Dollar pro Aktie (Vorjahresquartal 0,60/Erwartungen 0,59).

Die Aktie notiert vorbörslich mit -5 Prozent.

Risikovorsorge für Kreditausfälle reduziert um 179 Millionen Dollar.

Wells Fargo Quartalszahlen

Wells Fargo Schriftzug
Foto: Gabriel Vanslette CC BY 3.0

weiterlesen

Aktien

Autonomes Fahren: Jetzt kommt Apple – Werbung

Avatar

Veröffentlicht

am

Werbung

Lieber Börsianer,

die Kinder haben jetzt genug gespielt und gestümpert. Nun will es Apple machen, nachdem die Resultate bislang nicht befriedigend sind. Worum geht es?

Sicherlich haben Sie der Berichterstattung der letzten Tage entnommen, dass das US-Unternehmen aus dem kalifornischen Cupertino sich nun dem Autonomen Fahren annimmt. Offenbar plant man gemeinsam mit dem koreanischen Autobauer Hyundai den Bau eines bzw. mehrerer autonom fahrender Roboterautos. Während die konventionellen Autobauer unverändert an ihren semi-autonomen Fahrassistenten basteln, geht Apple nun aufs Ganze.

Am Markt sorgte diese Perspektive für positive Unruhe. Denn man weiß, was Apple macht hat normalerweise Hand und Fuß und wird sehr oft zur großartigen Erfolgsgeschichte. So krachte zuletzt schon einmal die Aktie der Hyundai durch die Decke. Obwohl die Korea-Aktie zuletzt wieder korrigierte, steht hier für die Aktionäre immer noch ein starker Wochengewinn von 30 % zu Buche.

Aber lassen wir Hyundai einmal Hyundai sein und untersuchen, warum dem autonomen Fahren bislang noch nicht der Durchbruch beschieden war. Das Stichwort ist hier LiDAR oder Light Detection and Ranging. Vereinfacht gesprochen misst ein LiDAR-Sensor mit einem gepulsten Laser in seinem Sichtfeld die Entfernung zwischen sich und einem Gegenstand.

Damit steht und fällt die Idee des Autonomen Fahrens mit diesen Sensoren. Die gute Nachricht: Die Technologie ist gut erforscht und funktioniert. Die schlechte Nachricht: Ein halbwegs leistungsfähiger LiDAR-Sensor kann schon einmal rund 20.000 USD pro Stück kosten. Außerdem sind die Geräte sperrig. ZU Deutsch: Mit den derzeit verfügbaren LiDAR-Sensoren wird Autonomes Fahren in diesem Jahrhundert keine Realität mehr. Folglich ist das Marktvolumen dieser…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage