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Die Wende: Chefvolkswirt der Bank of England hält Zinssenkung für möglich

Von Markus Fugmann

Gestern die Fed: extrem pessimistisch, besorgt über China und die Schwellenländer – keine Zinsanhebung. Dann Janet Yellen: wir würden ja gerne glauben, dass die Inflation wieder Richtung 2% läuft. Aha: wir würden gerne daran glauben, bemerkenswert. Auf die Frage, ob sogar ein erneutes QE denkbar sei, sagte Yellen: derzeit überlege man das nicht, aber wenn es nötig wäre, würde man es machen. Das klingt eher nach QE als nach Zinsanhebung.

Heute dann: EZB-Direktoriumsmitglied Coeure mit Aussagen, der fast schon depressiv klangen. Der Trend der Weltwirtschaft sei klar abwärts gerichtet, die Inflationserwartungen sänken, dass die Fed nicht angehoben habe, zeige, wie es derzeit stehe (siehe dazu unseren Artikel „Coeure (EZB) redet Euro schwach – erste Verbalintervention wegen Fed?“).

Und dann, fast gleichzeitig mit Couere, äusserte sich der Chefvolkswirt der Bank of England Andrew Haldane: es könne eine Zinssenkung nötig sein, weil die Inflation viel zu niedrig sei für den Zielwert der Bank of England. Die Risiken für Wachstum und Inflation seien „deutlich abwärtsgerichtet“, so Haldane.

Andrew Haldane
Andrew Haldane, Foto: Niccolo Caranti, CC BY-SA 3.0

Wie bitte? Zinssenkung? Erzählt uns nicht der Chef der Bank of England, Mark Carney, schon seit Monaten, dass eine Zinsanhebung nur eine Frage der Zeit sei, weil Britanniens Wirtschaft so sehr brumme?

Aber die letzen Daten aus UK haben gezeigt, dass auch dort Null-Inflation herrscht. Und das macht die Notenbanker in UK langsam unsicher. Und wenn dann noch der große Bruder USA die Zinsen nicht anhebt und so pessimistisch ist wie gestern die Fed und Janet Yellen, wird es wohl so bald nix werden mit der Zinsanhebung in UK.

Das alles zeigt: gestern hat eine Zins-Wende stattgefunden. Die Wende nach unten nämlich!



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4 Kommentare

  1. So ist es, Herr Fugmann!

    Vielen Dank übrigens für Ihre tolle Arbeit.

    1. @siggi, vielen Dank für Ihr Lob!

  2. Es ist letztendlich nur eine Hinhaltetaktik, bis die Psychologie der Masse das eigentliche Spiel erkennt – dann sackt alles durch und dann kommt in schnellen Schritten das eigentliche Chaos.

  3. Zitat: „bis die Psychologie der Masse das eigentliche Spiel erkennt.“ Das glaub ich ganz sicher nicht. Die Hütchenspieler werden nicht warten, sondern selbst aktiv.

    Bei Finanzen ist Wissen extrem wichtig, d.h. existenzentscheidend. Und wenn man einen Wissensvorteil hat, ist das viel Geld wert.

    Insofern lassen sich die Elitaner (Die Welt-Geld-Familien) diesen Vorherwissens-Vorteil sicher nicht aus der Hand nehmen und werden, wie bei Lehmann, die Zeitpunkte der Treppe nach unten exakt bestimmen, natürlich unter Berücksichtigung des Möglichen und nach gewissen Testläufen (Flashcrashs, China-Turbulenzen…). Und mit manchen Mißgeschicken. Wie im wirklichen Leben eben.

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