Europa

DIW und IfW senken BIP-Prognosen deutlich – Appell an die Bundesregierung

Zwei der wichtigsten Wirtschaftsforschungsinstitute senken aktuell ihre Erwartungen für das deutsche Wirtschaftswachstum (BIP) deutlich. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) sieht für 2019 nur noch eine Wachstum von 0,5%, nach bisheriger Annahme von 0,9%. Das Institut für Weltwirtschaft in Kiel (IfW) senkt seine Erwartung von 0,6% auf 0,4%. Für 2020 senkt das DIW die Erwartung von bislang 1,7% auf 1,4%. Das IfW senkt von 1,6% enorm stark ab auf 1,0%.

Hier das DIW auszugsweise im Wortlaut:

Deutschlands wirtschaftliches Fundament bröckelt bedenklich: Die Produktionsleistung der auf den Export spezialisierten deutschen Industrie sinkt seit nunmehr einem Jahr deutlich. Es fehlt vor allem die Nachfrage aus dem europäischen Ausland – allen voran aus dem Vereinigten Königreich und Italien. Bisher stützt eine kräftige Binnennachfrage die Wirtschaft: Dank der günstigen Beschäftigungsentwicklung und der Finanzspritze für die privaten Haushalte zu Jahresbeginn – beispielsweise mit der paritätischen Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung oder der Erhöhung des Kindergelds – weiteten diese ihren Konsum kräftig aus. Auch die Unternehmen investierten zumindest im ersten Vierteljahr noch rege in den Ausbau ihrer Produktionskapazitäten, und die Bauwirtschaft vermeldete erneut einen Rekord bei den Auftragsbeständen. Allein deshalb rechnet das DIW Berlin in diesem Jahr überhaupt noch mit einem Wirtschaftswachstum von 0,5 Prozent.

Man kennt ja den DIW-Chef Fratzscher mit seiner grundsätzlichen Einstellung. Der Staat soll es richten, kräftig die Ausgabenseite erhöhen, dann wird das schon. Sozusagen voll auf dem „Paul Krugman-Trip“? Aktuell wird er von seinem Institut wie folgt zitiert:

Marcel Fratzscher, Präsident des DIW Berlin: „Deutschland braucht in diesen schwierigen Zeiten einen Anker der Stabilität durch ein langfristiges Investitionsprogramm der Bundesregierung. Statt sich über die niedrigen Zinsen zu beklagen, sollte die Politik diese als Chance verstehen, um klug in die Zukunft zu investieren. Wir benötigen eine Verlagerung der finanzpolitischen Prioritäten weg vom öffentlichen Konsum hin zu mehr öffentlichen Investitionen. Die Politik darf die vielen wirtschaftlichen Risiken für Deutschland nicht ignorieren, sondern sollte auch in Europa und für den Brexit mehr Verantwortung übernehmen.“

DIW BIP Prognose

Hier auszugsweise das IfW im Wortlaut:

Belastend für die deutschen Wirtschaftsaussichten ist vor allem die durch Handelskonflikte und den Brexit vorherrschende politische Unsicherheit, wobei insbesondere Investitionen und Exporte unter Druck stehen. Hinzu kommen zyklische Faktoren, die dem vorangegangenen langen Aufschwung geschuldet sind. Im dritten Quartal 2019 zeichnet sich ein Schrumpfen des Bruttoinlandsproduktes (BIP) um 0,3 Prozent ab, nach -0,1 Prozent im zweiten Quartal. „Damit erfüllt Deutschland zwar formal die Definition einer ‚technischen Rezession‘, eine gesamtwirtschaftliche Unterauslastung der Kapazitäten ist damit aber noch nicht verbunden. Erst in einem solchen Fall könnte auch von einer Rezession im Sinne einer Konjunkturphase gesprochen werden“, sagte Stefan Kooths, Leiter des Prognosezentrums am Institut für Weltwirtschaft (IfW Kiel), anlässlich der heute vorgestellten Konjunkturprognosen für Deutschland, den Euroraum und die Welt.

Während die Industrie die Schwelle zur Rezession schon überschritten hat, hat der Abschwung die konsumnahen Dienstleister noch nicht voll erfasst, und die Bauwirtschaft läuft weiter hochtourig. „Allerdings werden die Probleme in der Industrie vermehrt auf die übrigen Bereiche ausstrahlen, und die gestiegenen Löhne machen einen Stellenabbau im Abschwung wahrscheinlich“, so Kooths. „Dennoch besteht kein Anlass für konjunkturpolitischen Aktionismus, etwa durch Investitionsprogramme, die vor allem die Baupreise anheizen würden. Stattdessen sollte man den Staatshaushalt mit der Konjunktur atmen lassen, wie es die Schuldenbremse vorsieht. An der schwarzen Null muss indes nicht krampfhaft festgehalten werden.“

IfW BIP Prognose



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