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Euro und der Cash Crunch am US-Geldmarkt

Momentan bläst dem Euro der Wind frontal ins Gesicht: US-Dollars werden plötzlich am amerikanischen Geldmarkt knapp, die EZB startet ein QE-Unendlich

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Momentan bläst dem Euro der Wind frontal ins Gesicht: Die Fed gibt sich in Sachen geldpolitischer Lockerung zugeknöpfter als gedacht, US-Dollars werden plötzlich am amerikanischen Geldmarkt knapp, wohingegen die EZB ein QE-Unendlich startet und sich aufkeimende Hoffnungen in Sachen Brexit vom vergangenen Montag im Laufe der Woche größtenteils wieder verflüchtigt haben. Für diese Gemengelage hält sich die Gemeinschaftswährung Euro erstaunlich stabil gegenüber der Weltleitwährung US-Dollar.

Phänomen Dollar-Knappheit – aber Euro bleibt erstaunlich stabil

Der Schock am US-Geldmarkt ist noch nicht überwunden. Die Fed musste in der vergangenen Woche an vier Tagen mit insgesamt 278 Mrd. US-Dollar am Finanzierungsmarkt für über Nacht laufende Wertpapierpensionsgeschäfte intervenieren. Die Ursache für die Liquiditätsengpässe ist immer noch nicht geklärt: Waren es die für Montag anstehenden Steuerzahlungen von Banken in dreistelliger Milliardenhöhe, das massive Absaugen von Liquidität durch das US-Finanzministerium im Zuge von Staatsanleiheemissionen oder einfach nur technische Probleme? Oder war es gar ein viel grundsätzliches Problem? Nämlich, dass die Fed selbst mit ihrer Bilanzreduzierung seit 2018 Geld aus dem System gezogen hat, dessen Fehlen sich mehr und mehr schmerzlich bemerkbar macht?

Die Fed gibt sich jedenfalls ebenso überrascht wie ahnungslos. Dabei hätte sie gewarnt sein können: Bereits im letzten Oktober kam es zu Stress am Geldmarkt, bis die Fed später in Sachen Geldpolitik einlenkte und ihren Straffungszyklus für beendet erklärte. Auch im Jahr 2011, während der Eurokrise, kam es am internationalen Off-Shore Geldmarkt zu massiven Engpässen, die nur mit zusätzlichen Währungs-Swap-Vereinbarungen zwischen den Amerikanern und den Europäern in den Griff zu bekommen waren. Ähnlich verhielt es sich während des Lehman-Schocks vor elf Jahren. Damals vertrauten die Banken sich nicht mehr gegenseitig und der Interbankenmarkt kollabierte völlig. Der Repo-Satz als wichtigstes Stressbarometer für die Geldmärkte schlägt jedenfalls seit einer Woche wieder Alarm.

Das Ertönen der Sirene in Form von explodierenden Repo-Sätzen hatte Fed-Chef Jerome Powell noch am Mittwoch nach der Zinssitzung in Washington verharmlost und kleingeredet. Aber vorsichtshalber will die Fed ihre außerordentlichen Notfallmaßnahmen am US-Geldmarkt erst einmal beibehalten: Ab Montag wird sie den Repo-Patienten mit Liquiditätsspritzen in Höhe von 75 Mrd. US-Dollar über Nacht revolvierend sowie zusätzlichen 30 Mrd. USD Geldspritzen mit vierzehntägiger Wirkungsdauer stabilisieren.

Damit versucht die Fed, ein Ausbreiten der Dollarknappheit vom nationalen Geldmarkt der USA auf den internationalen Off-Shore Dollar-Markt zu verhindern. Mal sehen, wie lange es dauert, bis die Fed ein neues reguläres QE initiiert. Das wäre dann die Nummer vier oder wie viele Analysten an der Wall Street schon scherzen ein QE4Ever.

Devisenmarkt glaubt Powell nicht

Schaut man sich den Wechselkursverlauf von Euro/US-Dollar an, kann man nichts von dem, was an Ereignissen in den letzten 14 Tagen geschah im Chart nachhaltig sehen. Es kam lediglich zu kurzfristigen Kursausschlägen, die aber schnell wieder vom Markt egalisiert wurden.

Offenbar sehen die Märkte aktuell die Risiken zwischen Euro-Land und Dollar-Land ausgeglichen. Doch das widerspricht den Aussagen von Fed-Chef Powell, der keine weitere geldpolitische Lockerung in Aussicht stellte und im Gegenteil die Hoffnungen auf weitere qualitative Lockerung stark dämpfte, wie man ganz klar an der auf aktuell 0 Prozent gesunkenen Zinssenkungswahrscheinlichkeit für die Fed-Sitzung am 30. Oktober erkennen kann. Der Kurs-Chart wirft aber eine Frage auf: Läuft die größte Ökonomie der Welt vielleicht doch nicht so rund, wie uns Jerome Powell weismachen möchte?

Fazit – Euro-Stabilität und das Fed-Märchen

Wenn in den USA doch alles so gut läuft in Sachen Wachstum und Finanzmarktstabilität und gleichzeitig die Dollar-Liquidität unter akuter Knappheit leidet, warum wertet der Dollar dann nicht massiv gegenüber dem Euro auf? Zumal Draghi gerade erneut den Einlagensatz senkte und eine QE-Fassbombe gezündet hat, die mit vielen Tricks und weiteren Regelbrüchen bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag Liquidität über den Euro-Raum regnen lässt. Ist es am Ende schon so weit mit den Märkten gekommen, dass sie die stabilisierende Geldmengenausweitung im Euroraum mehr goutieren als das Festhalten der Fed am Märchen „Alles läuft prächtig und wir brauchen keine weitere Lockerung“ für den US-Dollar?

Der Euro ist derzeit zum Dollar erstaunlich stabil

2 Kommentare

2 Comments

  1. Marcus

    22. September 2019 16:25 at 16:25

    Das kann mir kein Mensch glaubhaft machen, das die Geldmarktprobleme mit Steuerzahlungen oder den Staatsanleiheemissionen zu tun haben! Da gibt es Schwierigkeiten, und zwar richtig große meiner Meinung nach. Zudem ist es äußerst bedenklich, das die Fed nicht mal ihre Bilanzsumme schrumpfen kann, ohne das fast das Finanzsystem crasht.
    In Zukunft kann man wohl davon ausgehen, das Bilanzschrumpfungen der Zentralbanken wohl nie mehr vorkommen werden.

  2. Altbär

    23. September 2019 07:48 at 07:48

    Die aufgepumpten Bilanzsummen haben die Börsenkurse aufgepumpt.Anhand von Charts kann man sehen,dass das ziemlich parallel lief.Wenn man die Bilanz versucht zu kürzen fallen die Aktienkurse zeitverzögert, wie dieses Jahr passiert.Die Finanzwelt hat also fast garantiert weiterhin überhöhte Pseudo-Aktienkurse bis ein Schwarm schwarzer Schwäne korrigiert was die intelligente Finanzwelt ( MMT) angerichtet hat.

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Rüdiger Born: Ermüdeter Dax, Euro nach Höhenflug

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Kommt der Dax weiter nach oben? Es gibt erste Ermüdungserscheinungen. Beim S&P 500 und Nasdaq könnte ein Rückfall anstehen. Für den Dow möchte ich eine sehr wichtige Marke ansprechen. Euro vs USD ist wahnsinnig gelaufen, und jetzt kommt er gerade etwas zurück. Mehr zu aktuellen Lage im folgenden Video. Euro vs Schweizer Franken ist aktuell mein Trade des Tages. Abonnieren Sie den völlig kostenfreien Service gerne an dieser Stelle.

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EUR/USD: Boden für große Aufwärtsbewegung

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Mensch Euro, besser geht’s fast nicht mehr: Die vergangene Handelswoche konnte bedingt durch das Ansteigen des EUR/USD bis zur 1.62-Linie bei 1.1177 $ meine Analyse aus der letzen Ausgabe nahezu punktgenau nachzeichnen. Abgesehen davon, daß die kleine von mir ins Kalkül gezogene Korrektur ausgeblieben ist, konnte die europäische Gemeinschaftswährung eine äußerst dynamische Performance an den Tag legen. Ob dieser Schritt geeignet ist, eine grundlegende Trendwende zu begründen, bleibt zunächst noch offen. Die Ansätze sehen gut aus und geben daher Grund zur Hoffnung. Der Langzeitchart untermauert diese Sicht zusätzlich.

Ausblick:

Der jüngste dynamische Anstieg von EUR/USD hat die Ausbildung der ersten Unterwelle (1) der fünfteiligen Impulswelle (1-2-3-4-5) zur Aufgabe. Ganz leicht negativ wirkt sich dabei der noch nicht erfolgte Sprung über das 1.62 Retracement bei 1.1177 $ aus. Ein 1.62 Retracement verfügt in aller Regel über gebührenden Einfluß auf die Entwicklung und kann schon mal für eine Trendwende verantwortlich sein. Ganz so dramatisch sehe ich die Sachlage momentan nicht. Im Chart habe ich daher den Abverkauf bis zur 0.50-Linie bei 1.1026 $ als durchaus realistisches Ziel dargestellt.

EUR/USD bildet derzeit wahrscheinlich einen Boden aus

Dennoch kann im Zuge der Ausbildung von Welle (2) das Währungspaar wieder bis auf das Niveau des 0.76 Retracements (aktuell 1.0948 $) korrigieren. Der Bruch dieser signifikanten Unterstützung sollte tunlichst vermieden werde. Gesetzt den Fall, würde sich die große Korrektur weiter in Szene setzen und den Euro im weiteren Verlauf bis zur Parität führen. Sollte der Euro an den nächsten Tagen das 1.62 Retracement (1.1177 $) nachhaltig überschreiten, wird diese Gefahr eindrucksvoll gebannt. Zudem kann dieser Schritt als erneutes Kaufsignal angesehen werden.

 

Fazit EUR/USD:

EUR/USD ist dabei, den Boden für eine größere Aufwärtsbewegung zu legen. Ein erneutes Kaufsignal, mit Fantasie bis 1.13 $, wird durch einen Schlußkurs oberhalb des 1.62 Retracements (1.1177 $) gebildet. Die Absicherung sollten Sie auf dem 0.62 Retracement 1.0977 $ vornehmen.

 

EUR/USD bildet derzeit einen Boden aus

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Brexit – kippt Johnson den Deal?

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Nimmt das Brexit-Drama eine unvorhergesehene Wende? Laut von Insidern kolportierten Aussagen aus der Regierung dürfte die Johnson-Regierung überlegen, ihren mit der EU verhandelten Brexit-Deal aufzugeben, wenn das britische Parlament weitere Zusätze (Amendments) beschließen sollte, die den Charakter des Abkommens verändern würden. Das könnte dann im worst case bedeuten, dass Johnson Großbritannien aus der EU ohne Deal führt, also einen harten Brexit vollzieht!


By UK Prime Minister – https://twitter.com/10DowningStreet/status/1164551227532877827, OGL 3, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=81556464

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