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Was wird die EZB machen? Euro-Push? Expertin mit klaren Worten

Eine Expertin äußert sich in einem aktuellen Kommentar zur kurz bevorstehenden Entscheidung der EZB, und warum der Euro so wichtig ist.

Euro-Geldscheine

Heute Mittag ist es endlich soweit. Um 13:45 veröffentlicht die EZB ihren Text, und um 14:30 Uhr folgt die PK von Christine Lagarde. Wird sie – wie bisher schon ziemlich klar angedeutet – heute eine Zinsanhebung für Juli verkünden? Und wird sie dazu noch weitere Schritte andeuten, um den Euro zu pushen gegenüber dem US-Dollar? Der profitierte nämlich bereits monatelang kräftig von der in den USA begonnenen Zinswende. Der Euro hat großen Nachholbedarf, und es hängt davon ab, wie kräftig die EZB heute Signale aussendet. Warum der Euro so wichtig für die Inflation in der Eurozone ist, auch das erläutert im folgenden aktuellen Kommentar Ipek Ozkardeskaya, Senior Analyst beim Broker Swissquote.

Expertin über EZB-Zinsen, Euro und starke Fed

Es könnte laut Ipek Ozkardeskaya der Tag des Jahres für die Europäische Zentralbank sein. Die EZB werde ihre jüngsten Wirtschaftsprognosen vorlegen, aus denen die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs auf die Wirtschaft und der zunehmende Druck auf die Verbraucherpreise, insbesondere aufgrund der steigenden Lebensmittel- und Energiepreise, hervorgehen werden. Die EZB wird laut Ipek Ozkardeskaya auf ihrer heutigen Sitzung wahrscheinlich eine Zinserhöhung im Juli ankündigen. Die Andeutung einer Zinserhöhung im Juli reiche jedoch nicht aus um dem Euro Auftrieb zu verleihen, da sie bereits fast vollständig eingepreist sei. Es bleibe daher abzuwarten, ob die EZB die Zinssätze um 50 Basispunkte anheben wird, um die Abwertung des Euro zu stoppen, oder ob sie sich für zwei Zinserhöhungen hintereinander entscheidet. Letzteres sei wahrscheinlicher, wenn man Lagardes schrittweisen Ansatz zur Straffung der Geldpolitik zugrunde legt.

Das Problem ist laut Aussage von Ipek Ozkardeskaya, dass, wenn sich die EZB für eine schrittweise Straffung entscheiden sollte, selbst eine Reihe von Zinserhöhungen nicht ausreichen könnte. Sie verweist darauf, dass die Bank of England ihren Leitzins seit Ende letzten Jahres stark angehoben hat, aber die wiederholten Zinserhöhungen nicht verhindern konnten, dass das Pfund Sterling gegenüber dem US-Dollar fiel. Auch gegenüber dem Euro habe das Pfund kaum zugelegt.

Was der Euro braucht, ist laut Ipek Ozkardeskaya ein Coup, eine mutige Aktion der EZB, um seinen Kurs zu ändern, insbesondere gegenüber dem US-Dollar. Und ein stärkerer Euro sei der erste Schritt zur Kontrolle der steigenden Inflation in Europa. Dann könnten die Energieeinkäufe, die in US-Dollar ausgehandelt werden, für die Europäer „billiger“ werden und einen kühlenden Effekt auf die Verbraucherpreise haben. Solange der fast sichere Hinweis der EZB auf eine Zinserhöhung im Juli nicht durch eine ganze Reihe von extrem hawkischen Kommentaren ergänzt wird, die die schlechten Wirtschaftsindikatoren und die Befürchtung einer deutlichen Verlangsamung der Wirtschaftstätigkeit überschatten, werde dies nicht viel dazu beitragen, den Euro von den aktuellen Niveaus zu befreien.

Leider wird Christine Lagarde nach Aussage von Ipek Ozkardeskaya nicht als Retterin der Europäer in die Geschichte eingehen, wie es Mario Draghi tat. „Mario Draghi bestellte Freigetränke für alle, und Christine Lagarde muss die Rechnung bezahlen“. Wenn die EZB keine ernsthaften Maßnahmen ergreift, werde der EURUSD sicherlich auf dem aktuellen Niveau verharren, einen Hauch niedriger als das kleine 23,6%-Fibonacci-Retracement der letztjährigen Abwertung. Sollte Christine Lagarde jedoch beschließen, die Zügel des Marktes in die Hand zu nehmen, dürfte der EURUSD mittelfristig weiter in Richtung der 1,10-Marke drängen.

Alles hängt laut Aussage von Ipek Ozkardeskaya vom nächsten Schritt der EZB ab. Es werde nicht leicht sein der furchtlosen Federal Reserve (Fed) zu widerstehen, die den Markt mit furchtlosen hawkischen Kommentaren überschüttet und ihren Worten Taten folgen lässt. Die Aktivität an den Fed Funds Futures preist eine Wahrscheinlichkeit von fast 95 Prozent für eine Zinserhöhung um 50 Basispunkte bei der Fed-Sitzung in der nächsten Woche ein.

Kurz-Fazit

FMW: Wenn die Fed weiter so stark die Zinsen anhebt, muss die EZB stark dagegenhalten, um alleine schon einer weiteren Abwertung des Euro vorzubeugen? Denn in der Tat, die Fed ist mit großen Schritten und starken Aussagen unterwegs! Finden Sie beim Klick an dieser Stelle den jüngsten Video-Kommentar zur anstehenden EZB-Entscheidung von Markus Fugmann. Selten saß seiner Aussage nach eine Notenbank so in der Klemme wie die EZB. Weil sie viel zu spät und zu wenig gegen die Inflation getan hat, steigen die Renditen für Staatsanleihen der Eurozone immer weiter – vor allem die Renditen der hoch verschuldeten Südländer. Nun aber muss auch die EZB aufgrund der ausser Kontrolle geratenen Inflation das Ruder herum reißen – sie schießt aber nach wie vor mit einer Wasserpistole auf einen Großbrand!



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2 Kommentare

  1. Mittlerweile würde ich der EZB zutrauen, dass sie sich vorrangig um den Spread zwischen den Anleihenrenditen süd- zu nordeuropäischer Staaten kümmern wird. Dabei wird sie sich darauf konzentrieren, wie man graubereiche in den Verträgen nutzen kann, um speziell südeuropaische Staaten weiter finanzieren zu können.

    Nebenbei wird dann der negative Einlagenzinssatz in homeophatischer Dosis erhöht und die Zinswende für schon Bald angekündigt.

    Wer an die EZB glaubt, der ist vielleicht Abergläubig? 😉😂

  2. Nachtrag:

    Ich finde, die Definition von Aberglaube passt ganz gut zur EZB:

    Aberglaube, seltener Aberglauben, bezeichnet einen „als irrig angesehenen Glauben an die Wirksamkeit übernatürlicher Kräfte in bestimmten Menschen und Dingen“ (z. B. Hexerei oder Talismane), unter anderem eine Vorstellung vom Wirken anthropomorph gedachter dämonischer Kräfte.

    Besonders „dämonischer Kräfte“ trifft es ganz gut😉

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