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Gute Gründe für spätere Zinssenkung Fed immer hawkisher – Waller: „Keine Eile die Zinsen zu senken“

Fed-Zinsen. Foto: User21859082 - Freepik.com

Die US-Aktienmärkte absolvierten in der Vorwoche die beste Handelswoche des bisherigen Jahres dank wieder entfachten Zinshoffnungen. Der Fed-Vorsitzende Jerome Powell äußerte sich auf der FOMC-Sitzung in der letzten Woche eher dovish und signalisierte den Märkten damit, dass die erste Zinssenkung nicht mehr weit entfernt sei. Doch seitdem werden die Töne der Fed-Mitglieder immer hawkisher. Nach Raphael Bostic ist Christopher Waller bereits das zweite stimmberechtigte Mitglied, das keine Eile sieht, die Zinsen zu senken. Die Märkte müssen wohl ihre Erwartungen für Zinssenkungen der Fed erneut überdenken.

Wie Bloomberg berichtet, sagte der Gouverneur der US-Notenbank Fed, Christopher Waller, es bestehe keine Eile, die Zinsen zu senken. Er betonte in einer Rede am Mittwoch, dass die jüngsten Wirtschaftsdaten einen Aufschub oder eine Verringerung der Anzahl der Zinssenkungen in diesem Jahr rechtfertigen.

Waller bezeichnete die jüngsten Inflationszahlen als „enttäuschend“ und sagte, er wolle „mindestens ein paar Monate mit besseren Inflationsdaten“ abwarten, bevor er die Zinsen senke. Er verwies auf eine starke Wirtschaft und robuste Neueinstellungen als weitere Gründe dafür, dass die Fed noch abwarten kann, um das Vertrauen zu gewinnen, dass sich die Inflation auf einem nachhaltigen Weg in Richtung des 2%-Ziels befindet.

„Meiner Ansicht nach ist es angemessen, die Gesamtzahl der Zinssenkungen zu reduzieren oder sie als Reaktion auf die jüngsten Daten weiter in die Zukunft zu verschieben“, sagte Waller in vorbereiteten Bemerkungen am Mittwoch vor dem Economic Club of New York mit dem Titel „There’s Still No Rush“.

Zinssenkung: Fed-Waller sagt, es gibt keine Eile, die Zinsen zu senken
Fed-Mitglied Christopher Waller sagt: „Keine Eile, die Zinsen zu senken“

Fed: Keine Eile die Zinsen zu senken

Schatzanleihen gaben im asiatischen Handel nach, als die Märkte Wallers Äußerungen verarbeiteten, wobei die geldpolitisch empfindliche zweijährige Rendite um etwa vier Basispunkte anstieg. Die Benchmark für Anleihen mit kurzer Laufzeit ist in diesem Jahr um mehr als 35 Basispunkte gestiegen, da die Händler die Erwartungen für Zinssenkungen der Fed zurückgeschraubt haben.

„Ich sehe, dass die Wirtschaftsleistung und der Arbeitsmarkt weiterhin stark sind, während sich die Fortschritte beim Abbau der Inflation verlangsamt haben“, sagte Waller. „Aufgrund dieser Anzeichen sehe ich keine Eile, den Schritt zu einer Lockerung der Geldpolitik zu unternehmen.

Mitglieder der US-Notenbank, die die Zinsen seit Juli auf dem höchsten Stand seit mehr als zwei Jahrzehnten gehalten haben, diskutieren darüber, wann und in welchem Umfang sie die Kreditkosten in diesem Jahr senken sollen. Der Fed-Vorsitzende Jerome Powell bezeichnete den Zeitpunkt einer solchen Entscheidung als „äußerst folgenreich“ und betonte, dass man Geduld haben müsse. Zugleich signalisierte er aber auch, dass die Fed „bald“ genug Vertrauen in den Rückgang der Inflation hat, um die Zinsen zu senken.

Waller verwendete den Begriff „keine Eile“ viermal in seinen Ausführungen, auch im Titel (hier die originale Rede). Die Anleger gehen nach wie vor davon aus, dass die erste Zinssenkung im Juni erfolgen wird. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit zuletzt von 70 auf 60 % zurückgegangen.

Zinsen länger auf hohem Niveau halten

Der Fed-Gouverneur sagte, die jüngsten Wirtschaftsdaten „sagen mir, dass es klug ist, die Zinsen auf dem derzeitigen restriktiven Niveau zu halten, vielleicht sogar länger als bisher angenommen, um die Inflation auf einem nachhaltigen Kurs in Richtung 2 % zu halten“.

Die politischen Entscheidungsträger haben in ihren neuen Prognosen, die in diesem Monat veröffentlicht wurden, drei Zinssenkungen für das Jahr 2024 eingeplant, so die mittlere Schätzung. Die Währungshüter sind jedoch geteilter Meinung: Neun von 19 Beamten rechnen mit zwei oder weniger Senkungen. Raphael Bostic, ein stimmberechtigtes Mitglied des Offenmarktausschusses der US-Notenbank, sagte, er rechne nur mit einer Zinssenkung in diesem Jahr.

Widerstandsfähige Wirtschaft

Die Wirtschaft überrascht weiterhin mit einem robusten Wachstum, weshalb die Entscheidungsträger der Fed ihre Schätzung für das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr von 1,4 % im Dezember auf 2,1 % deutlich angehoben haben. Auch der Arbeitsmarkt bleibt robust, die Zahl der Neueinstellungen ist weiterhin hoch. Zudem lagen die wichtigsten Preisindikatoren in den letzten Monaten über den die Prognosen der Ökonomen.

Waller sagte, dass eine Senkung der Zinsen noch in diesem Jahr angebracht sei, da die Wirtschaft weitere Fortschritte bei der Inflation mache.

„Ich bin nach wie vor der Meinung, dass es aufgrund weiterer Fortschritte angebracht ist, dass der FOMC noch in diesem Jahr mit der Senkung der Zinsen beginnt“, sagte er. „Solange sich diese Fortschritte aber nicht einstellen, bin ich nicht bereit, diesen Schritt zu tun.

„Glücklicherweise bedeuten die Stärke der US-Wirtschaft und die Widerstandsfähigkeit des Arbeitsmarktes, dass das Risiko, mit einer Lockerung der Geldpolitik noch etwas länger zu warten, gering und deutlich geringer ist, als zu früh zu handeln.“

Waller machte in der moderierten Diskussion im Anschluss an seine vorbereiteten Ausführungen auch deutlich, dass die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Zinserhöhung durch die Fed sehr gering ist.

„Im Zentralbankwesen sagt man niemals nie, aber es müsste sich wirklich etwas an der Inflationsfront dramatisch ändern, um darüber nachzudenken“, sagte er. „Und das sehen wir nicht.“

Die Regierung wird am Freitag die PCE-Preisdaten veröffentlichen, die von der Fed bevorzugte Inflationskennzahl. Der Fokus liegt vor allem auf der PCE-Kernrate, ohne Nahrung und Energie. Laut Analystenschätzung dürfte der Preisdruck im Februar unverändert bleiben.

FMW/Bloomberg



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