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Fed: US-Zentralbank beginnt das „Tapering“ – und kauft sich damit Zeit

Die Wahrscheinlichkeit, dass die Fed die Inflationsdynamik unterschätzt, ist groß!

Die US-Zentralbank (FED) hat auf ihrer Sitzung am 3. November 2021 beschlossen, den Leitzins unverändert in einer Bandbreite von 0,00–0,25 Prozentpunkten zu belassen.

Die Fed hat zudem entschieden, ihre monatlichen Anleihekäufe zu reduzieren, noch beginnend im laufenden Monat November – also in das sogenannte „Tapering“ einzusteigen.

Derzeit kauft die Fed monatlich für 80 Mrd. US$ Staatsanleihen und für 40 Mrd. US$ Hypothekenanleihen. Diese Käufe sollen nun Monat um Monat um 10 beziehungsweise 5 Mrd. US$ gekürzt werden.

Die Fed kauft also bis auf Weiteres Anleihen und gibt dafür neue US-Dollar in Umlauf, aber die Käufe und die damit verbundene Geldmengenvermehrung lassen um insgesamt 15 Mrd. US$ pro Monat nach gegenüber der bisherigen Praxis.

Fed und Inflation – nicht wirklich Folge des Lockdown, sondern der Geldmenge

Warum dieser Schritt? Die stark gestiegene Preisinflation in den USA (im September stiegen die Konsumgüterpreise um 5,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr) hat die Fed unter Zugzwang gesetzt. Sie musste wohl ein Zeichen des Vertrauens setzen, dass sie die Preisinflation (die sie selbst in Gang gesetzt hat) nun „bekämpfen“ will. Doch reicht ein Tapering dafür aus? Zweifel sind berechtigt.

Die Fed hält an ihrer Interpretation fest, dass der Inflationsanstieg nur „vorübergehender“ Natur sei und keinen raschen Anstieg des Leitzinses erfordere. Einen Hinweis, wann die Zentralbank überhaupt zu Zinserhöhungen greifen könnte, blieb Fed-Chairman Jerome H. Powell in der Pressekonferenz schuldig. Die Märkte erwarten derzeit, dass die US-Geldbehörde die Zinsen ein bis zweimal in 2022 anheben wird.)

Es wäre jedoch übertrieben, wollte man den Beginn des „Tapering“ schon als einen Ausstieg aus der sehr inflationären Geldpolitik werten. Es ist vielmehr und zuallererst eine Maßnahme, mit der sich die Fed Zeit kauft, um das Anheben der Zinsen so weit wie eben möglich in die Zukunft zu verlagern.

Denn sollten in den kommenden Monaten die offiziellen Inflationszahlen auch nur etwas nachgeben (aufgrund von sogenannten „Basiseffekten“ ist das durchaus möglich), wäre das die Gelegenheit für die Fed, die Zinsanhebungen noch weiter hinauszuschieben, sie auf „kosmetische Dosen“ zu beschränken.

Besonders problematisch dabei: Fed-Chairman Powell erweckt (nicht überraschend) den Eindruck, die steigende Güterpreisinflation sei im Wesentlichen durch die Folgen der politisch-diktierten Lockdowns verursacht (Lieferkettenprobleme, Anstieg der Energiepreise etc.).

Völlig ausgeblendet wird dabei die gewaltige Geldmengenexpansion, für die die Fed gesorgt hat. Allein seit Anfang 2020 ist die Geldmenge M2 um 36 Prozent angestiegen, und die Geldmenge wächst nach wie vor mit 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr – und treibt die Preisinflation auf den Güter- und Vermögensmärkten weiter an.

Fed unterschätzt Inflation

Die Wahrscheinlichkeit, dass die Fed die Inflationsdynamik unterschätzt (sie vermutlich auch nicht bekannt machen will) ist daher relativ groß. Anders gesagt: Das Inflationsproblem fällt sehr wahrscheinlich größer aus, als es die Fed der Öffentlichkeit weismachen will.

Die Politik der Fed wird vermutlich auch diesmal, so muss man befürchten, wegweisend sein für die Politik der meisten bedeutenden Zentralbanken der Welt. Daher liegt der Schluss nahe: Das Problem der Preisinflation ist gekommen, um zu bleiben, um noch größer zu werden.

Die steigenden Aktienkurse, Häuserpreise und Rohstoffpreise deuten bereits an, wohin die Inflationsreise geht. Dass auch die Preise für physisches Gold und Silber verstärkt in diesen Inflationierungsprozess hineingezogen werden, ist aus unserer Sicht nur noch eine Frage der Zeit.



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