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Umdenken am Markt Fed-Wetten nehmen zu: Dollar-Absturz und Aktien-Höhenflug

Fed-Wetten nehmen zu: Dollar-Absturz und Aktien-Höhenflug
Fed - US-Dollar. Foto: user8818949 - Freepik.com

Die letzte Fed-Sitzung und die Verlangsamung der Inflation im Oktober sorgten für ein Umdenken am Markt. Seitdem glauben die Marktteilnehmer nicht länger an das Narrativ „higher for longer“, stattdessen wetten sie nun massiv gegen die Fed und auf baldige Zinssenkungen. Die Auswirkungen sind überall zu spüren: Während die US-Renditen und der Dollar zuletzt deutlich nachgaben, konnten Aktien und Gold ihren jüngsten Höhenflug fortsetzen.

Der US-Dollar ist auf dem Weg zum schlechtesten Monat seit einem Jahr, während sich die Renditen auf tieferen Niveau halten. Aufgrund weiterer Wetten, dass die Federal Reserve ihren Zinserhöhungszyklus fast abgeschlossen hat, verlängerte der Dollar am zum Wochenauftakt seine Pechsträhne. Staatsanleihen stabilisierten sich indessen nach einer dynamischen Rallye. Die Benchmark-Rendite 10-jährige Staatsanleihen notiert weiterhin im Bereich um 4,4 %, nachdem sie von ihrem 16-Jahreshoch bei 5,0 % abgestürzt war.

Fed-Wetten belasten Dollar und Renditen

Der Dollar fiel am Montag den vierten Tag in Folge und steuert damit auf seinen schlechtesten Monat seit November letzten Jahres zu, da Händler die Wahrscheinlichkeit von Zinssenkungen der Fed optimistischer einschätzten, so Bloomberg. Die Rendite der zweijährigen US-Anleihe, die empfindlich auf den Zinspfad der US-Notenbank reagiert, fiel auf den niedrigsten Stand seit einer Woche. Die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihen war am Montag ebenfalls um acht Basispunkte auf rund 4,4 % gesunken. Am Dienstagmorgen setzt sich der Rückgang fort – aktuell notiert sie bei 4,38 %.

Fed-Wetten auf Zinssenkungen: Dollar und Renditen fallen, während Aktien steigen
US-Dollar steht vor dem stärksten Monatsrückgang seit einem Jahr

Aufgehellt hat sich dagegen die Lage für Aktien. Die Prognostiker an der Wall Street sehen die Aussichten für die Aktienmärkte im nächsten Jahr positiver, da sich die Stimmung der Anleger verbessert und die Erwartungen einer Rezession zurückgeschraubt werden. Wetten darauf, dass die Fed keine weiteren Zinserhöhungen mehr vornehmen wird, haben in diesem Monat auch zu einem kräftigen Anstieg des S&P 500 um 9 % geführt und die kurzfristigen Volatilitätserwartungen (VIX) auf neue Tiefststände gesenkt.

Die Fed hat fertig

Die Zinserhöhung im Juli war wahrscheinlich die letzte der Fed, so Liz Ann Sonders, Chef-Anlagestratege bei Charles Schwab.

„Aber ich sage immer: Sei vorsichtig, was du dir wünschst“, sagte sie im Bloomberg-Fernsehen. „Wenn der Markt recht hat mit der Erwartung, dass Zinssenkungen vielleicht am Ende des ersten Quartals, in der ersten Jahreshälfte, beginnen könnten, würde das bis zu einem gewissen Grad ein schwächeres wirtschaftliches und arbeitsmarktpolitisches Umfeld voraussetzen als das, was wir derzeit sehen.“

Der Bloomberg US Treasury Index verzeichnete kürzlich eine positive Rendite für das Jahr, da Anzeichen für eine Verlangsamung der Inflation und ein moderates Beschäftigungswachstum eine Rallye auslösten, die die Renditen von ihrem höchsten Stand seit mehr als einem Jahrzehnt abstürzen ließ. Swap-Daten zeigen, dass die Anleger Zinssenkungen der Fed von der Januar-Sitzung bis zum Ende des nächsten Jahres in Höhe von etwa 95 Basispunkten einpreisen.

Aktuelle Marktlage

Mehr als 60 % der Teilnehmer an der jüngsten MLIV Pulse-Umfrage gehen davon aus, dass Aktien im nächsten Monat bessere Renditen erzielen werden als Anleihen. Das ist der höchste Grad an Begeisterung für Aktien, der in der Umfrage registriert wurde, seit die Frage nach den beiden Vermögenswerten im August 2022 erstmals gestellt wurde.

Händler werden in dieser Woche eine weitere Reihe von Wirtschaftsdaten genau beobachten, darunter die von der Fed bevorzugte Messgröße für die zugrunde liegende Inflation – die PCE-Preisdaten am Donnerstag. Analysten erwarten im Oktober einen Anstieg der Kernrate von 3,5 % nach 3,7 %. Nach Ansicht von Shane Oliver, Leiter der Anlagestrategie bei AMP, könnten die Anleger die US-Inflationszahlen weiterhin als „recht positiv“ ansehen.

„Aber gleichzeitig hat die Fed ihre Besorgnis darüber zum Ausdruck gebracht, dass die Inflation immer noch weit über dem Zielwert von 2 % liegt“, sagte er im Bloomberg-Fernsehen. „Es gibt ganz klar anhaltende Probleme mit der Inflation im Dienstleistungssektor, die derzeit ein globales Problem zu sein scheint. Die Fed dürfte zudem die Lockerung der finanziellen Bedingungen im Auge behalten, die wir mit der Rallye bei Anleihen und Aktien erlebt haben.“

Der Verkauf von Staatsanleihen in den USA am Montag stieß auf gemischte Reaktionen, wobei eine Auktion von fünfjährigen Anleihen im Wert von 55 Mrd. USD auf eine starke Nachfrage stieß, während ein Verkauf von zweijährigen Anleihen im Wert von 54 Mrd. USD schwach ausfiel.

Andernorts stabilisierte sich der Goldpreis in der Nähe des höchsten Stands seit Mai, unterstützt von einem Rückgang der Renditen von Staatsanleihen und Wetten, dass die Fed mit einer Zinssenkung im Mai beginnen wird. Der Ölpreis blieb nach einer Reihe von Verlusten stabil, da der Markt die Möglichkeit weiterer Produktionskürzungen durch die OPEC+ gegen die Anzeichen eines Angebotsüberhangs abwog.

FMW/Bloomberg



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2 Kommentare

  1. 3% Inflationsziel, Freudscher Fehler?

  2. Nur ein Tippfehler ;)
    Danke für den Hinweis

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