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Europa

Finnland: Abstieg durch den Euro?

Markus Fugmann

Veröffentlicht

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Von Markus Fugmann

Der finnische Finanzminister Stubbe gehörte zu den „Hardlinern“ gegenüber Griechenland – seine Haltung war fast noch schärfer als die Schäubles. Und sieht man sich die Wirschaftsentwicklung an, zeigt sich klar: Finnland hat massive Probleme (was ein Stück weit die harte Haltung gegenüber Griechenland erklärt).

Bedingungsloses Grundeinkommen Timo Soini auch die Rechten in Finnland sind dafür
Symptom der Krise: Timo Soini, Chef der „Finns Party“ („Wahre Finnen“) plädiert für Abschottung vor „Fremden“
Foto: Ppntori / Wikipedia (CC BY-SA 4.0)

So meldete das Land heute Arbeitsmarktdaten: im Juni diesen Jahres suchten 371.000 Menschen Arbeit, das ist fast 10% mehr als noch vor einem Jahr. Zwischen 2008 und 2014 ist das „cumulative percent change in real per capita G.D.P.“, also der BIP-Beitrag pro Kopf, um 8% gefallen, während er zwischen 1998 und 2008 um 33% gestiegen war – so viel wie in fast keinem anderen Land. Manches deutet darauf hin, dass der Euro zumindest eine Teilschuld an dieser Entwicklung trägt.

Aber es gibt auch andere Faktoren, die die Wirtschaft Finnlands derzeit stark belasten:

1. Der Untergang der mit Abstand wichtigsten Firma in Finnland, Nokia. Das hat Tausende an Arbeitsplätzen gekostet.

2. Der Rückgang der Papier-Nachfrage. Papier ist einer der wesentlichen Produkte Finnlands.

3. Die schwere Rezession Russlands, einem der wichtigsten Handelspartner des Landes, der bereits vor den westlichen Sanktionen begann, durch diese aber beschleunigt wurde.

In dieser Krise hat nun Finnland durch den Euro nicht die Möglichkeit, auf diese Entwicklung währungstechnisch zu reagieren. Als Finnland noch die „Markka“ hatte, wäre dies möglich gewesen: etwa wie in Schweden durch eine Art QE, wie es derzeit Schweden betreibt.

In Deutschland übrigens stieg das „cumulative percent change in real per capita G.D.P.“ zwischen 2008 und 2014 um 5%. Während Deutschland nach Einführung des Euro eine schwere Krise erlebte – weil die Importkosten drastisch stiegen durch den schwächeren Euro und das Kapital von Deutschland in Richtung Euro-Peripherie floss – ist Deutschland nun seit einigen Jahren ein Hauptgewinner des Euro, weil die Exportindustrie boomt (plus Reformen im Inneren).

Finnland aber macht derzeit die gegenläufige Entwicklung durch – und reagiert mit Euro-Skepsis und Abschottungtendenzen (Regierungsbeteiligung der „Wahren Finnen“). Man darf gespannt sein, wann in Finnland dann auch Stimmen laut werden, die fordern, dass Finnland auch aus dem Euro raus müsse, wenn es wieder auf die Beine kommen möchte..

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Hans aus Finnland

    21. Juli 2015 17:43 at 17:43

    Guten Abend,

    für den Vorschlag zurück zur finnischen Markka gibt es seit kurzem eine politische Bürgerinitiative, hier in Finnland, die zunehmend Unterstützung findet:

    http://yle.fi/uutiset/mep_bring_back_marks_francs_and_lire_alongside_euros/8169322

    Artikel vom 21.07.2015 in englischer Sprache.

  2. Avatar

    Max

    21. Juli 2015 18:45 at 18:45

    Finnlands Abstieg ist eher dem Abstieg von Nokia zu verdanken. Nokia und seine Zulieferer waren die grössten Arbeitgeber.

  3. Avatar

    manfred

    21. Juli 2015 18:56 at 18:56

    Finnland ist ein großes Land mit sehr wenigen Einwohner. Die Finnen würden ohne Euro viel besser fahren. Wenn man Rohstoffe hat braucht man keinen Euro.

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Europa

Bruttoinlandsprodukt für 2020: Statistisches Bundesamt präsentiert erste Daten

Claudio Kummerfeld

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Deutschland Flagge

Laut vor wenigen Minuten vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Daten ist das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland (anhand vorläufiger Berechnungen) im Gesamtjahr 2020 um 5,0 Prozent gesunken. Die deutsche Wirtschaft sei somit nach einer zehnjährigen Wachstumsphase im Corona-Krisenjahr 2020 in eine tiefe Rezession geraten, ähnlich wie zuletzt während der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009. Der konjunkturelle Einbruch fiel aber im Jahr 2020 den vorläufigen Berechnungen zufolge insgesamt weniger stark aus als 2009 mit -5,7 Prozent.

Grafik zeigt Bruttoinlandsprodukt im Verlauf seit dem Jahr 2005

BIP-Zahlrenreihen

Hier einige aktuelle Aussagen der Statistiker im Wortlaut:

Corona-Krise traf Industrie und Dienstleistungsbereiche hart – nur das Baugewerbe legte zu

Die Corona-Pandemie hinterließ im Jahr 2020 deutliche Spuren in nahezu allen Wirtschaftsbereichen. Die Produktion wurde sowohl in den Dienstleistungsbereichen als auch im Produzierenden Gewerbe teilweise massiv eingeschränkt.

Im Produzierenden Gewerbe ohne Bau, das gut ein Viertel der Gesamtwirtschaft ausmacht, ging die preisbereinigte Wirtschaftsleistung gegenüber 2019 um 9,7 % zurück, im Verarbeitenden Gewerbe sogar um 10,4 %. Die Industrie war vor allem in der ersten Jahreshälfte von den Folgen der Corona-Pandemie betroffen, unter anderem durch die zeitweise gestörten globalen Lieferketten.

Besonders deutlich zeigte sich der konjunkturelle Einbruch in den Dienstleistungsbereichen, die zum Teil so starke Rückgänge wie noch nie verzeichneten. Exemplarisch hierfür steht der zusammengefasste Wirtschaftsbereich Handel, Verkehr und Gastgewerbe, dessen Wirtschaftsleistung preisbereinigt um 6,3 % niedriger war als 2019. Dabei gab es durchaus gegenläufige Entwicklungen: Der Onlinehandel nahm deutlich zu, während der stationäre Handel zum Teil tief im Minus war. Die starken Einschränkungen in der Beherbergung und Gastronomie führten zu einem historischen Rückgang im Gastgewerbe.

Ein Bereich, der sich in der Krise behaupten konnte, war das Baugewerbe: Die preisbereinigte Bruttowertschöpfung nahm hier im Vorjahresvergleich sogar um 1,4 % zu.

Massiver Rückgang der in- und ausländischen Nachfrage

Auch auf der Nachfrageseite waren die Auswirkungen der Corona-Pandemie deutlich sichtbar. Anders als während der Finanz- und Wirtschaftskrise, als der gesamte Konsum die Wirtschaft stützte, gingen die privaten Konsumausgaben im Jahr 2020 im Vorjahresvergleich preisbereinigt um 6,0 % zurück und damit so stark wie noch nie. Die Konsumausgaben des Staates wirkten dagegen mit einem preisbereinigten Anstieg von 3,4 % auch in der Corona-Krise stabilisierend, wozu unter anderem die Beschaffung von Schutzausrüstungen und Krankenhausleistungen beitrug.

Die Bruttoanlageinvestitionen verzeichneten preisbereinigt mit -3,5 % den deutlichsten Rückgang seit der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009. Dabei legten die Bauinvestitionen entgegen diesem Trend um 1,5 % zu. In Ausrüstungen – das sind vor allem Investitionen in Maschinen und Geräte sowie Fahrzeuge – wurden im Jahr 2020 dagegen preisbereinigt 12,5 % weniger investiert als im Vorjahr. Die Investitionen in sonstige Anlagen – darunter fallen vor allem Investitionen in Forschung und Entwicklung – fielen ersten Schätzungen zufolge preisbereinigt um 1,1 %.

Die Corona-Pandemie wirkte sich auch auf den Außenhandel massiv aus: Die Exporte und Importe von Waren und Dienstleistungen gingen im Jahr 2020 erstmals seit 2009 zurück, die Exporte preisbereinigt um 9,9 %, die Importe um 8,6 %. Besonders groß war der Rückgang der Dienstleistungsimporte, was vor allem am hohen Anteil des stark rückläufigen Reiseverkehrs lag.

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Europa

Industrieproduktion hat Corona-Lücke fast aufgeholt

Claudio Kummerfeld

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Zahnräder

Die Industrieproduktion in Deutschland (Produktion im Produzierenden Gewerbe) hat die Corona-Lücke fast aufgeholt. Sie ist im November im Vergleich zu Oktober um 0,9 Prozent gestiegen, wie das Statistische Bundesamt heute veröffentlicht hat. Im Jahresvergleich ist es ein Minus von 2,6 Prozent. Im Vergleich zum Februar 2020, dem Monat vor dem Beginn der Einschränkungen infolge der Corona-Pandemie, war die Produktion im November 2020 saison- und kalenderbereinigt noch 3,8 Prozent niedriger. Der Chart, der bis 2012 zurückreicht, zeigt die Industrieproduktion als blaue Linie. Hier sieht man für Februar 2020 einen Indexwert von 102,9 Punkten, und im November von 99.

Chart zeigt Verlauf der Industrieproduktion seit 2012

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Europa

Verbraucherpreise Eurozone Dezember: Fünfter Monat in Folge Deflation

Claudio Kummerfeld

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Geldmünzen mit Taschenrechner

Die Verbraucherpreise in der Eurozone wurden soeben für den Monat Dezember als Erstmeldung von Eurostat veröffentlicht. Sie sind um 0,3 Prozent rückläufig. Damit sehen wir auf europäischer Ebene nun den fünften Monat in Folge deflationäre Preise! Wie gestern auch in Deutschland, so sehen wir im Eurozonen-Gesamtschnitt heute auch eine kleinere Preissteigerung bei Lebensmitteln als in den Vormonaten. Jetzt sind es nur noch +1,4 Prozent, nach vorher +1,9 Prozent, 2,0 Prozent usw. Dies sorgt zusammen mit -6,9 Prozent bei den Energiepreisen für einen negativen Gesamtschnitt.

Details der Verbraucherpreise im Dezember

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