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Gasflüsse aus Russland sinken – aber auch Hoffnung – die derzeitige Lage

Die Gasflüsse aus Russland sinken deutlich. Nord Stream 1 spielt eine wichtige Rolle. Aber es gibt auch Hoffnung. Hier die aktuelle Lage.

Gas-Flamme

Seit zwei Wochen sinken die Gasflüsse aus Russland Richtung Deutschland. Ist die Versorungssicherheit gefährdet? Kurzfristig überhaupt nicht, denn in den letzten Monaten konnten die deutschen Gasspeicher deutlich aufgefüllt werden von 26,97 Prozent Anfang April auf aktuell 56,29 Prozent. Die seit drei Tagen stark reduzierten Durchleitungsmengen seitens Gazprom durch die Pipeline Nord Stream 1 sind in folgendem Chart gut erkennbar. Sie haben zusammen mit einer ausgefallenen Anlage für Flüssiggas in den USA dafür gesorgt, dass der Terminmarkt-Gaspreis für Europa in dieser Woche dramatisch angestiegen ist von 84 auf aktuell 126 Euro.

Sinkende Gasflüsse aus Russland durch die Pipeline Nord Stream 1

Die sinkenden Gasflüsse aus Russland bewirken keine aktuelle Versorgungsknappheit – aber sie erschweren die verstärkte Auffüllung der Gasspeicher bis zum Start der neuen Heizperiode ab Herbst. Dies könnte dann im nächsten Winter zu einer neuen Verknappungsangst beim Thema Gas führen. Laut heutiger Aussage der Bundesnetzagentur ist die Lage am Gasmarkt zwar angespannt, aber die Versorgungssicherheit in Deutschland sei derzeit weiter gewährleistet. Die Gasflüsse aus der Pipeline Nord Stream 1 wurden auf 40 Prozent der Maximalleistung gedrosselt. Einen kausalen Zusammenhang zwischen dem auf russischer Seite fehlenden Gaskompressor und der großen Lieferreduzierung will die Bundesnetzagentur laut heutiger Aussage nicht bestätigen. Von dieser Reduktion ist seit Mitte der Woche auch die Weitergabe von Gas in andere europäische Länder wie zum Beispiel Frankreich, Österreich und Tschechien betroffen.

Die durch die ausbleibenden Gasflüsse betroffenen Unternehmen können diese Mengen laut Bundesnetzagentur zurzeit anderweitig am Markt beschaffen. Die Großhandelspreise sind in Folge der Lieferreduzierung spürbar gestiegen und haben sich zuletzt auf höherem Niveau eingependelt. Wichtig: Trotz sinkender Gasflüsse aus Russland kann im Moment in Deutschland per Saldo weiterhin Gas eingespeichert werden. Dies bestätigen auch die aktuellsten Daten für die Gasspeicher. Die aktuellsten Daten liegen für Dienstag vor. Bis dahin sind die Gasspeicher täglich voller geworden. Gegenüber Montag ist die Einspeicherung nochmal leicht gestiegen um 0,35 Prozentpunkte. Die Füllstände der deutschen Gasspeicher sind laut Bundesnetzagentur mit ihren derzeitigen 56,29 Prozent zum Teil deutlich höher als im Jahr 2015, 2017, 2018 und 2021.

Gazprom hatte als Grund für die sinkenden Gasflüsse durch Nord Stream 1 fehlende Gasturbinen genannt, die in Kanada von einem Werk von Siemens überholt werden. Kanada will diese wegen Sanktionen gegen Russland nun nicht zurückschicken. Würde dieses Problem gelöst werden, wäre zumindest diese Argumentationsgrundlage von Gazprom weg, und man könnte dann sehen, ob die Gasflüsse durch Nord Stream 1 wieder zunehmen. Laut jüngsten Berichten versuchen die Regierungen von Deutschland und Kanada hierfür eine Lösung zu finden. Bekommt man das hin, würde der Gaspreis dann wieder fallen, in Hoffnung auf einen Anstieg der Gasflüsse durch Nord Stream 1? Das wäre ein denkbares Szenario.

Grafik zeigt Gasflüsse aus Russland nach Deutschland

Entlastende Faktoren für den Gasmarkt in Deutschland

Abgesehen von dem belastenden Faktor Nord Stream 1 gibt es auch entlastende Faktoren für den deutschen Gasmarkt. Die Gasflüsse aus anderen Ländern wie Norwegen, Niederlande und Belgien bleiben in den letzten Wochen konstant, wie die folgende Grafik zeigt.

Gasflüsse aus Norwegen, Niederlande und Belgien

Auch entlastend für den Gasmarkt ist für den deutschen Gasmarkt, dass der Gasverbrauch in Deutschland in den letzten Monaten niedriger war als im selben Zeitraum des Vorjahres. Ist das schon die freiwillige Mitwirkung der deutschen Bevölkerung bei den Bemühungen, sich unabhängig von Gas aus Russland zu machen, nämlich in dem man Gas spart? Wohl kaum. Die folgende Grafik zeigt es. Die orangen Balken zeigen für die ersten Monate im Jahr 2022 den geringeren Verbrauch im Vergleich zu 2021 (Balken in hellblau). Dazu beachte man bitte aber die orange Linie im Vergleich zur hellblauen Linie. Das Wetter in Deutschland war in den letzten Monaten milder als im Vorjahr. Von daher wird auch weniger Gas verbraucht. Also hilft das Wetter derzeit ein klein wenig mit „im Kampf“ gegen Putins Gas.

Gasverbrauch in Deutschland in 2021 und 2022

Daten und Grafiken: Gas Infrastructure Europe und © 1998-2022 Bundesnetzagentur, Lizenz: (CC BY-ND 3.0 DE)



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10 Kommentare

  1. Bundeskanzler a.D. Gerhard Schröder verweist auf die „Qualität“ von russischem Erdgas.

    1. Er verweist auch darauf, dass er seine steuerfinanzierten Büros und Mitarbeiter wieder haben möchte. Was als demokratisch zur Kenntnis genommen wurde.

      1. Antwort und mögliche weitere ähnliche hierzu als demokratisch zur Kenntnis genommen.

  2. Das Gazprom-Märchen von der Gasturbine erledigt sich schon bei Betrachtung der Gasflüsse durch Mallnow (Jamal-Pipeline) und Waidhaus (Megal-Pipeline). Außer dort ist auch etwas Hardware kaputt gegangen, wovon wir nur noch nichts wissen.

  3. Wenn ich richtig gerechnet habe, dann wird durch N1 (bei voller Auslastung) jeden Tag die Gasmenge eines LNG-Tankers geliefert.
    Also 365 Tanker im Jahr.
    Ja, Deutschland bekommt auch noch anderswo Erdgas her, aber zusätzlich zu den 365 Tankern.
    Hat Jemand einen Vorschlag, wo alleine die leeren Tanker herkommen sollen. Die werden nicht auf Käufer wartend im Hafen vor Anker liegen, denn sie werden auf Bestellung gebaut. Und der Rest Europas wird auch Ersatz für russisches Gas benötigen. An erster Stelle die Länder, die zu 100 % von russischem Gas abhängig sind.
    Ich bin ja mal gespannt auf den nächsten Winter.

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

  4. Ich finde die Frage, ob es an einer fehlenden Turbine liegt, oder einen anderen Grund gibt, wirklich spannend. Gerade wenn man sich in Putins Lage versetzt. Nehmen wir mal an, wir bezögen Gas aus Syrien. Jetzt hat Syrien ein Problem mit Jordanien und Krieg. Wir finden das nicht toll und liefern Jordanien Waffen. Wir lange würde Syrien wohl weiter und Gas liefern?
    Ich kann aktuell absolut nicht verstehen, wieso Gasprom Europa, das durch die Waffenlieferungen faktisch in den Krieg eingegriffen hat, überhaupt noch beliefert. Man kann zu dem Krieg stehen wie man will, aber wenn Putin Europa wirklich schaden wollte, würde er einfach den Hahn zu drehen und es gäbe hier durch Unruhen und einem schlimmen crash(bis jetzt sind das alles peanuts, bisschen mehr geld fürs tanken und heizen.. ) mehr tote als durch einen Krieg. Europa würde komplett zusammenbrechen. Kein gas:kein Dünger, Frieren für 50% der Menschen, riesiges strom Problem, da keine gaskraftwerke für spitzen, kein Glas kann mehr verarbeitet werden. Es betrifft wirklich alle und jeden….. Daher sollten wir froh sein, dass der Joker nicht gezogen wurde….. Noch nicht.

    1. Ja, Putin und sein Gazprom sind so edel. Oder halten sich nur an bindende Verträge, damit man sagen kann, wie sind doch die Guten. Jamal, South Stream und Megal wären auch noch da, hier wurde der Joker schon gezogen. Putin ist schlau und macht das in kleinen Tippelschritten.

  5. Es stünde ja auch noch North Stream 2 parat, das theoretisch sofort ans Netz gehen könnte – vermutlich sogar mit neuen Turbinen. Wenn man nicht so ideologisch festgefahren wäre.
    Als ob das Gas aus der einen Pipeline schlechter wäre als aus der anderen.

    1. Stimmt, es ist und bleibt mit Blut unschuldiger Zivilisten, Frauen und Kinder verunreinigt, egal durch welche Röhren und Turbinen es gepresst wird.

    2. @Elisabeth Werner, nach Angaben von Nord Stream sind NS 1 und NS 2 so konstruiert, dass sie keine zusätzlichen Verdichterstationen entlang der Trasse benötigen.
      https://www.nord-stream.com/de/presse-info/pressemitteilungen/nord-stream-beginnt-schweissarbeiten-am-meeresboden-330/

      Somit kann es sich bei der defekten Turbine nur um eine am russischen Anfang in der Verdichterstation Portowaja handeln. Dort wird auch das Gas für NS 2 verdichtet, sodass eigentlich die Lieferung darüber auch nicht laufen dürfte. Soll aber angeblich funktionieren. Praktischerweise sind nun auch noch technische Störungen von Motoren festgestellt worden.

      Klingt einfach nach Ausreden, Schuldfragenverlagerung und Erpressung…

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