Gas

Kurzfristig weitere Entspannung der Lage Gaspreis fällt weiter – Gasspeicher und Blick auf Wetter helfen

Der Terminmarkt-Gaspreis rauscht weiter in den Keller. Gasspeicher füllen sich, viel LNG wird gekauft, und das Wetter spielt mit.

Gas-Tanker

Der europäische Terminmarkt-Gaspreis (Dutch TTF-Kontrakt) fällt heute weiter. Heute früh schon kurz unter 160 Euro, sehen wir aktuell einen Preis von 164,96 Euro, ein Tagesminus von 2,9 Prozent. Noch Ende August sah man Preise über 330 Euro! Der Chart zeigt den Kursverlauf in den letzten zwölf Monaten. Zwar liegt man immer noch gut 70 Euro über dem Niveau des Vorjahres, aber es ist eine sehr kräftige Preiserholung binnen der letzten vier Wochen! Neben den gestrigen erleichternden Aussagen der IEA, und den hohen LNG-Lieferungen aus Übersee Richtung Europa, schauen wir aktuell auch auf die Gasspeicher und anstehendes mildes Wetter in Europa.

Kursverlauf im Terminmarkt-Gaspreis in den letzten zwölf Monaten

Gasspeicher werden immer voller – gute Hilfe beim Rückgang im Terminmarkt-Gaspreis

Die Internationale Energie-Agentur erwähnte gestern, dass die europäische Nachfrage nach Gas in diesem Jahr um die Rekordmarke von 10 % und im nächsten Jahr aufgrund der hohen Preise um weitere 4 % zurückgehen sollte. Aber abgesehen davon lohnt heute mal wieder ein Blick auf die Füllstände der Gasspeicher in Europa, anhand von Daten von Gas Infrastructure Europe. Im EU-Schnitt haben sie derzeit einen Stand von 89,32 Prozent erreicht, ein Plus von 0,35 Prozentpunkten an nur einem Tag. Die deutschen Gasspeicher sind inzwischen zu 92,08 Prozent gefüllt, gegenüber gestern ein Plus von 0,38 Prozentpunkten. Zum 1. November sollen es laut Vorgabe des Bundeswirtschaftsministeriums 95 Prozent sein. Die Entspannung im Gaspreis wird auch mit diesem Umstand zu tun haben – nämlich dass sich die Gasspeicher europaweit weiter füllen, auch bei seit Wochen nicht vorhandenen Gasflüssen über Nord Stream 1.

Mildes Wetter steht an – ein wichtiger Faktor

Nun hat die Heizperiode begonnen, die Menschen beginnen die Heizungen aufzudrehen. Das lässt vermuten, dass das Auffüllen der Gasspeicher nun von Tag zu Tag schwieriger wird, da von den Importen von Gas mehr und mehr für den Heizverbrauch verkonsumiert wird, anstatt für das vollständige Auffüllen der Speicher. Aber im derzeit fallenden Gaspreis wird auch die Erwartung angezeigt, dass sich das Wetter in Europa in nächster Zeit relativ mild zeigen wird. So berichtet Bloomberg aktuell, dass in den nächsten zwei Wochen in Großbritannien und auf dem europäischen Festland überdurchschnittlich hohe Temperaturen erwartet werden, was die Entnahme von Gas aus den Speichern für Heizzwecke verzögern dürfte. Die Prognostiker von Weather Co. rechnen mit einem mäßigen bis hohen Windkraftpotenzial in Europa, was die Nachfrage nach Gas zur Stromerzeugung dämpft und zu niedrigeren Preisen beiträgt. In Großbritannien lag die Windkraftleistung um 8 Uhr morgens in London bei 46 % der gesamten Stromerzeugung, während die Gaserzeugung laut Netzdaten bei 32 % lag. Laut Bloomberg mehren sich die Anzeichen, dass Europa den Winter auch mit weniger Gaslieferungen aus Russland überstehen könnte.

Kritischer Blick auf nächstes Jahr

Bloomberg merkt weiter an: Die Gasspeicher füllen sich stetig, da die Länder in Europa ihre Einfuhren von Flüssiggas (LNG) und Pipeline-Lieferungen aus Norwegen erhöhen, um den Verlust der russischen Lieferungen auszugleichen. Es bleibt jedoch fraglich, ob die europäischen Länder in der Lage sind, diese Reserven nach dem Ende des Winters wieder aufzufüllen. Denn Europa ist in der Regel auf russisches Gas angewiesen, um seine Vorräte für das nächste Jahr aufzustocken, und jede Unterbrechung der Importe aus anderen Ländern könnte das Auffüllen der Vorräte zu einer schwierigen Aufgabe machen.

FMW: Das bedeutet? Mehr denn je muss Europa LNG aus den USA, Katar und Australien heranschaffen, damit der Gaspreis weiter fallen kann? Heute veröffentlichte Daten: Es werden Rekordpreise gezahlt um überhaupt noch an frei verfügbare LNG-Tanker zu kommen, die das Flüssiggas nach Europa verschiffen. Alleine eine Buchung aus letzter Woche zeigt für die Atlantikroute für eine US-Ladung Ende Oktober zur Lieferung nach Europa, dass die Frachtrate bei 400.000 Dollar pro Tag für die Hin- und Rückfahrt liegt. Nach Angaben von Händlern und Maklern ist dies wahrscheinlich der teuerste Vertrag, der jemals für die Atlantik-Strecke abgeschlossen wurde.

FMW/Bloomberg/GIE



Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Meist gelesen 7 Tage