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Energiekrise Gaspreis mit dramatischem Anstieg – 170 Prozent Kursplus in 6 Wochen

Der europäische Gaspreis am Terminmarkt legt in nur 6 Wochen 170 Prozent zu. Hier ein aktueller Blick auf die dramatische Lage.

Grafik mit symbolischer Gas-Pipeline

Der Gaspreis am Terminmarkt (Großhandelspreis) für Europa (Dutch TTF-Kontrakt August) notiert aktuell bei 224,57 Euro, ein heutiges Plus von 12,3 Prozent! Gestern war es auch schon ein enormer Anstieg! In den letzten sechs Wochen stieg dieser für Europa entscheidende Gaspreis um unglaubliche 170,56 Prozent oder 141,57 Euro! Dieser Anstieg ist gut sichtbar im Chart, der drei Monate zurückreicht.

Für die anstehenden Heizkostennachzahlungen für Millionen von europäischen Verbrauchern bedeutet das nichts Gutes, und erst recht nicht für die danach folgenden höheren Abschläge, die monatlich gezahlt werden müssen. Die anstehenden Kostenschübe sind kaum abzuschätzen, aber man sollte mit dem Schlimmsten rechnen!

Wie heutige Daten von Gas Infrastructure Europe zeigen: Die Gasspeicher in Deutschland haben sich in den letzten Tagen zwar weiter gefüllt. Aber aktuell überwiegt ganz klar die Panik vor dem deutlich sinkenden Gasflüssen aus Russland. Wie am Montag angekündigt, hat Gazprom den Gasfluss über die Pipeline Nord Stream 1 heute früh von 40 auf 20 Prozent der möglichen Durchleitungskapazität gesenkt.

Der schnell steigende Gaspreis zeigt die Panik auf der Käuferseite, wo man Angst hat nicht mehr genug Gas zu erhalten. Nun geht die Nachfrage vermehrt raus auf den Weltmarkt, wo der Nachfragedruck den Preis steigen lässt. Der explodierende Gaspreis in Europa sendet aber auch ein Signal an die Verkäufer, zum Beispiel in den USA: Man verkauft wohl viel lieber nach Europa als an andere Kaufinteressenten, weil in Europa mehr Geld zu verdienen ist. Man verkauft nun mal dahin, wo am meisten gezahlt wird.

Der Experte Javier Blas kommentiert aktuell den schnell ansteigenden Gaspreis mit Blick auf den reduzierten Gasfluss über Nord Stream 1. Die Gaslieferungen seien gedrosselt, gleichzeitig aber bleibe die Nachfrage robust, da die europäischen Länder Gas zur Stromerzeugung verbrauchen, um die schwache Wind- und Wasserkraft auszugleichen. Er sieht einen weiteren Prüfstein für die europäischen Strommärkte, denn die Windenergie geht deutlich zurück, was Großbritannien und andere Länder dazu zwinge große Mengen an Gas zur Stromerzeugung zu verbrennen – Gas, das man eigentlich für den Winter aufsparen sollte.

Kursverlauf im Dutch TTF-Gaspreis in den letzten drei Monaten Kursverlauf im Dutch TTF-Gaspreis in den letzten drei Monaten.



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