Märkte

US-Wirtschaft: Bringen fallende Öl- und Spritpreise Peak Inflation?

Haben die USA das Top der Preissteigerungen erreicht, die sogenannte Peak Inflation? Hier dazu einige Indizien.

Benzin tanken an einer Tankstelle

Während in Europa die Energiekrise infolge der russischen Gaslieferungen weiter am Kochen ist, gibt es in den USA einen gegenläufigen Trend. Und zwar in Gestalt der Benzin- und Ölpreise, die bereits seit Wochen nach unten tendieren. Wird der Anstieg der Inflation in den USA nun also ausgebremst? Das wäre ganz im Sinne von US-Präsident Joe Biden, der sich bewusst ist, dass er bei Preisen von sechs Dollar für die Gallone Sprit bei den Wahlen im November eine krachende Niederlage erleiden würde. Jetzt kamen die neuesten Wochendaten, mit stark rückläufiger Tendenz.

Peak Inflation? Spritpreise erneut 16 und 15 Cent billiger

Die Korrektur der heiß gelaufenen Preise an den US-Tankstellen läuft nun schon seit fünf Wochen. Sehr deutlich ist an diesem Chart von Advisor Perspectives erkennbar. Es ist ein Absturz, der sich bei der letzten Ausgabe des US-Verbraucherpreisindex (Consumer Price Inflation) aber noch nicht bemerkbar machen konnte.

Benzinpreis-Entwicklung in den USA

Auch der Preis für das US-Öl WTI ist weiter gesunken, auf Wochensicht um 4,5 Prozent. Hier wird der Jahresvergleich immer interessanter, denn im letzten Monat gab es noch die gewaltigen Steigerungsraten bei den Energiepreisen, wie es diese Übersicht von Charlie Bilello aufzeigt. Auch das ist ein weiteres Indiz für „Peak Inflation“.

Tweet über Preissteigerungen

Irgendwann wird sich der Basiseffekt gewaltig bemerkbar machen, wenn nämlich nicht mehr 60 Dollar im Ölpreis aus dem Vorjahr verglichen werden, mit 120 Dollar in 2022. Hier sehen wir den nahezu exponentiellen Anstieg des Ölpreises seit dem extremen Corona-Tief mit 20 Dollar auf deutlich über 120 Dollar im Frühjahr diesen Jahres.

Kursverlauf im Ölpreis

Um das Ganze noch ein wenig mehr zu verdeutlichen, hier noch einmal Daten aus dem Vormonat, die aufzeigen, wie stark der Anstieg der Energiepreise auf den Transport- und Haussektor gewirkt hat (Jahresvergleichsdaten der Consumer Price Inflation in den USA).

Details zur Inflation in den USA

Was schlussendlich zu der hohen Inflation von 9,06 Prozent im letzten Monat geführt hatte, siehe folgender Chart.

Inflation und Kerninflation in den USA

Fazit

Sicherlich werden die Inflationsdaten in den nächsten Monaten nicht in sich zusammenfallen. Denn zu stark wirken noch andere Effekte, wie die gestiegenen Mietkosten, Lebensmittel, höhere Grundkosten etc. Aber vonseiten der Energie gibt es zunächst einmal Erleichterung, vorausgesetzt es gibt nicht eine unvorhersehbare Eskalation auf weltpolitischer Ebene. Eine Merkwürdigkeit könnten wir dennoch erleben, in Gestalt der „Home Owners Equivalent Rent“, einer Preiskomponente, die bei der Kalkulation der Inflation in den USA stark gewichtet ist. Darunter versteht man die Steigerung der Miete, die ein Hauseigentümer aufzubringen hätte, sollte er diese bezahlen müssen.

Diese ist im vergangenen Jahr zweistellig gestiegen, die Komponente wird aber erst mit halbjähriger Verzögerung eingepreist. Börse paradox: Während die Märkte bereits auf 2023 blicken, sollen alte Daten zur Inflation bei der Beurteilung eine Rolle spielen? Jeden Tag kommen neue Daten aus den USA, die zeigen wie stark sich der Immobilienmarkt abkühlt, durch teilweise doppelt so hohe Kreditzinsen, bei exorbitant hohen Immobilienpreisen, die sich immer weniger Amerikaner leisten können.

Entwicklung der Hypothekenzahlungen

Und da wäre ja noch die Wahrscheinlichkeit einer Rezession in den USA, volle Lager bei den Einzelhändlern mit künftigen Sonderangeboten. Kurzum: Die Chancen für Peak Inflation sind rapide gestiegen, zumindest für die größte Volkswirtschaft der Welt.



Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

1 Kommentar

  1. Herr Müller besten Dank. Auch wenn der Peak erreicht ist und die Inflation in Bezug auf den Basiswert erheblich sinkt, sind die Preise immer noch hoch. Erst wenn Löhne und Sozialleitungen entsprechend erhöht wären, ist es für den Konsumenten „ok“. Aber wahrscheinlich nur für kurze Zeit, weil dann die Preise und auch die Steuern wieder steigen müßten.

    Erst wenn der Energie- und Rohstoffbedarf absulut sinken würden, könnte diese Spirale durchbrochen werden. Für den Westen kommt hinzu, dass die „billigen“ Arbeitskräfte aus Asien, immer weniger werden dürften, was die Preise insgesamt sicherlich steigen lassen wird.

    Vielleicht bin ich zu pessimistisch…

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Meist gelesen 7 Tage