Gas

Vorschlag der Expertenkommission Gaspreisbremse: So werden Bürger und Unternehmen konkret entlastet

Die Gaspreisbremse nimmt konkrete Formen an. Jetzt sind die Details bekannt, wie Bürger und Unternehmen konkret entlastet werden sollen.

Heizung, Geld und Taschenrechner

Die Worte Gaspreisbremse oder Gaspreisdeckel dienen als Oberbegriff für die Entlastung der Bürger aufgrund explodierter Gaspreise. Nachdem ein Expertengremium im Auftrag der Bundesregierung in den letzten Tagen Vorschläge erarbeitet hatte, wie die Gaspreisbremse praktisch zügig umsetzbar ist, hat dieses Gremium vor wenigen Minuten seine Entscheidung verkündet, die ein Vorschlag an die Bundesregierung ist. Aber man darf davon ausgehen, dass diese Vorschläge so umgesetzt werden.

Entlastungen für Privatverbraucher

Für Privatverbraucher gelten zwei Stufen. Die Experten betonten, dass man schon kurzfristig eine Entlastung schaffen für die Bürger wollte. Wohl weil die Gasversorger eine strukturelle Lösung nicht in wenigen Wochen hinbekommen, wird der Bund die Dezember-Abschlagszahlungen der Verbraucher komplett übernehmen.

In einem zweiten Schritt wird eine Gaspreisbremse und Wärmepreisbremse eingeführt, die ab März 2023 bis April 2024 gelten soll. 80 Prozent des geschätzten Grundkontingents des Verbrauchs wird subventioniert, für das man als Verbraucher 12 Cents pro Kilowattstunde zahlen wird. Für Fernwärmekunden soll der Preis bei 9,5 Cents liegen. Sparanreize sollen erhalten bleiben durch die restlichen 20 Prozent des Verbrauchs, die nicht subventioniert werden.

Industrie

Die Lösung für die Industrie sieht so aus: Ab 1. Januar 2023 gibt es eine Entlastung, die sich auf 70 Prozent des Jahresverbrauchs des jeweiligen Unternehmens im Jahr 2021 bezieht. Der „Beschaffungspreis“ für die subventionierten Energiepreise soll bei 7 Cents pro Kilowattstunde liegen, was exakt zu den 12 Cents für Privatkunden passt, so die Experten. Organisiert wird die Subvention über die Gasversorger, dort müssen die industriellen Gasverbraucher dann ihre Subvention beantragen und dies auch öffentlich machen.

Der Energie-Verband BDEW kommentiert dies aktuell folgendermaßen:

„Die Gaskommission hat nach intensivem Ringen ein überzeugendes Ergebnis für die privaten Haushalte und die Unternehmen vorgelegt. Das wirkmächtige Maßnahmenpaket hat einen Wert von rund 100 Milliarden Euro. Von Anfang an war klar, dass das Gaspreisniveau vor dem Krieg Vergangenheit bleiben wird. Es ist aber gelungen, eine zweistufige Gas- und Wärmepreisbremse zu verabschieden. Das Modell besteht aus einer Einmalzahlung kombiniert mit einer Gaspreisbremse für Haushalte und industrielle Verbraucher, die spätestens ab 01. April 2023 greift. Dadurch werden die Gaspreise signifikant gesenkt, gleichzeitig der Anreiz zum Sparen gewährleistet und der Übergang in ein neues Zeitalter der Gaspreise optimal gestaltet. Ziel ist, in diesem Winter in allen Kundensegmenten mindestens 20 Prozent Gas einzusparen. Dieser Dreiklang ist ein Erfolg für Alle: die Bürgerschaft, die Unternehmen sowie die Versorgungssicherheit. Die explodierenden Gaspreise für die Verbraucherinnen und Verbraucher sowie die Unternehmen werden erfolgreich abgefedert und dadurch die Bezahlbarkeit der Rechnungen gesichert. Gleiches gilt für die kleinen- und mittelständischen Unternehmen, deren existentielle Risiken deutlich reduziert und deren Arbeitsplätze erhalten werden. Die Energiebranche in Deutschland leistet einen entscheidenden Beitrag zum Gelingen dieses Konzepts.“



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13 Kommentare

  1. Als Besitzer eines Flüssiggastanks werde ich mal wieder „der Arsch“ sein und keine Entlastung bekommen. Schon bei der Mehrwertsteuersenkung waren wir außen vor, da nur über das Leitungsnetz eingspeistes Gas ermäßigt wird.
    Das wird auf dem Land einigen so gehen, da hier die Netzinfrastruktur einfach nicht überall verfügbar ist.
    Aber die Landeier habens ja…

    1. Ich als Ölheizer werde auch nichts bekommen. Obwohl sparen ? wie soll das gehen. Ich spare sowieso schon, so bin ich erzogen worden. Meine Frau schimpft mich eher weil es ihr zu kühl ist. Schlafzimmer ist noch nie geheizt worden.

      1. Sie können Ihrem Freund Wladimir ja eine Rechnung mit Protestnote schicken.
        Ansonsten empfehle ich mehr Sex und weniger Schimpfen, das sorgt auch für Wärme 😍
        Zimmer gar nicht zu heizen, ist dumm und ineffizient, wie jeder weiß.

        1. Endlich mal pragmatische Tipps! Danke! :) So können wir auch dem demographischen Wandel entgegenwirken ;)

          Wir werden auf jeden Fall durchkommen. Aber eine Pauschale a la Helikoptergeld wäre schon eine super Sache gewesen. Aber es muss ja komliziert sein…

  2. Das heist im besten Falle werden wir alle mindestens mit dem 3,2 fachen der bisherigen Gasrechnung rechnen dürfen – da kommt Freude auf !
    Annahme der Gaspreis hat sich „nur“ verzehnfacht, 90% dürfen die Versorger durchreichen.
    Alt: 0,07 €/kWh
    Neu: 0,12 * 0,8 + (0,7 * 10* 0,9) * 0,2 = 0,222 €/kWh
    Ok, jetzt kann man sagen es könnte auch das 10 fache, 15 oder 20 fache sein…. egal das gibt trotzdem richtig Ärger und Probleme !

    1. @Daxrabbit

      Es steht jedem frei und ist auch beabsichtigt, die 20% hinter Ihrem Pluszeichen einzusparen, damit keine Gasmangellage eintritt. Verbleiben also noch 0,096 €/kWh = 37% Verteuerung gegenüber der bisherigen Gasrechnung.

      1. Ergänzung: Die Zahlen oben beziehen sich auf die Grundeinheit kWh.
        Nach Erstattung der Dezemberrate durch den Staat ergibt sich für die Jahres-Gesamtabrechnung eine Verteuerung von 26% für diejenigen, die es schaffen, die notwendigen 20% an Verbrauch einzusparen.
        Dies ist selbstverständlich nur bei einem klimatisch vergleichbaren Winter wie 2021 zumutbar.

  3. Es wäre besser gewesen, wenn die Einmalzahlung an die Privatverbraucher für alle die gleiche Höhe betragen hätte – so wie es auch Frau Grimm ursprünglich vorgeschlagen hat. Weitere Maßnahmen hätte es dann auch nicht bedurft, um erstmal über den Winter zu kommen.

  4. Der obigen Expertenkommission gehört der energiepolitisch mittelmäßige BDI-Präsident Siegfried Russwurm an, der die kompetente energiepolitische Agenda der Öl-Allianz OPEC+/Energiemix bestehend aus fossilem Erdöl, fossilem Erdgas, Wasserstoff/eignet sich auch für die Veredelung von Rohöl, Wasserkraft, Sonnenenergie und Windenergie denunziert.

  5. Aufmerksamer Bürger

    Als Berechnungsmonat für die 80% Grundkontinggent soll der Verbrauch vom September 2022 genutzt werden?! Die meisten hatten bis dahin dieses Jahr noch nicht mal die Heizung an! Sprich der Verbrauch ist im September viel niedriger als er es in den nächsten Monaten sein wird! Und die die schon im September richtig die „Sau“ rausgelassen haben, werden belohnt! Da fühlt man sich so langsam echt ver…

    1. Wer lesen kann ist eindeutig im Vorteil.
      Es soll nicht der Septemberverbrauch herangezogen werden, sondern der Verbrauch, der zur Berechnung des Septemberabschlages herangezogen wurde. Das ist oftmals der letzte Jahresverbrauch.

    2. @Aufmerksamer Bürger

      Woher beziehen Sie diese Info? Meines Wissens nach orientiert sich nur die einmalige Abschlagszahlung für Dezember durch den Staat auf die Höhe der Abschlagszahlung vom September. Und Abschlagszahlungen haben üblicherweise nichts mit dem Verbrauch eines einzelnen Monats zu tun, sondern ergeben sich als regelmäßige Zahlungen aus der Höhe der letzten Endabrechnung (also von 2021). Oder sehe ich das falsch?

  6. Meine zwei Cent:

    Zu kompliziert. Zu viele Nebenwirkungen. Ungerechtigkeiten vorprogrammiert.

    Unrealistisch – die meisten Menschen in Deutschland sparen schon wie blöde. Bei denen geht nicht mehr viel. Die anderen sind bei einem solchen Thema kaum erreichbar. Entweder handelt es sich um Menschen, die schlicht frieren oder gar krank werden, oder um solche mit viel Geld, die was anders zu tun haben.

    Es gibt bestimmt ein paar Einzeltäter, die mal das eine oder andere neue Kleidungsstück ausprobieren wollen, aber damit steuert man keine Industrienation.

    Und schließlich: Sinnlos und schädlich wenn nicht sofort auch das Energieangebot gehoben wird. Dann ist das ein Strohfeuer, dass den Mangel vergrößern wird.

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