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Kurzfristig weniger Verknappungsangst Gaspreis am Terminmarkt fällt deutlich – Blick auf LNG, Wetter und Gasspeicher

Der Gaspreis fällt weiter spürbar. Die Gründe sind vor allem bei den LNG-Importen, auch beim Wetter und bei volleren Gasspeichern zu finden.

Der Großhandels-Gaspreis am europäischen Terminmarkt (Dutch TTF-Kontrakt) fällt immer weiter. Heute ist es ein Minus von -3,2 Prozent auf 151,20 Euro pro Megawattstunde – heute Vormittag sah man bereits Tiefstkurse von 144 Euro, der niedrigste Stand seit Juli! Noch Ende August sah man Kurse über 330 Euro, und erst vor acht Tagen sah man noch Kurse bei 225 Euro. Der Chart zeigt den Kursverlauf im TTF-Gaspreis in den letzten zwölf Monaten. Blicken wir auf das Wetter, Gasspeicher, und vor allem auf die LNG-Importe.

Kursverlauf im Dutch TTF-Gaspreis in den letzten zwölf Monaten

Gaspreis rutscht ab – Gasspeicher helfen

Wie heutige Daten von Gas Infrastructure Europe zeigen, sind die Füllstände der deutschen Gasspeicher inzwischen bei 94,07 Prozent angekommen zum Stichtag 8. Oktober, ein Tagesplus von 0,43 Prozentpunkten. Daher darf man davon ausgehen, dass die Füllstände heute bereits die 95 Prozent-Marke erreicht haben, die von der Bundesregierung als Ziel für den 1. November vorgegeben wurden! Im Gesamtschnitt der EU läuft es auch gut – hier sehen wir Gasspeicher-Füllstände bei 90,95 Prozent, ein Tagesplus von 0,31 Prozentpunkten.

Wetter hilft – wohl auch in den nächsten zwei Wochen

Das in den letzten Tagen relativ milde Klima in Europa hilft wohl gut dabei die Gasspeicher derzeit schnell aufzufüllen. Ist es wärmer, werden die Heizungen nicht so stark aufgedreht. So ist das Wetter also auch mit verantwortlich dafür, wenn der Gaspreis am Terminmarkt aktuell weiter fällt. Bloomberg schreibt aktuell zum Thema Wetter in Europa: In den nächsten zwei Wochen werden in weiten Teilen des Kontinents laut einem Maxar-Bericht höhere Temperaturen erwartet als bisher prognostiziert.

Blick auf hohe LNG-Importe

Laut von Bloomberg zusammengestellten Daten sind die LNG-Lieferungen nach Nordwesteuropa auf dem höchsten saisonalen Niveau seit mindestens 2016 (siehe Chart). FMW: Das bedeutet eine wichtige Entlastung für einen Markt, der wohl erstmal lange Zeit auf russisches Gas verzichten wird. Aber wie wir am Freitag bereits schrieben: Das Problem, dass LNG auf absehbare Zeit russisches Pipeline-Gas mengenmäßig nicht wird ganz ersetzen können, könnte erst im nächsten Winter richtig spürbar werden. Denn für diesen Winter hat russisches Gas noch zu guten Teilen zum Auffüllen der Gasspeicher beigetragen. Für die nächste Heizperiode wird diese Faktor entfallen.

Verlauf der europäischen LNG-Importe

Wetter und mehr LNG könnten die Beamten der Europäischen Union bei ihrer Suche nach Möglichkeiten zur Linderung einer historischen Energiekrise unterstützen, so schreibt es Bloomberg weiter. Die Preise sind zwar gegenüber den Höchstständen im August deutlich gesunken, bleiben aber weiterhin hoch. Die Regierungen in Europa ergreifen Maßnahmen, um sich auf Energieengpässe in diesem Winter vorzubereiten, die auf die gedrosselten Erdgaslieferungen aus Russland zurückzuführen sind.

Die Exekutive der EU bereitet mehrere Optionen vor, wie die Preise gedeckelt werden können. Dazu könnten die Aushandlung eines Korridors für „anständige Preise“ mit zuverlässigen Lieferanten, eine Maßnahme zur Kostendämpfung auf dem Markt insgesamt und eine Möglichkeit zur Begrenzung des Einflusses von Gas auf die Strompreise gehören, sagte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Freitag.

FMW/Bloomberg/GIE

LNG-Lagertanks in Rotterdam
LNG-Lagertanks in Rotterdam


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2 Kommentare

  1. Sollten wir tatsächlich diesen Winter die Notlage vermeiden können, wäre ich für den nächsten Winter auch ohne russisches Gas etwas optimistischer.
    Ich sehe in etlichen Portfoliounternehmen aus der europäischen Industrie massive Anstrengungen, Verbrauch zu reduzieren, umzudisponieren und erneuerbare Energien online zu bringen. Gleichzeitig sehe ich auf vielen Dächern die Solaranlagen aufsprießen wie die Pilze. Da wird deutlich Kapazität aufgebaut. Die löst das Problem nicht, aber entschärft es.
    Sollten die deutschen Michel auch endlich mal begreifen, dass auch die Privathaushalte Energie sparen müssen und können, dann wirkt alles das zusammen um auch den nächsten Winter zu meistern.
    Dennoch: Die Drohung der Deindustrialisierung bleibt leider. Energie ist einfach anderswo viel billiger. Deshalb wandert im Moment auch sehr viel institutionelles Kapital in die USA.

  2. Freuen sich denn nun die grünen Klimaschützer über einen vielleicht „warmen“ Winter?
    Oder wollen sie lieber doch zugefrorene Flüsse und Seen?

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

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