Allgemein

Geldanlage: Euro vs. US-Dollar unter dem Brennglas

Gerade bei Devisen wirkt eine Vielzahl von Einflüssen auf die Wechselkursentwicklung ein. Manche Faktoren wirken sehr kurzfristig, andere nachhaltiger. Generell neigen Währungen zu ausgeprägten Trends, da sie die Verfassung eines ganzen Wirtschaftsraums widerspiegeln. Für die Geldanlage spielen Wechselkurse eine wichtige Rolle.

Geldanlage Beispielfoto Geld und Schloss
Foto: pixabay / ChristophMeinersmann

Bedeutung von Wechselkursen für die Geldanlage

Wechselkurse haben sowohl eine direkte als auch eine indirekte Bedeutung für die Geldanlage. Den direkten Einfluss haben sie auf alle Vermögenswerte, die nicht in der heimischen Währung gehandelt werden. Halten Sie beispielsweise US-Aktien, dann schmälert ein fallender US-Dollar die Wertentwicklung in heimischer Währung. Steigt der Dollar (wie derzeit), erwirtschaften Sie hingegen einen Zusatzertrag. Das gleiche gilt für Anleihen aller Art, wo neben dem Zinsertrag und der Kursentwicklung auch der Wechselkurs das Anlageergebnis beeinflusst.

Indirekt wirkt der Währungseffekt auf ihre Geldanlage, wenn Sie z. B. Anteile an einem Unternehmen besitzen, das seine Waren und Dienstleistungen hauptsächlich in US-Dollar verkauft, wie z. B. die Airbus SE. Generell werden die Preise im Welthandel nach wie vor in US-Dollar ausgewiesen, verglichen und bezahlt. Da der Dollar nach wie vor die Leitwährung dieses Planeten ist, müssen die meisten Unternehmen und Staaten zunächst Dollars kaufen, bevor sie Öl, Gold, Rüstungsgüter oder Sojabohnen dafür erwerben können.

Dieses Währungsprivileg versuchen die Chinesen und die Russen sukzessive zu unterhöhlen, indem sie den Handel mit befreundeten Nationen als Barter-Trade (Tauschhandel) oder in lokalen Währungen abwickeln. Als Alternative zum dollarzentrischen Weltwährungssystem arbeiten diese Verbündeten an einem international akzeptierten Gold-Handels-Wechsel Standard. Dieser Standard soll auch als Backup zum Dollar-Standard dienen, falls sich eine Art Lehman-Krise wiederholt und außer Kontrolle gerät, inklusive Dollar-Crash. Von der Welt unbemerkt ist der Rubel bereits nahezu vollständig goldgedeckt, der Yuan ist auf dem Weg dorthin.

Von der Finanzindustrie werden Produkte wie Optionsscheine oder Zertifikate für die Geldanlage angeboten, die von vornherein währungsabgesichert sind, also im sogenannten Quanto-Style emittiert wurden. Das kann in Zukunft noch wichtig werden. Aber noch ist der US-Dollar die dominierende Handelswährung und er profitiert nach wie vor von diesem Status.

Euro vs. US-Dollar ganzheitlich betrachtet

Der wichtigste kursbildende Faktor bei Devisen-Paaren ist der Zins – oder konkreter: die Zinsdifferenz. Der von realwirtschaftlichen Transaktionen losgelöste Devisenhandel (Forex-Markt) ist mit ca. 6 Bio. US-Dollar Tagesumsatz um ein Vielfaches größer als das Volumen im realen Waren- und Dienstleistungsaustausch. Am Forex-Markt finden zwar auch Absicherungsgeschäfte statt, denen ein reales Handelsgeschäft zugrunde liegt, aber hauptsächlich sind es spekulative Transaktionen, bei denen wiederum der sogenannte Carry-Trade dominiert. Bei diesem Trade leiht man sich Geld in der Währung mit dem niedrigeren Zinsen und kauft anschließend die Währung mit dem höheren Zins. Es handelt sich als um ein Zins-Arbitrage-Geschäft. Neben dem Zinsgewinn führt die massenhafte Umsetzung dieses Carry-Trades zu einer stark erhöhten Nachfrage nach der Währung mit dem höheren Zins und zu entsprechend steigenden Kursen. Die Mutter aller Carry-Trades ist der JPY-USD-Carry-Trade, seitdem die Bank of Japan im Jahr 1995 den Leitzins massiv Richtung null drückte und ihn bis heute dort belässt.

Der Dollar steht im Zentrum des Welthandels

Nach wie vor dominiert der Dollar den Welthandel und den Forex-Markt mit einem Anteil von über 80 Prozent, danach folgen der Euro, der Japanische Yen, das Britische Pfund, der Schweizer Franken sowie der Kanadische Dollar. Schaut man sich die weltweiten Zinsniveaus an, dann bietet der US-Dollar unter den Hauptwährungen (Major Currencies), also Währungen mit ähnlichem Gesamtrisiko, die höchsten (positiven) Zinsen.

Währungen wie die Türkische Lira oder der Argentinischer Peso bieten zwar einen deutlich höheren Nominalzins, sind aber auch mit ungleich höherer Inflation und ökonomischen Problemen belastet, sodass der höhere Zins auch das deutlich höhere Risiko widerspiegeln.

Weltweit fließt momentan zu Zwecken der Spekulanten und der Geldanlage von institutionellen und privaten Investoren massiv Geld in den US-Dollar und bewirkt dessen Aufwertung.

Die wichtigsten Einflussfaktoren

In ihrer Bedeutung absteigend sind folgende Faktoren für das Wechselkursverhältnis Euro/US-Dollar aktuell relevant: Wachstumsdifferenz, Zinsunterschied (Geld-Politik), Geldmengenentwicklung (Geld-Politik: QE), Leistungsbilanz, Terminmarktpositionen und die Saisonalität.

Geldanlage Euro US-Dollar Ampel

*Die Fundamentals berücksichtigen die Sonderstellung des US-Dollars als Weltleitwährung sowie Wachstumsdifferenzen zwischen der EU und den USA
**Der Moneyflow wird bei Währungen an Hand der Carry-Trades und der Leistungsbilanzen ermittelt
***Charttechnik gemäß Analyse von KagelsTrading
***Die Terminmarktanalyse erfolgt an Hand der COT-Daten der CFTC
****Die Saisonalität basiert auf Daten von Seasonax

Fazit

Nach wie vor kommt man am US-Dollar nicht vorbei, sei es im Handel, bei der Geldanlage oder bei der Devisenspekulation. Seine Dominanz an den internationalen Währungsmärkten hat in den letzten Jahren sogar wieder zugenommen, da er wie ein Zins-Leuchtturm aus der Währungsmasse herausragt. Doch mit dieser Sonderstellung sind auch Probleme verbunden, wie die Dollar-Schuldenkrise der Schwellenländer zeigt oder die sinkende internationale Wettbewerbsfähigkeit weltweit agierender US-Konzerne. Dennoch stehen die Ampeln für den US-Dollar nach wie vor auf Grün.

Es ist aber davon auszugehen, dass die Mechanismen des globalen Devisenmarktes den bereits schrumpfenden Zinsvorteil des US-Dollars zum Euro durch Zins-Arbitrage-Geschäfte sukzessive nivellieren werden. Daher macht bereits jetzt eine intensive Beobachtung des Wechselkursverhältnisses EUR/USD in Bezug auf eine Trendwende Sinn. Denn die Vormachtstellung als Weltleitwährung ist teuer durch Schulden und massive Haushalts- und Handelsbilanzdefizite erkauft. Perspektivisch gilt für daher für den US-Dollar gegenüber seinen Hauptkonkurrenten (inkl. Gold): steigen kann er – fallen muss er.



Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Meist gelesen 7 Tage