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Warum die Geschäftserwartungen der Autoindustrie so stark einbrechen wie noch nie

Zahlreiche abgestellte Autos

Die Geschäftserwartungen der deutschen Autoindustrie und ihrer Zulieferer sind im März so stark eingebrochen wie nie zuvor. Der Indikator des ifo-Instituts für die gesamte Branche fiel auf minus 43,1 Punkte, nach plus 14,4 im Februar – dies ist gut in der Grafik sichtbar, die bis 2019 zurückreicht. Der russische Angriff auf die Ukraine erhöht die Preise für Öl und Gas. Das weckt laut ifo Befürchtungen in der Autoindustrie, dass der Absatz an Neuwagen sinken könnte. Gleichzeitig würden auch in der Autoproduktion und entlang der Lieferkette die Energiekosten ansteigen.

Die Autoindustrie beurteilt auch ihre aktuelle Lage schlechter als noch im Februar. Der ifo-Indikator fiel auf minus 13,5 Punkte, von plus 28,3 Punkten im Februar. Der Mangel an Vorprodukten verschärfte sich weiter. Denn ukrainische Lkw-Fahrer fallen aus, weil sie jetzt in ihrem Land kämpfen müssen. Das bringt laut ifo die Logistik ins Stocken. Außerdem würden zentrale Bauteile wie zum Beispiel Kabelbäume fehlen. Die Preiserwartungen erreichten ihren historischen Höchststand von 86,0 Punkten nach 77,9 im Februar.

Der russische Absatzmarkt hat für die deutschen Autohersteller laut ifo nur eine geringe Bedeutung. Die Auftragsbücher blieben weiter gut gefüllt, und der Nachfrageindikator stieg auf 37,5 Punkte nach 17,5 im Februar. Die Zulieferer der Autoindustrie werden laut ifo die Rohstoffkrise auf breiter Linie spüren. Die Erwartungen fielen auf minus 37,9 Punkte, nach minus 6,2 im Februar. Die Auftragsbücher seien dünn, und die Nachfrage fiel im März wieder, von 9,8 auf minus 7,5 Punkte. Die Produktionserwartungen wurden zurückgenommen, von minus 0,7 Punkte auf minus 28,1 im März. Und es sollen in den nächsten Monaten keine neuen Stellen geschaffen werden.

FMW: Es scheint eine Addition negativer Faktoren zu sein. Zuerst Corona, dann als Folge der Mangel an Halbleitern und anderen Produkten. Und jetzt oben drauf noch der Ukraine-Krieg. Die Lieferketten werden noch problematischer, noch mehr Teile fehlen. Bei diesen Voraussetzungen ist es verständlich, dass die Geschäftserwartungen in den Keller rauschen. Positiv kann man anmerken, dass die Auftragsbücher gut gefüllt bleiben. Enden die Corona-Lockdowns in China, endet der Krieg, endet der Halbleitermangel etc, könnte die Lawine der angestauten Aufträge Umsätze und Gewinne in der Autoindustrie pushen.

Grafik zeigt die Geschäftserwartungen der Autoindustrie seit dem Jahr 2019



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2 Kommentare

  1. Pingback: Aktuelle Meldungen & Nachrichten vom 5. April 2022 | das-bewegt-die-welt.de

  2. Ich bin mal gespannt ob man später die Autos noch zu den vertraglich zugesicherten Preisen bauen kann und will. Dann wird nämlich der Auftragsbestand unter Umständen zum Knock-Out. Die Autos mit hohen Margen wurden vorrangig gebaut und die Autos mit niedrigen Margen bringen später gesichert Verlust…

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