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Goldpreis und Lösung der Krise

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Ein Gastbeitrag von Ralf Ernst

Wie sie alle heißen: Krugman, Friedman, Roubini, Hajek, Keynes … sie alle haben etwas gemeinsam: Sie reden alle schlau daher, einige haben sogar den Nobelpreis, aber ihre Ideen sind ziemlich unbrauchbar.

Keiner von ihnen scheint an einen Adam Smith oder Thomas Hobbes heranzureichen. Sie widersprechen sich, sind rechthaberisch und haben trotz all ihrer Wissenschaft keine Konzepte anzubieten. Ihre Schüler können sich trefflich die Köpfe heißreden, sich einander widersprechen, aber nichts Brauchbares kommt heraus. Die gesamte Zunft der Wirtschaftswissenschaften scheint sich in einer Krise zu befinden. Diese Wissenschaft befindet sich da, wo sich einst die Medizin bei ihren heißen Diskussionen um Körpersäfte und Blutkreislauf befand – im Mittelalter. Ihre Heilmittel für die gegenwärtigen Probleme sind Rosenkugeln und Aderlass.
Aufgrund offenbar fehlenden Sachverstands und Einsicht in Zusammenhänge reiht sich in der Menschheitsgeschichte ganz offensichtlich weiterhin Krise an Krise. Schlimmer kann es also kaum kommen – warum nicht einfach selbst nachdenken? Krösus hatte auch nicht Wirtschaftswissenschaften studiert, dennoch hat sich seine Idee eines auf Gold basierenden Zahlungs- und Geldwesens bis heute erhalten.

Keine andere Währung hat geschafft was Gold schaffte: Über die Zeit von Jahrhunderten, womöglich Jahrtausenden, und in allen Kulturen wertgeschätzt gewesen zu sein, damit tauschen und bezahlen zu können und Wert zu speichern. Welche Prägung Goldmünzen je hatten, spielte für ihren Wert keine Rolle, sondern nur Feinheitsgrad und Gewicht. Im Prinzip könnte jeder sich seine eigenen Goldmünzen prägen und damit überall auf der Welt bezahlen oder Wert speichern, oder seine Privatmünzen an seine Nachkommen vererben. Wenn er seine Münzen heimlich vergräbt, fällt nicht mal Erbschaftssteuer an, und sie werden auch nicht enteignet.
Das schaffte man zu keiner Zeit mit Immobilien, Währungen, Landbesitz, Muscheln, eingeschränkt allenfalls mit Kunstwerken, Perlen und Edelsteinen.
Mit dem was man zum Leben braucht könnte man theoretisch auch Wert speichern, diese Güter sind aber vergänglich. Im Altertum war Salz eine Geldwährung, und in Ägypten gab es Kornkammern als Wertspeicher. Versucht wurde es also auch damit, mit Gold klappte es aber besser. Heute laufen neue Versuche mit Kryptowährungen, ob sie sich als Gold überlegen erweisen, bleibt abzuwarten.

Über Jahrhunderte blieb es in etwa gleich, was man sich für 1 Unze Gold kaufen konnte – wer vor 1000 Jahren in Gold gemessen wohlhabend oder reich war, wäre es heute mit Besitz derselben Menge Goldes auch. Allerdings schwankte Gold in seiner Bewertung ausgedrückt in US – $ des Jahres 2015 zwischen etwas unter 200 Dollar 1970 bis deutlich über 2000 Dollar im 14. bis 15. Jahrhundert und davor. In den letzten 500 Jahren schwankte 1 Unze Gold im Mittel um etwa 500 US-$ (2015), gemessen an seiner Kaufkraft für das was man zum Leben brauchte. An den größten Spekulationsblasen wie Tulpenhausse oder South See Bubble hatte Gold keinen Anteil, dass etwa der Goldpreis gestiegen wäre, um sich mehr Tulpen in der Tulpenhausse kaufen zu können. Möglicherweise befand sich Gold – als einzige Ausnahme – in den Endsiebzigern bis 1980 selbst in einer Blase. Es steigt aber nicht mit, wenn sich in anderen Bereichen Blasen bilden.

Dementsprechend ist Gold heute trotz Gelddrucken, Blase an den Anleihemärkten, menschheitsgeschichtliches Verschuldungsallzeithoch, nicht gestiegen, um sich etwa mehr Schuldderivate oder Staatsanleihen kaufen zu können. Es wird derzeit oft behauptet, Gold könnte wegen des Gelddruckens nur steigen – was so falsch ist wie, dass Gold hätte steigen müssen, weil Tulpenzwiebeln so teuer geworden waren. Gold war empirisch gesehen immer mit den zeitgenössischen Lebenshaltungskosten verknüpft.
Derzeit notiert 1 Unze Gold trotz des Absturzes vom Hoch von 2010 $ (2015) im Jahr 2011 immer noch etwa auf dem Niveau der doppelten Kaufkraft für das Lebensnotwendige gemessen am historischen Durchschnitt der letzten 500 Jahre. Die Produktionskosten für neu gefördertes Gold liegen durchschnittlich aber derzeit immer noch auf dem Niveau des aktuellen Preises (in der Spitze lagen die AISC bei über 1700 US-$) trotz größter Kostenkürzungsanstrengungen – ein Paradoxon?

Die Erklärung dafür ist womöglich, dass das was wir in westlichen Industrieländern für das Lebensnotwendige tagtäglich konsumieren, von uns nicht mehr bezahlt werden könnte, würden wir selbst für die Herstellung dieser Güter arbeiten müssen. Wir lassen andere in der dritten Welt für die Herstellung von Kleidung oder Anbau von Nahrungsmitteln arbeiten, deren Arbeit weniger kostet als dieselbe Arbeit bei uns, oder sind auf Vollautomatisierung per Maschinen und Roboter umgestiegen. Solange die Globalisierung das hergibt, staut sich Inflation zurück, und die relative Kaufkraft des selbst in Dritte Welt – Ländern nicht billiger produzierbaren Goldes ist etwa doppelt so hoch wie im historischen Durchschnitt. Dabei ist alles Spitz auf Knopf: Um über die Runden zu kommen, muss auch in westlichen Industrieländern bis zur Erschöpfung gearbeitet werden, und oft reicht ein Job zum Leben nicht mehr aus. Die Güter des täglichen Lebens dürften kaum noch teurer sein, weil sie sich sonst nicht mehr genug Leute leisten könnten. Das Lohnniveau ist dort bis zum Anschlag nach unten gedrückt, und die Steuerlast wegen Rekordstaatsverschuldung bis zum Anschlag nach oben ausgereizt.
Dies trifft jedenfalls für die Masse der Menschen zu. Eine Minderheit ist hingegen sehr gutgestellt, weil sie unabhängig von Arbeit oder durch sehr gut bezahlte Arbeit vermögend ist.

Check:

1970 war Gold historisch am billigsten, im 13. bis 14. Jahrhundert am teuersten, im Jahr 2011 wieder sehr teuer. Wann ging es den Leuten zu diesen Zeiten besser oder schlechter?
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Goldpreis#/media/Datei:Historico_ouro.gif

Gold realer Preis

1350 bis 1450 gab es in Europa Hungerkatastrophen und durch Kriege und Seuchen ausgelöste Bevölkerungsdezimierungen. 1970 konnte in den USA und in Europa das Einkommen des Mannes eine Familie mit durchschnittlich 2 Kindern allein ernähren und der Lebensstandard war hoch. Unzweifelhaft erreichte man 1970 in den westlichen Industrieländern den höchsten zivilisatorischen Wohlstand der Menschheitsgeschichte, der nie wieder, davor oder danach, erreicht wurde, betrachtet man das Durchschnittsniveau der Masse der Bevölkerung. Für seine Arbeit konnte man sich viel kaufen, was man notwendig zum Leben brauchte, auch viel Gold.

Deutschland konnte sich in dieser Zeit hoch bewerteter Arbeit nach dem Krieg bis 1970 seinen Goldschatz von über 3000 t erarbeiten und hatte keine Staatsschulden.
Es gab sicher zusätzliche Einflußfaktoren wie Vollbeschäftigung oder Depressionen. 1929 – 1933 lag der reale Goldpreis mit ca. 300 US $ (2015) niedrig, Arbeit stand also hoch im Kurs, aber sehr viele hatten keine – hätte man Arbeit gehabt, hätte sie einen aber ausreichend ernährt (damals gab es keinerlei Wohlfahrtsstaat, d.h. keinerlei staatsschuldenfinanzierte Subventionierung der Arbeit wie heute, die Arbeit trug sich selbst), deshalb niedriger realer Goldpreis (= hoher Wert von Arbeit) in dieser Zeit trotz Armut bei vielen. Heute haben viele keine Arbeit, aber die die welche haben können sich davon immer öfter ohne staatliche Subventionierung nicht mehr über die Runden bringen, und Arbeit ist staatsschuldensubventioniert (= Entwertung von Arbeit). Das Wohlfahrtsstaatphänomen gibt es erst seit der Gegenwart, von daher stellte der reale Goldpreis früher in der Geschichte direkter das Niveau des Wertes von Arbeit und des Wohlstands dar. Über Massenarbeitslosigkeit in historischen Epochen ist nichts überliefert, früher haben Menschen grundsätzlich immer gearbeitet (Ausnahme: Bettler), konnten aber zeitweise von ihrer Arbeit nicht leben (Hungersnöte, Auswanderungswellen).

Das Gold konnte vor 1971 immer wirtschaftlich gewonnen werden, weil der Wert der Arbeit auf dem Niveau der Lebenshaltung lag, und der Goldpreis trotz Fixierung („Goldstandard“) des Dollars auf 35 $/Unze nicht übertrieben nach unten manipuliert war.

2011 muss es demzufolge den meisten Menschen in den westlichen Industrieländern schlechter als 1970 gegangen sein, teilweise kompensiert durch Hinterlassenschaften der Elterngeneration. Jedenfalls konnte man sich für seine Arbeit wenig zur Lebenshaltung und wenig Gold kaufen, etwa auf dem Niveau von 1450, man musste für wenig sehr viel arbeiten, und es reichte trotzdem nicht, weshalb in den USA und in Westeuropa zunehmend mehr Menschen mehrere Jobs gleichzeitig haben, viele in Deutschland „Minijobs“, in Südeuropa viele junge Menschen gar keine Jobs haben und noch auf Kosten der Eltern leben müssen, und bei denen die Arbeit haben in der Regel beide Partner arbeiten müssen, um trotzdem nur eher schlecht als recht über die Runden zu kommen. Oftmals musste trotz Doppelverdienst noch durch Sozialtransfers zu Lasten steigender Staatsverschuldung „aufgestockt“ werden, und ein Heer von Arbeitslosen lebt allein von staatlicher Zuwendung, Hartz IV, Frührente, Arbeitslosengeld und der Tafel. Zukünftig wird sich vermutlich ein Heer von Flüchtlingen den Arbeitslosen hinzugesellen.

Da der Goldpreis 2015 im Vergleich zu 2011 wieder um die Hälfte billiger ist, müsste es den Menschen doch heute wieder besser gehen?

Check:

In Rohstoffwährungen wie A$, NZ$, ist Gold bereits wieder teurer, im Juni 2015 in Neuseeland so teuer wie 2011, in Japan 2015 fast auf Allzeithoch. Arbeit wurde durch Währungsabwertung bis um die Hälfte in diesen Ländern billiger, weshalb sich die Menschen dort heute nicht mehr Gold kaufen können als 2011. In US-$ gemessene Produktionskosten für Gold liegen 2015 trotzdem noch bedeutend höher als die mittlere historische reale Kaufkraft von Gold, weshalb Arbeit nach wie vor gegenüber Gold (und noch mehr gegenüber Lebenshaltung) entwertet ist. Der nominal hohe Goldpreis 2011 entsprach nahezu dem Produktionspreis 2011 von AISC 1700 US $ (=1800 US $ 2015). Es musste 2011 also sehr viel für 1 Unze Gold gearbeitet werden, bei entwerteter Arbeit, trotz halbiertem Goldpreis 2015 ist die Arbeit relativ zu Gold (und Lebenshaltung) weiterhin unverändert entwertet, ggf. sogar noch mehr entwertet als 2011, rechnet man die Staatsschuldenexpansion hinzu. Wird Arbeit durch Gelddrucken, quantitative easing, künstlich niedrige Zinsen und Subventionierung von Arbeit durch ansteigende Staatsverschuldung noch weiter verbilligt, können die Lebenshaltung und der Goldpreis ohne weiteres auch nochmals nominal billiger werden, ohne dass sich daran etwas ändert, dass man für Arbeit immer noch weniger Gold (und das zum Leben Notwendige) kaufen kann. Der reale Goldpreis wird dann immer noch relativ zu Arbeit und Lebenshaltung doppelt so teuer bleiben wie im historischen Durchschnitt (Deflation).

Die Lösung:

Die Löhne für die Masse müssen gemessen am Goldpreis weltweit verdoppelt werden, ebenso die Preise für die Güter des täglichen Lebens (was sich allein durch die Lohnerhöhung automatisch entwickelt), die Schulden bleiben nominal auf dem alten Stand. Das historische Preisniveau von Gold würde dann wieder zumindest eine gewisse Zeit lang stimmen. In den letzten Jahrhunderten hielt eine solche monetäre Anpassung meist um die 50 Jahre (Ausnahme ab 1700 bis 1945 für über 200 Jahre).

Siehe dazu sehr anschaulich die Tabelle:

http://www.measuringworth.com/gold/

Eine Lösung muss praktikabel und einfach sein – die Maßnahme der Verdopplung von allem für das Leben Notwendige, darauf bezogene Löhne (und dadurch automatisch der Preise), wäre relativ einfach.

Keinem würde geschadet, niemandem etwas weggenommen. Die Lebensversicherungen und Schuldverschreibungen bleiben nominal gleich. DAX-Vorstände und Politiker, EU-Kommissare, Stars, Schauspieler und Fußballer haben diese Maßnahme für sich per Selbstjustiz ohnehin in den letzten Jahrzehnten vorweggenommen und blieben bei dieser monetären Anpassung unberücksichtigt. Produktiv wertschöpfende Arbeiten würden in ihrer Bezahlung aber alle verdoppelt (bis Bundeskanzlergehaltsniveau und sogar darüber), ebenso wie die Preise für alle Annuitäten (Gehälter, Renten, Pensionen, Beiträge, Mieten).

Das Steueraufkommen würde sich entsprechend erhöhen, eventuell mehr als verdoppeln, bei nicht erhöhten Staatsschulden, die Haushalte der Staaten könnten sich sanieren. Damit die vielen Steuermehreinnahmen nicht in neue Geldausgabeorgien von Politikern ausarten, müsste festgelegt werden, dass die Staatsausgaben nur zu einem gewissen Prozentanteil der Schuldentilgung erhöht werden dürfen, solange, bis alle Staatsschulden weg sind, und von da an nur noch auf Habenbasis vom Staat gewirtschaftet werden darf. (Das wäre nebenbei angemerkt eine Versicherung gegen Kriege, die alle nur auf Pump führbar sind.) Es würde erreicht, was die Notenbanken über die letzten Jahre durch Nullzinspolitik und quantitative easing angestrebt aber nicht geschafft haben.
Geldvermögen, Verbindlichkeiten, würden an der monetären Umstellung nicht teilhaben und nominal gleichbleiben.

Die Werte von Vermögensgütern, Gold, Aktien, Immobilien, Lebensversicherungen würden sich nach und nach entsprechend neu einpendeln. In Härtefällen (z.B. Selbstständige die statt Rente mit Lebensversicherungen fürs Alter vorgesorgt haben) könnte es Ausgleichsmechanismen geben.

Die in Massen zuströmenden Flüchtlinge könnten positiv zur Bewältigung der ungünstigen Demographie in westlichen Industriestaaten beitragen. Statt in China oder Bangladesch produzieren zu lassen, könnte die Produktion von Textilien und anderen derzeit durch eigene Arbeit nicht mehr erschwinglich herstellbaren Produkten wieder nach Europa zurückgeholt werden, die Maßnahmen zur monetären Anpassung würde auch einen ethisch vertretbaren, auskömmlichen Lohn für Flüchtlinge, die arbeiten, ermöglichen. Mit ihrer Hilfe könnten Engpässe in der Sanierung von Infrastruktur (Straßen, Gebäude, Leerstandsbrachen im Osten), Alten- und Krankenpflege, Erntehelfer überwunden werden. Statt zu kosten würden Flüchtlinge auf diese Weise durch Arbeit für sich selbst aufkommen. Letztlich ist jeder Wohlstand einer Gesellschaft an Manpower, Menschen die arbeiten und das Bruttosozialprodukt erhöhen, gebunden, mit zu wenig Menschen kein Wohlstand. Eine Erhöhung des Wertes der Arbeit wäre auch die Lösung für den Geburtenrückgang in westlichen Industrieländern. Arbeitsvermögen letztlich ist es, was im Vermögenswert 1 Unze Gold ausgedrückt wird, mehr Hände Arbeit erwirtschaftet mehr davon, ohne es zu entwerten. So ist es jedenfalls über Jahrtausende immer gewesen.

http://www.macrotrends.net/1378/dow-to-gold-ratio-100-year-historical-chart

Dow Jones zu Gold

Vielleicht erscheint die Verdopplung von Löhnen und Preisen, einer Währungsreform ähnlich, zu einschneidend, sogar dirigistisch-diktatorisch. Warten wir doch einfach ab, bis die unendliche Weisheit der Marktkräfte, mit ein wenig Hilfe von Dragi & Co., von selbst für eine Lösung sorgt und machen uns weiter keine Gedanken – das ist die bis heute ungelöste Frage. Die Großkopferten Hayek, Mises, Keynes sind sich in ihrer Beantwortung nicht einig geworden, was die gesamte Zunft der Wirtschaftswissenschaft und Volkswirtschaftslehre diskreditiert. M.E. vereinfacht ein kurzes und schmerzliches dirigistisches Eingreifen a la Keynes aber nur eine lange Hängepartie mit Austerität, Gelddrucken und künstlich niedrig gehaltenem Zins, Lohnstreikrunden, Arbeitskämpfen, Rezessionen, Deflationen und schließlich dem von Hayek prognostizierten Zusammenbruch bei untragbar gewordenen Schulden. Was im Paradigma „runaway train“ Jahre bis Jahrzehnte dauert, verlorene Jahre, hätten wir bei Verdopplung des Wertes von Arbeit gekoppelt an den realen Goldpreis vielleicht in ein paar Wochen bis Monaten ausgestanden.
Paul Volcker hielt es für eine gute Idee, den Goldpreis manipulatorisch zu drücken, um aufgehäufte Schulden den Gläubigern gegenüber nicht zu entwerten, sondern stattdessen den sonst wie durch ein Naturgesetz im Goldpreis ausgedrückten Wert der Arbeit.

Die Briten waren da über Jahrhunderte schlauer als Volcker, und haben etwa alle 50 Jahre eine Neujustierung mit Höherbewertung des Faktors Arbeit durch Anpassung des Kurses des Pfunds zu Gold vorgenommen. Diese Geldpolitik ermöglichte den Briten den Aufbau ihres Empires. Scheinbar waren die führenden Köpfe zu Zeiten von Hobbes und Smith klüger als ihre studierten und belesenen Nachfolger in der Gegenwart.

Ein Wort zu den Goldpermabullen: Sie liegen falsch, weil sie glauben, der Wert von Gold würde blasenhaft exponentiell explodieren, und mit ihren paar Unzen Gold würden sie dann zu Superreichen. Sie haben das empirische Naturgesetz, was Gold ist, wie die wenigsten (ein anderes Missverständnis: ‚Gold ist ein „pet rock“ und sonst zu nichts zu gebrauchen‘), nicht verstanden: Gold bemisst stets den Wert von Arbeit und Lebenshaltung und kann ihn speichern, nicht mehr, aber auch nicht weniger, und dies bereits seit Jahrtausenden. Das haben sich die Menschen nicht willkürlich ausgedacht, wie man sich die Zahl Pi nicht willkürlich ausdenken kann, sondern Gold ist wie eine Naturkonstante, oder hat evolutionär die Nische, diese zu bemessen, bisher am besten besetzt.

7 Kommentare

7 Comments

  1. Avatar

    Einzahler

    4. August 2015 16:38 at 16:38

    Daumen hoch !!!

  2. Avatar

    Chris

    6. August 2015 09:42 at 09:42

    Ein schöner Bericht, danke.

    „An den größten Spekulationsblasen wie Tulpenhausse oder South See Bubble hatte Gold keinen Anteil, dass etwa der Goldpreis gestiegen wäre,“
    –> Zu dieser Zeit war die Währung goldgedeckt, d.h. die Blase wurde mit Gold bezahlt. Beim Platzen gab es keinen Grund, den Goldkurs anzupassen.

    „Dementsprechend ist Gold heute trotz Gelddrucken, Blase an den Anleihemärkten, menschheitsgeschichtliches Verschuldungsallzeithoch, nicht gestiegen“
    –> Heute ist die Währung ungedeckt. Die heutigen Blasen konnten sich unabhängig vom Goldkurs entwickeln. Beim Platzen dieser Blasen wird Gold voraussichtlich wieder seine Rolle als historische Währung einnehmen. Oder wer will dann noch Papier als Sicherheit? Gemessen an den gigantischen Geldmengen ist Gold unterbewertet.

    Der Artikel sagt doch letztlich aus, dass Gold und Arbeit beide unterbewertet sind?

    Da historisch die Menschen viel mehr für Gold arbeiten mussten (etwa 1 Unze Silber für eine Woche Arbeit), sehe ich heute Gold und Silber als unterbewertet gegen Arbeit. Wenn Arbeit doppelt so gut bezahlt werden müsste, halte ich den Faktor 10 für Edelmetall durchaus für weiterhin haltbar.

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      Ralf Ernst

      6. August 2015 15:48 at 15:48

      Mein Artikel handelt von „realen“ Goldpreis, was man sich für Gold kaufen kann.

      Goldpreis (real) = (Lebenshaltung (real)/Arbeit) * Konstante

      Gold ist derzeit historisch gesehen relativ teuer im Verhältnis zur verbilligten (weit zu billigen) Arbeit, d.h. man kann sich in der Range von ca 200 bis 2000 $ 2015 real für seine Arbeit derzeit relativ wenig (Gold) kaufen.

      Ich nehme an, dass sich die Arbeit noch weiter verbilligen wird (durch mehr Abgaben, Steuern, Staatsschuldenexpansion und damit sich noch mehr ausdehnende Subventionierung von Arbeit), und sich der reale Goldpreis trotz historisch immer noch etwa doppelt so hohen Niveau im Vergleich zum historischen Durchschnitt weiter verteuert. Erreicht die Verteuerung des realen Goldpreises das Niveau von 1492, hieße dies nominal in US $ 2015 3310 US – $.

      Diese Überlegungen zum realen Goldpreis dürfen nicht verwechselt werden mit dem „nominalen“ Goldpreis, der von Geldbasisentwertung wegen Gelddrucken, Zinspolitik etc. abhängt. Bei Deflation kann der nominale Goldpreis auch sinken, obwohl er real steigt und umgekehrt.

      • Avatar

        Chris

        7. August 2015 14:35 at 14:35

        Danke für die Antwort. Ich versuche immer noch, richtig zu verstehen.

        Ihre Formel leitet den realen Goldkurs rein von der Kaufkraft der Masse ab. Das könnte ja passen – bei relativ konstanter Goldmenge, die rein durch die Nachfrage bepreist wird. Der Kursverfall ab 1492 erklärt sich dann auf die Mengenausweitung durch die riesigen Goldlieferungen aus der Neuen Welt (die Silberkurve sieht ganz ähnlich aus).

        Realkurse um $2000 wie vor 1492 dürften demnach nie wieder erreicht werden. Von daher ist schon interessant, dass einige jüngere Ausschläge schon recht nahe da herankommen.

        Die Anzahl der Menschen spielt keine Rolle? Es müsste doch einen Nachfrageeffekt haben, ob 7 Milliarden oder nur 100 Millionen Menschen ihre Kaufkraft an Gold messen?

        Wieso kommt es, nach ca 300 Jahren „Ruhe“ 1500-1800 mit einem realen Kurs um $500, ab ca. 1800 (1789?) zu den drastischen Schwankungen, die bis heute anhalten? Aus Ihrer Sicht schwankt die Kaufkraft, aus meiner Sicht würde ich sagen, ab 1800 hat die Loslösung der Währungen von Gold begonnen. Diverse Formen von ungedecktem Papiergeld haben ja 1785 den frz. König in die Krise getrieben und letztlich die Revolution ausgelöst.

        Wie haben Sie das „Limit“ von 3310 USD errechnet? Das würde Ihre Formel verständlicher machen, etwa die Bewertung des Faktors „Arbeit“.

        Und: gilt Ihre Einschätzung analog für Silber? Silber wird ja industriell umfangreich genutzt und hier auch unwiederbringlich verbraucht. Die Weltsilberbestände sind minimal gegen Gold.

        Gruß aus Odenthal

  3. Avatar

    Jochen

    14. August 2015 14:21 at 14:21

    Sehr geehrter Herr Ernst,

    Sie schreiben, Zitat:

    »Die Löhne für die Masse müssen gemessen am Goldpreis weltweit verdoppelt werden, ebenso die Preise für die Güter des täglichen Lebens (was sich allein durch die Lohnerhöhung automatisch entwickelt), die Schulden bleiben nominal auf dem alten Stand. Das historische Preisniveau von Gold würde dann wieder zumindest eine gewisse Zeit lang stimmen.«

    Einspruch, Euer Ehren! Denn Sie haben den entscheidenden Punkt, WARUM Gold seit den 70er Jahren so billig ist, bei Ihrer Analyse außen vor gelassen. Ich meine die Erfindung des »Papiergoldes«. So etwas gab es früher zu keiner Zeit!

    Heute wird der Goldpreis praktisch zu 100 Prozent durch eben diesen »papierenen« (elektronischen, spekulativen) Goldhandel bestimmt: Futures, Optionen, CEFs, sprich: Derivate aller Couleur. Das Handelsvolumen dieser Derivate AUF Gold ist heute einhundert Mal so groß wie der Handel mit physischem Gold selbst!

    Nun kann man den Derivatehandel nicht verbieten, auch wenn er bei Gold keinerlei praktischen Nutzen hat als eben den der Spekulation. Aber ein Verbot ist auch nicht (mehr) erforderlich. Es gibt zahlreiche Hinweise, dass sichdie Investoren aus diesem papierenen Markt zurückziehen. Der bedeutendste Gold-Fonds (SPDR) hat binnen nur zweieinhalb Jahre über die Hälfte seines Volumens eingebüßt! Tendenz weiterhin fallend.

    In dem Moment, in dem Gold nicht mehr spekulativ gehandelt wird, löst sich das Problem von selbst. Horrende Summen, die auf der Suche nach dem »sicheren Hafen« sind, werden nunmehr notdrungen auf physisches Gold bieten. Der Preis wird auf diese Weise ganz von selbst (nach oben selbstverständlich) korrigiert werden.

    Wohl dem, der dann über physisches Gold verfügt.

  4. Avatar

    Jochen

    14. August 2015 14:35 at 14:35

    Wenn ich, sehr geehrter Herr ERnst, noch eine Frage stellen darf, weil ich fürchte, Sie nicht richtig zu verstehen: Sie schreiben, erneut Zitat:

    »Gold bemisst stets den Wert von Arbeit und Lebenshaltung.«

    Wie meinen Sie das? Ist das nicht viel zu kompliziert gedacht?

    Wenn wir mal den in meinem ersten Kommentar erwähnten, riesigen Papiergoldmarkt außen vor lassen, so bemisst sich doch der Wert von physischem Gold ausschließlich danach, was das bietende Vermögen dafür zu zahlen bereit ist, oder etwa nicht?

    Und bei dieser Preisfindung spielen die Kleinvermögen kaum eine Rolle. Auch nicht in ihrer Summierung. Relevant ist hier das GROSSE Vermögen: die Zentralbanken, die Gold als Reserve vorhalten, die großen Familienvermögen, usw.

    Ich sehe Gold (phys.) im Grunde kaum anders als Kunst, Antiquität, alten Wein etc.: All diese Dinge leiten ihren Wert nicht von ihrer tatsächlichen Funktion her ab, sondern ausschließlich aus dem Willen der Bieter, der Vermögenden, Teile ihres Vermögens gegen diese Dinge einzutauschen.

    Wie spielen hier Ihrer Meinung nach »Arbeit und Lebenshaltung« mit hinein?

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Daniel Stelter: Buchauszug über konkrete Lösungsansätze zur Coronakrise

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

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Typisches Bild in der Coronakrise

Diese Woche hat sich die Bundesregierung dazu entschieden, dass man die betroffenen Betriebe des zweiten Lockdowns im November mit einer Umsatzausfallzahlung unterstützen wird, und nicht mit Krediten. Genau diese jetzt beschlossene Maßnahme hatte der Buchautor und anerkannte Wirtschaftsexperte Daniel Stelter (hier finden Sie seine Webseite) schon vor Monaten im Detail erläutert und vorgeschlagen. An dieser Stelle drucken wir mit freundlicher Genehmigung einen Auszug seines hochinteressanten Buches Coronomics: Nach dem Corona-Schock: Neustart aus der Krise ab, welcher im „Campus Verlag Frankfurt/New York“ erschienen ist. Absolut empfehlenswert, nehmen Sie sich die Zeit!

Künstliches Koma für die Wirtschaft

Es mangelt nicht an Programmen, die Notenbanken und Staaten weltweit ankündigen, um die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie aufzufangen. Dabei kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Verantwortlichen die gewaltigen Schäden zwar erahnen und entsprechend großzügig und kämpferisch agieren, zu- gleich aber nicht so richtig wissen, wo sie ansetzen sollen. Einen Vorwurf kann man ihnen daraus nicht machen, ist es doch eine für uns alle neue Situation. Zwar gibt es die Lehren aus der Finanzkrise, doch diese passen nicht. Heute genügt es nicht, die Bilanzen der Banken zu sanieren – durch Kapitalzuschuss, durch Manipulation der Vermögenspreise nach oben und durch Schönen der Bücher. Stattdessen muss man echte Einnahmen ersetzen. Das ist ungleich schwerer zu organisieren und vor allem ungleich teurer.

Die Politik setzt auf Liquiditätshilfen

Die Politik setzt nicht nur in Deutschland auf Liquiditätshilfen. Als ich diese Zeilen schrieb, war Folgendes angekündigt:1

• Ein Hilfspaket von 50 Milliarden Euro für Soloselbstständige und andere Kleinstfirmen. Selbstständige und Unternehmen mit bis zu fünf Beschäftigten erhalten bis zu 9000 Euro, Selbstständige und Unternehmen mit bis zu zehn Beschäftigten erhalten bis zu 15000 Euro. Außerdem erhalten Selbstständige leichter Zugang zur Grundsicherung (Hartz IV), wobei die Vermögensprüfung für sechs Monate ausgesetzt wird.
•Anpassung der Kurzarbeiterregelung: Betroffene Unternehmen können Lohnkosten und Sozialabgaben von der Bundesagentur für Arbeit bezahlen lassen. Leiharbeitnehmer sind künftig einge- schlossen und es müssen nur zehn Prozent der Beschäftigten von Kurzarbeit betroffen sein, damit die Regelungen greifen. Zugleich wird eine Anhebung des Kurzarbeitergeldes diskutiert.
• Unbegrenztes »Milliarden-Schutzschild« für Betriebe und Unternehmen. Über ihre Hausbanken erhalten Unternehmen Zugang zu Krediten und Bürgschaften der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Dazu gründet der Staat einen »Wirtschaftsstabilisierungsfonds«, der 400 Milliarden Euro für Bürgschaften und 100 Milliarden Euro für »Kapitalmaßnahmen«, also direkte staatliche Beteiligungen, umfasst.
•Steuerstundungen auf Antrag, wenn Unternehmen »unmittelbar vom Corona-Virus betroffen sind«. Bis Ende des Jahres 2020 wird auf Vollstreckungsmaßnahmen und Säumniszuschläge verzichtet. Auch die Voraussetzungen, um Vorauszahlungen von Steuerpflichtigen anzupassen, werden »erleichtert«.

Abgesehen von den Direkthilfen für Kleinunternehmen und Selbstständige handelt es sich um Liquiditätshilfen in Form von Krediten und Staatsbeteiligungen. Diese laufen über die Hausbanken der Unternehmen, die die Finanzlage am besten kennen. Die Banken müssen jedoch bei der Vergabe der Kredite, die sie von der KfW durchreichen, darauf achten, dass der Schuldner kreditwürdig ist. Dies auch, weil sie zehn Prozent der Summe aus eigenen Mitteln ausreichen müssen. Die Folge: Es häufen sich die Probleme mit der Kreditvergabe, weil die Sicherheiten und die Ertragskraft der Unternehmen nicht ausreichen. Die Banken forderten deshalb schon Anfang April 2020 eine völlige Freistellung von den Risiken.2 Dies zu Recht, haben wir doch bereits gesehen, dass das europäische Bankensystem – und auch die deutschen Banken – durch Finanzkrise und Nullzinspolitik nachhaltig geschwächt sind.

Doch was bedeutet es, wenn Banken keine Kredite vergeben wollen, obwohl sie nur zehn Prozent des Risikos tragen sollen? Es bedeutet, dass die Banken es für äußerst unwahrscheinlich halten, dass die Unternehmen in der Lage sind, die Kredite zu bedienen. Wenn nun der Staat die Risiken zu 100 Prozent übernimmt, ändert das nichts am eigentlichen Kernproblem der Maßnahmen. Diese laufen darauf hinaus, dass die betroffenen Unternehmen Schulden machen und im Extremfall den Staat als stillen Eigentümer bekommen. Nicht selten dürften die Schulden den Unternehmer überlasten. Und wer hat schon gern den Staat als Eigentümer? Deshalb ist die rationale Entscheidung jedes Unternehmens, diesen Punkt so weit wie möglich zu vermeiden. Dies bedeutet: Kosten senken, so schnell es geht, also Entlassungen und Auftragsstornierungen, was den Abschwung verstärkt. Anders als es die Schlagzeilen zu den großen Beträgen suggerieren mögen, wirkt das Programm nicht, wie es sollte.

Ein Systemwechsel als unvermeidliche Folge?

Hinzu kommt, dass die staatliche Rettung, wenn sie in dieser Form organisiert wird, unsere Wirtschaftsordnung massiv verändert. Wir beschreiten einen Weg zu einer immer stärker staatlich dominierten Wirtschaft, was nur umso wahrscheinlicher wird, je länger die Krise andauert und je tiefer der Einbruch der Wirtschaftstätigkeit ist. Nicht wenige Beobachter sehen darin einen guten Weg, weil es ja nur richtig sei, dass der Staat als Gegenleistung für seine Hilfe einen Anteil an Unternehmen bekommt. Dabei wird gern auf die Finanzkrise Bezug genommen und angemerkt, dass es nur so möglich sei, sicherzustellen, dass wir nicht wieder eine Situation haben, in der wir Gewinne privatisieren und Verluste sozialisieren.

Diese Logik hinkt aber. Während die Unternehmen, die in der Finanzkrise in Schwierigkeiten gerieten, diese selbst zu verantworten hatten, ist es diesmal eine Krise, die alle unschuldig trifft, wenn auch unterschiedlich. Sollte hier nun der Staat zu einem wichtigen Akteur werden, so hat dies erhebliche negative Folgen:3

• Der Staat wird vor allem Großunternehmen helfen, einfach schon aus Effizienzgründen. Dabei ist das Rückgrat der deutschen Wirtschaft der Mittelstand. Diesem muss geholfen werden, und wenn dies über Kredite erfolgt, schwächt das die Unternehmen auf Jahre.
• Wettbewerbsverzerrungen sind ebenfalls zu erwarten. Unternehmen mit Staatsbeteiligung werden einen Vorteil gegenüber jenen haben, die mit eigenen Mitteln versuchen, über die Runden zu kommen. Damit werden diejenigen bestraft, die eigene Mittel in ihren Unternehmen einsetzen. So dürften die Finanzierungskosten der Unternehmen mit Staatsbeteiligung dauerhaft unter jenen der freien Wirtschaft liegen.
•Der Staat muss seine Beteiligungen kontrollieren und managen. Man darf skeptisch sein, ob es gelingt, ausreichend qualifizierte Beamte und Politiker für diese Aufgabe zu finden.
•Aus der Finanzkrise wissen wir – siehe Commerzbank –, dass es Jahrzehnte dauern kann, bis der Staat wieder aussteigt. Es droht ein Postenparadies für Politiker, was weder gut für die Unternehmen ist noch dafür spricht, dass sich der Staat schnell wieder zurückzieht.
• Auch droht der Erhalt von Unternehmen, die ohnehin keine Zukunft haben. Entweder weil sie schon vor der Corona-Krise nur dank Nullzinspolitik lebensfähig waren oder aber weil in der neuen Welt nach Corona ihre Dienstleistungen und Produkte nicht mehr wie zuvor nachgefragt werden. Ökonomen sprechen bei solchen Unternehmen von »Zombies« und der starke Anstieg des Anteils solcher Unternehmen wird als eine Ursache des Rückgangs der Produktivitätsfortschritte in den letzten Jahren gesehen.4 Eine weitere »Zombifizierung« würde das noch verstärken und so das künftige Wachstum hemmen.

Was droht, ist ein Systemwechsel durch die Hintertür. Die Öffentlichkeit steht – so zumindest das Stimmungsbild Anfang April 2020 –, hinter diesen Maßnahmen. Ohnehin zeigten Umfragen schon weit vor Corona, dass sich die Bürger eine größere Rolle des Staates wün- schen.5 Politiker träumten vom »demokratischen Sozialismus« und Enteignungen sowie Verstaatlichungen zur Verwirklichung einer »gerechten Gesellschaft«.6 Nun scheinen wir auf dem besten Weg in diese Richtung zu sein.

Hierin liegt eine enorme Gefahr, denn die Nebenwirkungen wären erheblich: zunehmende Konzentration und weniger Wettbewerb, Bevorzugung von Großunternehmen, staatliche Einflussnahme statt betriebswirtschaftlicher Effizienz. Kurzgefasst, ein Weg, der zwangs- läufig weniger Wachstum und damit Wohlstand bedeutet. Wir sollten einen anderen Weg gehen.

Ein künstliches Koma wäre die Lösung gewesen

Damit kommen wir zu der Frage, was denn zu tun wäre, um die Krise zu dämpfen und die Wiederholung der Großen Depression zu vermeiden. Die Maßnahmen müssen meiner Meinung nach am Existenzproblem der Unternehmen ansetzen, und zwar beginnend beim Einzelunternehmer und bis hin zum Weltkonzern. Das zeigt bereits, wie schwierig es für die Politik ist, sind doch Rettungsaktionen für große Unternehmen viel leichter zu organisieren als für viele kleine Unternehmer. Da kann es gut sein, dass die Hilfe zu spät kommt. Im März 2020 erklärte ich in verschiedenen Beiträgen, wie wir es machen könnten:7 Die Wirtschaft müsste in ein künstliches Koma versetzt werden. Aus der Medizin kennen wir das: »Ein künstliches Koma ist eine lange Vollnarkose, die über Tage – in seltenen Fällen über Wochen – eingesetzt wird. Mithilfe von Narkose- und Schmerzmitteln wird der Patient kontrolliert in einen Zustand versetzt, in dem Bewusstsein und Schmerz ausgeschaltet sind.«8 Bezogen auf die Wirtschaft würde das bedeuten, dass wir für eine bestimmte Zeit alles einstellen: Lohnzahlungen, Mieten, Zinszahlungen. Wir täten einfach so, als würde ein Quartal ökonomisch nicht stattfinden. Es gäbe keine Umsätze, aber es gäbe auch keine Verpflichtungen.

Beispiel Miete: Der Betreiber eines Kaffees kann die Miete nicht mehr bezahlen, weil er geschlossen hat. Der Vermieter verzichtet auf die Miete und im Gegenzug muss er keine Zinsen und keine Tilgung bezahlen und die Bank wiederum keine Löhne und keine Zinsen. Wir stellen alles ein und in drei Monaten – wenn wir annehmen, dass das Koma solange andauert – fangen wir dort an, wo wir aufgehört haben, und tun so, als hätte es die Zeit dazwischen nicht gegeben.

In diese Richtung ist die Bundesregierung gegangen, aber eben nur ein bisschen. So darf Mietern nicht gekündigt werden, wenn sie, bedingt durch den Kampf gegen COVID-19, ihre Mieten zwischen dem 1. April und dem 30. Juni nicht bezahlen können. Die Miete wird bis zum Juni 2022 gestundet. Eine Stundung ist allerdings nichts anderes als eine Art Zwangskredit des Vermieters und damit auch keine völlige Entlastung des Mieters. Zudem fehlt eine korrespondierende Entlastung des Vermieters, der ja ebenfalls finanzielle Verpflichtungen hat, beispielsweise für Zins und Tilgung. Um die Banken zu schonen, wird hier einseitig die Last auf die Vermieter verlagert, die – entgegen der allgemeinen öffentlichen Wahrnehmung – nach Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) meist mit geringen Renditen von ein bis zwei Prozent arbeiten.9

Das künstliche Koma wie oben beschrieben geht offensichtlich nur in der Theorie. In der Praxis haben wir keinen kompletten Shutdown der Wirtschaft, wir haben echte Ausgaben – zum Beispiel für Nahrungsmittel – und viele Menschen haben unabhängig von der Wirtschaftslage ein Einkommen, so Rentner.

Deshalb müssen wir uns mit den Maßnahmen in der Praxis so nah wie möglich an den Zustand des künstlichen Komas annähern. Für Menschen, die aufgrund des Virus weniger oder keine Einnahmen haben, muss es einen Ausgleich geben, der wirtschaftlich dem Gedanken des künstlichen Komas am nächsten kommt. Dieser Ausgleich muss dafür sorgen, dass es nach der Komaphase keine Schmerzen mehr gibt. Also auch keine zusätzlichen Verpflichtungen, die vor dem Koma nicht bestanden haben. Ich wiederhole es nochmals: Es muss so sein, als hätte es diese Monate nicht gegeben. Wenn nun von der Politik Liquiditätshilfen in Form von Darlehen oder direkten Beteiligungen des Staates an Unternehmen an- geboten werden, ist diese Bedingung nicht erfüllt. Wenn die Betroffenen nämlich aus dem Koma erwachen, sehen sie sich mit finanziellen Lasten konfrontiert, die sie vorher nicht hatten und die sie oftmals nicht abtragen können. Gerade Restaurants, Hotels, Reiseveranstalter und Kinos – um ein paar Beispiele zu nennen – können den verlorenen Umsatz nicht wieder wettmachen. Ein Auto mag man ein paar Monate später kaufen, aber in das Restaurant geht man nicht doppelt oder dreimal so häufig, um frühere Mahlzeiten nachzuholen.

Staatliche Umsatzausfallzahlung

Wir müssen also als Gesellschaft den Umsatzausfall ersetzen. Die künftigen Umsätze kennen wir nicht, aber wir kennen die Steuerzahler Deutschlands. Getrost dürfen wir davon ausgehen, dass nur Steuerzahler von dem Einbruch der Wirtschaft getroffen sind.
Dabei haben wir die folgenden verschiedenen Gruppen von Steuerzahlern auf Einkommen:

•Bei Arbeitnehmern wird die Lohn- und Einkommensteuer direkt an der Quelle abgezogen. Tritt Arbeitslosigkeit ein, wird Einkommen durch Sozialleistungen aufgefangen. Weitere unternehmerische Verpflichtungen sollten hier nicht bestehen, nur eventuelle private finanzielle Verpflichtungen aus Krediten.10 Hier wäre es denkbar, dass wir pauschal die Arbeitslosengelder und die Kurzarbeiterzahlungen (bereits teilweise geschehen) deutlich erhöhen. Diese sollten ab Tag eins gezahlt werden.
• Im Fall von Selbstständigen und Unternehmen, die Einkommensteuer zahlen, sind die Einkünfte der vergangenen Jahre bekannt. Das Finanzamt kennt diese aus den Steuererklärungen der vergangenen Jahre. Hier sollte das Finanzamt in jedem Monat, den die Komaphase andauert, einen Betrag in Höhe von einem Zwölftel des Jahresumsatzes des letzten verfügbaren Jahres auf das Konto des Unternehmens überweisen.
•Bei Unternehmen, die Körperschaftsteuer zahlen, wird genauso vorgegangen. Auch sie bekommen den geschätzten entgangenen Umsatz gutgeschrieben.

Entscheidend ist, dass dies ohne Antrag und ohne Bedürftigkeitsprüfung erfolgt. Alle werden so gestellt, als wäre nichts passiert. Im kommenden Jahr müssen dann alle Bürger, die Zahlungen vom Staat erhalten haben, dem Fiskus ihren Geschäftsverlauf des Jahres 2020 erklären. Davon ausgehend würden sich die folgenden Zahlungsverpflichtungen der Empfänger ergeben:

•Entspricht der erzielte Umsatz – inklusive der erhaltenen Umsatzausfallzahlungen des Staates – dem Umsatz im Jahr 2019, so behält der Empfänger die Zahlung und versteuert den sich ergebenden Gewinn.
•Liegt der erzielte Umsatz – inklusive der erhaltenen Umsatzausfallzahlungen – über dem Niveau von 2019, so ist der Teil der Ausfallzahlungen zu erstatten, der nicht erforderlich war, um das Umsatzniveau 2019 zu halten.
•Wenn ein Unternehmen einen Teil oder den gesamten Umsatzausfallzuschuss des Staates behält, darf der Gewinn ebenso wie der Umsatz nur auf dem Niveau des Vergleichsjahres liegen. Er- zielt ein Unternehmen einen höheren Gewinn, so wird die Differenz zu 100 Prozent besteuert. Damit gibt es auch einen Anreiz, Mitarbeiter nicht zu entlassen.

So oder so ist in diesem Modell der Umsatz auf dem Niveau von 2019 garantiert. Unternehmer können die Erstattung der Umsatz- ausfallzahlung umgehend leisten, wenn sie nicht auf die Zahlungen angewiesen sind; spätestens bei Abgabe der Steuererklärung für das Jahr 2020 wären die unnötig zugeflossenen Gelder zurückzuzahlen. Die Politik könnte auch einen Anreiz geben, unnötige Umsatzausfallzahlungen sofort zurückzuzahlen, zum Beispiel, indem bei Rückzahlung innerhalb eines Monats ein Skonto gewährt wird. Der Vorteil einer solchen Vorgehensweise liegt auf der Hand: Sie wirkt wirtschaftlich wie das Koma, ist einfach umzusetzen und kann im Nachhinein, wenn die Krise überwunden ist, korrigiert werden, indem jene, die die Zahlung des Staates nicht benötigen, den entsprechenden Betrag nach Abgabe der Einkommensteuererklärung erstatten müssen.

Wäre das gerecht? Im Einzelfall vielleicht nicht, in der Summe schon. Natürlich mag es Unternehmen geben, die auch ohne Corona einen Umsatzrückgang erlebt hätten. Es wird auch Fälle geben, in denen das Geld verloren ist, weil die Empfänger die Zahlungen falsch verwenden. Die korrespondierenden Beträge dürften aber relativ zum Gesamtvolumen vernachlässigbar sein. Ebenso mag die Gefahr bestehen, dass einzelne Empfänger sich über die Zahlung freuen und gar kein Interesse daran haben, zu arbeiten. Dies dürften aber vor allem Solo-Unternehmer sein – und auch diese nur in begrenzten Umfang. Unternehmer mit Angestellten und Infrastruktur – Büroräume oder Ladengeschäft – werden ei- nem solchen Modell nicht folgen, weil sie andernfalls ihr Unternehmen nachhaltig gefährden würden. Außerdem wäre der Gewinn auf dem Niveau von 2019 gedeckelt. In der Summe also ein vernachlässigbarer Punkt.

Kritiker dieses Vorschlags bemängelten, es sei nicht gut, den Unternehmen auch noch den Gewinn zu garantieren. Dieser Einwand kam von Nicht-Unternehmern, die meist keine Vorstellung davon haben, wie gering die Margen und Gewinne der meisten Selbstständigen sind. Wir haben das Beispiel des Restaurants aus Berlin gesehen. Bei einem Umsatz von rund 500 000 Euro im Jahr und immer- hin 13 Mitarbeitern bleiben den zwei Eigentümern nach Steuern jeweils nur rund 25000 Euro in der Tasche. Das ist wahrlich kein hohes Gehalt, wenn man an die erheblichen persönlichen Risiken (Haftung für Miete etc.) und die langen Arbeitszeiten denkt. Hier zu helfen, ist aus meiner Sicht gerechtfertigt.

Der entscheidende Vorteil ist, dass jedes Unternehmen weiß, welchen Umsatz es inklusive der staatlichenÜberweisung erzielt. Niemand muss sich Sorgen machen, zu viele Schulden anzuhäufen, niemand damit rechnen, dass sein Eigentum auf den Staat übergehen könnte. Vor allem ist das Verfahren unbürokratisch und transparent. Die Mitarbeiter des Finanzamts müssten sich für die Dauer der Krise auf diese Aufgabe konzentrieren.

Wir reden von einem theoretischen Maximalbetrag von 25 Prozent des deutschen BIP des Jahres, wenn wir davon ausgehen, dass die wirtschaftliche Aktivität drei Monate lang komplett brachliegt. Dem wird aber nicht so sein, weshalb wir eher mit einer Größenordnung von zehn Prozent des BIP rechnen sollten. Selbst bei 25 Prozent stiege die Verschuldung des deutschen Staates auf die Größenordnung von 90 Prozent des BIP. Dieser Satz liegt weit unter dem Niveau, das die meisten anderen EU-Staaten schon vor dem Corona-Schock zu verzeichnen hatten.

Ein »gedankliches Koma« ist effektiv und effizient

Wir haben verschiedene Probleme, die sich gegenseitig verschärfen und in der Summe zu einem sich verstärkenden Abschwung führen. Die Unternehmen wissen nicht, wie heftig und wie lange sie unter der Krise leiden werden. Sie wissen nicht, ob und wie die Hilfe des Staates wirkt, und sie fürchten die längerfristigen Konsequenzen. Wer künftig Schulden tilgen oder den Staat als Miteigentümer los- werden müsste, der setzt alles daran, erst gar nicht in diese Situation zu kommen, sondern sie zu verhindern. Also baut er Kosten um jeden Preis ab, und das verstärkt die Krise. Der Komaansatz ist im Vergleich damit besser.

Die kurzfristige Finanzierung der mit dem Komaansatzverbundenen Ausgaben ist im heutigen Nullzinsumfeld gar kein Problem. Die Bundesregierung dürfte die Gelder umsonst bekommen oder gar daran verdienen. Die langfristige Finanzierung sollten wir im Zusammenhang mit der Eurozone klären.

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Allgemein

Coronakrise: Die wirtschaftlichen Folgen des Lockdown

Markus Fugmann

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Die Coronakrise geht durch den „differenzierten Lockdown“ (O-Ton Markus Söder) in eine zweite Runde. Zwar erlebte die Wirtschaft nicht nur in Deutschland im 3.Quartal eine deutliche Erholung, aber mit den zunächst für November verfügten Maßnahmen kehrt die Coronakrise mit voller Wucht zurück. Das trifft bekanntlich die schon der ersten Welle betroffenen Branchen (Touristik, Veranstaltung, Gastronomie etc.) besonders hart – da werden auch Kompensationszahlungen der Bundesregierung nur wenig daran ändern.

Coronakrise – nach der vermeintlichen „V-Erholung“ der 2. Lockdown

Haben wir zuvor wirklich eine V-Erholung gesehen? Nicht wirklich, sagt etwa Clemens Fuest, Präsident des ifo Instituts – denn die V-Erholung in den Daten war wesentlich geprägt von der Hoffnung auf Besserung, also der Erwartungs-Komponente: Firmen werden befragt, ob es schlimmer, gleichbleibend oder besser wird. Wenn aber die Dinge schon extrem schlecht sind, sei es fast schon „mechanisch“, dass eine Besserung erwartet werde.

Was aber bedeutet nun der neue Lockdown? Fuest verweist auf die Studien, die zeigen, dass schnelle restriktive Maßnahmen zwar der Wirtschaft zunächst schaden, dann aber durch die bessere Beherrschung der Pandemie zu einer schnelleren und kräftigeren Erholung führt als in Ländern/Regionen, in denen solche Maßnahmen nicht ergriffen werden. Das gilt etwa cuh für Schweden: dort war in Gefolge der ersten Welle der Coronakrise die Wirtschaft trotz der weniger restriktiven Maßnahmen deutlich stärker eingebrochen als etwa in Norwegen, bei gleichzeitig sehr viel mehr Opfern in Schweden.

Clemens Fuest fasst in folgendem Vortrag die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise gleichsam kompakt und kompetent zusammen:

Die Coronakrise und die wirtschaftlichen Folgen des Lockdown

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Aktien

Experte Andre Stagge über die Tech-Zahlen, US-Wahl und EZB

Claudio Kummerfeld

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Der Tradingexperte Andre Stagge (hier mehr zu seiner Person) bespricht im folgenden Video mehrere aktuelle Börsenthemen. Vermutlich wird die EZB ab Dezember aktiver werden in Sachen Rettungsmaßnahmen. Gestern Abend haben die vier großen Tech-Konzerne Apple, Google, Amazon und Facebook ihre Quartalszahlen veröffentlicht. Andre Stagge weist darauf hin, dass alle vier zwar die Erwartungen bei Umsatz und Gewinn übertroffen haben – und er geht auf die Gründe ein, warum die Aktien nachbörslich nicht entsprechend positiv reagierten. Auch wirft Andre Stagge einen Blick auf die große Wahrscheinlichkeit, dass Joe Biden die US-Wahl nächste Woche gewinnen könnte.

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