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Goldpreis und Lösung der Krise

Markus Fugmann

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am

Ein Gastbeitrag von Ralf Ernst

Wie sie alle heißen: Krugman, Friedman, Roubini, Hajek, Keynes … sie alle haben etwas gemeinsam: Sie reden alle schlau daher, einige haben sogar den Nobelpreis, aber ihre Ideen sind ziemlich unbrauchbar.

Keiner von ihnen scheint an einen Adam Smith oder Thomas Hobbes heranzureichen. Sie widersprechen sich, sind rechthaberisch und haben trotz all ihrer Wissenschaft keine Konzepte anzubieten. Ihre Schüler können sich trefflich die Köpfe heißreden, sich einander widersprechen, aber nichts Brauchbares kommt heraus. Die gesamte Zunft der Wirtschaftswissenschaften scheint sich in einer Krise zu befinden. Diese Wissenschaft befindet sich da, wo sich einst die Medizin bei ihren heißen Diskussionen um Körpersäfte und Blutkreislauf befand – im Mittelalter. Ihre Heilmittel für die gegenwärtigen Probleme sind Rosenkugeln und Aderlass.
Aufgrund offenbar fehlenden Sachverstands und Einsicht in Zusammenhänge reiht sich in der Menschheitsgeschichte ganz offensichtlich weiterhin Krise an Krise. Schlimmer kann es also kaum kommen – warum nicht einfach selbst nachdenken? Krösus hatte auch nicht Wirtschaftswissenschaften studiert, dennoch hat sich seine Idee eines auf Gold basierenden Zahlungs- und Geldwesens bis heute erhalten.

Keine andere Währung hat geschafft was Gold schaffte: Über die Zeit von Jahrhunderten, womöglich Jahrtausenden, und in allen Kulturen wertgeschätzt gewesen zu sein, damit tauschen und bezahlen zu können und Wert zu speichern. Welche Prägung Goldmünzen je hatten, spielte für ihren Wert keine Rolle, sondern nur Feinheitsgrad und Gewicht. Im Prinzip könnte jeder sich seine eigenen Goldmünzen prägen und damit überall auf der Welt bezahlen oder Wert speichern, oder seine Privatmünzen an seine Nachkommen vererben. Wenn er seine Münzen heimlich vergräbt, fällt nicht mal Erbschaftssteuer an, und sie werden auch nicht enteignet.
Das schaffte man zu keiner Zeit mit Immobilien, Währungen, Landbesitz, Muscheln, eingeschränkt allenfalls mit Kunstwerken, Perlen und Edelsteinen.
Mit dem was man zum Leben braucht könnte man theoretisch auch Wert speichern, diese Güter sind aber vergänglich. Im Altertum war Salz eine Geldwährung, und in Ägypten gab es Kornkammern als Wertspeicher. Versucht wurde es also auch damit, mit Gold klappte es aber besser. Heute laufen neue Versuche mit Kryptowährungen, ob sie sich als Gold überlegen erweisen, bleibt abzuwarten.

Über Jahrhunderte blieb es in etwa gleich, was man sich für 1 Unze Gold kaufen konnte – wer vor 1000 Jahren in Gold gemessen wohlhabend oder reich war, wäre es heute mit Besitz derselben Menge Goldes auch. Allerdings schwankte Gold in seiner Bewertung ausgedrückt in US – $ des Jahres 2015 zwischen etwas unter 200 Dollar 1970 bis deutlich über 2000 Dollar im 14. bis 15. Jahrhundert und davor. In den letzten 500 Jahren schwankte 1 Unze Gold im Mittel um etwa 500 US-$ (2015), gemessen an seiner Kaufkraft für das was man zum Leben brauchte. An den größten Spekulationsblasen wie Tulpenhausse oder South See Bubble hatte Gold keinen Anteil, dass etwa der Goldpreis gestiegen wäre, um sich mehr Tulpen in der Tulpenhausse kaufen zu können. Möglicherweise befand sich Gold – als einzige Ausnahme – in den Endsiebzigern bis 1980 selbst in einer Blase. Es steigt aber nicht mit, wenn sich in anderen Bereichen Blasen bilden.

Dementsprechend ist Gold heute trotz Gelddrucken, Blase an den Anleihemärkten, menschheitsgeschichtliches Verschuldungsallzeithoch, nicht gestiegen, um sich etwa mehr Schuldderivate oder Staatsanleihen kaufen zu können. Es wird derzeit oft behauptet, Gold könnte wegen des Gelddruckens nur steigen – was so falsch ist wie, dass Gold hätte steigen müssen, weil Tulpenzwiebeln so teuer geworden waren. Gold war empirisch gesehen immer mit den zeitgenössischen Lebenshaltungskosten verknüpft.
Derzeit notiert 1 Unze Gold trotz des Absturzes vom Hoch von 2010 $ (2015) im Jahr 2011 immer noch etwa auf dem Niveau der doppelten Kaufkraft für das Lebensnotwendige gemessen am historischen Durchschnitt der letzten 500 Jahre. Die Produktionskosten für neu gefördertes Gold liegen durchschnittlich aber derzeit immer noch auf dem Niveau des aktuellen Preises (in der Spitze lagen die AISC bei über 1700 US-$) trotz größter Kostenkürzungsanstrengungen – ein Paradoxon?

Die Erklärung dafür ist womöglich, dass das was wir in westlichen Industrieländern für das Lebensnotwendige tagtäglich konsumieren, von uns nicht mehr bezahlt werden könnte, würden wir selbst für die Herstellung dieser Güter arbeiten müssen. Wir lassen andere in der dritten Welt für die Herstellung von Kleidung oder Anbau von Nahrungsmitteln arbeiten, deren Arbeit weniger kostet als dieselbe Arbeit bei uns, oder sind auf Vollautomatisierung per Maschinen und Roboter umgestiegen. Solange die Globalisierung das hergibt, staut sich Inflation zurück, und die relative Kaufkraft des selbst in Dritte Welt – Ländern nicht billiger produzierbaren Goldes ist etwa doppelt so hoch wie im historischen Durchschnitt. Dabei ist alles Spitz auf Knopf: Um über die Runden zu kommen, muss auch in westlichen Industrieländern bis zur Erschöpfung gearbeitet werden, und oft reicht ein Job zum Leben nicht mehr aus. Die Güter des täglichen Lebens dürften kaum noch teurer sein, weil sie sich sonst nicht mehr genug Leute leisten könnten. Das Lohnniveau ist dort bis zum Anschlag nach unten gedrückt, und die Steuerlast wegen Rekordstaatsverschuldung bis zum Anschlag nach oben ausgereizt.
Dies trifft jedenfalls für die Masse der Menschen zu. Eine Minderheit ist hingegen sehr gutgestellt, weil sie unabhängig von Arbeit oder durch sehr gut bezahlte Arbeit vermögend ist.

Check:

1970 war Gold historisch am billigsten, im 13. bis 14. Jahrhundert am teuersten, im Jahr 2011 wieder sehr teuer. Wann ging es den Leuten zu diesen Zeiten besser oder schlechter?
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Goldpreis#/media/Datei:Historico_ouro.gif

Gold realer Preis

1350 bis 1450 gab es in Europa Hungerkatastrophen und durch Kriege und Seuchen ausgelöste Bevölkerungsdezimierungen. 1970 konnte in den USA und in Europa das Einkommen des Mannes eine Familie mit durchschnittlich 2 Kindern allein ernähren und der Lebensstandard war hoch. Unzweifelhaft erreichte man 1970 in den westlichen Industrieländern den höchsten zivilisatorischen Wohlstand der Menschheitsgeschichte, der nie wieder, davor oder danach, erreicht wurde, betrachtet man das Durchschnittsniveau der Masse der Bevölkerung. Für seine Arbeit konnte man sich viel kaufen, was man notwendig zum Leben brauchte, auch viel Gold.

Deutschland konnte sich in dieser Zeit hoch bewerteter Arbeit nach dem Krieg bis 1970 seinen Goldschatz von über 3000 t erarbeiten und hatte keine Staatsschulden.
Es gab sicher zusätzliche Einflußfaktoren wie Vollbeschäftigung oder Depressionen. 1929 – 1933 lag der reale Goldpreis mit ca. 300 US $ (2015) niedrig, Arbeit stand also hoch im Kurs, aber sehr viele hatten keine – hätte man Arbeit gehabt, hätte sie einen aber ausreichend ernährt (damals gab es keinerlei Wohlfahrtsstaat, d.h. keinerlei staatsschuldenfinanzierte Subventionierung der Arbeit wie heute, die Arbeit trug sich selbst), deshalb niedriger realer Goldpreis (= hoher Wert von Arbeit) in dieser Zeit trotz Armut bei vielen. Heute haben viele keine Arbeit, aber die die welche haben können sich davon immer öfter ohne staatliche Subventionierung nicht mehr über die Runden bringen, und Arbeit ist staatsschuldensubventioniert (= Entwertung von Arbeit). Das Wohlfahrtsstaatphänomen gibt es erst seit der Gegenwart, von daher stellte der reale Goldpreis früher in der Geschichte direkter das Niveau des Wertes von Arbeit und des Wohlstands dar. Über Massenarbeitslosigkeit in historischen Epochen ist nichts überliefert, früher haben Menschen grundsätzlich immer gearbeitet (Ausnahme: Bettler), konnten aber zeitweise von ihrer Arbeit nicht leben (Hungersnöte, Auswanderungswellen).

Das Gold konnte vor 1971 immer wirtschaftlich gewonnen werden, weil der Wert der Arbeit auf dem Niveau der Lebenshaltung lag, und der Goldpreis trotz Fixierung („Goldstandard“) des Dollars auf 35 $/Unze nicht übertrieben nach unten manipuliert war.

2011 muss es demzufolge den meisten Menschen in den westlichen Industrieländern schlechter als 1970 gegangen sein, teilweise kompensiert durch Hinterlassenschaften der Elterngeneration. Jedenfalls konnte man sich für seine Arbeit wenig zur Lebenshaltung und wenig Gold kaufen, etwa auf dem Niveau von 1450, man musste für wenig sehr viel arbeiten, und es reichte trotzdem nicht, weshalb in den USA und in Westeuropa zunehmend mehr Menschen mehrere Jobs gleichzeitig haben, viele in Deutschland „Minijobs“, in Südeuropa viele junge Menschen gar keine Jobs haben und noch auf Kosten der Eltern leben müssen, und bei denen die Arbeit haben in der Regel beide Partner arbeiten müssen, um trotzdem nur eher schlecht als recht über die Runden zu kommen. Oftmals musste trotz Doppelverdienst noch durch Sozialtransfers zu Lasten steigender Staatsverschuldung „aufgestockt“ werden, und ein Heer von Arbeitslosen lebt allein von staatlicher Zuwendung, Hartz IV, Frührente, Arbeitslosengeld und der Tafel. Zukünftig wird sich vermutlich ein Heer von Flüchtlingen den Arbeitslosen hinzugesellen.

Da der Goldpreis 2015 im Vergleich zu 2011 wieder um die Hälfte billiger ist, müsste es den Menschen doch heute wieder besser gehen?

Check:

In Rohstoffwährungen wie A$, NZ$, ist Gold bereits wieder teurer, im Juni 2015 in Neuseeland so teuer wie 2011, in Japan 2015 fast auf Allzeithoch. Arbeit wurde durch Währungsabwertung bis um die Hälfte in diesen Ländern billiger, weshalb sich die Menschen dort heute nicht mehr Gold kaufen können als 2011. In US-$ gemessene Produktionskosten für Gold liegen 2015 trotzdem noch bedeutend höher als die mittlere historische reale Kaufkraft von Gold, weshalb Arbeit nach wie vor gegenüber Gold (und noch mehr gegenüber Lebenshaltung) entwertet ist. Der nominal hohe Goldpreis 2011 entsprach nahezu dem Produktionspreis 2011 von AISC 1700 US $ (=1800 US $ 2015). Es musste 2011 also sehr viel für 1 Unze Gold gearbeitet werden, bei entwerteter Arbeit, trotz halbiertem Goldpreis 2015 ist die Arbeit relativ zu Gold (und Lebenshaltung) weiterhin unverändert entwertet, ggf. sogar noch mehr entwertet als 2011, rechnet man die Staatsschuldenexpansion hinzu. Wird Arbeit durch Gelddrucken, quantitative easing, künstlich niedrige Zinsen und Subventionierung von Arbeit durch ansteigende Staatsverschuldung noch weiter verbilligt, können die Lebenshaltung und der Goldpreis ohne weiteres auch nochmals nominal billiger werden, ohne dass sich daran etwas ändert, dass man für Arbeit immer noch weniger Gold (und das zum Leben Notwendige) kaufen kann. Der reale Goldpreis wird dann immer noch relativ zu Arbeit und Lebenshaltung doppelt so teuer bleiben wie im historischen Durchschnitt (Deflation).

Die Lösung:

Die Löhne für die Masse müssen gemessen am Goldpreis weltweit verdoppelt werden, ebenso die Preise für die Güter des täglichen Lebens (was sich allein durch die Lohnerhöhung automatisch entwickelt), die Schulden bleiben nominal auf dem alten Stand. Das historische Preisniveau von Gold würde dann wieder zumindest eine gewisse Zeit lang stimmen. In den letzten Jahrhunderten hielt eine solche monetäre Anpassung meist um die 50 Jahre (Ausnahme ab 1700 bis 1945 für über 200 Jahre).

Siehe dazu sehr anschaulich die Tabelle:

http://www.measuringworth.com/gold/

Eine Lösung muss praktikabel und einfach sein – die Maßnahme der Verdopplung von allem für das Leben Notwendige, darauf bezogene Löhne (und dadurch automatisch der Preise), wäre relativ einfach.

Keinem würde geschadet, niemandem etwas weggenommen. Die Lebensversicherungen und Schuldverschreibungen bleiben nominal gleich. DAX-Vorstände und Politiker, EU-Kommissare, Stars, Schauspieler und Fußballer haben diese Maßnahme für sich per Selbstjustiz ohnehin in den letzten Jahrzehnten vorweggenommen und blieben bei dieser monetären Anpassung unberücksichtigt. Produktiv wertschöpfende Arbeiten würden in ihrer Bezahlung aber alle verdoppelt (bis Bundeskanzlergehaltsniveau und sogar darüber), ebenso wie die Preise für alle Annuitäten (Gehälter, Renten, Pensionen, Beiträge, Mieten).

Das Steueraufkommen würde sich entsprechend erhöhen, eventuell mehr als verdoppeln, bei nicht erhöhten Staatsschulden, die Haushalte der Staaten könnten sich sanieren. Damit die vielen Steuermehreinnahmen nicht in neue Geldausgabeorgien von Politikern ausarten, müsste festgelegt werden, dass die Staatsausgaben nur zu einem gewissen Prozentanteil der Schuldentilgung erhöht werden dürfen, solange, bis alle Staatsschulden weg sind, und von da an nur noch auf Habenbasis vom Staat gewirtschaftet werden darf. (Das wäre nebenbei angemerkt eine Versicherung gegen Kriege, die alle nur auf Pump führbar sind.) Es würde erreicht, was die Notenbanken über die letzten Jahre durch Nullzinspolitik und quantitative easing angestrebt aber nicht geschafft haben.
Geldvermögen, Verbindlichkeiten, würden an der monetären Umstellung nicht teilhaben und nominal gleichbleiben.

Die Werte von Vermögensgütern, Gold, Aktien, Immobilien, Lebensversicherungen würden sich nach und nach entsprechend neu einpendeln. In Härtefällen (z.B. Selbstständige die statt Rente mit Lebensversicherungen fürs Alter vorgesorgt haben) könnte es Ausgleichsmechanismen geben.

Die in Massen zuströmenden Flüchtlinge könnten positiv zur Bewältigung der ungünstigen Demographie in westlichen Industriestaaten beitragen. Statt in China oder Bangladesch produzieren zu lassen, könnte die Produktion von Textilien und anderen derzeit durch eigene Arbeit nicht mehr erschwinglich herstellbaren Produkten wieder nach Europa zurückgeholt werden, die Maßnahmen zur monetären Anpassung würde auch einen ethisch vertretbaren, auskömmlichen Lohn für Flüchtlinge, die arbeiten, ermöglichen. Mit ihrer Hilfe könnten Engpässe in der Sanierung von Infrastruktur (Straßen, Gebäude, Leerstandsbrachen im Osten), Alten- und Krankenpflege, Erntehelfer überwunden werden. Statt zu kosten würden Flüchtlinge auf diese Weise durch Arbeit für sich selbst aufkommen. Letztlich ist jeder Wohlstand einer Gesellschaft an Manpower, Menschen die arbeiten und das Bruttosozialprodukt erhöhen, gebunden, mit zu wenig Menschen kein Wohlstand. Eine Erhöhung des Wertes der Arbeit wäre auch die Lösung für den Geburtenrückgang in westlichen Industrieländern. Arbeitsvermögen letztlich ist es, was im Vermögenswert 1 Unze Gold ausgedrückt wird, mehr Hände Arbeit erwirtschaftet mehr davon, ohne es zu entwerten. So ist es jedenfalls über Jahrtausende immer gewesen.

http://www.macrotrends.net/1378/dow-to-gold-ratio-100-year-historical-chart

Dow Jones zu Gold

Vielleicht erscheint die Verdopplung von Löhnen und Preisen, einer Währungsreform ähnlich, zu einschneidend, sogar dirigistisch-diktatorisch. Warten wir doch einfach ab, bis die unendliche Weisheit der Marktkräfte, mit ein wenig Hilfe von Dragi & Co., von selbst für eine Lösung sorgt und machen uns weiter keine Gedanken – das ist die bis heute ungelöste Frage. Die Großkopferten Hayek, Mises, Keynes sind sich in ihrer Beantwortung nicht einig geworden, was die gesamte Zunft der Wirtschaftswissenschaft und Volkswirtschaftslehre diskreditiert. M.E. vereinfacht ein kurzes und schmerzliches dirigistisches Eingreifen a la Keynes aber nur eine lange Hängepartie mit Austerität, Gelddrucken und künstlich niedrig gehaltenem Zins, Lohnstreikrunden, Arbeitskämpfen, Rezessionen, Deflationen und schließlich dem von Hayek prognostizierten Zusammenbruch bei untragbar gewordenen Schulden. Was im Paradigma „runaway train“ Jahre bis Jahrzehnte dauert, verlorene Jahre, hätten wir bei Verdopplung des Wertes von Arbeit gekoppelt an den realen Goldpreis vielleicht in ein paar Wochen bis Monaten ausgestanden.
Paul Volcker hielt es für eine gute Idee, den Goldpreis manipulatorisch zu drücken, um aufgehäufte Schulden den Gläubigern gegenüber nicht zu entwerten, sondern stattdessen den sonst wie durch ein Naturgesetz im Goldpreis ausgedrückten Wert der Arbeit.

Die Briten waren da über Jahrhunderte schlauer als Volcker, und haben etwa alle 50 Jahre eine Neujustierung mit Höherbewertung des Faktors Arbeit durch Anpassung des Kurses des Pfunds zu Gold vorgenommen. Diese Geldpolitik ermöglichte den Briten den Aufbau ihres Empires. Scheinbar waren die führenden Köpfe zu Zeiten von Hobbes und Smith klüger als ihre studierten und belesenen Nachfolger in der Gegenwart.

Ein Wort zu den Goldpermabullen: Sie liegen falsch, weil sie glauben, der Wert von Gold würde blasenhaft exponentiell explodieren, und mit ihren paar Unzen Gold würden sie dann zu Superreichen. Sie haben das empirische Naturgesetz, was Gold ist, wie die wenigsten (ein anderes Missverständnis: ‚Gold ist ein „pet rock“ und sonst zu nichts zu gebrauchen‘), nicht verstanden: Gold bemisst stets den Wert von Arbeit und Lebenshaltung und kann ihn speichern, nicht mehr, aber auch nicht weniger, und dies bereits seit Jahrtausenden. Das haben sich die Menschen nicht willkürlich ausgedacht, wie man sich die Zahl Pi nicht willkürlich ausdenken kann, sondern Gold ist wie eine Naturkonstante, oder hat evolutionär die Nische, diese zu bemessen, bisher am besten besetzt.

7 Kommentare

7 Comments

  1. Avatar

    Einzahler

    4. August 2015 16:38 at 16:38

    Daumen hoch !!!

  2. Avatar

    Chris

    6. August 2015 09:42 at 09:42

    Ein schöner Bericht, danke.

    „An den größten Spekulationsblasen wie Tulpenhausse oder South See Bubble hatte Gold keinen Anteil, dass etwa der Goldpreis gestiegen wäre,“
    –> Zu dieser Zeit war die Währung goldgedeckt, d.h. die Blase wurde mit Gold bezahlt. Beim Platzen gab es keinen Grund, den Goldkurs anzupassen.

    „Dementsprechend ist Gold heute trotz Gelddrucken, Blase an den Anleihemärkten, menschheitsgeschichtliches Verschuldungsallzeithoch, nicht gestiegen“
    –> Heute ist die Währung ungedeckt. Die heutigen Blasen konnten sich unabhängig vom Goldkurs entwickeln. Beim Platzen dieser Blasen wird Gold voraussichtlich wieder seine Rolle als historische Währung einnehmen. Oder wer will dann noch Papier als Sicherheit? Gemessen an den gigantischen Geldmengen ist Gold unterbewertet.

    Der Artikel sagt doch letztlich aus, dass Gold und Arbeit beide unterbewertet sind?

    Da historisch die Menschen viel mehr für Gold arbeiten mussten (etwa 1 Unze Silber für eine Woche Arbeit), sehe ich heute Gold und Silber als unterbewertet gegen Arbeit. Wenn Arbeit doppelt so gut bezahlt werden müsste, halte ich den Faktor 10 für Edelmetall durchaus für weiterhin haltbar.

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      Ralf Ernst

      6. August 2015 15:48 at 15:48

      Mein Artikel handelt von „realen“ Goldpreis, was man sich für Gold kaufen kann.

      Goldpreis (real) = (Lebenshaltung (real)/Arbeit) * Konstante

      Gold ist derzeit historisch gesehen relativ teuer im Verhältnis zur verbilligten (weit zu billigen) Arbeit, d.h. man kann sich in der Range von ca 200 bis 2000 $ 2015 real für seine Arbeit derzeit relativ wenig (Gold) kaufen.

      Ich nehme an, dass sich die Arbeit noch weiter verbilligen wird (durch mehr Abgaben, Steuern, Staatsschuldenexpansion und damit sich noch mehr ausdehnende Subventionierung von Arbeit), und sich der reale Goldpreis trotz historisch immer noch etwa doppelt so hohen Niveau im Vergleich zum historischen Durchschnitt weiter verteuert. Erreicht die Verteuerung des realen Goldpreises das Niveau von 1492, hieße dies nominal in US $ 2015 3310 US – $.

      Diese Überlegungen zum realen Goldpreis dürfen nicht verwechselt werden mit dem „nominalen“ Goldpreis, der von Geldbasisentwertung wegen Gelddrucken, Zinspolitik etc. abhängt. Bei Deflation kann der nominale Goldpreis auch sinken, obwohl er real steigt und umgekehrt.

      • Avatar

        Chris

        7. August 2015 14:35 at 14:35

        Danke für die Antwort. Ich versuche immer noch, richtig zu verstehen.

        Ihre Formel leitet den realen Goldkurs rein von der Kaufkraft der Masse ab. Das könnte ja passen – bei relativ konstanter Goldmenge, die rein durch die Nachfrage bepreist wird. Der Kursverfall ab 1492 erklärt sich dann auf die Mengenausweitung durch die riesigen Goldlieferungen aus der Neuen Welt (die Silberkurve sieht ganz ähnlich aus).

        Realkurse um $2000 wie vor 1492 dürften demnach nie wieder erreicht werden. Von daher ist schon interessant, dass einige jüngere Ausschläge schon recht nahe da herankommen.

        Die Anzahl der Menschen spielt keine Rolle? Es müsste doch einen Nachfrageeffekt haben, ob 7 Milliarden oder nur 100 Millionen Menschen ihre Kaufkraft an Gold messen?

        Wieso kommt es, nach ca 300 Jahren „Ruhe“ 1500-1800 mit einem realen Kurs um $500, ab ca. 1800 (1789?) zu den drastischen Schwankungen, die bis heute anhalten? Aus Ihrer Sicht schwankt die Kaufkraft, aus meiner Sicht würde ich sagen, ab 1800 hat die Loslösung der Währungen von Gold begonnen. Diverse Formen von ungedecktem Papiergeld haben ja 1785 den frz. König in die Krise getrieben und letztlich die Revolution ausgelöst.

        Wie haben Sie das „Limit“ von 3310 USD errechnet? Das würde Ihre Formel verständlicher machen, etwa die Bewertung des Faktors „Arbeit“.

        Und: gilt Ihre Einschätzung analog für Silber? Silber wird ja industriell umfangreich genutzt und hier auch unwiederbringlich verbraucht. Die Weltsilberbestände sind minimal gegen Gold.

        Gruß aus Odenthal

  3. Avatar

    Jochen

    14. August 2015 14:21 at 14:21

    Sehr geehrter Herr Ernst,

    Sie schreiben, Zitat:

    »Die Löhne für die Masse müssen gemessen am Goldpreis weltweit verdoppelt werden, ebenso die Preise für die Güter des täglichen Lebens (was sich allein durch die Lohnerhöhung automatisch entwickelt), die Schulden bleiben nominal auf dem alten Stand. Das historische Preisniveau von Gold würde dann wieder zumindest eine gewisse Zeit lang stimmen.«

    Einspruch, Euer Ehren! Denn Sie haben den entscheidenden Punkt, WARUM Gold seit den 70er Jahren so billig ist, bei Ihrer Analyse außen vor gelassen. Ich meine die Erfindung des »Papiergoldes«. So etwas gab es früher zu keiner Zeit!

    Heute wird der Goldpreis praktisch zu 100 Prozent durch eben diesen »papierenen« (elektronischen, spekulativen) Goldhandel bestimmt: Futures, Optionen, CEFs, sprich: Derivate aller Couleur. Das Handelsvolumen dieser Derivate AUF Gold ist heute einhundert Mal so groß wie der Handel mit physischem Gold selbst!

    Nun kann man den Derivatehandel nicht verbieten, auch wenn er bei Gold keinerlei praktischen Nutzen hat als eben den der Spekulation. Aber ein Verbot ist auch nicht (mehr) erforderlich. Es gibt zahlreiche Hinweise, dass sichdie Investoren aus diesem papierenen Markt zurückziehen. Der bedeutendste Gold-Fonds (SPDR) hat binnen nur zweieinhalb Jahre über die Hälfte seines Volumens eingebüßt! Tendenz weiterhin fallend.

    In dem Moment, in dem Gold nicht mehr spekulativ gehandelt wird, löst sich das Problem von selbst. Horrende Summen, die auf der Suche nach dem »sicheren Hafen« sind, werden nunmehr notdrungen auf physisches Gold bieten. Der Preis wird auf diese Weise ganz von selbst (nach oben selbstverständlich) korrigiert werden.

    Wohl dem, der dann über physisches Gold verfügt.

  4. Avatar

    Jochen

    14. August 2015 14:35 at 14:35

    Wenn ich, sehr geehrter Herr ERnst, noch eine Frage stellen darf, weil ich fürchte, Sie nicht richtig zu verstehen: Sie schreiben, erneut Zitat:

    »Gold bemisst stets den Wert von Arbeit und Lebenshaltung.«

    Wie meinen Sie das? Ist das nicht viel zu kompliziert gedacht?

    Wenn wir mal den in meinem ersten Kommentar erwähnten, riesigen Papiergoldmarkt außen vor lassen, so bemisst sich doch der Wert von physischem Gold ausschließlich danach, was das bietende Vermögen dafür zu zahlen bereit ist, oder etwa nicht?

    Und bei dieser Preisfindung spielen die Kleinvermögen kaum eine Rolle. Auch nicht in ihrer Summierung. Relevant ist hier das GROSSE Vermögen: die Zentralbanken, die Gold als Reserve vorhalten, die großen Familienvermögen, usw.

    Ich sehe Gold (phys.) im Grunde kaum anders als Kunst, Antiquität, alten Wein etc.: All diese Dinge leiten ihren Wert nicht von ihrer tatsächlichen Funktion her ab, sondern ausschließlich aus dem Willen der Bieter, der Vermögenden, Teile ihres Vermögens gegen diese Dinge einzutauschen.

    Wie spielen hier Ihrer Meinung nach »Arbeit und Lebenshaltung« mit hinein?

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Konsumklima und Kaufverhalten im Oktober – aktuelle Daten

Claudio Kummerfeld

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Einkaufswagen

Die Coronakrise nimmt wieder mehr Fahrt auf. Deutschland hat mehr täglich Neuinfizierte als noch im Frühjahr, und die Restriktionen im Alltag nehmen wieder zu. Der selbe Reflex wie im Frühjahr zeigt sich aktuell bei den Verbrauchern – aber offenbar noch nicht im selben Ausmaß. Das kann man gut ablesen im Konsumklima und im Kaufverhalten der Deutschen. Heute früh wurden Daten zu Konsumklima und Kaufverhalten für Oktober veröffentlicht.

Konsumklima

Das einmal im Monat veröffentlichte GfK-Konsumklima zeigt heute früh, dass der Optimismus der deutschen Verbraucher im Oktober spürbar schwindet. Rund drei Viertel der Verbraucher gehen demnach aktuell davon aus, dass COVID-19 eine große bziehungsweise sehr große Bedrohung darstellt, und etwa die Hälfte macht sich große beziehungsweise sehr große Sorgen, wenn es um die persönliche Zukunft geht. Sowohl die Konjunktur- und Einkommenserwartungen wie auch die Anschaffungsneigung müssen Einbußen hinnehmen. Folglich prognostiziert GfK für das Konsumklima für November 2020 einen Wert von -3,1 Punkten, und damit 1,4 Punkte weniger als im Oktober dieses Jahres. Gut sichtbar ist der Abwärtstrend im Konsumklima im folgenden Chart. Ein Balken steht für einen Monat.


source: tradingeconomics.com

Kaufverhalten

Das Statistische Bundesamt hat heute früh Daten zum Kaufverhalten in Deutschland veröffentlicht. Man hat sich die Woche vom 12. bis 17. Oktober 2020 angeschaut, und mit früheren Zeiträumen verglichen. Wegen der steigenden Infektionszahlen ist die Nachfrage nach ausgewählten Hygieneartikeln und Lebensmitteln teils deutlich gestiegen. Die Verkaufszahlen von Toilettenpapier waren vom 12. bis 17. Oktober 2020 fast doppelt so hoch (+89,9 %) wie im Durchschnitt der Vorkrisen-Monate August 2019 bis Januar 2020. Der Absatz von Desinfektionsmitteln lag knapp drei Viertel (+72,5 %) und der von Seife knapp zwei Drittel (+62,3 %) über dem Vorkrisen-Durchschnitt. Die Grafik, die bis ins letzte Jahr zurückreicht, zeigt: Die Panikkäufe im Frühjahr waren deutlich heftiger als heute, aber der Trend zum Kauf bestimmter Waren geht aktuell bergauf.

Chart zeigt Kaufverhalten vor und während der Coronakrise

Hier weitere Detailaussagen der Statistiker:

Die Nachfrage nach Desinfektionsmitteln und Seife blieb auch während des Sommers, als sich der Absatz von Lebensmitteln weitgehend normalisiert hatte, leicht überdurchschnittlich. In der 42. Kalenderwoche zog nun auch die Nachfrage nach bestimmten Lebensmitteln an. So stieg der Absatz von Mehl verglichen mit dem Vorkrisen-Durchschnitt um mehr als ein Viertel (+28,4 %) und der Absatz von Hefe um mehr als ein Drittel (+34,8 %). Die Verkaufszahlen von Teigwaren wie Nudeln waren hingegen leicht unterdurchschnittlich (-0,2 %).

Statistik zeigt Kaufverhalten für einzelne Produkte

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Coronakrise: Größter Schuldenanstieg – aber Zinsen rutschen in Euroland

Wir erleben in der Eurozone gerade wegen der Coronakrise den größten Schuldenanstieg der Geschichte. Gleichzeitig sinken die Zinssätze. Die Vergemeinschaftung von Schulden hat begonnen

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Wir erleben in der Eurozone gerade wegen der Coronakrise den größten Schuldenanstieg in seiner Geschichte. Jegliche fiskalische Zurückhaltung weicht angesichts einer pandemischen Bedrohung der Volkswirtschaften. Gleichzeitig sinken die Zinssätze in den Mitgliedstaaten in atemberaubender Geschwindigkeit in Richtung der deutschen Bunds. Der letzte Auslöser war der große Wiederaufbaufonds, den die Gemeinschaft trotz des Widerstandes der sparsamen Fünf – Dänemark, Schweden, die Niederlande, Finnland und Österreich – beschlossen hat. Wittern die Märkte angesichts der Coronakrise eine Vergemeinschaftung der Schulden?

Coronakrise: Die Einführung des Euro und die Zinsen

Die Einführung der Gemeinschaftswährung am 1. Januar 1999 brachte für einige der elf Teilnehmerstaaten zunächst eine gewaltige Erleichterung bei der Bewältigung der Staatsschulden. Im Jahr 2000 musste man für italienische Langläufer kaum mehr bezahlen, als für die deutschen „Bunds: in etwa 5,5 Prozent. Etwa sechs Jahre zuvor lag der Zinssatz für die 10-Jährigen bei fast 14 Prozent. Waren da nicht noch die so genannten Maastricht-Verträge mit den Konvergenzkriterien für eine Aufnahme, die eine Höhe der Staatsverschuldung von max. 60 Prozent und eine Neuverschuldung von höchstens drei Prozent erlaubten? Doch wenn selbst das Vorbild Deutschland diese über mehrere Jahre nicht erfüllen konnte, wie dann Disziplin einfordern von den anderen Staaten?

Kurzum: Die Zinserleichterungen wurden erfreut mitgenommen, die Schuldenstände jedoch nicht zurückgeführt. In der Staatsschuldenkrise nach 2011 weiteten sich die Spreads aus, Griechenland stand am Rande des Bankrotts, bis man sich mit Umschuldungsprogrammen und Schuldenerlass zur Rettung Griechenlands und damit auch der Eurozone durchrang. Denn auch die Zinsaufschläge von Italien, Spanien, Portugal und teilweise auch die von Frankreich waren in die Höhe gesprungen.

Bis die Europäische Zentralbank, in Gestalt ihres Chefs, Mario Draghi in Aktion trat, der die mittlerweile mehrfach kopierten und psychologisch entscheidenden Worte sprach: „Within our mandate, the ECB is ready to do whatever it takes to preserve the euro. And believe me, it will be enough.” Die Folgen sind bekannt: Zinssenkungen auf null, massive Anleihekäufe bis zur erlaubten Obergrenze von 33 Prozent pro Staat und ein für nicht möglich gehaltener Verfall der Zinslandschaft, der in der Coronakrise gerade seinen Höhepunkt feiert.

Die Pandemie, PEPP und der Wiederaufbaufonds

Das Jahr 2020 wird nicht nur wegen des globalen Vormarschs eines Virus in die Geschichte eingehen als das Jahr der Coronakrise. In einer weltweiten Allianz einigten sich Staaten und Notenbanken zu bisher noch nie gesehenen und einmalig hohen Rettungsprogrammen. In Europa lautet der Name für das große Ankaufprogramm für Staatsanleihen und privater Schulden PEPP – Pandemic Emergency Purchase Programme – zunächst in Höhe von 750 Milliarden Euro, welches am 2. Juni nochmals um 600 Milliarden Euro aufgestockt wurde. Da es ausgerechnet die hoch verschuldeten südlichen Länder durch die Pandemie besonders hart getroffen hat – Italiens und Spaniens Bruttoinlandsprodukt sanken im zweiten Quartal um 13 beziehungsweise 18,5 Prozent – musste man noch einmal nachlegen, um einen Zinsanstieg für diese Länder zu verhindern. Der von Frankreich initiierte und hart umkämpfte Wiederaufbaufonds war der nächste Schritt, ein spezielles Konstrukt gemeinsamer Anleihen in Höhe von zunächst 750 Milliarden Euro.

Die Zinsen in der Eurozone – Limes gegen null

Der viel umkämpfte Wiederaufbaufonds hat eindeutig das Ziel gerade den Staaten zu helfen, die einerseits hoch verschuldet aber andererseits besonders schwer betroffen von der Coronakrise in Not geraten sind. Durch die Emission gemeinsamer Anleihen werden Schulden finanziert, die die EU aufnimmt und für die alle Mitglieder gemeinsam geradestehen. Zweifellos ist das der Einstieg in eine Vergemeinschaftung von Schulden im Euro-Raum. Investoren jubelten, speziell auch aus dem Ausland, weil man sich jetzt sicher ist, dass man die Eurozone unter allen Umständen beisammen halten will, auch wenn man früher beschlossenen Festlegungenzuwider handelt. Die Folge ist ein Absturz der Zinsen in Tiefen, die nichts mehr mit der Bepreisung von Risiko zu tun haben.

Es wurde in letzter Zeit schon öfters berichtet, wie tief die Zinsen für länger laufende Anleihen im Süden gefallen sind, zum Beispiel in Italien mit 0,78 Prozent für die 10-Jährigen – die also inzwischen genauso hoch stehen, wie die bisher sicherste Staatsanleihe der Welt, die 10-jährige US-Treasury. Aber es geht noch extremer: Für griechische Anleihen mit einer Laufzeit von sechs Monaten werden schon Minuszinsen bezahlt, in Italien akzeptieren Sparer schon vier Jahre Laufzeit mit Zinsen nahe null, in Spanien und Portugal muss man für eine positive Rendite schon Langläufer mit acht Jahren Laufzeit wählen. Dabei stellt sich die Frage: Ist ganz Europa durch die Notenbankpolitik in der Coronakrise auf dem Weg zu Nullzinsen, also zur Schuldenaufnahme zum Nulltarif? Wenn man sich eine Übersicht betrachtet, die die Zinsdifferenz auflistet, die europäische Staaten zu den abnorm niedrigen deutschen 10-jährigen Bund (circa minus 0,60 Prozent) zahlen müssen, so kann man nur zu dieser Schlussfolgerung gelangen.

Zinsaufschläge zu deutschen Langläufern, in Prozent:

Niederlande plus 0,11
Österreich plus 0,17
Belgien plus 0,25
Slowakei plus 0,26
Frankreich plus 0,29
Irland plus 0,37
Portugal plus 0,78
Spanien plus 0,80
Zypern plus 1,00
Italien plus 1,34
Griechenland plus 1,45

Nochmal, die Vergleichsbasis ist nicht null, sondern deutlich darunter.

Fazit

Die Politik der Notenbanken in der Coronakrise hat eine Situation geschaffen, in die wohl niemand jemals geraten wollte. „Point of no return?“ Staatsfinanzierung durch die Notenbanken?

Ist diese Entwicklung nicht auch der Einstieg in eine gemeinsame europäische Schuldenunion? Vermutlich ja, denn die Präsidentin der EZB, Christine Lagarde, zugleich Ex-Finanzminsterin von Frankreich, hat gerade erst in einem Interview mit der Tageszeitung „Le Monde“ den Gedanken geäußert, man müsse über ein dauerhaftes konjunkturelles Stützungsinstrument nachdenken. Der Fonds in Höhe von 750 Milliarden Euro solle erhalten bleiben – damit er immer wieder verwendet werden kann, wenn außergewöhnliche Umstände eintreten. Wer soll eigentlich die auslaufenden und zu ersetzenden Anleihen von Italien und Griechenland kaufen, Staaten, die demnächst mit 200 beziehungsweise 160 Prozent zum BIP verschuldet sind, deren Staatsanleihen aber bereits fast keine Rendite mehr abwerfen?

Wie wird man dieses Programm wohl abkürzen?

 

Die Coronakrise lässt die Schulden explodieren, aber die Zinsen fallen

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Ernst Wolff über das globale Finanzsystem – Geld und Demokratie

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Spätestens die Wirtschaftskrise 2007/2008 ließ an der Seriosität des globalen Finanzsystems zweifeln. Wer seine Zweifel allerdings durch Sachkenntnis untermauern möchte, bekommt schnell ein Problem: Er trifft auf ein Dickicht aus komplizierten und oft widersprüchlichen Informationen, die noch dazu in einer für Laien unverständlichen Fachsprache gehalten sind. Kein Wunder also, dass der Versuch, das Finanzsystem zu verstehen, häufig schon in der Anfangsphase scheitert. Genau hier setzt Ernst Wolff an. Im Folgenden ein Ausschnitt auf der Einleitung meines neuen Buches (hier zu kaufen).

Die zwei großen Fehleinschätzungen unserer Zeit

Es gibt in unserer Gesellschaft zwei Ansichten, die von der überwiegenden Mehrheit der Menschen geteilt und von fast niemandem angezweifelt werden. Sie betreffen zum einen die politischen Strukturen, unter denen wir leben, und zum anderen die Wahrnehmung der wirtschaftlichen Realität, auf der diese politischen Strukturen basieren. Zusammen bilden beide so etwas wie eine von der breiten Allgemeinheit stillschweigend akzeptierte Übereinkunft. Ansicht Nr. 1 lautet: Bei uns regiert das Volk. Ansicht Nr. 2 lautet: Das Finanzsystem ist nur ein Teilbereich unserer Gesellschaft, den man nicht unbedingt verstehen muss.

Geht man diesen Ansichten auf den Grund, dann stellt man allerdings fest, dass sie nicht etwa auf intellektueller Einsicht oder auf Erfahrungswerten basieren, sondern den Menschen zunächst von Elternhaus, Schulen, Ausbildungsbetrieben und Universitäten mit auf den Weg gegeben und später ein Leben lang von Medien, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft eingetrichtert werden – mit dem Ergebnis, dass ihr Wahrheitsgehalt kaum jemals in Frage gestellt wird.

Schaut man genauer hin, stellt man fest, dass sich hinter diesen Ansichten ganz handfeste Interessen verbergen, deren Durchsetzung nur einem kleinen Teil der Bevölkerung nützt. Im Grunde handelt es sich also um zwei vorsätzlich herbeigeführte Fehleinschätzungen, die weitreichende Konsequenzen haben. Sie tragen nämlich entscheidend dazu bei, die bestehende Ordnung und ihre Machtstrukturen zu festigen und verhindern so, dass die Menschen diese Strukturen durchschauen – mit der Folge, dass sie dadurch unfähig werden, an den bestehenden Verhältnissen etwas zu ändern.

Sehen wir uns beide Fehleinschätzungen deshalb etwas genauer an:

Fehleinschätzung Nr. 1: „Bei uns regiert das Volk“. In einem Obergeschoss des Berliner Hauptbahnhofs hängt ein Schild mit der Aufschrift „400 Meter von hier regiert das Volk“. Der Hinweis gilt dem südlich vom Bahnhof gelegenen Reichstagsgebäude, Sitz des deutschen Parlaments, und soll dem Betrachter ganz offensichtlich eine uns allen bekannte Botschaft vermitteln:

Wir leben in einem Gesellschaftssystem, in dem wir als Volk das Sagen haben. Und da das Volk zu groß ist, um als Ganzes regieren zu können, übergeben wir diese Aufgabe an sogenannte Volksvertreter. Die bestimmen wir, indem wir sie alle vier Jahre wählen. Sollten sie nicht so handeln, wie wir das von ihnen erwarten, dann können wir sie nach dem Ablauf ihrer Amtszeit wieder abwählen und durch andere ersetzen.

Diese Grundsätze der parlamentarischen Demokratie werden uns von Kindesbeinen an mit auf den Weg gegeben und im Verlaufe unseres Lebens durch eine Reihe weiterer Informationen ergänzt und untermauert. So erfahren wir unter anderem: Unsere Wahlen sind frei, gleich, geheim, allgemein und unmittelbar und werden auf der Grundlage einer Verfassung abgehalten, die unsere Würde für unantastbar erklärt und uns körperliche Unversehrtheit garantiert. Wir sind vor dem Gesetz alle gleich und haben das Recht, unsere
Meinung zu äußern und uns mit anderen zum Zwecke gemeinsamer Meinungsäußerung zu versammeln.

Die Formulierungen erwecken in uns den Eindruck, dass es sich bei der parlamentarischen Demokratie um ein zu unser aller Gunsten entwickeltes System handelt, das den Einzelnen schützt, dem Gemeinwohl dient und dessen oberstes Ziel darin besteht, den Willen
der Mehrheit der Bevölkerung in die Tat umzusetzen. Doch ist das tatsächlich so? Wollen wir alle, dass immer weniger Menschen immer größere Vermögen anhäufen, während der Lebensstandard der Masse bestenfalls stagniert, in vielen Fällen sogar sinkt? Dass der Niedriglohnsektor explodiert, dass Arbeits- und Obdachlosigkeit um sich greifen? Dass von Jahr zu Jahr mehr Geld für Rüstung und den Ausbau von Sicherheitsapparaten ausgegeben wird, während am Bildungs- und Gesundheitswesen immer drastischer gespart wird? Sind wir dafür, dass die Umwelt zunehmend zerstört wird? Dass in unserem Namen Kriegseinsätze unterstützt werden? Dass Persönlichkeitsrechte abgebaut und wir alle immer stärker überwacht werden?

Wendet man sich direkt an die Menschen und fragt sie, was sie von dieser Entwicklung halten, dann fällt die Antwort eindeutig aus: Die meisten sind damit nicht einverstanden, viele lehnen sie sogar rundheraus ab. Wie aber kann das sein? Wie kommt es, dass zwischen dem, was die Menschen wollen, und dem, was in ihrem Namen und auf Grund ihrer offensichtlich frei getroffenen Wahlentscheidung umgesetzt wird, ein solch krasses Missverhältnis besteht – in einer Gesellschaft, deren Verfassung doch besagt, dass alle Macht vom Volk ausgeht?

Wir lassen uns täuschen

Die Antwort auf diese Frage lautet: Wir lassen uns täuschen. Wir akzeptieren die wohlklingenden Formulierungen unserer Verfassung, die auf dem Gleichheitsgrundsatz basieren, und schließen daraus, dass wir alle nicht nur gleiche Rechte genießen und gleich behandelt werden, sondern dass wir alle gleich sind. Das aber stimmt nicht. In einer vom Geld beherrschten Gesellschaft wie der unseren können die Menschen auf Grund ihrer Vermögensverhältnisse gar nicht gleich sein. Wer über viel Geld und großen Besitz verfügt, ist nämlich nicht nur wohlhabender, sondern kann sich auf Grund seiner wirtschaftlichen Überlegenheit über diejenigen, die weniger besitzen, erheben, sie von sich abhängig machen und sie im Extremfall sogar vollends beherrschen. Die Vermögensverhältnisse entscheiden also nicht nur darüber, wer reich und wer arm ist, sondern vor allem darüber, wer in welchem Ausmaß Macht ausüben kann und welche gesellschaftlichen Hierarchien sich im Lauf der Zeit bilden.

Diese Aufspaltung der Gesellschaft hat schon lange vor der Einführung des Parlamentarismus und sogar schon lange vor der Einführung des Geldes begonnen. Ihre Anfänge gehen auf die Tauschwirtschaft zurück. Sie ist die Grundlage, auf der sich ein Zustand entwickeln konnte, der die gesamte bisherige Geschichte der Menschheit prägt: die soziale Ungleichheit. Sie hat es den Menschen, die mehr Besitz angehäuft und damit mehr Macht erlangt haben als andere, ermöglicht, Strukturen zu schaffen, die ihren privilegierten Status festigen, die sie einmal erworbene Privilegien auf Dauer beibehalten und diese sogar auf nachfolgende Generationen übertragen lassen.

Im ausgehenden Mittelalter sind die Besitzer großer Vermögen noch einen Schritt weiter gegangen und haben sich das Geldsystem und damit den Blutkreislauf der Gesellschaft unterworfen, indem sie Banken gegründet und sich so das Recht der Geldschöpfung angeeignet haben. Später, nach der Gründung der Nationalstaaten, haben die von ihnen beherrschten Banken sich dieses Recht auf der Grundlage nationaler Währungen mit den Zentralbanken geteilt und damit als „Finanzwesen“ einen ganz eigenen Wirtschaftszweig geschaffen, der mit der Zeit immer einflussreicher wurde. Da dem Rest der Bevölkerung nicht entging, dass auf diese Weise einige Wenige zusehends reicher und mächtiger wurden, hat sich immer stärkerer Widerstand gegen diese Entwicklung gebildet. Als mit der Industrialisierung dann Schulen eingeführt, der Analphabetismus nach und nach überwunden und das allgemeine Bildungsniveau immer weiter angehoben wurde, nahm dieser Widerstand für die Privilegierten zunehmend bedrohlichere Formen an, sodass sie sich gezwungen sahen, Zugeständnisse zu machen.

Ein historisches Zugeständnis

Das historisch wichtigste Zugeständnis – und die zugleich geschickteste Täuschung der Öffentlichkeit – war die Einführung des Parlamentarismus. Indem die Gleichheit der Menschen in einer von Ungleichheit geprägten Welt zum Verfassungsgrundsatz erhoben wurde, entstand mit der parlamentarischen Demokratie eine Fassade, hinter der sich die tatsächlichen Machtstrukturen nicht nur hervorragend verbergen, sondern ungehindert weiter ausbauen ließen. Das Prinzip dieser Täuschung ist im Grunde recht einfach: Man unterschlägt einen fundamental bedeutsamen Mechanismus, der die gesellschaftliche Realität seit Jahrhunderten prägt, und übertüncht ihn mit hochtrabenden Worten. So gibt es bis heute weltweit keine einzige parlamentarische Demokratie, in deren Verfassung die Bedeutung des Geldes für die Entstehung von Machtstrukturen erwähnt oder in der das Prinzip der Geldschöpfung auch nur angesprochen wird. Dafür aber wird in den meisten Verfassungen, verbrämt mit blumigen Formulierungen über die soziale Verpflichtung von Eigentum, der Schutz desselben garantiert – und zwar ohne jede Begrenzung nach oben.

Auf diese Weise ist eine Herrschaftsform entstanden, die sich vordergründig auf den Willen der Mehrheit des Volkes stützt, die aber tatsächlich einer Minderheit nützt und die es darüber hinaus geschafft hat, die soziale Ungleichheit in krassem Widerspruch zum offiziell beteuerten Gleichheitsgrundsatz zu einem akzeptierten und gesetzlich geschützten Dauerzustand werden zu lassen.

Ernst Wolff über das Finanzsystem und die Politik
Der Buchautor Ernst Wolff

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