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Griechenland kriegt zum Abschied vom ESM nochmal ordentlich Bares auf die Hand

Redaktion

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Griechenland verlässt wie erwartet planmäßig das Hilfsprogramm der Eurogruppe und des Rettungsschirms „ESM“. Die letzte Rate von fälligen 15 Milliarden Euro wird von dort aus an Griechenland ausgeschüttet. Damit hat Athen die gesamten 86 Milliarden Euro des „Rettungsprogramms“ erhalten. Es floss immer nur in Tranchen, weil die Europartner immer erst sehen wollten, ob Griechenland auch wirklich die vereinbarten Reformen umsetzt.

Und offenbar ist man mit der Umsetzung von Reformen zufrieden. Von den jetzt zu überweisenden 15 Milliarden Euro sollen 5,5 Milliarden Euro direkt benutzt werden um Altschulden zurückzuzahlen (also die klassische Dauer-Umschuldung). 9,5 Milliarden Euro sollen auf ein Sonder-Konto fließen, wo die griechische Regierung eine weitere Cash-Reserve (für schlechte Zeiten) anlegen soll. Insgesamt verlasse Griechenland jetzt den Rettungsschirm der Europartner mit einem (so die Eurogruppe im Wortlaut) „beachtlichen Cash-Polster“ in Höhe von insgesamt 24,1 Milliarden Euro.

Mit diesem Polster sei es der griechischen Regierung möglich auch nach Ende des Hilfsprogramms ab August alle finanziellen Notwendigkeiten (immer wieder auslaufende Schulden zurückzahlen) für die nächsten 22 Monate zu stemmen. Dies bedeute eine immense Sicherheit gegen jedwede Risiken, so die Eurogruppe in ihrer heutigen Veröffentlichung.

Damit ist klar: Man entlässt Griechenland nicht einfach nur aus dem Programm. Nein, man weiß auch: Selbst wenn die Griechen ab August am freien Kapitalmarkt wenig bis gar nichts alleine hinbekommen, haben sie immer noch die nächsten zwei Jahre genug Luft (Cash), so dass erst einmal aus finanzieller Sicht Ruhe in Athen ist – also bis Sommer 2020. Aber wer weiß schon, was in den nächsten Monaten passiert? Kommen die Griechen auf die Idee mit diesem Geldberg Wohltaten zu verteilen? Spontane Rentenerhöhung, Wiederanhebung der Gehälter im Staatsdienst? Da ist ja alles möglich!

Erwartungen an Griechenland

Damit ist die ganze Sache aber nicht erledigt. EU-Finanzkommissar Pierre Moscovici sagte gestern Abend doch allen Ernstes, dass die griechische Krise ab sofort vorbei sei. Die Schulden hat Griechenland jetzt erst einmal, und es geht darum, ob und wie Schuldenerleichterungen umgesetzt werden. Dazu gibt es aktuell konkretere Aussagen. Es wird zehn Jahre spätere Rückzahlungen bei Zins und Tilgung älterer Kredite geben. Und Griechenland wird Zinsgewinne, welche die Europartner durch griechische Schulden machten, von ihnen zurücküberwiesen bekommen. Alleine Deutschland hatte (so die Auskunft der Bundesregierung an die Grünen) seit 2010 fast 3 Milliarden Euro Zinsgewinn mit Griechenland gemacht. Olaf Scholz zeigte sich jetzt bereit einen Teil der Gewinne abzuführen – ob nur zukünftige oder auch alte, ist unklar.

Eurogruppe sowie IWF bestätigen, dass seitens des IWF keine Beteiligung an Geldflüssen Richtung Athen stattfindet (das klang von Wolfgang Schäuble Richtung Bundestag doch mal anders?). Laut EU-Kommission hat Griechenland allein in den vergangenen drei Jahren 450 Einzelmaßnahmen umgesetzt (Reformprozess). Natürlich erhoffen sich die Kreditgeber, dass das Land sich weiter modernisiert. Ob das ohne Kontrolle der Partner wirklich funktioniert?

Probleme nicht gelöst

Die Grundprobleme sind nicht gelöst. Eurogruppe, Griechenland und EU-Offizielle klopfen sich aktuell gegenseitig auf die Schulter. Griechenland habe es geschafft, das Land verlasse das Programm. Das bedeutet konkret aber nur, dass Griechenland aktuell keine weiteren Kredite von der Eurogruppe aufnimmt (bisher flossen 250 Milliarden Euro). Die frischen Kredite kommen ab August vom freien Kapitalmarkt. Das Land hat Schulden in Höhe von 180% zum Bruttoinlandsprodukt. Die griechischen Banken haben fast 50% notleidender Kredite in ihren Büchern – also Kredite, deren Raten nicht bezahlt werden. Wie man sich davon strukturell erholen soll, ist unklar. Und man bedenke: Wir (die Europäer) befinden uns derzeit womöglich im absoluten Höhepunkt des Konjunkturzyklus. Geht es bergab, wird auch Griechenland das zu spüren bekommen. Aber man hat ja erstmal ein „kleines“ Cash-Polster.

Flaggen von Griechenland und EU
© European Union, 2017 / Source: EC – Audiovisual Service / Photo: Mauro Bottaro

4 Kommentare

4 Comments

  1. Avatar

    asyoulike

    22. Juni 2018 17:04 at 17:04

    Moin, moin,
    nördlich der Elbe sind viele Straßen kaputt und reparaturbedürftig. Diese Kosten zahlen die Anwohner und in Zukunft sicher auch die näheren Anwohner. Also, was für ein schlechter Witz, Gelder nach Griechenland gegeben zu haben bzw. noch weiter zu geben. Die Griechen werden nie mit ihrem Geld auskommen, sie müssen laufend finanziert werden. Was ich nicht verstehe, dass Millionen BRD Michel dieses Spiel mit spielen. Die Gebühren für die Anlieger einer baufälligen Straße sind nicht ohne. Zumal wir in der BRD schon hohe Steuern und Abgaben zahlen, um es in den Süden zu pumpen.
    Fazit: Für mich ein No-Go!
    Forderung: Privatvermögenhaftung der Mitglieder etablierter Parteien.

    • Avatar

      Alexander

      30. Juli 2018 01:28 at 01:28

      Sorry Sie habend nicht ganz verstanden, die Griechen haben nichts bekommen, sondern die Banken, auch das hinterlegte Geld mit der Schlussrate, wird nicht dem Griechischen Volk zu Gute kommen… PS. Die auferlegten Maßnahmen um das Geld zu Erhalten, haben dafür gesorgt, daß es in Griechenland schlechter läuft als in anderen Ländern. Es wurde in diesem Antigrieschichen Bericht auch nicht erwähnt das die Griechen noch nicht mal alles an Geldern gezogen haben, was bereitgestellt wurde. Ihnen sollte auch klar sein das Griechenland das komplette Geld bis Dato wieder zurückgezahlt hat, und uns nach dem 2.Weltkrieg auch viele Gelder zeitweilig erlassen hat (bis zur Wiedervereinigung) die wir niemals zurückgezahlt haben, noch nicht mal, uns bereit erklärt haben unsere Schuld jemals zurückzuzahlen. Das ist ein No Go!

  2. Avatar

    oscar

    22. Juni 2018 17:42 at 17:42

    Sry, aber ich kann dieses Schuldengelaber nicht mehr hören. Was sind denn die Schulden? Eine prima Erfindung der Bank Verbrecher…nein der integeren Ökonomie. Die Menschen werden Ihre Dummheit und Untertänigkeit wieder mit Blut und Elend bezahlen. Sie kapieren nicht, dass jedes Faß irgendwann leer ist. Aber bis dahin wird weiter gelogen , betrogen und zügellos manipuliert und geheuchelt. Wer spricht von Parteien? Meinen Sie die größten egomanischen Verbrecherhorden? Der Michel, ja der wird bekommen was er will oder besser zuläßt in seiner bedauernswerten Untertänigkeit und Feigheit. Das gestohlene Steuergeld ist ja nicht weg, ebenso wie an der Börse. nein es hat nur ein anderer. Auch ein Hoch auf die entfesselte Flüchtlingslüge, die nichtas weiter ist, als geplante ungezügelte Migration in kaum noch haltbare Sozialsysteme und deren bejubelte Plünderung. Ja nee, noch ist ja Luft im Säckel und noch ne Drehung. Es knirscht noch nicht genug. Sry, aber wer eins und eins zusammen zählen darf, der wundere sich nur noch ein wenig…Prof. Dr.Dr. Sinn hat es unter großer Ächtung im Fernseh-dummschwätzer Zirkus ala Illner oder Will und co. längstens gesagt. Das Geld ist weg für immer. Eine stalinistische EU Diktatur, mit stetigen gesetzesbrüchen, unlegitimiert und aufgebläht, ist der Garant für das Ausbluten derer, die noch ein wenig besitzen und die Repressalien gegenüber denen, die sich wehren. Wo bitte sind die Menschen die es wissen und die nase voll haben??? Auch auf kaputten Straßen kann man gut im Stau stehen. Tooooor

    • Avatar

      Wolfgang Koch

      24. Juni 2018 09:20 at 09:20

      Dass unsere Vollpfostenregierung uns alle für völlig meschugge hält,sieht man daran,dass sie uns unverschämt auftischt wir hätten uns an der Griechenlandrettung dumm und dämlich verdient!Um das zu glauben muss der IQ in Höhe des Referenzzinssatzes der EZB liegen!Anerkannte Ökonomen melden sich auch schon nicht mehr zu Wort,weil den €urohofschranzen mit keiner Logik mehr beizukommen ist.So lasst sie halt dumm sterben!Schade nur,dass wir die erheblichen Beerdigungskosten zu tragen haben.

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Marcel Fratzscher im Interview: Marktversagen, Börse, Staatshilfen, Globalisierung uvm

Redaktion

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Marcel Fratzscher als Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) wurde von der FAZ schon mal als Claqueur der SPD bezeichnet. Wer den Begriff nicht kennt: Ein Claqueur ist jemand, der auf Kommando Beifall klatscht. Und so hat Herr Fratzscher den Ruf, vor allem bei wirtschaftspolitischen Meinungen und Inhalten der SPD jede Menge Lob zu verteilen und die Thesen auch mit seinen fachkundigen Aussagen zu untermauern. Man munkelt in Berlin und Frankfurt schon seit geraumer Zeit, dass der gute Herr Fratzscher eine Karriere als Notenbanker oder in einem Ministerium anstrebt. Aber sind das nur Gerüchte? In den politischen Zeitgeist würde er sicher gut passen.

Marcel Fratzscher wurde schon von vielen anderen Kommentatoren sehr kritisch beäugt, aber auch von unserer Redaktion. Zum Beispiel sagte er im September, dass er keine Zombieunternehmen in Deutschland entdecken könne. Nur um wenige Tage später vom Problem der Zombieunternehmen zu reden. Generell ist er dem Lager der „Experten“ zugehörig, die der Meinung sind, dass man mit genug neuen Schulden so ziemlich alles regeln kann. Gibt es nur genug Nachfrage, lösen sich alle Probleme von selbst? Und die zusätzlichen Staatsschulden, die sind ja sowieso kein Problem bei den Nullzinsen? So einfach kann die Welt sein.

Aktuell hat Marcel Fratzscher dem auf YouTube bestens bekannten Interview-Format „Jung und Naiv“ ein 145 Minuten langes Interview gegeben. Die Leitlinie kommt relativ weit am Anfang des Interviews. Der Markt hat versagt. Also, wohin soll es seiner Meinung nach gehen? Mehr Regulierung, mehr Planwirtschaft? Thilo Jung spricht mit Marcel Fratzscher über Themen wie die Aktienmärkte und ob sie sich von der Realwirtschaft abgekoppelt haben, über die Coronakrise, Staatshilfen, die Klimakatastrophe, Autoindustrie, Konsumverzicht, Globalisierung, die Ungleichheit von Vermögen, Steuern uvm.

Wir können Ihnen an dieser Stelle nicht knallhart empfehlen 145 Minuten Marcel Fratzscher am Stück anzuschauen. Diese Entscheidung müssen Sie schon selbst treffen. Aber auch bei „Experten“, die wir kritischer sehen wie einen Herrn Fratzscher, gilt das selbe wie bei Hans-Werner Sinn, Markus Krall oder Clemens Fuest. Auch wenn man als Zuhörer die Meinung des Interviewten nicht teilt, so erweitert das Zuhören doch den Horizont.

Marcel Fratzscher
DIW-Chef Marcel Fratzscher. Foto: SPÖ Presse und Kommunikation – ExpertInnen Austausch anlässlich der Kurt Rothschild Preisverleihung, 27.09.2017 CC BY-SA 2.0

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Unser Wohlstand kommt übers Meer – Werbung

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Lieber Börsianer,

die Welt ist so vernetzt wie nie zuvor. Auch wenn es in vielen Ländern protektionistische Tendenzen gibt, hat die weltweite Vernetzung ein Ausmaß erreicht, das in der Menschheitsgeschichte einmalig ist. Die Welt ist zusammengerückt. Viele Produkte, die Sie täglich nutzen, werden komplett oder in Teilen rund um den Globus verschifft, bevor Sie sie in Händen halten.

Die globalen Wertschöpfungsketten wären undenkbar ohne den regen Seehandel, der die Welt verbindet. Tausende Containerschiffe fahren von Kontinent zu Kontinent und bringen uns Waren vom anderen Ende der Welt.

Ich schreibe hier vorrangig über Zukunftstechnologien, die unsere Welt tiefgreifend verändern werden. Doch nichts hat unseren Wohlstand so sehr befeuert, wie der weitgehend freie Welthandel.

Deutschland ist Exportweltmeister

Unser Land ist erfolgreich, weil wir so stark in den Welthandel eingebunden sind. Maschinen und Autos aus Deutschland genießen international einen guten Ruf. Von den Erträgen aus dem Exportgeschäft kaufen wir beispielsweise Elektronik, chemische Erzeugnisse und Bekleidung. Das meiste davon wird übers Meer transportiert.

Die Lebensadern unserer Wirtschaft liegen im Wasser

Wenn Sie schon einmal in Hamburg am Hafen standen, haben Sie einen Eindruck, welche Mengen an Gütern täglich über den Seeweg nach Europa kommen. Rund 90% aller weltweit gehandelten Waren werden übers Meer befördert.

Unternehmen wie Hapag-Lloyd, Costamare oder Euronav betreiben riesige Flotten, um Waren rund um die Welt zu verschiffen. Sind die Aktien deshalb einen Blick wert? Das Geschäft ist lukrativ, aber hart umkämpft. Triton ist da schon eher interessant, denn das Unternehmen vermietet die…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

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Hotels und Restaurants: Wachstum ja, aber noch keine V-Erholung

Claudio Kummerfeld

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Restaurant-Tische mit Gläsern

Der Umsatz bei Hotels und Restaurants ist im August gegenüber Juli um 5,5 Prozent gestiegen. Aber im Vergleich zu August 2019 liegt er immer noch mit 22,2 Prozent im Minus. Die Grafik, die bis zum Jahr 2013 zurückreicht, zeigt es: Eine V-förmige Erholung ist noch nicht abgeschlossen. Der Indexwert der Umsätze von Hotels und Restaurants lag vor dem Start der Coronakrise im Februar bei 105,5 Indexpunkten, und im August waren es 80,9 Punkte. Da ist noch einiges an Lücke vorhanden. Innerhalb der Gastronomie lag der reale Umsatz der Caterer im August 2020 sogar um 32,9 Prozent unter dem Wert des Vorjahresmonats.

Gut, diese heute vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Daten sind aus August. Inzwischen haben wir Oktober, und die V-förmige Erholung könnte bis jetzt schon fast geschafft sein. Könnte, nicht muss. Aber selbst wenn…. ein halbes Jahr lang gigantische Verdienstausfälle machen einer Branche zu schaffen, die darauf angewiesen ist konstant Umsatz zu machen. Viele Betreiber und Hotels und Restaurants überleben vielleicht aktuell, aber nur dank staatlicher Kredite. Man hat also nach der Krise deutlich mehr Schulden als vorher, dazu kommen oft noch vermutlich Mietschulden, weil der Vermieter monatelang die Restaurantmiete stundete, die nun nachgezahlt werden muss. Hat man die Krise auf den ersten Blick überlebt, und hat wieder „normale“ Umsätze, so türmen sich die Schulden auf. Zeitlich verzögert könnten also viele Insolvenzen folgen, auch wenn sich die Umsätze der Branche wieder normalisieren.

Chart zeigt Umsätze bei Hotels und Restaurants

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