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Handelskrieg USA-China: Warum China am längeren Hebel sitzt – die Blase der Anderen!

Ein Blick auf die Achillesversen beider Länder zeigt: China kann die USA empfindlicher treffen!

Markus Fugmann

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Wer gewinnt den Handelskrieg?

In den letzten Wochen hat sich in der Wahrnehmung der Amerikaner etwas verändert: man glaubte lange, dass es erstens zu keinem Handelskrieg kommen werde, weil die USA am längeren Hebel sitzen aufgrund ihres Handelsbilanzdefizits mit China (und dem Handelsbilanzüberschuß Chinas gegenüber den USA) – und wenn es doch zu diesem Handelskrieg kommen werde, dann würden die Chinesen daher bald einknicken. Donald Trump gab vor, was Konsens war: kuckt auf Chinas einknickende Aktienmärkte und vergleicht das mit den steten Allzeithochs an der Wall Street – das spreche doch Bände über den Zustand der beiden Wirtschaften.

Nun aber merken die Amerikaner nach dem Abverkauf im Oktober, dass auch sie verwundbar sind: warum fällt der auf den US-Binnenmarkt fokussierte Nebenwerte-Index Russell 2000 stärker als die anderen US-Indizes – so wird vermehrt gefragt. Ist das etwa ein Anzeichen, das signalisiert, dass auch die USA schon Probleme haben? Gestern sagte der (amerikanische) CEO der CME (Chicago Mercantile Exchange, die weltweit führende Future-Börse), dass die USA im Handelskrieg kapitulieren sollten, da der Landwirtschaftssektor als eine der tragenden Säulen der USA sonst wegbreche. Unerhörte, nie dagewesene Töne!

Wer aber gewinnt den Handelskrieg? Um diese Frage zu klären, sollte man sich ansehen, wo die jeweiligen Länder besonders verwundbar sind! Denn wenn ab dem 01.Januar 2019 die US-Zölle gegen alle Importe aus China kommen sollten, wäre das für das Reich der Mitte sicher schmerzhaft, aber nicht Existenz-gefährdend. In den USA hingegen dürften die Inflation deutlich anziehen, weil die chinesische Importe nicht schnell und vor allem nicht kostengünstig zu ersetzen sind. Beides wäre jeweils unschön, aber irgendwie verkraftbar.

 

Die Blase, die China ins Wanken bringen kann!

 

Aber wer sich die Schwachpunkt der beiden Länder ansieht, muß fragen: wo liegt der größte Schmerz? Für China jedenfalls gilt: der chinesische Aktienmarkt ist es nicht. Hier sind ca. 80% eher kleine Privatinvestoren – wenn die Geld verlieren, wankt der Koloß China noch lange nicht.

Ganz anders aber sieht das beim chinesischen Immobilienmarkt aus! Denn ca. Dreiviertel des gesamten Vermögens in China ist in Immobilien investiert:


(Grafik durch anklicken vergrößern)

Über 20% dieser Immobilien stehen jedoch leer – mehr als in jedem anderen Land der Welt:


(Grafik durch anklicken vergrößern)

Diese Immobilien sind überwiegend auf Kredit finanziert – das Volumen der Immobilienkredite hat sich innerhalb von nur zehn Jahren verachtfacht auf nun knapp 25 Billionen (!) Yuan:


(Grafik durch anklicken vergrößern)

Damit ist klar, was in China keinesfalls passieren darf: ein starker Fall der Immobilienpreise! Denn fallen die Preise stärker, müssen die chinesischen Banken den Wert der als Sicherheit hinterlegten Immobilien absenken in ihren Bilanzen – mit der Folge einer Banken-Krise unvorstellbaren Ausmaßes. Gleichzeitig müßten sie, um die Kredite weiter zu besichern, von den Kreditnehmern weitere Sicherheiten für den Kredit verlangen, sprich die Kreditnehmer müßten eine Art Nachschuß leisten. Was aber Millionen der Kreditnehmer sicherlich nicht leisten können – die Folge wäre eine impulsive Abwärtsspirale bei Banken und Kreditnehmern.

Das weiß Peking natürlich – und versucht daher die Preise stabil zu halten – etwa indem der chinesische Staat Überkapazitäten vom Markt weggkauft. Gleichwohl sind viele chinesische Immobilienentwickler schon in Schwierigkeiten, weil auf Anordnung der Regierung die Kaufpreise vollständig erst nach Fertigstellung der Immobilie kassiert werden können (und nicht, wie es jahrelange Praxis war, schon beim Kauf der Immobilie). Das bringt viele Unternehmen in akute Liquiditätsschwierigkeiten (so etwa beim größten Immobilienentwickler Chinas, Vanke: das Unternehmen warnte kürzlich, dass sein Überleben nicht gesichert sei).

Fazit: Chinas Achillesverse ist also ganz klar die Blase am Immobilienmarkt – wenn diese Blase platzt, wird der Koloß ins Wanken kommen (die heute veröffentlichten Daten zeigen, so „Yuan Talks“, eine „Abkühlung auf allen Fronten“ am chinesischen Immobilienmarkt).

 

Die Blase der USA: der Finanzmarkt!

Anders die Lage in den USA: hier besteht das Vermögen der Amerikaner, wie in der oberen Grafik gezeigt, nur zu knapp 28% aus Immobilienvermögen. Derzeit scheint der US-Immobilienmarkt stark abzukühlen (Homebuilder-Aktien kollabieren regelrecht in den letzten Monaten etc.), und das Platzen der Immobilienblase ab dem Jahr 2008 ist noch in starker Erinnerung. Aber gleichwohl ist die Achillesverse der USA nicht der Immobilienmarkt, sondern der Kapitalmarkt!

Das zeigen folgende Grafiken über die Streuung des Vermögens in den USA:

(Grafiken durch anklicken vergößern)

Die Daten stammen aus dem Jahr 2014 – inzwischen dürfte sich das Vermögen der Amerikaner durch die massive Rally an der Wall Street noch deutlich gesteigert haben!

 

Fazit: die Achillesverse der Amerikaner wäre ein starker Preisverfall an den Finanzmärkten, der wichtige Teile des Vermögens der Amerikaner vernichten würde.

 

China sitzt wohl am längeren Hebel!

Wer aber sitzt jetzt wirklich am längeren Hebel im Handelskieg – die USA oder China? Die Amerikaner haben wohl sehr wenig Möglichkeiten, die chinesische Immobilienblase zum Platzen zu bringen – die platzt, wenn überhaupt, ohne Mitwirkung der Amerikaner, was Peking mit aller Kraft zu verhindern suchen wird (bleibt abzuwarten, ob das gelingt).

China aber, so kann man vermuten, hat da deutlich mehr Hebel – sollte Peking anfangen, auch verbal schärfer zu agieren im Handelskrieg (was Peking bislang sorgsam vermeidet!), könnte das die amerikanischen Finanzmärkte kräftig durchrütteln. Man stelle sich etwa einmal vor, was passieren würde, wenn Peking Apple attackiert (keine iPhones mehr ausser Landes läßt etc.)..

 

Ziemlich beste Freunde – beide wollen ihr Land wieder „great“ machen: Trump und Xi Jinping mit Ehefrauen

 

 

13 Kommentare

13 Comments

  1. Avatar

    PI$$LAM

    14. November 2018 14:20 at 14:20

    Mit der Totalpleite des PEtrodollar wird Gold/EM in ungeahnte Höhen katapultiert. CN ist das Land der Erde, mit den bei weitem höchsten Goldreserven. Die Folge wird ein goldgedeckter Yuan sein. Amiland muss sich warm anziehen. Russland kann am Spielfeldrand stehen und in aller Ruhe dem Handelskrieg zusehen.

    • Avatar

      tm

      14. November 2018 17:37 at 17:37

      Glauben Sie diesen Unsinn eigentlich selbst?

  2. Avatar

    Wolfgang M.

    14. November 2018 14:47 at 14:47

    @Markus Fugmann. Hallo Markus. Deine heutige Analyse bestätigt meine alte Platte, dass der größte Gegner für Trump die Wall Street ist. Habe erst gestern in der Diskussion mit Columbo das Gewicht der Finanzindustrie herausgestellt. Hier noch ein Zusatz. Die US Banken verteilten im letzten Jahr 31 Mrd.$ an Boni – 3 Milliarden weniger als 2006, dem Jahr vor der Krise. Da wird man es doch wohl schaffen die Kurse, egal wie, bis zum Jahresende noch hoch zu halten. Im Superjahr der Steuerreform wird man sich doch nicht mit „Peanuts“ zufrieden geben!? Noch ein Wort zum Handelskrieg. Gestern sprach ein US-Analyst davon, dass die Chinesen zwei Vorteile gegenüber den Amerikanern hätten. Sie seien geduldiger und leidensfähiger und sie müssen keine Rücksicht auf Wahlen und Wähler nehmen. In den USA würde bereits in 18 Monaten der Wahlkampf für die nächste Präsidentschaftswahl beginnen. Damit verbundenen wirtschaftspolitischen Zwänge hätte man in China nicht.
    Viele Grüße

    • Markus Fugmann

      Markus Fugmann

      14. November 2018 15:21 at 15:21

      Hallo Wolfgang, was du sagst, ist alles richtig! Ich habe kürzlich in dieser Frage ein Telefonat mit dem US-Experten Josef Braml gehabt, der laut eigener Aussage selbst Kontakte zur „gemäßigten“ Trump-Administration hat. Braml sagte mir, dass Trump in dieser Frage eher nicht so festgelegt sei, aber wichtige Leute aus seiner Administration eine Agenda befolgen, die laute: erstes Ziel ist die Oberhoheit zu behalten als Welt-Hegemon (also China klein zu halten), zweites Ziel Re-Industrialisierung der USA. Diese Leute nähmen (kurzfristige) wirtschaftliche Nachteile für die USA bewußt in Kauf, weil sie davon ausgehen, dass dies die langfristig einzig richtige Strategie sei. Stellt sich nur die Frage, ob die Wall Street-Fraktion (angeführt von Mnuchin und Kudlow) oder die Hardliner (angeführt von Navarro und Bolton) sich bei Trump durchsetzen..

      • Avatar

        sufaap2008

        14. November 2018 15:45 at 15:45

        Moin @Markus, Servus @Wolfgang,
        Mal eine Frage, sollten sich die Kreise um Mnuchin&Kudlow durchsetzen, welche Mechanismen stehen dieser Fraktion zu Verfügung um den Markt steigen zu lassen, außer den Druck auf Powell auszuüben, den Handelskrieg (rethorisch) zu entschärfen und die Steuerreform für die Mittelschicht?

        • Markus Fugmann

          Markus Fugmann

          14. November 2018 15:51 at 15:51

          @sufaap (Arkadi?), sie (die Wall Street-Leute hinter Mnuchin/Kudlow) könnten Trump nahelegen, doch bitte einen Deal mit China zu schließen, weil man sonst nicht länger bereit sei, bei den nächsten Präsidentschaftswahlen 2020 Trump finanziell zu unterstützen..

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          Wolfgang M.

          14. November 2018 16:50 at 16:50

          @sufaap2008. Hallo, zur Antwort von Markus, der ich voll zustimme, ein paar weitere Überlegungen zur Kurssteigerung / Kursstabilisation.
          1. Druck auf Powell mit einer Zinspause hätte vermutlich sehr negative (Kurs)-Begleiterscheinungen. Die zu stellende Frage: Was ist faul in der Wirtschaft bei 3,5% Wachstumsrate und einer Arbeitslosigkeit auf 50-Jahrestief und über 3% Lohnwachstum – eine Zinspause bei 2,25%?
          2. Über die Middle Class Tax Reform habe ich auch schon geschrieben. ( 2019 – 1,8 Bio.$
          zusätzliche Schuldenaufnahme >5% zum BIP) darauf eine nochmalige schuldenfinanzierte Steuerreform,. Wie hoch würde die 10-jährige Anleiherendite steigen?
          3. Da nach der Umfrage von Bank of America / Merril Lynch die größte Angst der Investoren eine Eskalation des Zollstreit mit China darstellt (damit verbunden Absicherung und Zurückhaltung) wäre eine wie auch immer geartete, gesichtswahrende, bilaterale Lösung (temporäre Aussetzung der Zölle, Begrenzung auf 10%, Landwirtschaftsdeal o.ä.) meines Erachtens Auslöser einer Shortsqueeze und damit einer kleinen Rallye. Der fundamentale Kampf um die wirtschaftliche Vormachtstellung wäre mitnichten gelöst, sondern nur etwas verschoben.
          Was der Finanzindustrie zudem weiter vorschwebt, wäre eine weitere Rückabwicklung der regulatorischen Vorschriften, was man sich aus globaler Sicht aber nicht wünschen sollte.
          Summa summarum. Chinas 5/10 oder 20-Jahrespläne kollidieren mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit mit Amerikas Selbstverständnis als Führungsmacht der Welt. Kurzfristig muss sich aber jeder US-Präsident um die heimische Wirtschaft und seine Wählerschaft kümmern.
          Meinen mittel- und langfristigen Börsenausblick kennen sie ja.
          Viele Grüße

        • Avatar

          sufaap2008

          14. November 2018 17:55 at 17:55

          Danke euch, sehr informativ!

          Pfüat eich und Gruß aus Düsseldorf

          Arkadi

      • Avatar

        tm

        14. November 2018 17:42 at 17:42

        Das Ziel, (einzige) Supermacht zu bleiben, hatte wohl jeder US-Präsident. Die Re-Industrialisierung wurde von Obama eingeleitet, Trump erntet hier nur noch die Erfolge seines Vorgängers.

        Für beide Punkte macht Trump m.E. alles so falsch wie man es nur falsch machen kann. Und tatsächlich bin ich auch nicht sicher, ob Trump selbst diese Ziele verfolgt oder ob er überhaupt langfristige, übergeordnete Ziele verfolgt.

  3. Avatar

    Beobachter

    14. November 2018 16:20 at 16:20

    An alle Handelskrieg-Beobachter, Felix Zulauf hat am 22.10. einen Artikel geschrieben mit dem Titel:
    CHINA WIRD DEN HANDELSKRIEG GEWINNEN. Er könnte nicht unrecht haben.

    • Avatar

      tm

      14. November 2018 17:54 at 17:54

      Wann und wie wird denn bewertet, wer gewonnen hat?

      Meiner Meinung nach verlieren alle Seiten, d.h. die Wirtschaftsleistung wächst weniger stark als ohne Handelskrieg.

  4. Avatar

    hubi stendahl

    14. November 2018 20:04 at 20:04

    Zu diesem Zeitpunkt über Gewinner und Verlierer zu spekulieren, ist vergleichbar mit einem Lottospiel, bei dem bekanntlich der Gewinner selten der Tipper ist.

    Was mich mehr bedrückt ist die Tatsache, dass der Autor des Artikels offensichtlich „kucken“ von gucken nicht unterscheiden kann (siehe Zeile 9 des Artikels). Das ist wirklich bedenklich und wertet den eigentlich brauchbaren Artikel ab.

    • Avatar

      Lausi

      14. November 2018 21:30 at 21:30

      Einfach mal „kucken“ googeln – dann ist man schlauer (hatte ich vorher auch nicht gewusst):

      https://de.wiktionary.org/wiki/kucken

      Fazit: In Hamburg ist das erlaubt, auch als gebürtiger Bayer :-)

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Battery Day und Tesla: Live-Kommentar zum Event

Markus Fugmann

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Elon Musk hatte den „Battery Day“ im Vorfeld als „einer der aufregendsten Tage der Tesla-Geschichte“ bezeichnet, gestern jedoch die Erwartungen in einem Tweet deutlich gedämpft – die Tesla-Aktie daher heute mit 5% im Minus.

David Jones, chief market strategist bei capital.com, kommentiert den Battery Day live ab 22.15Uhr

:

Live-Kommentar zum lange erwarteten Battery Day von Tesla

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Gabor Steingart: „Ausbeutung einer Zukunft, die es noch gar nicht gibt“

Claudio Kummerfeld

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Gabor Steingart redet Klartext im folgenden aktuellen Video-Interview mit Mission Money. Er spricht von der Ausbeutung einer Zukunft, die es noch gar nicht gibt, von einer Zinsknechtschaft von noch Ungeborenen. Die heutige Politik erkaufe sich mit der Druckerpresse Ruhe in der Bevölkerung, so lautet eine der Hauptthesen von Gabor Steingart (hier geht es zu Steingarts Morning Briefing).

Gemeint ist damit, dass (so wollen wir es formulieren) Notenbanken und Regierungen derzeit ohne Ende neues Geld drucken und die Staatsverschuldung hochschrauben. Damit werden Rettungspakete bezahlt, die zukünftige Generationen als Schuldenlast erben, und dann abbezahlen müssen. Mit diesem jetzt frisch erschaffenen Geld würden alte Industrien gerettet. Und das nun zwei Jahre laufende Kurzarbeitergeld sei de facto ein Bedingungsloses Grundeinkommen, so drückt es Gabor Steingart aus.

Gabor Steingart plädiert für Abkehr von alten Industrien, und für Aufbruch in die Zukunft

Im geht es im Interview hauptsächlich darum, dass es einen Art Aufbruch in Politik und Gesellschaft geben müsse. Denn derzeit rette Deutschland seine Industrie aus dem letzten Jahrhundert. Man müsse aber in Zukunftstechnologien investieren. So plädiert Gabor Steingart unter anderem dafür die Bildungsausgaben zu verfielfachen. Anfangen könne man zum Beispiel bei deutlich mehr Ausgaben für die Digitalisierung der Schulden. In diesem Zusammenhang erwähnt er, dass die Lufthansa vom Staat gerade 2 1/2 Mal so viel Rettungsgeld bekommen habe als die Schulen in Deutschland für die Digitalisierung.

Die Aussagen von Gabor Steingart sind hochinteressant! Sie sollten sich die 30 Minuten Zeit nehmen. Auch werden im späteren Verlauf des Interviews andere interessante Themen angesprochen, und auch der „Wandel von Journalisten hin zu Aktivisten“. Aber hauptsächlich widmet man sich der bislang verspielten Chance, jetzt massiv in die Zukunft zu investieren. Dabei gibt er sich betont optimistisch, dass Deutschland diese Herausforderung bewältigen könne – man müsse nur endlich mal losgehen, jemand müsse den Startschuss geben.

Gabor Steingart
Gabor Steingart, Ausschnitt aus Originalfoto. Foto: © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

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Coronakrise: Die Deutschen entdecken plötzlich Aktien!

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Ziemlich genau ein halbes Jahr ist vergangen, seitdem die Coronakrise die Aktien auf ihren tiefsten Stand drückten. Anschließend folgte mit einem Lockdown ein einmaliger Stillstand im Berufs- und Alltagsleben der Menschen in Deutschland. Die Konsumenten gaben zwangsläufig weniger aus als vor der Coronakrise, auch unter Berücksichtigung des geringeren Einkommens seit dieser Zeit. Was sie mit ihrem Geld anstellten, ergab eine Umfrage im Auftrag der Postbank – mit teilweise überraschenden Erkenntnissen.

Coronakrise: Die Zurückhaltung der Konsumenten

Wie veränderte die Coronakrise das Konsumverhalten der Deutschen? Dieser Frage ging das Marktforschungsunternehmen Kantar im Auftrag der Postbank nach. Die Ergebnisse:

Drei Viertel der Bundesbürger gaben weniger aus als zuvor, am meisten – 82,4 Prozent die 20 bis 29-Jährigen, die geringste Zurückhaltung bei den über 60-Jährigen mit 64,2 Prozent.
Da aber insgesamt die Einkommenseinbußen im Lande aufgrund von Zuschüssen, Kurzarbeitergeld u.a. moderat ausfielen, muss Geld gespart worden sein. Und zwar bei diesen Ausgaben:

  • Urlaub 46,2 Prozent
  • Gaststättenbesuche 39,6 Prozent
  • Hobby 31,7 Prozent
  • Mode 28,1 Prozent …..

Am geringsten waren die Sparmaßnahmen bei:

  • Genussmitteln (Alkohol, Zigaretten) 14,1 Prozent
  • Lebensmitteln 7,2 Prozent
  • Altersvorsorge 6,5 Prozent

Damit verbleibt ein Viertel der Bevölkerung, welches keine Ausgabenänderungen durchgeführt haben.

Wohin floss das Eingesparte?

Bei der Betrachtung der Sparziele treten doch einige Tugenden der Deutschen zu Tage – auch und gerade während der Coronakrise. Bei den Sparzielen nannten die Befragten:

  • Rücklagen für unerwartete Ausgaben 39,5 Prozent
  • Altersvorsorge 36,6 Prozent
  • Persönliche Muße 31,6 Prozent
  • Rücklagen für Krisenzeiten 28,9 Prozent
  • Erwerb von Wohneigentum 12,5 Prozent
  • Renovierungen 12,0 Prozent
  • Autokauf 11,6 Prozent
  • Rücklagen für Kinder 10 Prozent
  • Fast 13 Prozent konnten oder wollten überhaupt nichts zurücklegen.

Die Überraschung: Engagement in Aktien

Um diese Ziele wie Altersvorsorge und Weiteres zu erreichen, haben viele Sparer ausgerechnet in der Coronakrise mit all den Katastrophe-Nachrichten ihr Engagement in Aktien verstärkt. 3,2 Prozent tätigten zum ersten Mal eine Anlage in Aktien, 7,2 Prozent verstärkten ihre Wertpapierkäufe. Wie bereits schon öfters berichtet, macht 2020 das Sparplanprinzip in Deutschland die Runde. Mit 62 Prozent war die Anlage in Aktien seit dem Ausbruch der Coronakrise das bevorzugte Investment, gefolgt von ETFs (39,8 Prozent), Investmentfonds (22,2 Prozent), Zertifikate (13,9 Prozent), ganz am Ende Anleihen und Optionsscheine. Sollten deutsche Anleger tatsächlich einmal antizyklisch ins Geschäft mit Aktien eingestiegen sein?

Fazit

Auch wenn das gesamte Finanzsystem in einer sehr angespannten Lage ist und man jederzeit mit heftigen Korrekturen rechnen muss (vor allem in den kommenden Jahren) ist die Fokussierung auf Aktien von neuen Anlegern vermutliche keine schlechte Entscheidung. Die finanzielle Repression läuft – und die Zinsen haben nach vier Jahrzehnten ihren Nullpunkt erreicht. Eine (Leit-)Zinsanhebung ist aus faktischen Gründen auf lange Zeit obsolet und Zinsanlagen ergeben (gewollt) keine Rendite.

Aber die Wirtschaft muss weiter laufen, wie nach jeder Krise – und viele Aktien werden ihren Wert behalten, viele Anleihen dagegen nicht. Keiner hat eine Glaskugel. Aber ohne Wirtschaft, keine Einkommen, keine Steuereinnahmen, kein funktionierender Staat und ……kein Aktienmarkt. Banal aber wahr.

In der Coronakrise entdecken die Deutschen plötzlich Aktien

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