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Hans-Werner Sinn mit Vortrag: Inflationsblase und Gelddrucken in der Krise

Claudio Kummerfeld

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Hans-Werner Sinn ist zwar nicht mehr Chef des renommierten ifo-Instituts, aber immer noch ist seine Meinung stark gefragt in der Öffentlichkeit. Jüngst hat er für ifo einen Weihnachtsvortrag gehalten. Ein hochinteressanter Vortrag ist hier entstanden über 73 Minuten, den sie im folgenden Video sehen können!

Hans-Werner Sinn spricht zunächst über die aktuelle Coronakrise und den Verlauf in Deutschland und den Nachbarländern. Auch wird auf die Verschuldungsgrade in einzelnen Ländern geschaut. Scharf kritisieren tut er die Krisen-Finanzierung durch die Druckerpresse. Was die EZB mache, sei derzeit ein Ersatzeinkommen für die Eurozone aus der Druckerpresse des Eurosystems. Im Detail zeigt er alle Programme der EZB in der Krise auf. Es gehe um 3,3 Billionen Euro an Geldmengenausweitung, was über die Programme PEPP, APP, TLTRO und PELTRO laufe.

Hans-Werner Sinn über die Frage, wann die Inflation kommt

Wann kommt sie denn nun, die von vielen kritischen Kommentatoren erwähnte Inflation? Darauf geht Hans-Werner Sinn im Detail ein, wie bereits im Oktober bei Mission Money. Ob eine Hyperinflation kommt, und wann genau, das lässt er offen. Aber man kann es so formulieren: Er zeigt klar auf, warum sie noch nicht da ist, und wie sie kommen könnte! Gigantische Geldbestände liegen laut Hans-Werner Sinn auf den Konten der Geschäftsbanken, die diese bei den nationalen Notenbanken halten. Dies erläutert er auch anhand konkreter Zahlen und Charts.

Aktuell gebe es noch eine kleine Deflation. Dies liege an den „Horten“, wie Hans-Werner Sinn es nennt. Die drei Horte liegen demnach bei den Banken, Unternehmen und Haushalten. Es würden derzeit immense Geldsummen gebunkert, und eben nicht in den Wirtschaftskreislauf gebracht. Auch hier liefert er im Video konkrete Modelle und Simulationen über den Wirtschaftskreislauf und die aktuellen Geld-Horte.

Nach der Coronakrise, wenn sich die Wirtschaft erhole, würde es unter anderem eine Lohnpreisspirale geben. Auch wegen steigenden Ölpreisen würden die Inflationserwartungen ansteigen. Daher würden die Verbraucher aus Angst vor Geldentwertung vermehrt ihre angesparten Gelder durch Konsum in den Wirtschaftskreislauf bringen – und so könne eine kräftige Inflation entstehen. Die Geldpolitik in der Eurozone werde aber laut Hans-Werner Sinn dann nicht in der Lage sein diese Entwicklung zu stoppen. Denn man könne die Anleihekäufe nicht stoppen oder abbauen.

Euro-Staaten vor zu hohen Zinsen schützen?

Diesen Punkt erläutert Hans-Werner Sinn im Video ebenfalls im Detail. Wolle die EZB eine Verknappung umsetzen um die Inflation zu bremsen, würden die Renditen für Staatsanleihen sehr stark ansteigen, was die Regierungen einzelner Länder in Europa nicht verkraften könnten. Er mutmaßt auch anhand von Aussagen vieler ehemaliger EZB-Banker, dass die Intention hinter den Anleihekäufen der EZB sei, hochverschuldete Staaten vor einem Zinsanstieg zu schützen. Die weiteren Ausführungen zu diesem Thema sind hochinteressant, wie auch seine Erläuterungen zur Zombifizierung ganzer Volkswirtschaften.

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Hans-Werner Sinn
Hans-Werner Sinn. Foto: https://www.hanswernersinn.de/de/Bildarchiv

5 Kommentare

5 Comments

  1. Avatar

    Mike Lohmann

    22. Dezember 2020 09:46 at 09:46

    Einer der wenigen Fachleute mit der Fähigkeit professionell korrekt und seriös den Wahnsinn der EZB-Geldflutung mit ihren Auswirkungen zu analysieren und verständlich aufzuzeigen.

  2. Avatar

    Feedback

    22. Dezember 2020 10:40 at 10:40

    Herr Sinn hatte mir zu seinen aktiven Ifo-Zeiten nicht gefallen. Seine letzten Vorträge sind allerdings alle sehr fundiert. Ich hoffe er findet gehör. Auch seine letzten Vorträge zur E-Mobilität bzw. Ausstieg Kohle/Atomkraft sind sehr interessant. Respekt Herr Sinn, im „Alter“ werden Sie immer besser. Keine Panikmache, einfach Fakten und mögliche Folgen.
    Anders als gewisse Personen die noch nichts wissen aber schon raustwittern „Sieht nicht gut aus“. Hauptsache Panik machen und/oder man ist im Gespräch, ist leider zu oft die Devise.

    Allen hier gesunde Weihnachten, Saturnalien oder was ihr so feiert :-) Chanukka ist ja schon rum ;-).

  3. Avatar

    Christian Gruschinski

    23. Dezember 2020 16:35 at 16:35

    Es gibt noch einen Nachschlag 😉

    https://m.youtube.com/watch?v=TfQAS6O8Ifo

    Frohe Weihnachten

  4. Avatar

    leftutti

    23. Dezember 2020 22:40 at 22:40

    @Feedback, es ist eine allseits historisch bekannte Tatsache, dass Honoratioren im Rentenalter auspacken und/oder zu Spezialisten auf völlig fachfremden Gebieten werden. Nutze den Nimbus und bessere deine Privatrente auf.

    Ein Hochleitungs-Tierchen, ein sog. Leistungsträger, ein Käpt’n mit seriösem Ahab-Bärtchen und US-präsidialem Look mutmaßt und zombifiziert, publiziert laienhaft und lächerlich plötzlich auf völlig fachfremden Gebieten. Laut einer Umfrage unter gut 1.000 deutschen Volkswirten sind und waren Sinns Meinungen sogar in seinem Kerngebiet, in Sachen Geldpolitik, Konjunkturprogramme, deutsche Exportstärke und Austeritätspolitik eher eine Randerscheinung unter Deutschlands Ökonomen (international sowieso).

    Plötzlich Fakten statt Meinungen bei E-Mobilität bzw. Ausstieg Kohle/Atomkraft?
    Hauptsache, viel Wind und Panik machen, als Person, die alles weiß. Das ist leider zu oft die Devise.

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    Bitte keinen Unsinn über Sinn

    24. Dezember 2020 10:16 at 10:16

    Deutsche Ökonomen sind kein wirklicher Masstab wenn man den Fratzscher gerne hört und ihn als Spitze dieser Spezies wähnt. Der Profi, der H.W. Sinn als laienhaft kritisiert muss schon eine grosse Nummer sein.
    Was mir bei Sinn auffällt ist, dass er nicht mehr für die totale Globalisierung ist. Nachdem die Globalisierung nach bekannten Problemen ( Lieferketten) einen Dämpfer erhält und er daraus gelernt hat ,ist dies eher positiv zu sehen.
    Sinn wurde im Rentenalter nicht Spezialist auf fremdem Gebiet sondern noch unabhängiger, was man bei Fratzscher nicht sagen kann. Sinns Meinung ist jetzt noch höher zu werten als vor der Pension.

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Aktien

Andre Stagge über sein Depot, Inflation, Bitcoin und steigende US-Renditen

Claudio Kummerfeld

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Andre Stagge

Der Börsenexperte Andre Stagge (hier mehr zu seiner Person) bespricht im folgenden ausführlichen Video fünf Positionen in seinem eigenen Investmentdepot. Aber er spricht auch über wichtige Themen in einem größeren Zusammenhang. Zum Beispiel geht er der Frage nach, ob in 2021 die große Inflation ansteht. Auch schaut er auf die mögliche weitere Entwicklung des Bitcoin, und bespricht die interessante Thematik, welche Auswirkung nachhaltig steigende Anleiherenditen in den USA auf die Märkte haben.

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Markus Krall über das große Debakel als Resultat der Gelddruck-Orgie

Claudio Kummerfeld

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Dunkle Wolken über Frankfurt

Markus Krall erlebt man in letzter Zeit leider öfters vor allem bei Twitter mit zweifelhaften Äußerungen zu Corona-Themen. Aber dennoch wollen wir seine hochinteressanten Aussagen zur Geldpolitik und Wirtschaftsordnung präsentieren. Denn seine inhaltlichen Aussagen zu diesen Themen sind bestechend. Sicherlich kann man bei einigen seiner Aussagen anderer Meinung sein, dennoch erweitern seine Thesen den Horizont und regen zum Nachdenken an.

Der folgende gestern veröffentlichten Vortrag stammt zwar schon vom 24. Oktober 2020, dennoch ist er auch heute noch aktuell. Die wirtschaftlichen und geldpolitischen Folgen der Coronakrise werden besprochen. Dabei zeichnet Markus Krall ein düsteres Bild über eine bevorstehende massive Inflation und das Ende des Euro. Richtig los geht es ab Minute 12:40 im Video. Banken und Zombieunternehmen sind Klassiker-Themen in seinen Vorträgen, die auch dieses Mal zur Sprache kommen. Auf jeden Fall ist dies mal wieder ein spannender Vortrag von Markus Krall.

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Dirk Müller über das Börsenjahr 2021: „Mit Gas und Bremse durch den Markt“

Claudio Kummerfeld

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Bulle und Bär - Dirk Müller will mit Gas und Bremse durchs Jahr kommen

Dirk Müller hat in einem aktuellen Interview über das Börsenjahr 2021 gesprochen, aber auch über die Corona-Restriktionen und den Bitcoin. Beim Thema Corona ist er der Meinung, dass die Beschränkungen nach einer flächendeckenden Impfung und rückläufigen Infektionszahlen nicht verschwinden würden. In welcher Form genau es weitergehe, könne er auch nicht sagen, aber gewisse Arten von Einschränkungen im Alltag würden dauerhaft bestehen bleiben. Dirk Müller erwähnt in dem Zusammenhang die auch bei der Grippe ständigen Mutationen und jährlich neuen Impfungen, um sich dagegen zu schützen. Corona käme dauerhaft als neues Risiko hinzu.

Dirk Müller über das die Aktienmärkte in 2021

Immer weiter steigende Börsenkurse sind laut Dirk Müller auch im Börsenjahr 2021 möglich, auch dank der Notenbanken. Aber, so seine Worte, alle Welt glaube es gehe an der Börse jetzt nur noch nach oben. Man frage sich nur noch, wie kräftig die Kursgewinne im Jahr 2021 ausfallen werden. Aber ein großer Börsencrash sei jederzeit möglich. Was dafür exakt der Auslöser sei, könne man vorher nie sagen. Ein Problem für die Aktienmärkte sei aktuell das Ansteigen der Anleiherenditen in den USA (aktuell 1,09 Prozent). Diese würden laut Dirk Müller unabhängig von der Politik der Notenbanken anziehen, weil die Inflationserwartungen in den USA zunehmen. Es stehe für 2021 eine Sektorenrotation bevor. Das Anlegergeld verlasse die Tech-Aktien. US-Banken würden interessanter werden, aber auch Branchen wie der Flüssiggas-Sektor. Er gehe mit Gas und Bremse durch das kommende Börsenjahr. Man solle für weiter steigende Kurse offen sein, aber mit Absicherung.

Bitcoin

Und was ist mit dem Bitcoin? Wochenlang war der Kurs ja kräftig gestiegen, dann wieder deutlich gefallen (hier unsere aktuellste Berichterstattung). Dirk Müller bleibt bei seiner bisherigen Meinung. Der Bitcoin sei eine eindeutige Zockerei, dahinter stehe kein echter Wert. Er könnte kräftig verlieren, aber auch unendlich weiter steigen.

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