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Hans-Werner Sinn über die Profiteure und die Verlierer der Coronakrise

Die Coronakrise reißt tiefe Löcher in die Budgets der Staaten und produziert viele Verlierer – aber eben auch Gewinner, wie der Ökonom Hans-Werner Sinn aufzeigt. Faktisch sei der von Europas Staatschefs beschlossene Rettungsfonds ein Bailout für die Gläubiger etwa Italiens. Er besiegele die Transferunion – die wiederum jedoch den Transferempfängern nicht wirklich helfen würde:

„Die Transferunion ist nicht nur teuer, sondern auch unproduktiv für die Empfängerländer. Sie zementiert das Problem der falschen relativen Güterpreise und Löhne und damit die fehlende Wettbewerbsfähigkeit der Mittelmeerländer, die mit dem Euro sichtlich nicht mehr zurechtkommen.“

Hans-Werner Sinn über die Transferunion

Werlche Möglichkeiten aber gibt es, schwächelnde Länder wie Italien zu retten? Hans-Werner Sinn sieht vier Wege, von denen jedoch realistischerweise nur die Option drei und vier in Frage kämen (weil Option eins zu schmerzhaft wäre und für Option zwei die Unterschiede zu groß zwischen den Nord- und den Südländern):

1. Deflation in Italien, um die Preise zu senken,

2. Den Norden des Euro-Verbunds inflationieren, um über die Teuerungsdifferenz den Süden wettbewerbsfähiger zu machen,

3. Austritt aus dem Euro und Abwertung der neuen Währung, was Importe verteuert und heimische Produkte wieder gefragt macht,

4. Der Einstieg in die Transferunion. Der Ablauf: Erst werden Schulden gemeinschaftlich besichert, dann private Gläubiger durch öffentliche ersetzt und die Schulden gestreckt und durch Zinsverzichte erodiert. Schließlich schenken die Steuerzahler der anderen Euro-Länder den Schuldnern Geld, damit sie ihre Verbindlichkeiten bei den Finanzinvestoren bedienen können und weiter bei ihren Exportfirmen einkaufen gehen.

Mit größter Wahrscheinlichkeit dürften wir im Gefolge der Coronakrise die Option Nummer vier bekommen – eine Transferunion, die vor allem die bisherigen Gläubiger rettet (vor allem französische Banken, die in Italien relativ am stärksten engagiert sind). Diese Transferunion wiederum könne nur durch die Druckerpresse finanziert werden, wobei das gedruckte Geld dann wiederum bei einem Anziehen der Nachfrage zu einer starken Inflation oder zu einer Stagflation führen könne. Faktisch würden dann die deutschen Sparer letztlich die Kosten dieser Transferunion schultern müssen, so Hans-Werner Sinn in folgendem Interview:

Hans-Werner Sinn zur Frage, wer von der Coronakrise profitiert - und wer zahlt



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2 Kommentare

  1. Sehr geehrter Herr Sinn,
    gibt es evtl. eine fünfte Möglichkeit?
    – Aufkauf auslaufender Staatstitel durch die EZB bis zu einer bestimmten Wertstellung zum jeweiligen BIP eines Landes
    – hiefür Bildung eines Sonderposten bei der EZB
    – dessen Abtragung durch eine Sondersteuer auf jeglichen Gewinn
    Um Gewinn zu generieren, werden Schuldner benötigt. Insofern sollte auch der Gewinn dazu beitragen, die hohe Staatsverschuldung abzutragen. Um einer Verschiebung von Gewinn in das steuerbegünstigte Ausland vorzubeugen, schlage ich desweiteren vor:
    – Verbindlichkeitsaufbau innerhalb von Unternehmen gegenüber Personen, welche nicht am obigen Vorschlag teilnehmen, werden besteuert
    – Gelder welche von Unternehmen an Personen, welche nicht am obigen Vorschlag teilnehmen, fliessen, werden besteuert.
    Ich sehe nicht ein, dass nun Geldanlagen aus Frankreich etc. mit dem Geld der Bürger gerettet werden sollen.

  2. Wikipedia Mefo Wechsel 1933

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