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Helikoptergeld durch die EZB? Freibier für alle? Die Bundesbank ist strikt dagegen!

Redaktion

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Von Claudio Kummerfeld

Die Sensation ist kein Hirngespinst mehr, und die Abwehrreaktion kommt prompt und eindeutig. Was war vorher passiert? Zwei Mal machte die EZB Andeutungen zum sogenannten Helikoptergeld, dem direkten Verschenken von Cash durch die EZB an jeden Bürger in der Eurozone. Das würde de facto bedeuten „Freibier für alle.“ Die EZB druckt Geld und schenkt es dem Bürger. Wo ist das Problem, ist doch alles ok, oder? Die Bundesbank ist schon mal strikt dagegen…

Helikoptergeld Freibier für alle
Helikoptergeld durch die EZB? Bald Freibier für alle? Foto: Avarice (2012), by Jesus Solana / Wikipedia (CC BY 2.0)

Helikoptgergeld durch die EZB?

Am Donnerstag den 10. März, als Mario Draghi als Präsident der EZB die weiteren Maßnahmen zur Lockerung seiner Geldpolitik verkündete, wurde er auch nach dem sogenannten Helikoptergeld gefragt. Das würde real bedeuten, dass die EZB wie beim aktuellen Anleihekaufprogramm auch Geld druckt. Nur sie kauft davon keine Anleihen um das Geld so indirekt in den realen Wirtschaftskreislauf zu pumpen. Nein, beim Helikoptergeld verteilt sie es direkt an den Bürger, jeder bekommt direkt Geld in die Brieftasche. Ein Geldgeschenk, Freibier für alle!

Draghi sagte am 10. März zu dieser grundsätzlichen Idee, die ja schon ewig von einzelnen Ökonomen gefordert wird, man habe im Zentralbankrat bisher nicht darüber nachgedacht und auch nicht darüber gesprochen. Es sei aber ein interessantes Konzept, das derzeit zwischen akademischen Ökonomen diskutiert werde. Es könnte viele verschiedene Dinge bedeuten. Warum es für die EZB interessant sein könnte? All ihre bisherigen Bemühungen indirekt die Inflation anzukurbeln sind bisher kläglich gescheitert. Das Kalkül beim Helikoptergeld: Jeder Bürger hat Extra-Cash in der Tasche, geht los und kauft sich neue Autos, Elektronik und und und. Der Konsum explodiert, damit auch die Inflation! So die Idee. Dass durch mehr Konsum die Preise aber nicht steigen müssen, zeigt jüngst Deutschland. Der Konsum steigt kräftig, aber durch den großen Wettbewerb im Einzelhandel steigen die Preise trotzdem nicht an! Aber egal, welcher Bürger würde das EZB-Geld ablehnen? Wohl kaum jemand!

Richtig beachtet hatte Draghi´s Äußerungen am 10. März niemand so richtig. Erst seit diesem Wochenende bekommt diese Anmerkung wieder Brisanz, weil nämlich der Chefvolkswirt der EZB Peter Praet am Freitag gegenüber der Zeitung „La Repubblica“ andeutete Helikoptergeld durch die EZB sei nicht mehr grundsätzlich ausgeschlossen. Über sein Zitat berichteten wir schon am Freitag, hier aber nochmal im Original:

„Yes, all central banks can do it. You can issue currency and you distribute it to people. That’s helicopter money. Helicopter money is giving to the people part of the net present value of your future seigniorage, the profit you make on the future banknotes. The question is, if and when is it opportune to make recourse to that sort of instrument which is really an extreme sort of instrument.“

Geld an die Bürger auszuschütten, das wäre also nur die vorzeitige Ausschüttung von Gewinnen, die die EZB mit Banknoten erziele. Klingt verdammt stark nach einer Schutzbehauptung, einer krampfhaften harmlosen Erklärung, dass es ja kein Geschenk ist, sondern eher eine Art vorzeitige Gewinnausschüttung, nicht an die Staaten, die die Eigentümer der EZB sind, sondern direkt an die Bürger. Na gut, letztlich sind die Staaten nur die Repräsentanten des Bürgers, aber zum direkten Geldüberweisen an die einzelnen Bürger hat die EZB nun wirklich kein Mandat

Die Bundesbank ist dagegen

Darauf wies jetzt am Wochenende auch Bundesbank-Präsident Jens Weidmann wehement hin. Gegenüber der Funke Mediengruppe sagte er statt immer waghalsigere geldpolitische Experimente ins Spiel zu bringen, wäre es sinnvoll einmal innezuhalten. Geldpolitik sei kein Allheilmittel, sie ersetze nicht die notwendigen Reformen in einzelnen Ländern und löse auch nicht die Wachstumsprobleme in Europa, so Weidmann. Die jüngsten Beschlüsse der EZB (vom 10. März) seien sehr weitgehend und hätten ihn nicht überzeugt. Auch so erwarte er ein weiteres Anziehen der Konjunktur und der Preise. Geld an die Bürger zu verschenken sei eine hochpolitische Entscheidung, die Regierungen und Parlamente fällen müssten. Die Notenbanken hätten dazu kein Mandat, auch weil damit eine massive Umverteilung verbunden wäre.

Der hoch angesehene Chefvolkswirt der Berenberg Bank Holger Schmieding springt Jens Weidmann bei. Helikoptergeld sei Quatsch. Es sei wirtschaftlich nicht nötig und politisch würde man damit einen gefährlichen Präzedenzfall schaffen. Man nähre damit die Illusion die Notenbank könne für die Bürger einfach immer mehr Geld drucken und damit die Probleme lösen.

Probleme

Welche Probleme bringt das Helikoptergeld mit sich, wenn es denn kommt? Die Bilanz der EZB explodiert. Denn wenn sie Geld druckt um es zu verschenken, erhöht sich damit ihre Bilanz. Und da sie das Geld anders als beim Anleihekaufprogramm nicht zurückerhält, sondern verschenkt, bleibt ein Loch in der EZB-Bilanz zurück, ein Verlust. Was wäre das denn als Größenordnung? Man rechne ganz einfach. An wie viele Menschen verschenke man Geld? An alle Menschen älter als 18 Jahre in der Eurozone? Oder doch an ALLE Menschen in der Eurozone? Oder nur an alle Steuerzahler in der Eurozone? Nehmen wir mal 330 Millionen Menschen, und jeder erhält sagen wir mal einmalig 5.000 Euro. Das wäre eine Summe von 1,65 Billionen Euro. Bei 1.000 Euro pro Person wären es dann eben „nur“ 330 Milliarden Euro.

Aber würde diese Summe dann direkt in den Konsum fließen? Wohl kaum. Ein Teil der Bürger würde das Geld nutzen um Bankschulden zu begleichen, ein anderer Teil der Bürger würde das Geld unters Kopfkissen oder aufs Sparbuch legen (auch ohne Zinsen). Und ein anderer Teil der Bürger würde davon Gold oder Silber kaufen. Natürlich würde ein guter Teil der Menschen losgehen und Elektronik kaufen, Reisen buchen usw. Der Konsum würde steigen, die Preise vermutlich auch ein wenig, aber es wäre nur ein einmaliger knalliger Effekt. Strukturell würde sich wenig bis gar nichts ändern. Abgesehen von den Schulden in der EZB-Bilanz erschüttert so eine Maßnahme vor allem die Seriosität der EZB als Institution!

Die EZB könnte das Helikoptergeld, wenn sie es denn umsetzen würde, auch so interpretieren, dass sie Geld an die Mitgliedsstaaten der Eurozone verschenkt. Das würde unserer Meinung nach aber überhaupt nicht funktionieren, da viele Staaten mit dem geschenkten Geld Schulden begleichen und wohl noch eher Haushaltslöcher stopfen würden. Nur ein kleiner Teil dieses Geldes würde in realwirtschaftliche Investitionen fließen. Also wenn man schon die Idee hätte Geld aus dem Hubschrauber abzuschmeißen, dann doch bitte über den Bürgern!

Was demnächst passieren könnte

Wir hatten in den letzten Monaten schon mehrmals angedeutet, dass es möglich sei, dass die EZB darüber nachdenke Unternehmensanleihen zu kaufen. Dabei hatten wir gar nicht daran gedacht, dass es so schnell geht, und zack auf einmal macht sie es. Der Aufkauf startet im Juni. Auch hatten wir schon darüber nachgedacht, dass die EZB als nächsten Schritt der Verzweiflung anfängt Aktien in Europa aufzukaufen, damit die Anleger noch weniger Möglichkeiten haben Geld zu investieren. Sie sollen konsumieren, und die Banken sollen Kredite vergeben. Diese Möglichkeit des Aufkaufens von Aktien halten wir als nächsten Schritt der EZB jetzt gar nicht mehr für so unrealistisch. Und danach, wer weiß, irgendwann nächstes Jahr, Helikoptergeld? Heutzutage ist ja alles möglich!

6 Kommentare

6 Comments

  1. Avatar

    Helmut Josef Weber

    21. März 2016 10:26 at 10:26

    2009 habe ich in Panik meine Lebensversicherung gekündigt und Gold gekauft; Gründe gab es ja schon genug für meine Reaktion.
    Wenn ich mit guten Bekannten über meine Gründe gesprochen habe, haben sie mich ausgelacht.
    Wie hätten sie erst gelacht, wenn ich alle die Gründe genannt hätte, die heute bereits existieren?
    Von den Gründen, die wir nur erahnen können, will ich hier erst gar nicht spekulieren.
    Goldpreissteigerung seit 2009 63% und legal steuerfrei.
    Viele Grüße aus Andalusien
    H. J. Weber

  2. Avatar

    Birgit Bossbach

    21. März 2016 13:27 at 13:27

    Die Bundesbank hat was dagegen? Was hat den der Bürger davon, wenn das Geld an „notleidende Banken“ oder „Die Wirtschaft“ geht? Was haben die Griechen von dem Geld, das an „Griechenland“ geht? Genau. Nichts.
    Natürlich wäre ein bedingungsloses Grundeinkommen besser für die meisten Bürger. Aber besser ein bisschen „Helikoptergeld“ als nichts. Und schließlich fließt das Geld, wenn erstmal ausgegeben, ja zurück in die Wirtschaft, oder?

    • Avatar

      Wolfgang Koch

      21. März 2016 14:13 at 14:13

      Schon seit geraumer Zeit , interessiert kein Schwein mehr,ob die Bundesbank,falls stimmberechtigt,irgendwas gegen irgendwas hat!Sie ist schlichtweg alternativlos unbedeutend!Der EZB-Kommunismus wird immer irrer!Marx&Engels sind schier aus dem Häuschen.Das hätten Sie nicht zu träumen gewagt,dass die verhassten Kapitalisten, Ihren Kommunismus sogar noch toppen!Wehe uns,Kim Jong Un&die nordkoreanische Notenbank, greift auch noch ein!Wo,soll ich hin?

  3. Avatar

    Mr. Jones

    21. März 2016 18:11 at 18:11

    Soweit ich weiß, befinden sich auf Deutschen Sparkonten ca. 5 Billionen Euro, nach einer Umverteilung haben dann alle Geld. Die Sparkonten sind geleert und die Konjunktur springt an. Genialer Schachzug und kostet auch nichts, dank SEPA ~ IBAN geht das in Sekunden. Da sind dann ein paar weniger schwer Sauer aber viele ganz Glücklich. Bleibt abzuwarten wie das die ECB managen werden.

    • Avatar

      Helmut Josef Weber

      22. März 2016 10:31 at 10:31

      Meine Unzen in Gold und Silber nicht, die sind gut versteckt.
      Ansonsten herrscht auf meinen Konten Ebbe.
      Viele Grüße
      H. J. Weber

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Ernst Wolff über das globale Finanzsystem – Geld und Demokratie

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Spätestens die Wirtschaftskrise 2007/2008 ließ an der Seriosität des globalen Finanzsystems zweifeln. Wer seine Zweifel allerdings durch Sachkenntnis untermauern möchte, bekommt schnell ein Problem: Er trifft auf ein Dickicht aus komplizierten und oft widersprüchlichen Informationen, die noch dazu in einer für Laien unverständlichen Fachsprache gehalten sind. Kein Wunder also, dass der Versuch, das Finanzsystem zu verstehen, häufig schon in der Anfangsphase scheitert. Genau hier setzt Ernst Wolff an. Im Folgenden ein Ausschnitt auf der Einleitung meines neuen Buches (hier zu kaufen).

Die zwei großen Fehleinschätzungen unserer Zeit

Es gibt in unserer Gesellschaft zwei Ansichten, die von der überwiegenden Mehrheit der Menschen geteilt und von fast niemandem angezweifelt werden. Sie betreffen zum einen die politischen Strukturen, unter denen wir leben, und zum anderen die Wahrnehmung der wirtschaftlichen Realität, auf der diese politischen Strukturen basieren. Zusammen bilden beide so etwas wie eine von der breiten Allgemeinheit stillschweigend akzeptierte Übereinkunft. Ansicht Nr. 1 lautet: Bei uns regiert das Volk. Ansicht Nr. 2 lautet: Das Finanzsystem ist nur ein Teilbereich unserer Gesellschaft, den man nicht unbedingt verstehen muss.

Geht man diesen Ansichten auf den Grund, dann stellt man allerdings fest, dass sie nicht etwa auf intellektueller Einsicht oder auf Erfahrungswerten basieren, sondern den Menschen zunächst von Elternhaus, Schulen, Ausbildungsbetrieben und Universitäten mit auf den Weg gegeben und später ein Leben lang von Medien, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft eingetrichtert werden – mit dem Ergebnis, dass ihr Wahrheitsgehalt kaum jemals in Frage gestellt wird.

Schaut man genauer hin, stellt man fest, dass sich hinter diesen Ansichten ganz handfeste Interessen verbergen, deren Durchsetzung nur einem kleinen Teil der Bevölkerung nützt. Im Grunde handelt es sich also um zwei vorsätzlich herbeigeführte Fehleinschätzungen, die weitreichende Konsequenzen haben. Sie tragen nämlich entscheidend dazu bei, die bestehende Ordnung und ihre Machtstrukturen zu festigen und verhindern so, dass die Menschen diese Strukturen durchschauen – mit der Folge, dass sie dadurch unfähig werden, an den bestehenden Verhältnissen etwas zu ändern.

Sehen wir uns beide Fehleinschätzungen deshalb etwas genauer an:

Fehleinschätzung Nr. 1: „Bei uns regiert das Volk“. In einem Obergeschoss des Berliner Hauptbahnhofs hängt ein Schild mit der Aufschrift „400 Meter von hier regiert das Volk“. Der Hinweis gilt dem südlich vom Bahnhof gelegenen Reichstagsgebäude, Sitz des deutschen Parlaments, und soll dem Betrachter ganz offensichtlich eine uns allen bekannte Botschaft vermitteln:

Wir leben in einem Gesellschaftssystem, in dem wir als Volk das Sagen haben. Und da das Volk zu groß ist, um als Ganzes regieren zu können, übergeben wir diese Aufgabe an sogenannte Volksvertreter. Die bestimmen wir, indem wir sie alle vier Jahre wählen. Sollten sie nicht so handeln, wie wir das von ihnen erwarten, dann können wir sie nach dem Ablauf ihrer Amtszeit wieder abwählen und durch andere ersetzen.

Diese Grundsätze der parlamentarischen Demokratie werden uns von Kindesbeinen an mit auf den Weg gegeben und im Verlaufe unseres Lebens durch eine Reihe weiterer Informationen ergänzt und untermauert. So erfahren wir unter anderem: Unsere Wahlen sind frei, gleich, geheim, allgemein und unmittelbar und werden auf der Grundlage einer Verfassung abgehalten, die unsere Würde für unantastbar erklärt und uns körperliche Unversehrtheit garantiert. Wir sind vor dem Gesetz alle gleich und haben das Recht, unsere
Meinung zu äußern und uns mit anderen zum Zwecke gemeinsamer Meinungsäußerung zu versammeln.

Die Formulierungen erwecken in uns den Eindruck, dass es sich bei der parlamentarischen Demokratie um ein zu unser aller Gunsten entwickeltes System handelt, das den Einzelnen schützt, dem Gemeinwohl dient und dessen oberstes Ziel darin besteht, den Willen
der Mehrheit der Bevölkerung in die Tat umzusetzen. Doch ist das tatsächlich so? Wollen wir alle, dass immer weniger Menschen immer größere Vermögen anhäufen, während der Lebensstandard der Masse bestenfalls stagniert, in vielen Fällen sogar sinkt? Dass der Niedriglohnsektor explodiert, dass Arbeits- und Obdachlosigkeit um sich greifen? Dass von Jahr zu Jahr mehr Geld für Rüstung und den Ausbau von Sicherheitsapparaten ausgegeben wird, während am Bildungs- und Gesundheitswesen immer drastischer gespart wird? Sind wir dafür, dass die Umwelt zunehmend zerstört wird? Dass in unserem Namen Kriegseinsätze unterstützt werden? Dass Persönlichkeitsrechte abgebaut und wir alle immer stärker überwacht werden?

Wendet man sich direkt an die Menschen und fragt sie, was sie von dieser Entwicklung halten, dann fällt die Antwort eindeutig aus: Die meisten sind damit nicht einverstanden, viele lehnen sie sogar rundheraus ab. Wie aber kann das sein? Wie kommt es, dass zwischen dem, was die Menschen wollen, und dem, was in ihrem Namen und auf Grund ihrer offensichtlich frei getroffenen Wahlentscheidung umgesetzt wird, ein solch krasses Missverhältnis besteht – in einer Gesellschaft, deren Verfassung doch besagt, dass alle Macht vom Volk ausgeht?

Wir lassen uns täuschen

Die Antwort auf diese Frage lautet: Wir lassen uns täuschen. Wir akzeptieren die wohlklingenden Formulierungen unserer Verfassung, die auf dem Gleichheitsgrundsatz basieren, und schließen daraus, dass wir alle nicht nur gleiche Rechte genießen und gleich behandelt werden, sondern dass wir alle gleich sind. Das aber stimmt nicht. In einer vom Geld beherrschten Gesellschaft wie der unseren können die Menschen auf Grund ihrer Vermögensverhältnisse gar nicht gleich sein. Wer über viel Geld und großen Besitz verfügt, ist nämlich nicht nur wohlhabender, sondern kann sich auf Grund seiner wirtschaftlichen Überlegenheit über diejenigen, die weniger besitzen, erheben, sie von sich abhängig machen und sie im Extremfall sogar vollends beherrschen. Die Vermögensverhältnisse entscheiden also nicht nur darüber, wer reich und wer arm ist, sondern vor allem darüber, wer in welchem Ausmaß Macht ausüben kann und welche gesellschaftlichen Hierarchien sich im Lauf der Zeit bilden.

Diese Aufspaltung der Gesellschaft hat schon lange vor der Einführung des Parlamentarismus und sogar schon lange vor der Einführung des Geldes begonnen. Ihre Anfänge gehen auf die Tauschwirtschaft zurück. Sie ist die Grundlage, auf der sich ein Zustand entwickeln konnte, der die gesamte bisherige Geschichte der Menschheit prägt: die soziale Ungleichheit. Sie hat es den Menschen, die mehr Besitz angehäuft und damit mehr Macht erlangt haben als andere, ermöglicht, Strukturen zu schaffen, die ihren privilegierten Status festigen, die sie einmal erworbene Privilegien auf Dauer beibehalten und diese sogar auf nachfolgende Generationen übertragen lassen.

Im ausgehenden Mittelalter sind die Besitzer großer Vermögen noch einen Schritt weiter gegangen und haben sich das Geldsystem und damit den Blutkreislauf der Gesellschaft unterworfen, indem sie Banken gegründet und sich so das Recht der Geldschöpfung angeeignet haben. Später, nach der Gründung der Nationalstaaten, haben die von ihnen beherrschten Banken sich dieses Recht auf der Grundlage nationaler Währungen mit den Zentralbanken geteilt und damit als „Finanzwesen“ einen ganz eigenen Wirtschaftszweig geschaffen, der mit der Zeit immer einflussreicher wurde. Da dem Rest der Bevölkerung nicht entging, dass auf diese Weise einige Wenige zusehends reicher und mächtiger wurden, hat sich immer stärkerer Widerstand gegen diese Entwicklung gebildet. Als mit der Industrialisierung dann Schulen eingeführt, der Analphabetismus nach und nach überwunden und das allgemeine Bildungsniveau immer weiter angehoben wurde, nahm dieser Widerstand für die Privilegierten zunehmend bedrohlichere Formen an, sodass sie sich gezwungen sahen, Zugeständnisse zu machen.

Ein historisches Zugeständnis

Das historisch wichtigste Zugeständnis – und die zugleich geschickteste Täuschung der Öffentlichkeit – war die Einführung des Parlamentarismus. Indem die Gleichheit der Menschen in einer von Ungleichheit geprägten Welt zum Verfassungsgrundsatz erhoben wurde, entstand mit der parlamentarischen Demokratie eine Fassade, hinter der sich die tatsächlichen Machtstrukturen nicht nur hervorragend verbergen, sondern ungehindert weiter ausbauen ließen. Das Prinzip dieser Täuschung ist im Grunde recht einfach: Man unterschlägt einen fundamental bedeutsamen Mechanismus, der die gesellschaftliche Realität seit Jahrhunderten prägt, und übertüncht ihn mit hochtrabenden Worten. So gibt es bis heute weltweit keine einzige parlamentarische Demokratie, in deren Verfassung die Bedeutung des Geldes für die Entstehung von Machtstrukturen erwähnt oder in der das Prinzip der Geldschöpfung auch nur angesprochen wird. Dafür aber wird in den meisten Verfassungen, verbrämt mit blumigen Formulierungen über die soziale Verpflichtung von Eigentum, der Schutz desselben garantiert – und zwar ohne jede Begrenzung nach oben.

Auf diese Weise ist eine Herrschaftsform entstanden, die sich vordergründig auf den Willen der Mehrheit des Volkes stützt, die aber tatsächlich einer Minderheit nützt und die es darüber hinaus geschafft hat, die soziale Ungleichheit in krassem Widerspruch zum offiziell beteuerten Gleichheitsgrundsatz zu einem akzeptierten und gesetzlich geschützten Dauerzustand werden zu lassen.

Ernst Wolff über das Finanzsystem und die Politik
Der Buchautor Ernst Wolff

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Das sind die Informationsquellen der Profis – Werbung

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Lieber Börsianer,

gelegentlich werde ich als Börsenanalyst oder Vermögensberater gefragt, woher ich meine Informationen beziehe? Oder anders gefragt: Wie recherchiert ein Profi eine Aktie? Zunächst möchte ich mein Berufsbild etwas entmystifizieren. Auch Profis kochen nur mit Wasser und stützen ihre Entscheidungen wesentlich auf öffentlich zugängliche Informationen. Am Anfang steht also immer die Lektüre des Geschäftsberichts und die harte Analyse der Geschäftszahlen.

Dann beginnt die Arbeit des Analysten erst richtig. Aktienanalyse ist People´s Business. Zu Deutsch: Wir müssen mit den handelnden und verantwortlichen Personen des Unternehmens in Kontakt kommen. Als Vermögensverwalter lässt man durchblicken, dass man umfassende Investitionen im Unternehmen beabsichtigt. Damit haben Sie schon einmal das Ohr Ihres Gesprächspartners.

Zunächst werden Sie abgespeist mit professionellem Werbeversprechen. Etwa so: Wir setzen voll auf die Elektro-Mobilität und expandieren derzeit proaktiv im chinesischen Wachstumsmarkt.

Das ist eine absolute Null-Information. Als Analyst haken Sie jetzt konkret nach. Zum Beispiel: Mit welchen Produkten geht das Unternehmen nach China? Wer sind die Konkurrenten? Was ist der Wettbewerbsvorteil des Unternehmens? Warum soll der Kunde ausgerechnet ihre Zylinderdichtung (beispielhaft) kaufen? Wie funktioniert der Vertrieb?

Es gibt nun zwei Möglichkeiten: Ihr Gesprächspartner bleibt hartnäckig im Ungefähren. Dann sind die Expansionspläne wohl noch nicht weit gediehen. Die Aktie ist also eher kein Kauf. Oder aber: Ihr Gegenüber packt…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

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US-Wahl egal für die US-Märkte? Experte Andre Stagge mit ausführlicher Erklärung

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Ande Stagge über die aktuelle Lage im S&P 500 und zur US-Wahl

Ist der Ausgang der US-Wahl letztlich egal für die US-Aktienmärkte? Das denken manche Beobachter. Der Börsenexperte Andre Stagge (hier mehr zu seiner Person) bespricht dieses Thema im folgenden aktuellen Video im Detail. Ausführlich geht er auf die einzelnen Standpunkte von Joe Biden und Donald Trump ein. Zum Beispiel seien die Steuerideen von Joe Biden eindeutig schlecht für die Wirtschaft. Natürlich muss man fair sein und erwähnen, dass die US-Unternehmen durch die große Steuersenkung von Donald Trump im Jahr 2017 massiv profitiert hatten. Andre Stagge glaubt an einen Wahlsieg von Joe Biden, und dass dies letztlich nicht gut für die Märkte wäre – auch wegen der Idee von Joe Biden den Mindestlohn in den USA drastisch anzuheben. Wichtig werde auch die Phase direkt nach der Wahl, und ob Donald Trump bei einer möglichen knappen Wahlniederlage Probleme machen wird.



Ist die US Wahl egal by Andre_Stagge on TradingView.com

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