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Indizes

Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt – eine Umkehrung dieser Redewendung vollzog sich gerade an der Wall Street. Wie lange kann das gutgehen?

Was sich gerade an der Wall Street vollzieht, ist schon sehr ungewöhnlich – es passt irgendwie nicht zusammen!

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Was sich gerade an der Wall Street vollzieht, ist schon sehr ungewöhnlich, wie es Markus Fugmann in seinem Marktgeflüster gestern anhand einiger technischer Indikatoren schon dargelegt hat.

Ich würde dies hier gerne noch mit weiteren Signalen untermalen, auch auf mittlere Sicht und zugleich auf das Dilemma hinweisen, welches Fed-Chef Jerome Powell mit seiner Kehrtwende erzeugt hat.

 

Wirtschaftszahlen und das Sentiment

In meiner Morgenkolumne vom 31. Januar (Die Entscheidung der Fed – und was an den Börsen wirklich zählt) habe ich auf die Bedeutung des monetären Faktors hingewiesen. Billiges Geld treibt die Aktienmärkte mehr als Wirtschaftszahlen, aber dies hat natürlich seine Grenzen. Die dovishe Wende der US-Notenbank hat die großen US-Indizes seit den Dezembertiefs um 15% nach oben gepusht, in erster Linie auch durch die Korrektur von Schieflagen großer Investoren. Aber mittel- und langfristig zählen nun mal die Gewinne der Unternehmen (nachdem diese vorher durch billiges Geld gepusht wurden).

Die Berichtssaison hat vor ihrem Ende bisher eine Gewinnquote für Q4 (2018) von 12% ergeben, mit schwachen Ausblicken und Gewinnsteigerungen für Q1 (2019) von 0% – Stagnation. Es dominiert am Markt also der Glaube des Wiederaufflammens des Wachstums im 11. Jahr des Wirtschaftszyklus. Die Wall Street befindet sich gerade in der 7. Woche steigender Kurse.

Diese Hoffnung zeigt sich auch im Sentiment der Anleger. Der Fear&Greed-Index ist von panischen 3 Punkten im Dezember auf Gier-Niveau von 65 Punkten gesprungen. Der Volatilitätsindex (VIX) hat allein seit Jahresbeginn um 40% auf 15 Punkte nachgegeben, ein Zeichen von großer Sorglosigkeit (complacency), wie es Markus Fugmann immer auszudrücken pflegt. Aber am meisten erstaunt mich der Baltic Dry Index, der die Frachtraten der großen Wirtschaftsgüter auf den großen Schifffahrtsrouten misst. Fast eine Drittelung seit Juli 2018, in welcher Ecke soll, um Himmels Willen, das große Wachstum stattfinden? Ca. 90% des Welthandels werden auf diesem Wege eingeleitet und er gilt als Frühindikator, allerdings mit einem Vorlauf von 8 bis 12 Monaten.

 

Das Fed-Dilemma

 

Nach dem so genannten Kommunikationsgau vom 3. Oktober, als Jerome Powell im Bewusstsein einer überaus starken US-Konjunktur mit rekordhohen Aktienindizes das volle geldpolitische Bremsmanöver angekündigt hatte (Zinsanhebungen bis ins Jahr 2020 plus automatische Bilanzreduzierung), folgte das genaue dovishe Gegenteil Ende Dezember. Die Märkte jubeln.

Was aber passiert, wenn sich die Prognose von Finanzminister Steven Mnuchin bewahrheitet, der gerade erst verkündete: „Der Ausblick für die US-Wirtschaft für das Jahr 2019 ist ziemlich stark.“ Dann muss die Fed die Zinsen weiter anheben, sonst ist jede Glaubwürdigkeit perdu. Und wenn die US-Wirtschaft stärker in die Knie geht, trotz des Steuerstimulus, was ist dann erst in den anderen Regionen los, wenn der große Player weniger nachfragt?

In diesem Zusammenhang ist auch ein gestriges Interview mit der letzten Fed-Chefin Janet Yellen bemerkenswert „möglicherweise ist der nächste Schritt der Fed eine Zinssenkung!“

Der aktuelle Notenbankchef ist wohl in beiden Zinspolitik-Statements etwas über das Ziel hinausgeschossen.

 

Fazit

 

Es passt irgendwie nicht zusammen. Die sich abschwächende Weltkonjunktur, der Konjunkturoptimismus der US-Regierung sowie der Ökonomen im Mainstream, die gesenkten Ausblicke der Unternehmen, dazu eine Fed, die optimistische Aussagen zum Wachstum macht, aber gleichzeitig ihre Geldpolitik so ausrichtet, als ob man einen Abschwung verhindern möchte – und die Kursanstiege an den US-Börsen.

Wenn man nur die Entwicklung der Wall Street linear fortschriebe, müssten wir bereits in wenigen Wochen neue All Time Highs sehen – nach ca.20% Gewinnwachstum der Unternehmen in 2018 und einer erwarteten Stagnation in Q1!

Die Märkte haben das Positive eingepreist, eine Lösung im Handelsstreit, eine wachsende Konjunktur und eine dovishe Fed. Ein Widerspruch. Selbst wenn eine Konsenslösung im Zollstreit im Miniformat kommt, die Trump in seiner gewohnten Art als persönlichen Erfolg verbuchen kann, könnten die Börsen so reagieren: Buy the rumours, sell the facts.

Kurzfristig bin ich auch der Meinung, dass die 200-Tage-Linie beim S&P 500 (2741) die entscheidende Marke darstellt. Sollte es nach mehreren Versuchen nicht darüber hinausgehen, warten die Rechenprogramme auf ihren Verkaufseinsatz. Ich bin nur auf die dann nachgereichte, zumeist banale Begründung gespannt!

 

Pure Euphorie
Von I, Luca Galuzzi, CC BY-SA 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1884158

4 Kommentare

4 Comments

  1. Avatar

    Michael

    7. Februar 2019 10:14 at 10:14

    Buy the rumours, sell the facts, das dürfte zumindest an den FOREX-Märkten zutreffen. Denn wie sonst ließe sich die plötzliche USD-Stärke seit dem Tag der dovishen 180°-Wende sonst erklären, die einer Dollarstärke eigentlich diametral gegenübersteht?
    Obwohl, gehört Notenbank-Geschwafel nun zu den rumors oder den facts? Wenn irgendein unbekannter Insider Gerüchte verstreut, sind das sicherlich rumors. Wenn der FED-Chef dovishe Aussagen macht, sind es offensichtlich facts, obwohl faktisch nichts passiert ist. Wenn nun eine Zinsänderung eintritt, sind das dann besonders harte Fakten, oder rumoren dann schon wieder die Gerüchte, wie es weitergehen könnte?
    Es ist schon eine komplizierte Geschichte mit der Börsenlogik und -weisheit ;)

    • Avatar

      Wolfgang M.

      7. Februar 2019 10:33 at 10:33

      @Michael. Das mit dem „sell the facts“ habe ich eher auf die Hoffnung auf das Zustandekommen eines kleinen Trumpdeals mit China bezogen. Die Fed-Kommunikation ist wieder eine andere Geschichte. Aber auch da gilt, wenn eine prognostizierte Zinsänderung eintritt, wird das Ereignis oft verkauft.
      Gruß

      • Avatar

        Michael

        7. Februar 2019 11:19 at 11:19

        @Wolfgang M., ich weiß, mein Beitrag war eher ironisch-augenzwinkernd gemeint ;) Denn es ist ja keine Zinsänderung eingetreten (das wären dann ja facts), aber Gerüchte sind es streng genommen ja auch nicht, wenn es von hochoffizieller Seite kommt. Und der USD stieg an (was jederzeit nachvollziehbar ist), als Mr. Powell seinerzeit zum Fürst aller Falken mutierte und steigt nun wieder recht raketenartig seit den dovishen Aussagen (was weniger nachvollziehbar ist).

        • Avatar

          Moritz

          7. Februar 2019 12:00 at 12:00

          Zusammenfassend kann man sagen: Da passt zur Zeit so einiges nicht zusammen. Solche Zustände halten allerdings nicht ewig an und werden korrigiert.

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Finanznews

Aktienmärkte: Ich glaube an die Jahresendrally! Marktgeflüster (Video)

Sehen wir nun also jetzt schon den Beginn der Jahresendrally, kommt jetzt also die weitere, ungebrochene Aufwärtsbewegung der Aktienmärkte?

Markus Fugmann

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am

Die Aktienmärkte heute einmal mehr stark – weil Trump nun den Übergang zu Biden ermöglicht hat und Janet Yellen wohl neue US-Finanzminsterin wird (allerdings überschätzen die Märkte ihre Möglichkeiten, sie muß sich mit Mitch McConell auseinandersetzen!). Sehen wir nun also eine Jahresendrally, also die ungebrochene weitere Aufwärtsbewegung? Eher unwahrscheinlich – zuvor braucht es eher noch einmal eine Korrektur der völlig überhitzten Aktienmärkte (vor allem Energie-Werte etc.), bevor dann eben diese Jahresendrally einsetzen kann. Was für diese Korrektur fehlt ist ein Katalysator, eine Meldung, die die bereits all-in Investierten auf dem falschen Fuß erwischt und aus dem Markt kegelt, bevor dann die starken Hände wieder kaufen..

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Aktuell: Dow mit Allzeithoch, Ölpreis steigt – warum der Goldpreis bei 1.800 Dollar hängt

Claudio Kummerfeld

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Aktuell tut sich einiges an den Märkten. Der Dow Jones hat vorhin mit 29.996 Punkten ein neues Rekordhoch erreicht. Die Aktienmärkte sind in guter Laune. Der Dax ist von seinem Hoch aus dem Frühjahr immer noch gut 500 Punkte entfernt, aber er klettert auch mit nach oben. Der Ölpreis steigt, der Goldpreis fällt weiter. Aber warum? Neben den positiven Corona-Nachrichten bringt heute eine weitere gute Nachricht neuen frischen Schub für die Aktienmärkte. Donald Trump macht nun offenbar den Weg frei für die Amtsübergabe an die Biden-Administration. Damit haben die Märkte mehr Sicherheit, dass in den USA wohl doch kein großes Chaos oder eine Verfassungskrise ausbrechen wird.

Außerdem scheint Joe Biden die ehemalige Fed-Chefin Janet Yellen zur neuen US-Finanzministerin machen zu wollen. Auch das freut den Markt. Die Geldflut kann weiter gehen, und die Konjunktur in den USA dürfte weiteren staatlichen Stimulus erhalten. Das pusht die Aktienmärkte, und auch der Ölpreis steigt kräftig. Alleine seit heute Nacht bei 43 Dollar steigt der WTI-Ölpreis aktuell auf 44,94 Dollar. Mehr Konjunktur-Stimulus bedeutet auch mehr Öl-Nachfrage. Logisch, dass da der Ölpreis ansteigt.

Goldpreis verliert gegen Aktienmärkte

Gold ist der Verlierer. In so einem positiven Umfeld schichten die Börsianer in risikoreichere Geldanlagen wie Aktien um, und der Goldpreis fällt. Nach positiven US-Konjunkturdaten von gestern war der Goldpreis bereits spürbar gefallen, von gestern 1.868 Dollar bis vorhin auf genau 1.800 Dollar im Tief. Ein große runde Marke ist immer wichtig für die Börsianer. Drüber und drunter liegen in der Regel viele Stop-Orders.

In den letzten Augenblicken kann der Goldpreis leicht auf 1.807 Dollar steigen, aber die Lage ist doch sehr wacklig. Es kann auch in Kürze einen Abwärtsschub unter 1.800 Dollar geben. Interessant: Die Bewegung im US-Dollar scheint derzeit weniger Einfluss auf den Goldpreis zu haben. Die negative Korrelation zwischen den beiden funktioniert diese Woche nicht so richtig. Vielmehr ist es aktuell eine negative Korrelation zwischen Gold und Aktienmärkten. Der Chart reicht bis Mitte letzter Woche zurück. Wir sehen den steigenden Dow Jones gegen den fallenden Goldpreis. Die aktuell gute Stimmung für risikoreichere Assets drückt gegen Gold.

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Rüdiger Born

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