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Hintergrund

„Ich denke, dass wir in Deutschland unsere Interessen falsch vertreten“

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7 Fragen an Dr. Daniel Stelter zur Verschuldungsproblematik
Exklusiv auf finanzmarktwelt.de

Dr. Daniel Stelter war in leitender Funktion bei der Boston Consulting Group. Er gilt als einer der besten Kenner der Verschuldungsproblematik und ist Autor des Buchs „Die Krise … ist vorbei … macht Pause … kommt erst richtig: Es geht um unser Geld – 77 Bilder zum Selberdenken und Mitreden„. Dr.Stelter betreibt die Seite http://think-beyondtheobvious.com/

1. Herr Dr. Stelter, Sie waren zwischen 1990 und 2013 in leitender Funktion Unternehmensberater bei der Boston Consulting Group. Warum sind Sie offenkundig der einzige aus der Branche, der die Verschuldungsproblematik so klar beim Namen nennt – auch die Finanzbranche scheint sich ja nicht wirklich um diese Problematik zu kĂŒmmern.

Die meisten meiner Kollegen haben einen betriebswirtschaftlichen Hintergrund oder sind Ingenieure, IT-Spezialisten und Naturwissenschaftler. Nur wenige Leute mit volkswirtschaftlicher Ausbildung sind in der Beratungspraxis unterwegs. Deshalb ist es auch verstÀndlich, dass die meisten Berater die makroökonomischen ZusammenhÀnge bei ihrer Arbeit vernachlÀssigen. Der eine oder andere wird sich auch scheuen, die Dimensionen der Probleme vor denen wir stehen offen anzusprechen, aus Angst den Kunden zu verschrecken. Meine Sicht und Erfahrung ist hier eine andere: nur wer die makroökonomischen ZusammenhÀnge versteht, kann Unternehmen richtig strategisch beraten. Meine Kunden schÀtzen eine realistische Lagebeurteilung sehr wohl und machen ihre Unternehmung sturmfest, soweit dies geht.
Was die Finanzbranche betrifft liegen die Dinge anders: sie profitiert ĂŒberproportional von der Verschuldung. Je mehr „geleveraged“ – also verschuldet – eine Volkswirtschaft ist, desto mehr Profite fallen im Finanzsektor an.

2. In Ihrem Buch „Die Krise“ schreiben Sie, dass Schulden kein Wachstum erzeugen können. Das sieht die herkömmliche Wirtschaftswissenschaft anders, nach dem Motto: Ohne Schulden kein Wachstum. Warum stimmt das nicht?

Schulden sind zunĂ€chst nichts anderes als Verzicht auf kĂŒnftigen Konsum. NatĂŒrlich ist es so, dass Schulden die zu produktiven Zwecken gemacht werden bzw. wo der Schuldner die feste Absicht hat diese Schulden zu bedienen und zu tilgen das Wirtschaftswachstum fördern. Deshalb haben wir auch jahrzehntelang eine stabile Schuldenquote gehabt, also Relation aller Schulden in einem Land zum Bruttoinlandsprodukt. In den USA lag der Wert beispielsweise bei stabil rund 150% von 1950 bis 1980. Sobald aber immer mehr Schulden gemacht werden zum Konsum, ohne die Bereitschaft entsprechend mehr zu erwirtschaften um Zinsen und Tilgung zu bezahlen, beginnen die Schulden schneller zu wachsen als die Wirtschaft. Am Anfang dieser Entwicklung haben diese neuen Schulden durchaus einen positiven Effekt auf das Wachstum. Je höher die Schulden jedoch sind, desto geringer wird die Wirkung neuer Schulden. Man sieht also wie die Volkswirte sagen einen abnehmenden Grenznutzen. Beispiel USA: schaffte jeder neue Dollar Schulden in den 1950er Jahren noch rund 60 Cent zusĂ€tzliches BIP so liegt der Wert heute bei 10 Cent. Die Ursache dafĂŒr ist einfach: ein immer grĂ¶ĂŸerer Anteil der neuen Schulden dient dazu, bestehende Schulden zu bedienen – man leiht sich das Geld fĂŒr die Zinsen – und nicht mehr dazu zusĂ€tzlich zu konsumieren geschweige denn zu investieren. Die Folge ist immer schwĂ€cheres Wirtschaftswachstum und damit wird auch offensichtlich, dass die Schulden nicht mehr bedient werden können. Sobald die Wirtschaft nicht mehr wĂ€chst, fĂ€llt das SchuldengebĂ€ude in sich zusammen.
Wenn nun versucht wird, die Verschuldung wieder anzukurbeln um die Wirtschaft zu stimulieren ist das nichts anderes als die Fortsetzung der Politik der letzten 30 Jahre die uns in die Krise gefĂŒhrt hat. Schulden können nicht auf Dauer schneller wachsen als das Einkommen. Nicht bei Privaten, nicht bei Unternehmen und auch nicht beim Staat.

3. Die Politik der großen Notenbanken hat zu einer Inflation der Vermögenspreise gefĂŒhrt – die AktienmĂ€rkte sind auf Allzeithoch, die Immobilienpreise steigen etc. Stimmen Sie der These von Thomas Piketty zu, dass der Kapitalismus in seiner jetzigen Erscheinung diejenigen bevorteilt, die bereits ĂŒber Vermögen verfĂŒgen und so zu einem Auseinanderdriften der Gesellschaften fĂŒhrt?

NatĂŒrlich profitieren von einer Politik, die sich explizit zum Ziel gesetzt hat ĂŒber den „Vermögenseffekt“ die Wirtschaft zu stimulieren, nur jene, die ĂŒber Vermögen verfĂŒgen. FĂŒr diese Erkenntnis bedarf es keiner großen Analyse. Ich halte diese Politik fĂŒr gescheitert, weil es eben nicht zu einem nachhaltigen Schub fĂŒr die Realwirtschaft kommt. Dazu ist die Konsumquote der Vermögenderen einfach zu gering relativ zur Gesamtbevölkerung. Ich sehe auch die Gefahr, dass sich der Unmut in der Bevölkerung dadurch steigert, sobald klar wird, dass der breite Effekt eben nicht eintritt. Dabei ist zu betonen, dass wir hier vor allem von den USA und UK sprechen. In Deutschland ist der Effekt nicht so groß und angesichts der geringen Aktienquoten leiden die Sparer eher unter dem geringen Zinsniveau.
Die These von Piketty, dass es systemimmanent höhere Kapitalrenditen als das Wirtschaftswachstum gibt und deshalb die Vermögen immer schneller wachsen, ist empirisch nicht haltbar. Auf Dauer kann die Kapitalrendite nicht ĂŒber dem Wirtschaftswachstum liegen. Kurzfristig kann es durch die neuen Schulden zu einer Abweichung von dieser GesetzmĂ€ĂŸigkeit kommen. Aber niemals dauerhaft. Ich denke eher, dass Piketty ein politisches Buch geschrieben hat, was in den Zeitgeist passt, nicht eines was wissenschaftlich wirklich Bestand haben wird.

4. In Ihrem neuen Buch schreiben Sie, dass Sparen nicht hilft, um die Verschuldungsprobleme der Eurozone zu lösen. Demnach mĂŒsste ja die AusteritĂ€tspolitik Merkels fĂŒr Europa ein schwerer Fehler gewesen sein?

Jein. NatĂŒrlich kann die Antwort auf eine Krise die durch zu billiges Geld und zu viele Schulden verursacht wurde nicht lauten: weiter so! Insofern ist das Signal, dass wir nur helfen, wenn die Politik sich Ă€ndert, dass richtige. Das Problem ist nur, dass es bei einer so hohen Verschuldung unmöglich ist, sich aus der Krise heraus zu sparen. Historisch ist das Schweden gelungen, allerdings mit einer drastischen Abwertung der Krone und bei einer boomenden Weltwirtschaft. Heute haben wir einen festen Wechselkurs und die Situation in der die halbe Welt versucht ĂŒber Exporte das eigene Problem zu lösen. Da haben die LĂ€nder Europas schlechte Karten. Der Euro ist zu stark (auch weil Deutschland so stark ist) und jede Abwertung muss ĂŒber fallende Löhne und Preise, also Deflation, erfolgen. Das Problem ist nur, dass Deflation es den Schuldner noch schwerer macht, die zur Tilgung der Schulden erforderlichen Euro zu verdienen. Beispiel Spanien: da vermelden wir erfreut, dass das Land wieder wĂ€chst – real. Doch leider fallen die Preise, weshalb das nominale BIP schrumpft. Doch nur darauf kommt es an. Deshalb wirkt sparen in der Tat krisenverstĂ€rkend.

5. Sie plĂ€dieren in Ihrem neuen Buch fĂŒr einen Schuldenschnitt als einzige realistische Lösung der Verschuldungsproblematik, weil alle Trends gegen weiteres Wirtschaftswachsum sprechen. „Es wird keinen schmerzfreien Weg aus der Überschuldung geben“. Wie sollte ein solcher Schuldenschnitt aussehen?

ZunĂ€chst plĂ€diere ich nicht fĂŒr einen Schuldenschnitt weil ich besonders nett zu den Schuldnern und besonders böse zu den GlĂ€ubigern sein will. Ich bin einfach Realist wie auch in der Beratung von Unternehmen. Wenn ein Unternehmen zu viele Schulden hat, ist es fĂŒr alle Beteiligten besser, in der Sanierung zusammen zu helfen: die Mitarbeiter verzichten auf Gehalt und arbeiten lĂ€nger (=Sparen), die GlĂ€ubiger verzichten auf einen Teil der Forderungen (=Schuldenschnitt) und das GeschĂ€ftsmodell wird neu ausgerichtet (=Reformen). Die Alternative ist der Konkurs, bei dem alle Beteiligten mehr verlieren als bei der erfolgreichen Sanierung.
Auf Europa bezogen sollten wir den Anteil der Schulden von Staaten, Privaten und Unternehmen der nicht mehr bedient werden kann – ich schĂ€tze den Betrag auf rund 5 Billionen Euro – in einem Schuldentilgungsfonds gebĂŒndelt werden. Dies habe ich schon 2012 vorgeschlagen. Wenn wir diesen ĂŒber 20 Jahre gemeinschaftlich abbauen und Deutschland dabei LĂ€ndern wie Griechenland, Portugal, Irland und Spanien hilft, kommen wir geordnet aus dem Problem. Italien und Frankreich sind vermögend genug, um ihre Probleme selbst zu lösen. So unpopulĂ€r dies klingt, aber fĂŒr uns Deutsche wĂ€re dies die beste Lösung. Wir könnten fĂŒr unsere SolidaritĂ€t als Gegenleistung Reformen einfordern und wĂŒrden zugleich nicht unbeschrĂ€nkt fĂŒr die Zukunft haften, nur fĂŒr einen Teil der Altlast. Die Alternative sind entweder ZahlungsausfĂ€lle einzelner LĂ€nder oder aber ein Schuldentilgungsfonds durch die HintertĂŒr in dem die EZB die Wertpapiere aufkauft und ĂŒber Jahrzehnte abschreibt. Dann wĂŒrden bei uns 28% der Kosten landen – ohne eine einzige Gegenleistung. Ich fĂŒrchte aber die Politik wird diesen Weg gehen, aus Angst vor dem WĂ€hler, und damit den Schaden fĂŒr uns vergrĂ¶ĂŸern statt zu begrenzen.

6. Sie deuten in Ihrem Buch die Frage an, ob das derzeitige Geldsystem mit seinem Zentralbankmonopol gerechtfertigt sei – lassen die Frage aber offen. Was wĂ€re die Alternative zu diesem Monopol?

Das ist eine der spannendsten Fragen fĂŒr die Zeit nach der BewĂ€ltigung der Schuldenkrise. Wie verhindern wir eine Wiederholung? Die BefĂŒrworter von Vollgeld – also einer 100% Deckung allen Geldes durch Zentralbankgeld – wollen dem Bankensektor die Möglichkeit zur Schaffung von Geld aus dem Nichts nehmen. Dahinter steht die Motivation Kreditexzesse zu verhindern und natĂŒrlich auch die Überlegung bei der Systemumstellung elegant die Altschulden zu bereinigen. Auf der anderen Seite steht die österreichische Schule der Nationalökonomie die den Ideen Hajeks folgend eine völlige Privatisierung der Geldschöpfung mit konkurrierenden WĂ€hrungen fordert, natĂŒrlich gepaart mit der Möglichkeit, dass Banken auch Konkurs gehen können. Die einen sehen Disziplinierung durch den Staat, die anderen durch den Markt. Heute haben wir beides nicht. Wir haben einen ungebremsten Markt, weil die Risiken der Staat trĂ€gt. Politisch durchaus gewĂŒnscht, weil die Politiker sich immer freuen, wenn die Wirtschaft floriert, egal ob ScheinblĂŒte durch Schulden oder nicht.
Ich selber wĂŒrde eine Kombination der beiden AnsĂ€tze bevorzugen. Zentralbankgeld sollte einen höheren Anteil haben, allerdings nur die Sichteinlagen bei Banken und das Bargeld umfassen. Banken wĂŒrden den BĂŒrgern dann fĂŒr diese Aufbewahrung keine Zinsen zahlen, sondern im Gegenteil GebĂŒhren erheben. Alles andere wĂ€ren dann bewusste Investitionen der Sparer, mit Rendite und Risiko. Also quasi ein Vollgeld-Monopol als GrundsĂ€ule und einen Wettbewerb der Banken auf der Ebene darĂŒber. NatĂŒrlich mit der Möglichkeit bei Scheitern auch Konkurs zu gehen. Die Sichteinlagen wĂ€ren davon ja nicht betroffen. Ich denke es wĂŒrde sich lohnen mehr in diese Richtung zu denken.

7. Was mĂŒsste die Politik jetzt tun? Glauben Sie, dass die Politik wirklich in der Lage ist, die Probleme effizient anzugehen?

Angesichts der Entscheide der letzten Monate und des Theaters welches uns derzeit in BrĂŒssel geboten wird, bin ich sehr skeptisch. Ich denke eher, dass wir in Deutschland unsere Interessen falsch vertreten und deshalb am Ende einen ziemlich großen Schaden davontragen werden. Je lĂ€nger das Spiel auf Zeit fortgesetzt wird, desto grĂ¶ĂŸer wird er.

 

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Allgemein

Tribalisierung statt Globalisierung: Eine Generation geht verloren

Die Globalisierung steht am Beginn eines großen RĂŒckschlags – und eine ganze Generation ist gezwungen, ihre eigenen Werte zu verraten..

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am

Von Markus Fugmann

Ich bin 1969 geboren und entstamme damit einer Generation, die grundsĂ€tzlich optimistisch veranlagt ist. Als wir erwachsen wurden, fiel die Mauer, ging die Sojwetunion unter und verschwanden damit gefĂŒhlt alle Grenzen, die unseren Drang nach (Bewegungs-)Freiheit begrenzt hatten. Als Jugendliche fĂŒrchteten wir die Atomkraft, fĂŒrchteten, dass uns Atombomben auf den Kopf fallen – wie einst die Gallier, dass ihnen der Himmel auf den Kopf fiele.

All das ist nicht passiert. Und mit dem Ende der Sojwetunion und damit dem Ende des Kalten Krieges stand uns die Welt offen, schien eine Art ewiger Frieden erreicht, gewissermaßen das Ende der Geschichte (Fukujama). Wir reisten, probierten uns und das andere Geschlecht aus, alles war möglich, die Globalisierung kam, wir nutzten als erste Generation den Computer, lernten in der Schule programmieren, nutzten das Internet – und drĂ€ngten heraus in die Welt. Diese Welt, so schien es, wĂ€chst zusammen – und wir fanden das gut so, weil es das Spektrum unserer Möglichkeiten vergrĂ¶ĂŸerte.

Nun aber, zu einer Zeit, in der normalerweise diese Generation an die entscheidenden Schaltstellen der Gesellschaft in Politik und Wirtschaft gelangt, haben wir das GefĂŒhl, wir sind irgendwie von gestern. Schon die heute Mitte 30-jĂ€hrigen sind von uns grundsĂ€tzlich verschieden: ja, man kann ins Ausland gehen, aber man will dann zurĂŒck kommen, heiraten und ein Haus bauen. Das war so ziemlich das Letzte, was noch unserer Generation als Ideal vorschwebte. Diese Sehnsaucht nach Heimeligkeit war uns fremd, sie ist aber wohl die logische Konsequenz fĂŒr eine Generation, die das Internet mit der Muttermilch aufgesogen hat und die nun ein BedĂŒrfnis nach kuscheliger WĂ€rme hat – und der es reicht, sich auf Google Maps jene Orte anzuschauen, zu denen wir noch gereist sind.

Es gibt bei dieser jĂŒngeren Generation eine Tendenz zur Abschottung – ebenso wie in den großen Strömungen des Zeitgeists, der sich derzeit Bahn bricht. Dass derzeit rechskonservative Strömungen aufkommen, ist kein Zufall. Das Rad der Geschichte dreht sich gewissermaßen zurĂŒck, es gibt einen klaren Gegentrend zur Globalisierung, den ich als „Tribalisierung“ (RĂŒckbesinnung auf den eigenen „Stamm“) bezeichne: ob Trump in den USA, die AfD in Deutschland, die FPÖ in Österreich, Le Pen in Frankreich etc. – das Motto lautet: wir schotten uns ab!

Rechtskonservative Bewegungen hat es auch frĂŒher gegeben seit dem Ende des Kalten Krieges – aber sie waren irgendwie aus der Zeit gefallen und hatten daher keine Chance. Diesmal ist das anders. Denn eines ist klar: die massenhafte Immigration nach Europa ist kein Thema, das vorbei gehen wird. Im Gegenteil: es wird immer dringender!

Was wir mit syrischen BĂŒrgerkriegsflĂŒchtlingen erlebt haben, ist nur der Auftakt, sie sind nur die Vorhut fĂŒr weit grĂ¶ĂŸere Ströme nach Europa. FlĂŒchtlingsströme aus Syrien oder dem Nahen Osten werden irgendwann abebben – der Nahe Osten ist nicht unser grĂ¶ĂŸtes Problem. Dagegen werden sich bald FlĂŒchtlingsströme aus Afrika massiv intensivieren, schon aus demografischen GrĂŒnden: Afrikas Bevölkerung wird sich bis 2050, also in nur 35 Jahren, von einer Milliarde auf dann zwei Milliarde verdoppeln – nicht weil Afrikanerinnnen mehr Kinder bekĂ€men als frĂŒher – im Gegenteil. Nur die Zahl afrikanischer Frauen im gebĂ€hrfĂ€higen Alter wird aufgrund der demografischen Struktur in den afrikanischen LĂ€ndern bald stark nach oben schießen.

Und weil es faktisch keine Perspektive dafĂŒr gibt, diese stetig steigende Bevölkerung ausreichend zu versorgen bzw. Jobs zu schaffen, wird ein nicht geringer Teil dieser Menschen nach Europa drĂ€ngen als einzig logisches underreichbares Ziel. Es geht hier um viele Millionen Menschen, vor allem junge MĂ€nner, die in ihren HeimatlĂ€ndern faktisch keine Chance haben, Jobs zu bekommen und Familien zu grĂŒnden. Und wir werden uns nicht anders zu helfen wissen, als eine Festung Europa zu errichten, weil diese Einwanderungsströme selbst beim besten politischen Willen nicht zu handhaben sind.

Und vermutlich wird es exakt meine Generation sein, deren Vertreter dann an der Macht sind, die diesen Festungsbau anordnen und ausfĂŒhren wird. Weil es nicht anders geht, ob man will oder nicht. Und genau deswegen haben die rechskonservativen Strömungen, die genau das jetzt schon fordern, Zukunft. Sie thematisieren das, was auf uns zukommen wird, wollen HomogenitĂ€t, Sicherheit, etablierte, vor-globalisierte Strukturen zurĂŒck – also all das, was meine weltoffene Generation ĂŒberwiegend eigentlich nicht will. Und trotzdem wird es meine Generation sein, die faktisch die Voraussetzungen dafĂŒr schaffen wird.

Darin besteht eine gewisse Tragik: man ist gezwungen, die eigenen Werte zu verraten. Und insofern geht eine Generation verloren, die mit ihrer HumanitĂ€t und ihrer Offenheit aus der Zeit zu fallen beginnt. Die Zeiten, in denen die Welt noch offen stand, sind jedoch offenkundig vorbei, die Globalisierung weicht der Tribalisierung. Vielleicht wĂ€chst dann wenigstens das VerstĂ€ndnis dafĂŒr, dass wir in Europa alle in einem, demselben Boot sitzen – und es gar keine Alternative zu einer wie auch immer definierten europĂ€ischen Gemeinschaft gibt..

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Europa

TschĂŒĂŸ deutsche Immobilienblase! Wohnimmobilienkreditrichtlinie: weniger Kredite, fallende Preise!

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am

Von Markus Fugmann

Die Preise fĂŒr Wohnimmobilien in deutschen GroßstĂ€dten steigen und steigen – in den letzten fĂŒnf Jahren alleine um 45%! Aber damit könnte, damit wird wohl eher bald Schluß sein. Der Grund: die Wohnimmobilienkreditrichtlinie (WKR), die am 4. Februar 2014 von der EU beschlossen wurde und binnen zwei Jahren, sprich jetzt, in die nationale Gesetzgebungen umzusetzen ist (fĂŒr Deutschland siehe die Texte hier). In dieser Woche werden erste Banken in Deutschland beginnen, diese Richtlinie umzusetzen – mit vermutlich dramatischen Konsequenzen fĂŒr den deutschen Immobilienmarkt.

Dabei wird die Umsetzung dieser Richtlinie von den Banken nicht an die große Glocke gehĂ€ngt – mit gutem Grund. Denn diese Richtlinie wird dazu fĂŒhren, dass deutsche Banken deutlich weniger Kredite fĂŒr Wohnimmobilien vergeben werden als zuvor. Denn mit dieser Richtlinie sind die Banken in der Haftung, wenn sie ĂŒber die Risiken des Immobilienerwerbs nicht ausreichend aufgeklĂ€rt haaben. Und: mit dieser Richtlinie gilt, die RĂŒckzahlung des Kredits durch den Kreditnehmer muss ĂŒber die gesamte Laufzeit wahrscheinlich sein – in einigen LĂ€ndern wie UK oder Schweden zahlen die Kreditnehmer meist nur die Zinsen, tilgen aber nicht die Schulden an sich, da man von immer weiter steigenden Immobilienpreisen ausgeht.

In Deutschland ist das anders, aber dennoch sind viele Kredite auf „Kante genĂ€ht“, also sehr knapp kalkuliert. Kommt etwas dazwischen (Krankheit, Scheidung, BerufsunfĂ€higkeit) schaut es schlecht aus – bislang haben Banken diese Risiken in Kauf genommen, nun wird der Fokus verĂ€ndert: der Kunde muß unterschreiben, dass er sich solcher Risiken bewußt ist. Da Banken ab jetzt in der Haftung sind, könnte etwa ein Kunde, der nĂ€chsten Monat einen Immobilienkredit mit einer Bank abschließt, gegen die Bank klagen, wenn etwa klar wird, dass der Kunde gar keine ausreichende Rente erzielen wird um dann den Kredit bedienen zu können.

Also werden die Banken vorsichtiger und darauf drĂ€ngen, dass der Kunde etwa eine BerufsunfĂ€higkeitsversicherung abschließt, deren AusschĂŒttung so hoch ist, dass er selbst im Falle einer BerufsunfĂ€higkeit die Kredite bedienen kann. Aber das wird teuer fĂŒr die Kunden, das Geld, das so in die BerufsunfĂ€higkeitsversicherung fließt, fehlt wiederum als disponibles Cash fĂŒr einen Kredit. Gleichzeitig deutet sich an, dass die Banken bei der Berechnung dessen, wieviel etwa eine 4-köpfige Familie monatlich zum Leben braucht, die SĂ€tze steil nach oben gehen werden: bislang liegt dieser Wert ca. bei 600 Euro pro Erwachsenem, inklusive zwei Kindern wird dann meist ein Wert von 1500 Euro veranschlagt.

Nach unseren Informationen aus Bankenkreisen wird dieser Wert deutlich nach oben gehen auf ca. 1800 Euro – damit haben die Kreditnehmer deutlich weniger „Luft“ fĂŒr den Kredit. Und gleichzeitig werden die Banken auf eine erhöhte Tilgungsrate drĂ€ngen – eben weil es wahrscheinlich sein muß, dass der Kredit zu Lebzeiten auch voll zurĂŒck gezahlt werden kann. Das bedeutet im Klartext: die monatlichen Tilgungsraten werden deutlich steigen. SchĂ€tzungen gehen von einem Anstieg von 50% aus – das wĂŒrde bedeuten, dass wer bislang 1400 Euro pro Monat zahlte, nun ca. 2100 Euro monatlich berappen muß zur Tilgung des Kredits. Und das ist ein KO-Kriterium fĂŒr viele Kreditwillige!

Nach Angaben von informierten Bankenkreisen geht man innerhalb der deutschen Banken davon aus, dass sich die Zahl der vergebenen Immobilien-Kredite so um 50% reduzieren dĂŒrfte, also faktisch nur noch jeder Zweite einen Kredit bekommen wird, der zuvor kreditwĂŒrdig war! Was das fĂŒr die Preisentwicklung von Immobilien bedeuten wird, kann man sich ausrechnen!

Aber das eigentliche Problem wird dann noch auf viele Kreditnehmer zukommen, die in ihren VertrĂ€gen mit der Bank keine „Prolongierung“ vereinbart haben – das gilt vor allem fĂŒr viele Privatbanken wie etwa die ING Diba, Sparkassen dagagen haben meist eine Kreditanschlußgarantie gewĂ€hrt, was das Problem wesentlich entschĂ€rft, da die VertrĂ€ge dann nach alter Rechtslage behandelt werden.

Ohne Prolongierung bedeutet: der Kreditvertrag wurde etwa fĂŒr 10 Jahre ausgehandelt und muß dann neu verlĂ€ngert werden. Bei dieser VerlĂ€ngerung muß der Kunde dann gemĂ€ĂŸ der neuen Richtlinie nicht nur seine Kostenstruktur lĂŒckenlos nachweisen (was bei Privatbanken meist bislang nicht erforderlich war). Die Wohnimmoblienkreditrichtlinie wird auch dafĂŒr sorgen, dass sowohl die Tilgungsrate nach oben geht als auch die Anforderungen an die KreditwĂŒrdigkeit deutlich steigen werden, eben damit die RĂŒckzahlung des Kredits „wahrscheinlich“ ist. Wessen Kredit bislang „knapp auf Kante genĂ€ht“ war, dĂŒrfte also kaum mehr einen Anschlußkredit bekommen, wenn sich seine Einkommenssituation in der Zwischenzeit nicht deutlich verbessert haben wird. Und das bedeutet: viele werden dann mit leeren HĂ€nden dastehen, ihre Immoblie wird zwangsversteigert, da die Anschlußfinanzierung nicht gelingt. Mit der Zunahme von Zwangsversteigerungen wiederum werden die Preise fĂŒr Wohnimmobilien vor allem in GroßstĂ€dten unter Druck geraten.

Daher: es ist Zeit, der Immobilienblase in deutschen GrostĂ€dten „tschĂŒĂŸ“ zu sagen. Die Flucht in Betongold ist meist mit dem Eingehen von Klumpenrisiken verbunden, die den Sicherheitssuchenden nicht einmal bewußt sind. Jede Wette, dass viele Kreditnehmer, die keine Prolongierung in ihren VertrĂ€gen vereinbart haben, sich der neuen Gesetzeslage und der damit verbundenen Änderung der Praxis bei der Kreditvergabe nicht einmal bewußt sind. Da wird es fĂŒr Tausende ein böses Erwachen geben..

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Aktien

Exklusiv-Interview mit Florian Homm: „Unser Finanzsystem – Tod auf Raten oder Implosion“

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Von Markus Fugmann

Florian Homm war eine GrĂ¶ĂŸe in der Hochfinanz: extrem erfolgreich vor allem durch Short-Spekulationen, spielte er in der Champions League der FinanzmĂ€rkte. Dann der Absturz – die VorwĂŒrfe gegen ihn dĂŒrften bekannt sein und mĂŒssen hier nicht noch einmal thematisiert werden. Nach dem Motto „Ist der Ruf erst runiert, lebt es sich gĂ€nzlich ungeniert“ hat Homm ein Buch geschrieben mit dem Titel „“Endspiel. Wie Sie die Kernschmelze des Finanzsystems sicher ĂŒberstehen“. Es zĂ€hlt zum Besten, was ich bisher gelesen habe. Kurz, knackig, Meinungs-freudig, allgemein-verstĂ€ndlich ohne zu banalisieren. FĂŒr Homm ist eines klar: unser Finanzsystem wird implodieren – oder einen langsamen Tod sterben.

Florian Homm 1
(FĂŒr das Foto danken wir Michael Uhlemann)
Im Gegensatz zu anderen „Crash-Autoren“ bietet Homm auch Lösungen an – originelle Lösungen. Was die Aussagen Homms so wertvoll macht, ist, dass ein absoluter Insider, der im Zentrum des „Geldadels“ war, nun als Außenseiter schreibt, der nichts mehr zu verlieren hat. Wenn Wahrheit entstehen kann, dann aus einer solchen Konstellation!

 

1. Finanzmarktwelt.de: Herr Homm, in Ihrem Buch „Endspiel. Wie Sie die Kernschmelze des Finanzsystems sicher ĂŒberstehen“ antizipieren Sie den baldigen Crash eben dieses Finanzsystems. Nun haben die FinanzmĂ€rkte seit Jahresbeginn eine crashartige Bruchlandung erlebt. Ist das bereits der Beginn des“Endspiels“? Warum wird es zwangslĂ€ufig zu diesem Endspiel kommen mĂŒssen?

Florian Homm: Es gibt nur zwei mögliche Szenarien. Ein relativ abrupter Crash oder die Japanische Konstellation. Das Letztere bedeutet null Wachstum, null Zinsen verbunden mit einem konstanten Anstieg der Staatsverschuldung und einer schwachen WĂ€hrung: also ein langsamer Tod auf Raten. Ich tendiere momentan eher zum Implosions Szenario, da die Gefahrenherde an Frequenz, Dimension und Vehemenz deutlich erkennbar zunehmen. Damit meine ich, unter anderem, Problem-Banken, Emerging Market Debt, Insolvenz- und Bankrottrisiken und so weiter. Es gibt keine Alternative zu diesen beiden Szenarien. In der gesamten Weltwirtschaftsgeschichte – bei derartig hohen Schulden verbunden mit wertlosem „Papiergeld“ –  gab es noch nie eine andere Lösung als massive Repression, Geldentwertung und sehr oft radikale WĂ€hrungsreform. 

2. Finanzmarktwelt.de: Sie sprechen in Ihrem Buch vom Irrtum der Notenbanker, die durch Gelddrucken die Deflation nicht aufhalten können, weil sie das zurĂŒckhaltende Konsumverhalten der alternden Babyboomer nicht einkalkulieren. Noch wesentlicher aber scheint uns der deflationĂ€re Druck der globalisierten Internetökonomie, durch die zahlreiche Branchen dem Untergang geweiht sind und globaler AbwĂ€rtsdruck auf Löhne entsteht. Sind die Notenbanker schlicht ideologisch zu verbohrt, um sich einzugestehen, dass Negativzinsen oder QE die Probleme gar nicht beheben können?

Florian Homm: Ich möchte jetzt nicht die diversen KausalitĂ€ten der Deflation gewichten, aber Ihr Argument, dass das Internet ein Inflationskiller ist, hat selbstverstĂ€ndlich Hand und Fuss. Die „Notenbankster“ leiden unter diversen Störungen:

Einerseits sehen sie sich als allmĂ€chtige Weltretter. Nur durch ihr Einschreiten konnte das System 2008 / 2009 vor dem Kollaps gerettet werden. Das ist grober Unfug. Gelegentlich muss ein faules und infiziertes System bereinigt werden. Diese systemischen Fehler nicht zu beheben oder zu behandeln, vergrĂ¶ĂŸert nur das zukĂŒnftige Debakel. Störung Nummer 1: GrĂ¶ĂŸenwahnsinn und SelbstĂŒberschĂ€tzung.

Andererseits sind die meisten Notenbanker ehemalige Banker und dienen primĂ€r Ihren ehemaligen Kollegen und Arbeitgebern. „Man weiss ja nie“, denken die sich. Es kommt sehr hĂ€ufig vor, dass ehemalige Notenbanker wieder im Investment Banking Fuss fassen wollen. Die FED, die amerikanische Notenbank, ist im Privatbesitz diverser Banken. Die EZB und FED werden von ex Goldman Leuten gefĂŒhrt. Diese Damen und Herren orientieren sich doch nicht an den BedĂŒrfnissen der breiten Masse. Störung Nummer 2: Nepotismus und erhebliche Interessenkonflikte.

Die Zukunft der Menschheit wird aktuell auf Basis von theoretischen ökonomischem Modellen a la John Maynard Keynes durch analytisch, emotional und wissenschaftlich  ĂŒberforderte Theoretiker determiniert. Zudem werden Massnahmen ergriffen, die seit ĂŒber 2 Jahrzehnten in Japan nichts gebracht haben und zur eklatanten, destruktiven Überschuldung gefĂŒhrt haben. 2 Jahre NIRP (negative interest rate policy) in Europa, und 8 Jahre ZIRP (zero interest rate policy) in den USA zeigen deutlich, dass diese Massnahmen gescheitert sind. Wer das nicht glaubt, sollte sich mal etwas genauer die lockere Geldpolitik der Bank of Japan seit dem grossen Nikkei Crash vor mehr als 20 Jahren anschauen. Störung Nummer 3:

Stupides, blindes, rechthaberisches Festhalten an rein theoretischen, eindeutig gescheiterten Konzepten. Das kann man auch Verbohrtheit nennen.

3. Finanzmarktwelt.de: Sie schreiben, dass der „Geldadel“ der faktische Machthaber sei, Politiker nur die Marionetten. Sie waren einst sehr reich und Teil dieses Geldadels – können Sie diese These illustrieren, etwa durch persönliche Erfahrungen, die Sie gemacht haben?

Florian Homm: Diese Netzwerke laufen auf nationaler, regionaler und globaler Basis. Bekannte globale Gremien fĂŒr die Politik und den Geldadel sind die Bilderberg Stiftung und zum Teil auch das World Economic Forum. Man muss auch unterscheiden zwischen dem hochsituierten Management und den sehr großen AktionĂ€rsgruppierungen und globalen Unternehmern. Die Letzteren haben viel mehr Macht. Einige Financiers, Hedge Fund Manager gehören auch zum Geldadel. 

Schauen Sie sich einfach die Namen der 2000 reichsten WeltbĂŒrger an oder die wesentlichen EigentĂŒmer der 2000 grĂ¶ĂŸten börsennotierten Unternehmen. Diese „Player“ kommunizieren exzellent untereinander, um das Spielfeld so vorteilhaft zu gestalten wie möglich. Dazu gehören massive Lobby-Ausgaben. Es gibt eine bemerkenswerte Analyse, die zeigt, dass die 30 amerikanischen Unternehmen, die am meisten in den Lobbyismus investieren, in der Summe ĂŒberhaupt keine Steuern zahlen. In den USA sind die Republikaner und Demokraten von verschieden Unternehmensgruppierungen mehr oder weniger legal gekauft. Die Wahlen sind somit reine Illusionen der Demokratie. Der WĂ€hler kann nur entscheiden welche Lobby- Gruppe er wĂ€hlt. Bei uns ist das leider auch zunehmend so. 

In diesem Umfeld bewegte ich mich als relativ kleiner, aufstrebender Hai, eher projektspezifisch als Investment Banker, Wagniskapital Financier oder Hedge Fonds Manager. Zugang zu sehr wichtigen Playern hatte ich schon, auch privat. Einige der Spielwiesen um diese Kontakte zu hegen und pflegen sind Porto Cervo, St. Tropez, Sankt Moritz, den Hamptons, London, New York, Moskau, St. Bartholomew und so weiter. Über die Namen meiner aktuellen und ehemaligen Kunden rede ich seit drei Jahrzehnten nicht. Politisch habe ich die PrĂ€sidentschaftswahl der StaatsprĂ€sidentin von Liberia und NobelpreistrĂ€gerin Ellen Sirleaf Johnson unterstĂŒtzt. In Deutschland habe ich einen Beitrag zur Sanierung der sehr maroden Finanzlage der FDP geleistet. 

4. Finanzmarktwelt.de: Wir erleben derzeit einen regelrechten Kontrollverlust der Notenbanken und anderer zentraler Akteure des Finanzsystems: so fĂŒhrte etwa die Bank of Japan Negativzinsen ein, und dennoch erlebt der Yen eine Art „AufwĂ€rts-Crash“. Big Player wie Goldman Sachs machen riesige Trading Verluste, weil ihre Trades auf dem Glauben an die Allwirksamkeit der Notenbanken aufgebaut waren. Sie haben immer noch Kontakt zu Mitgliedern des Geldadels – herrscht in diesen Kreisen bereits Panik?

Florian Homm: Nicht alle Mitglieder des Geldadels sind bornierte, seelenlose, raffgierige Vollidioten. Mittlerweile verstehen recht viele Player, dass dieser endlose Raubzug des Kapitals wenig GlĂŒck und ErfĂŒllung bringt. Viele lateral denkende und smarte Mega-Reiche sehen das Debakel und die Geldschmelze als Chance, und sind mit ihren Milliardenvermögen zunehmend marktneutral oder tendenziell short positioniert. Leverage wurde reduziert und  minderwertige Assets abgestossen. Panik gibt es natĂŒrlich auch, prinzipiell bei den Akteuren, die an die Notenbank-Allmacht geglaubt haben oder an Ihre Investment-Banker.

5. Finanzmarktwelt.de: Sie schreiben: „Das Pulver ist bereits verschossen. Das System muß sich endlich auskotzen und dann von Grund auf wieder rekonstruieren(..). Griechische ZutĂ€nde sind dann, selbst bei uns in Deutschland, unvermeidbar“. Dagegen glaubt die ĂŒberwĂ€ltigende Mehrheit der Deutschen noch, sie lebten auf einer Insel der GlĂŒckseligen und fĂŒhlen sich nur durch ein paar FlĂŒchtlinge gestört. Wie wird in Deutschland die Bevölkerung reagieren, wenn sie dann schließlich ahnt, was auf siezukommen wird? Teilen, Verzicht, Demut – all das scheint fĂŒr 99% unserer Gesellschaft doch noch sehr weit weg zu sein..

Florian Homm: Schauen wir uns doch mal unsere Exporte an. Über die HĂ€lfte geht nach China, in EntwicklungslĂ€nder und Problemstaaten in der EU. Die Wirtschaft in den USA wird seit fast 8 Jahren mit der grĂ¶ĂŸten Marktmanipulation der Weltgeschichte kĂŒnstlich aufgepĂ€ppelt. Das funktioniert nicht ewig, wie bereits deutlich zu erkennen ist.

Bei einer wirtschaftlichen globalen Capex (Capital Expenditure) Rezession oder Depression, wer soll denn dann noch Engineering made in Germany kaufen? 

Deutschland profitiert derzeit von niedrigen Zinsen, niedrigen Öl/Rohstoff (Input) Preisen und einem recht schwachen Euro. Besser kann es nicht laufen. Noch lĂ€uft die Binnenkonjunktur noch gut, aber viele Mikrozahlen indizieren bereits eine dramatische Verlangsamung im Export. Glauben Sie der Baltic Freight Index oder der Bloomberg Commodity Index lĂŒgt? Es riecht förmlich nach einer globalen Rezession. Seit dem Sommer 2016 empfehlen wir unseren Kunden: Sell on the good news, go away and do not come back for a very, very long time. Uns steht ein Paradigmen-Wechsel bevor, und die Epoche des ungedeckten Papier Geldes geht nach 44 Jahren seinem Ende zu. Und vor diesen bedrohlichen Megatrends soll Deutschland isoliert sein? Please!!

 

6. Finanzmarktwelt.de: Sie sagen, Sie seien nun viel glĂŒcklicher als zu den Zeiten, als Sie reich, aber als workaholic extrem gestreßt waren. Damals, so sagen Sie, dienten Sie nur dem Mammon, nun dem Menschen. Hatten Sie eine Art „Saulus zum Paulus-Erlebnis“? Brauchte es eine Art „persönlichen Crash“, wie Sie ihn erlebt haben, um zu dieser Einsicht zu gelangen?

Florian Homm: Meine Bekehrung war graduell, aber es gab auch einige SchlĂŒsselergebnisse. Irgendwann habe ich Jesus und Maria gebeten mich zu Ihnen zu nehmen oder mir die Möglichkeit zu geben Ihnen zu dienen. Meine Gebete wurden erhört. Ich war der erste AuslieferungshĂ€ftling, der seit 3 Jahrzehnten nicht von Italien in die USA ausgeliefert wurde. Ich empfehle Ihnen 225 Jahre Knast oder das Testimonial auf meiner persönlichen Webseite (www.florianhomm.org) zu lesen. 

7. Finanzmarktwelt.de: Eine Fernsehdokumentation ĂŒber Sie hatte den Titel „Der Kapitalist Gottes“, unter Anspielung auf Ihre Hinwendung zum Christentum. In Ihrem Buch aber schreiben Sie, dass Sie „Die Linke“ wĂ€hlen werden. Warum? Schließlich dĂŒrfte das fĂŒr die mittelstĂ€ndischen Unternehmer, die Sie als Garanten des Wohlstands in Deutschland beschreiben, das Leben deutlich erschweren..

Florian Homm: Die Frage macht Sinn, denn die nahezu totale Erbschaftssteuer, die die Linke propagiert, fördert die amorphen, globalen, ĂŒbermĂ€chtigen, steueroptimierten Konglomerate. Auch beim Thema Wagniskapital ist die Linke dĂŒnn besetzt. Aber was Banken-Regulierung, WĂ€hrungspolitik, TTIP, die gesunde Streuung von Vermögenswerten und Wirtschaftsprognosen betrifft, sind Gysi und Wagenknecht weitaus kompetenter als CDU, CSU und SPD BĂŒrokraten. Nur die Linke weist zur Zeit effektiv auf gravierende fundamentale Fehler in unserer Finanz und Wirtschaftspolitik hin. Eine stĂ€rkere Linke ist dringend notwendig, damit die BĂŒrger ein fundiertes, analytisches Pendant zur Propaganda der Regierenden und des Geldadels haben. 

Endspiel

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