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Immobilien: Ist der Zug schon abgefahren?

Hannes Zipfel

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am

Die Preise für deutsche Immobilien (und vor allem Wohnimmobilien) stiegen parallel zu der aggressiven Geldpolitik der EZB als Reaktion auf die Finanz- und Eurokrise stark an. Zuletzt mehren sich die Warnungen vor einer Immobilienblase. Worauf muss man besonders achten, wenn man jetzt noch kaufen möchte? Und gibt es noch attraktive Standorte?

Immobilien Beispielfoto Haus
Foto: pixabay / Free-Photos

Zinsen für Immobilien runter, Preise rauf

Um die Folgen der großen Finanzkrise und der dadurch ausgelösten Eurokrise zu bekämpfen, hat die EZB den Leitzins massiv gesenkt: von 4,25 Prozent Ende 2008 auf aktuell 0 Prozent. Parallel dazu wurden von den Zentralbanken durch massenhafte Ankäufe von Staatsanleihen auch die Renditen am langen Ende der Zinsstrukturkurve in den Boden gestampft – bis hin zu Negativzinsen bei deutschen Staatsanleihen. Die Hypothekenzinsen, die sich stark an den Kupons der langlaufenden Staatsanleihen orientieren, sind im Zuge dessen ebenfalls abgestürzt und liegen aktuell bei entsprechender Bonität schon unter 0,5 Prozent pro Jahr. Dieser Zinsschwund, gepaart mit ausländischen Kapitalzuflüssen sowie dem Nachfrageschub durch das Baukindergeld, trug zu dem noch laufenden Immobilienboom in Deutschland maßgeblich bei.

Immobilien Renditen vs Zins

Neben dem massiven Absinken der Kosten für Baudarlehen wirkt auch der vermehrte Wunsch der Deutschen nach Wohneigentum preistreibend. Nach einer Umfrage von LSB Research aus dem Jahr 2019 wollen 52 Prozent der Mieter in Deutschland lieber im Eigenheim wohnen. Hier spielt auch das Preismomentum eine Rolle (steigende Preise lassen Vermögenswerte attraktiv erscheinen). Aber vor allem der schwindende Unterschied zwischen Mietzahlungen und Finanzierungskosten führte zum Umdenken der Deutschen in Sachen Immobilienbesitz. Ein weiterer preistreibender Faktor ist die Urbanisierung, die den Preistrend in den deutschen Metropolen überdurchschnittlich verstärkt hat. Dies gilt besonders für Städte wie München, Stuttgart und Frankfurt. Der Unterschied in der Immobilienpreisentwicklung zwischen Stadt und Land wird laut einer Studie des DIW in den nächsten zehn Jahren noch gravierender. Die Preise könnten gemäß dieser Studie auf dem Land um bis zu 25 Prozent sinken, in ländlichen Gebieten Ostdeutschlands sogar um bis zu 50 Prozent. Wobei dieser Trend stark von der wirtschaftlichen Entwicklung und dem Angebot gut bezahlter Arbeitsplätze abhängt.

Als Sondereffekt trugen laut Institut der deutschen Wirtschaft (IWD) auch die Migrationspolitik der Bundesregierung und der dadurch verschärfte Mangel an bezahlbarem Wohnraum zu den Preissteigerungen bei. Bleibt das Zinsumfeld in Folge der sich immer weiter drehenden Schuldenspirale so extrem niedrig wie jetzt oder fallen die Hypothekenzinsen wie in Skandinavien sogar nominal unter null, dann bleiben Immobilien in Deutschland auch in Zukunft stark nachgefragt.

Selektion bei Immobilien wird immer wichtiger

So wie sich die Diskrepanz in der Preisentwicklung zwischen Stadt und Land weiter herausbildet, muss man auch die unterschiedlichen Marktentwicklungen zwischen den Metropolen beachten. Berlin wächst aktuell aufgrund seiner ausgeprägten Orientierung auf den Dienstleistungssektor deutlich stärker, als das durch Automobilproduktion geprägte Stuttgart. Gemäß dem Dr. Klein Trendindikator Immobilienpreise 2019 ist die Dynamik in diesem Jahr in Berlin, Hamburg und Dresden schon höher als in München, Frankfurt und Stuttgart. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und Perspektiven eines Standortes spielen also eine große Rolle. Umso wichtiger ist es, diese bei der Auswahl des Standortes mit zu berücksichtigen.

Neben dem Standort spielt auch die Qualität der Immobilien in Sachen Baumaterialien, Haustechnik und Wärmeeffizienz eine Rolle. Teure Anschaffungskosten schmälern das Budget für nachträgliche Investitionen in das Objekt. Die Kosten für Sanierung, Umbau, Reparaturen und Renovierungen sind zusammen mit den Immobilienpreisen massiv angestiegen, das Gegenteil gilt für die Verfügbarkeit von Handwerkern, diese ist massiv gesunken. Selbst bei essenziellen Reparaturen, wie z. B. an der Heizungsanlage oder den Sanitäreinrichtungen, muss man sich auf Wartezeiten von bis zu 12 Monaten einstellen. Auf diese herausfordernden Bedingungen sollte man sich bereits im Vorfeld des Kaufs einer Immobilie einstellen und ein entsprechendes Budget vorhalten.

Eine exemplarische Standort-Perle

Eines zeigen alle aktuellen Studien: Die tief hängenden Früchte am deutschen Immobilienmarkt sind bereits gepflückt. Wer jetzt noch Geld in den schon recht reifen Zyklus investieren möchte, der muss umso gewissenhafter selektieren. Eine Möglichkeit, jetzt noch zukunftsträchtige Objekte zu finden, ist der Fokus auf Regionen und Städte mit anhaltenden wirtschaftlichen Sonderentwicklungen. Diese gibt es in ganz Deutschland. Exemplarisch sei hier die direkt an den Südwesten Berlins angrenzende Landeshauptstadt Potsdam genannt – eine in jeder Hinsicht ungewöhnliche ostdeutsche Stadt.

Mit dem höchsten Wachstum aller ostdeutschen Städte, einer seit Jahren wachsenden Bevölkerungszahl und einer Arbeitslosenquote von unter drei Prozent (Vollbeschäftigung) kann es das „schicke“ Potsdam mit jeder westdeutschen mittelgroßen Stadt aufnehmen. Die Prosperität der königlichen Residenzstadt fußt auf mehren nachhaltigen Faktoren, die den Standort sehr attraktiv machen. Die Einwohnerzahl ist seit dem Jahr 2000 von 139.695 auf aktuell 180.353 gestiegen. Wobei überdurchschnittlich viele Menschen aus den alten Bundesländern (inkl. Westberlin) in die Landeshauptstadt umziehen und Wohnraum nachfragen. Vor allem gut betuchte Westberliner sehen in der Berliner Vorstadt eine attraktive Alternative zur Hauptstadtmetropole. Der Leerstand bei Immobilien für Mietzwecke beträgt nach Angaben der größten Potsdamer Wohn- und Baugesellschaft Pro Potsdam unter 1 Prozent (Fluktuationsminimum). Vom Hauptbahnhof Potsdam bis zum Kurfürstendamm benötigt man mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur 20 Minuten, bis zum Zentrum am Potsdamer Platz (in Berlin) nur gut zehn Minuten länger.

Daher boomt auch der Tourismus in der Stadt der Schlösser und Parks: Das siebte Jahr in Folge kann Potsdam Rekordübernachtungen verbuchen, im Jahr 2018 waren es 1,27 Millionen.

Der durchschnittliche Kaufpreis liegt im September für Wohnimmobilien (Wohnungen und Häuser) 2019 bereits bei 4.509,05€/m². Für den Kauf eines Hauses muss man im September 2019 durchschnittlich bereits 5.000,57 €/m² aufwenden, für 150 m² große Häuser 4.708,75 Euro und für 200 m² 6.146,96 Euro.

Immobilien Preise in Potsdam

Potsdam scheint auf den ersten Blick bereits recht teuer zu sein. Das Zukunftspotenzial der Stadt speist sich jedoch aus verschiedenen nachhaltigen Wachstumsquellen: Mit der wachsenden Medienstadt Babelsberg zieht Potsdam Künstler und Prominente an. Zuletzt entschied sich Herbert Grönemeyer für den Kauf einer Immobilie in Potsdam. Die von Flüssen und Seen umgebene Inselstadt mit ihrem historischen Stadtkern und diversen Schlösser ist für Touristen nicht nur im Sommer attraktiv. Die Landeshauptstadt ist zudem sehr familienfreundlich: Fahrradwege sind stark ausgebaut und es gibt ein überdurchschnittlich hohes Angebot an Spielplätzen, Kitas und Schulen. Die Migrationsquoten in den Klassen sind unterdurchschnittlich gering.

Die Sonderkonjunktur Potsdams könnte man so beschreiben: Eine schicke Perle im Speckgürtel Berlins deren Bevölkerungszuwachs sich in den nächsten Jahrzehnten aus der im Vergleich überdimensionierten Hauptstadt speist. Die hohen Preise machen den Umzug dabei nur finanziell gut ausgestatteten Käufern möglich, davon gibt es in Berlin noch reichlich. Das Potenzial Potsdams ist auch wegen der andauernden Modernisierung ganzer Stadtviertel noch lange nicht ausgeschöpft.

Fazit

Wie weit die Preise für Wohnimmobilien in Deutschland noch steigen, hängt maßgeblich von der Fortführung und Verschärfung der laxen Geldpolitik der EZB ab. Das jetzt erreichte Preisniveau stößt vielerorts schon an die Grenzen der Leistbarkeit potenzieller Käufer. Daher wird es immer wichtiger, auf Sonderfaktoren wie die Auslandsnachfrage oder regionale Spezifika zu achten. Es gibt in Deutschland mehrere solcher Regionen und Städte. Potsdam ist ein gutes Beispiel dafür, wie durch besondere Wachstumsfaktoren ein Investment in Immobilien zukunftssicherer werden kann. Eine Garantie für weiter steigende Preise ist auch das natürlich nicht. Abschließend soll noch erwähnt werden, dass der Autor dieses Artikels bereits in Potsdam zu Hause ist und zuvor in ganz Deutschland gelebt und gearbeitet hat (zuletzt in Wiesbaden).

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Karstadt Kaufhof erhält Sonderkredite vom Staat – Pro und Contra zur Staatsräson

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Beispielbild für Rolltreppen in einem Kaufhaus

Der in der Coronakrise vom Bund aufgelegte Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) ist nichts anderes als eine Art Staatsfonds, der in das Eigenkapital von Unternehmen investieren kann in Form von Kapitalerhöhungen. Er kann aber auch Kredite gewähren. Das prominenteste Beispiel in der Coronakrise war die Lufthansa mit 9 Milliarden Euro an Hilfen (hier die Details). Bei der Airline ist der Steuerzahler jetzt Miteigentümer. Die letzte verbliebene deutsche Fluggesellschaft ist ein Musterbeispiel in Sachen Staatsräson. Jetzt kommt noch Karstadt Kaufhof hinzu. Laut aktuellen Berichten erhält man 460 Millionen Euro als Nachrangdarlehen aus dem WSF – geht die Kaufhauskette pleite, steht der Steuerzahler also bei den Forderungen ganz hinten in der Schlange, und geht wohl leer aus.

Was haben die beiden gemeinsam? In ihrer Branche sind sie die letzten verbliebenen Anbieter in Deutschland. Außer Karstadt Kaufhof gibt es keine Kaufhausketten mehr hierzulande, die in Innenstädten ein breites Sortiment anbieten, und oft in kleinen und mittelgroßen Städten der Ankerpunkt in Fußgängerzonen sind. Und die Lufthansa ist quasi der letzte Anbieter aus Deutschland für Flüge in die große weite Welt. Beide kann man in die Kategorie „Systemrelevant im Sinne der Staatsräson“ verbuchen. Es gibt gute Gründe solche Unternehmen zu retten, aber auch gute Gründe es nicht zu tun.

Pro Rettung von Karstadt Kaufhof

Zur Staatsräson kann man sagen: Es geht um das Selbstverständnis des Staates, etwas bestimmtes zu sein, darzustellen, zu präsentieren, und öffentlich einen bestimmten Eindruck zu vermitteln. Und so wie jeder Staat zum Beispiel eine große Airline haben will (Air France, Alitalia usw), braucht Deutschland vermeintlich die Lufthansa. Und so braucht auch ein Land wie Deutschland zumindest eine einzige Kaufhauskette, als Ankerpunkt für die Fußgängerzonen? So darf man es wohl verstehen. Aus aktuellen Berichten kann man als Begründung der Bundesregierung für den Kredit an Karstadt Kaufhof entnehmen, dass diese Kaufhäuser „unverzichtbare Publikumsmagneten“ in vielen Fußgängerzonen seien. Das mag auch durchaus so sein.

Mit der Unterstützung leiste die Bundesregierung einen wichtigen Beitrag, um Arbeitsplätze zu sichern und die aktuell schwierige Lage für das Unternehmen zu überbrücken. Und ja, auch die Rettung von zahlreichen Arbeitsplätzen auf einen Schlag, damit kann man als Politiker natürlich auch punkten. Und in der Tat. Trotz jahrelangen Miss-Managements und Ausschlachten von Karstadt wären die einfachen Mitarbeiter die Opfer einer endgültigen Pleite. Gerade in der Coronakrise würden sie wohl kaum schnell eine neue Stelle finden. Auch das kann man als Argumentation für diesen frischen Kredit anführen – wobei man dann auch fragen könnte, warum der Bund nicht gleichzeitig auch kleine Betriebe mit wenigen Mitarbeitern rettet – etwa weil sie zu wenige Mitarbeiter haben, und weil das zu wenig mediale Beachtung finden würde?

Contra

Karstadt, Kaufhof und zahlreiche andere stationäre Einzelhändler hatten schon seit Jahren strukturelle Probleme. Nicht nur im Kampf gegen Amazon und Co versagten sie seit Jahren, auch ihre Angebote in den Innenstädten wirkten verstaubt und aus der Zeit gefallen. Neue Konzepte waren Fehlanzeige. Durch eine weitere Rettung verzerrt man den Markt, und hindert die Marktkräfte daran auch im stationären Einzelhandel neuen, besseren Angeboten für die Konsumenten Raum zu geben. So werden alte, unrentable Geschäftsmodelle am Leben gehalten, und neuen wird der Marktzutritt erschwert.

Auch spricht gegen die Rettung von Karstadt Kaufhof, dass eine Pleite auch nach der Coronakrise wahrscheinlich bleibt, weil sich am Geschäftsmodell ja nichts ändert. Wie gesagt, auch vor Corona ging es nur bergab mit den Kaufhäusern. Also könnten die 460 Millionen Euro für den Steuerzahler womöglich verloren sein. Der Ökonom Daniel Stelter bringt es im folgenden Tweet auf den Punkt. Man kann es auch so sagen: All die kleinen Gewerbetreibenden, die sich abrackern und noch funktionierende Geschäftsmodelle haben, zahlen Steuern bis zum Abwinken, und dürfen eine erfolglose Firma durchfüttern und künstlich am Leben erhalten. Das ist nicht gerecht, und im Sinne einer sich ständig erneuernden modernen Volkswirtschaft auch sinnbefreit.

Aber nochmal: Tragisch ist, dass bei einem Dichtmachen von Karstadt Kaufhof die Mitarbeiter den größten Preis gezahlt hätten – also genau diejenigen, die seit Jahren hilflos und ohne Eigenverschulden dem Niedergang beiwohnen müssen. Denn sie müssen das umsetzen, was unfähige Manager ihnen auftischen.

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Aktien

Shortsqueeze: Shortselling – so gefährlich wie selten zuvor!

Junge Trader handeln Aktien mit einer hohen Shortquote – und bringen Hedgefunds durch einen Shortsqueeze an den Rand des Abgrunds!

Wolfgang Müller

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Es war die Meldung des gestrigen Tages an der Wall Street: Der Hedgefonds Melvin Capital hat sein Engagement bei GameStop beendet, damit seine leerverkauften Aktien zurückgekauft, als Opfer eines Shortsqueeze hat Melvin Capital gewaltige Verluste eingefahren.

Sicherlich das Extrem in einer Entwicklung, die aber schon längere Zeit zu beobachten ist. Wetten auf fallende Kurse – Shortselling – sind derzeit gefährlicher denn je! Ein Überblick über das Coronajahr 2020 offenbart ein Fiasko.

Shortsqueeze: Eine Idee macht Schule

GameStop ist kein Einzelfall. Die jungen Trader der Generation RobinHood haben aus ihren Erfolgen anscheinend den Schluss gezogen, dass man bei Aktien mit einer hohen Shortquote sehr leicht Gewinne einfahren kann – durch einen Shortsqueeze, der Leerverkäufer zu Eindeckungskäufen zwingt. Durch organisierte Käufe von Aktien und Optionen, die die Shortseller unter Druck bringen. Diese müssen ihre Positionen schließen, sprich die Aktien kaufen und die Spirale dreht sich weiter nach oben. So realisiert beim Kinobetreiber AMC Entertainment oder beim Einzelhändler Bed Bath & Beyond. Der Name für das Spiel heißt Shortsqueeze, ein Begriff, der bei Google im Januar mit dem Faktor 15 nachgefragt wurde und dreimal so oft, wie beim bisherigen Hoch.

Generation Z oder doch Y?

Vermutlich Letztere, denn die unter 25-Jährigen haben wohl mehr mit ihren Studentenkrediten zu tun, von denen viele unter Wasser stehen. Das Durchschnittsalter der 13 Millionen RobinHooder ist zuletzt leicht über 31 Jahre gestiegen, entsprechend dem Median der Generation Y. Da die durchschnittliche Depotgröße vor Kurzem noch bei unter 5000 Dollar lag, bedeutet, dass es schon großer konzertierten Aktionen bedarf, um Marktbewegungen auszulösen. Deshalb auch das große Interesse an Pennystocks und Werten mit einer kleinen Marktkapitalisierung. Bei einer über 3000 Dollar schweren Amazon-Aktie wird man mit diesen Depotgrößen nicht so viel ausrichten, ist ein Shortsqueeze viel schwieriger in Gang zu setzen.

Die Verluste der Shortseller

Wie oft hatte der Finanzdienstleister S3 im letzten Jahr über die Höhe der Shortquote bei Tesla berichtet? Ein ständiger Quell für Kursanstiege, weil es dem Marketingtalent Elon Musk immer wieder gelungen war, seine Fangemeinde zu begeistern. Seine Wut auf die Shortseller hatte ihn vor zwei Jahren fast um seinen CEO-Posten gebracht. Hat er vielleicht die Gelegenheit genutzt, um sich mit seinen Twitter-Botschaften (GameStonk u.a.) verspätet zu rächen? Jedenfalls haben Shortseller im Jahr 2020 mit Tesla 40 Milliarden Dollar Verlust eingefahren, der höchste Verlust, der je mit einem US-Unternehmen erzielt wurde. Das war der bisher größte Shortsqueeze aller Zeiten!

Auf den nächsten Plätzen in der Rangliste Apple (-6,7 Mrd.), Amazon (-5,78 Mrd.), Pinduodo (-4,74 Mrd.) und Square (.4,70 Mrd. Dollar).

Insgesamt kommt S3 Partners auf Verluste in Höhe von 240 Milliarden Dollar.

Bescheiden hingegen die Gewinne der Shorties: Exxon Mobile (1,29 Mrd.), AT&T (1,26 Mrd.) und Raytheon (1,20 Mrd. Dollar). Da war in Deutschland bei einer Wirecard vermutlich mehr zu holen.

Für einige Hedgefonds wurde es durch die Aktionen der Bubble-Boomer, wie FMW sie bezeichnet, so richtig gefährlich. Hedgefonds mussten sich gegenseitig helfen, um eine gigantische Pleite zu verhindern. Citadel und Point72 Asset Management sahen sich gezwungen, 2,75 Milliarden Dollar in Melvin Capital Management zu investieren, um das Schlimmste abzuwehren.

Bloomberg berichtet, dass Melvin Capital mit seinen aggressiven Strategien seit 2014 durchschnittlich 30 Prozent Rendite erwirtschaften konnte. Zu Beginn des Jahres war es noch ein verwaltetes Vermögen von 12,5 Milliarden Dollar, der Verlust der letzten Tage wird auf ebenso 30 Prozent geschätzt.

Was man auch nicht vergessen sollte: Von den bis zu 10.000 Hedgefonds, die es weltweit gibt, gehen jährlich Hunderte pleite, die aggressive Strategien fahren, die ihnen immer wieder auf die Füße fallen. Über die redet keiner, wenn es um die Bilanz der Superfonds geht, die bis zu 20 Prozent Gewinnbeteiligung verlangen konnten – die so genannten versunkenen Geheimnisse. Und in diesen Zeiten geht man einfach besonders risikoreich zu Werke. Short-Strategien, mit über 100 Prozent der verfügbaren Aktien (durch naked shortselling – oder ungedeckte Leerverkäufe) – es ist ein Spiel mit dem Feuer, welches mitunter durch einen Shortsqueeze gewaltige Verluste produziert.

Fazit

Das Finanzkonstrukt Leerverkauf ist nicht nur durch die Sondersituation Corona sehr riskant geworden. Die gemeinsamen Aktionen der Jungen Zocker hat eine große Dimension erreicht, die aber bald die Aufsichtsbehörden auf den Plan rufen wird. Es handelt sich bei organisierten Aktionen, einen Shortsqueeze auszulösen, schlichtweg um Marktmanipulation. Bei aller Verwunderung über die Kursexplosion und den explosiven Anstieg von GameStop im Januar von über 1000 Prozent: es geht bei diesem Nebenwert „nur“ um eine Marktkapitalisierung von 10 Milliarden Dollar.

Der S&P 500 hat eine Marktbewertung von 33.000 Milliarden Dollar und richtig marktbewegend sind natürlich Kursveränderungen von Tesla oder Facebook, wie zum Beispiel um 5 Prozent nach den gestrigen Zahlen nachbörslich. Nur fünf Prozent, aber bereits eine Veränderung um 75 Milliarden Dollar. Wie bereits dargestellt, die große Korrektur dürfte von den Big Seven ausgehen, die allein das Doppelte auf die Waage bringen, als alle Aktien im Russel 2000 zusammen.

Shortseller leben aktuell gefährlicher denn je - es droht der Shortsqueeze!

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Allgemein

Ein Wunder? Gewerbeumsätze deutlich besser als im Frühjahr 2020

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

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Qualmende Schornsteine

Einzelhandel, Gastronomie und Hotellerie sind im zweiten Lockdown, die Umsätze brechen dramatisch ein. Nur die Industrie glänzt. Millionen von Solo-Selbständigen sind beruflich und finanziell womöglich am Ende, oder kurz davor. Dennoch präsentiert das Statistische Bundesamt heute mehr als glänzende Zahlen für die Gerwerbeumsätze in Deutschland, basierend auf den monatlichen Umsatzsteuervoranmeldungen an die Finanzämter. Warum es eine Verzerrung der Realität sein kann? Nun, viele Betriebe melden nur quartalsweise, und gerade kleine Selbständige mit wenigen Einnahmen reichen gar keine Umsatzsteuermeldungen ein, weil sie gar nicht umsatzsteuerpflichtig sind. Die staatlichen Statistiker definieren die „gewerbliche Wirtschaft“ mit den Branchen Industrie, Energie- und Wasserversorgung, Bau, Gastgewerbe sowie Handel und Dienstleistungen.“ Also so ziemlich alles.

Laut aktueller Aussage des Statistischen Bundesamts ist der Umsatz der gewerblichen Wirtschaft in Deutschland im Dezember 2020 trotz erneutem Lockdown gegenüber dem Vormonat deutlich gestiegen, nämlich um 5,1 Prozent. Seit dem Tiefpunkt im April 2020 ist der Umsatz der gewerblichen Wirtschaft kontinuierlich angestiegen und liegt im Dezember 2020 nun 6,6 Prozent höher als im Februar 2020, dem Monat vor Beginn der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie in Deutschland. Mit reichlich Sarkasmus könnte man nur anhand dieser Zahlen glatt sagen: Sämtliche Hilfs- und Stützungsmaßnahmen für Wirtschaft, Selbständige und Beschäftigte kann der Staat sofort einstellen, denn es läuft ja deutlich besser als Anfang 2020. Aber die Realität ist (abgesehen von der Industrie) eine andere. Man schaue nur welche Ladenketten jetzt schon platt sind, und wer im Bekanntenkreis finanziell und beruflich ruiniert ist, oder kurz davor steht.

Aber zurück zu den offiziellen Zahlen. Die Grafik zeigt die Gewerbeumsätze seit dem Jahr 2015. Für Februar 2020, dem letzten Monat vor Ausbruch der Coronakrise, sehen wir einen Indexwert von 132,5, und im Tief im April einen Wert von 109,3. Jetzt sehen wir für Dezember einen Wert von 141,3. Also, alles bestens? Dr. Jörg Krämer, Chefvolkswirt bei der Commerzbank, hat aktuell auch noch einen Hinweis, warum es im Dezember so gut aussieht:

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Grafik zeigt Gewerbeumsätze seit 2015

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