Europa

Industrie: Zwischen Ist-Zustand und Erwartungshaltung klafft große Lücke!

Industrie im Aufschwung?

Das Statistische Bundesamt hat soeben Juni-Daten zur Industrieproduktion in Deutschland veröffentlicht. Im Monatsvergleich ist es ein Plus von 8,9 Prozent (erwartet 8,1 Prozent). Im nach unserer Meinung weit wichtigeren Jahresvergleich zu Juni 2019 liegt die Industrie mit ihrem Produktionsvolumen immer noch 11,7 Prozent im Minus. Im Chart sieht man, dass der Indexstand zu Ende Juni bei 90,4 lag. Im Februar direkt vor der Krise lag er noch bei 102,9 Indexpunkten. In der Automobilindustrie ist die Produktion im Juni mit 54,7 % zum Vormonat weiter stark angestiegen. Sie liegt aber noch gut 20 % niedriger als im Februar 2020.

Produktion noch weit hinter Vorkrisenniveau

Laut ifo ist die Erwartung der Industrie schon wieder bestens!

Während die staatlichen Statistiker die aktuell noch miese Lage präsentieren, zeigt das ifo-Institut heute früh die große Euphorie in der Industrie. Der Chart zeigt es überdeutlich. Der Absturz der Coronakrise ist schon wieder voll aufgeholt worden, zumindest wenn es um die Erwartungen der Unternehmen geht! Die deutsche Industrie erwarte in den kommenden drei Monaten eine Zunahme ihrer Produktion. Die Stimmung habe sich im Juli das dritte Mal in Folge verbessert. Der ifo-Produktionsindikator stieg auf plus 14,7 Punkte, nach plus 4,4 im Juni. Die Industrie arbeitet sich weiter aus ihrem Produktionstal, so ifo. Im Chart sieht man das Tief bei einem Indexwert von -50 Punkten. Vor allem der Maschinenbau bereitet weiterhin Sorgen mit einem deutlich negativen Indexwert. Was sagt uns das, wenn man die aktuellen Statistikdaten und die ifo-Daten zur Erwartung der Industrie vergleicht? Wie schon jüngst Daten aus der Autoindustrie zeigten: Zwischen dem schlechten Ist-Zustand und der Erwartungshaltung an die nächsten Monate klafft noch eine sehr große Lücke!

ifo zeigt euphorische Erwartungen der Industrie

Hier weitere Details von ifo im Wortlaut:

Die Autoindustrie plant die Produktion nur geringfügig auszuweiten: Der Index stieg leicht auf 51 Punkte von 49 im Juni. Die Getränkehersteller planen eine deutlichere Steigerung. Der Index erreichte 31 Punkte, nach 19 im Juni. Ähnlich positiv sieht es bei den Pharma-Unternehmen aus: Der Index stieg hier auf 23 Punkte, nach 12 im Juni. Auch in der Chemie und bei den Nahrungsmittelherstellern haben sich die Erwartungen verbessert: Der Index stieg im Juli jeweils auf 19 Punkte von 9 (Chemie) und 17 (Nahrung).

In anderen Branchen haben sich die Erwartungen hingegen eingetrübt: Bei den Möbelherstellern fiel der Index im Juli auf sechs Punkte, bei den Herstellern von Gummi- und Kunststoffwaren auf fünf Punkte, bei den Herstellern von Druckerzeugnissen auf einen Punkt und bei den Herstellern von Leder, Lederwaren und Schuhen auf minus 10 Punkte.

Die Maschinenbauer bleiben pessimistisch gestimmt. Der Index bleibt negativ, stieg aber auf minus 12 Punkte, nach minus 25 im Juni. Auch die Metallerzeuger und -bearbeiter bleiben zurückhaltend, der Index stieg im Juli auf minus 9 Punkte, nach minus 22 im Juni.



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