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Inflation: Energiepreise explodieren, Notenbanken in der Falle!

Wenn der Kaiser nackt ist..

Inflation, Energiepreise und machtlose Notenbanker

Das wird Folgen für die Inflation haben: die Energiepreise explodieren weiter und sorgen so damit dafür, dass die Aussagen der Notenbanken Fed und EZB, wonach dieser Preisauftrieb doch nur vorübergehend („transitory“) sei, immer unwahrscheinlicher wird.

So steigt der Ölpreis (WTI) heute auf den höchsten Stand seit dem Jahr 2014 und überschreitet dabei die Marke von 78 Dollar, nachdem die OPEC+ heute beschlossen hat, bei der Öl-Produktion (nicht mehr als) nur die ohnehin schon vorher angekündigten 400.000 Barrels pro Tag mehr fördern zu wollen.

Inflation: Energiekrise eskaliert –  jetzt hagelt es Margin Calls

Aber noch viel extremer sind die Entwicklungen auf dem Markt für Erdgas (Natural Gas): der Erdgas-Preis steigt heute um weitere gut +7%:

Erdgas - Sinbild für Energiekirse mit Folgen für die Inflation

Damit ist der Erdgas-Preis um sage und schreibe ca. 900% gestiegen im Vergleich zum Durchschnittspreis des Jahres 2020:

Verschärft wird der Preisanstieg bei Erdgas und damit die sich immer klarer abzeichnende Energiekrise durch Margin Calls bei Rohstoff-Handelshäusern:

Das nimmt also inzwischen chaotische Formen an! Und für die Notenbanken entsteht damit ein gigantisches Problem: wenn die Energiepreise die Inflation noch mehr befeuern als bishher schon die Kombination aus Deglobalisierung, Lieferketten-Problemen und Materialmangel, dann verlieren sie die Kontrolle: Teuerungsraten von aktuell über +5% etwa in den USA könnten dann in eine fatale Aufwärts-Spirale geraten!

Denn die Unternehmen haben durch die stark gestiegenen Energiepreise höhere Kosten, die sie an die Verbraucher weiter geben müssen, wenn sie nicht auf Gewinnmargen verzichten wollen. Da der Konsument dann ebenfallls höhere Kosten hat, verlangt er wiederum von den Arbeitgebern höhere Löhne (im Herbst steht etwa in Deutschland eine Flut von Tarifverhandlungen an) – eine Lohn-Preis-Spirale entsteht!

Notenbanken in der Falle

Und dann sitzen die Notenbanken in der Falle! Denn die hohe Inflation dämpft bereits die Nachfrage und läßt die Wirtschaft abkühlen: Beispielhaft dafür steht der Autosektor, wo häufig bereits aufgrund von Chip-Mangel die Bänder still stehen – ein nicht produziertes und nicht verkauftes Auto kann aber auch eben nicht in die Berechnung des BIP einfließen.

Nun müssen die Notenbanken aufgrund der hohen Inflation agieren durch Liquiditäts-Verknappung oder Zinsanhebungen – und würgen damit nicht nur die Party an den Finanzmärkten ab, sondern bremsen durch die Verteuerung des Geldes auch die Wirtschaft. Sie straffen also in eine sich ohnehin abkühlende Wirtschaft hinein die Geldpolitik und verstärken damit die ökonomische Abwärtsdynamik. Aus der derzeitigen Inflation wird dann eine Stagflation: stagnierende Wirtschaft bei hoher Inflation, die erst allmählich wieder durch die rigide Geldpolitik der Notenbanken unter Kontrolle gebracht werden kann. Das ist zumindest zu hoffen.

Das ist auch der Grund, warum wir von Notenbankern immer wieder zweckoptimistische Aussagen hören – nach dem Motto: „die Inflation ist vorübergehend, weil ich will dass die Inflation vorübergehend ist“. Die neueste sprachliche Akrobatik lautet nun: die vorübergehende Inflation könnte „eine ganze Weile anhalten“ („Transitory Inflation Lasting Quite a While„).

Damit wird aus den allmächtigen Notenbanken ein ziemlich nackter Kaiser. Müssen die Aktienmärkte zeitnah einpreisen, dass der Kaiser doch keine Kleider trägt? „Lebbe is kein Wunschkonzert“, hätte einst ein legendärer Fuballtrainer (Stepanovic) formuliert..



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6 Kommentare

  1. Erdgas um 900% gestiegen im Vergleich zum Durchschnittspreis des Jahres 2020. WOW, ein echter Polleit! Vergleicht einen Tages-Extremchart mit dem Jahresdurchschnitt eines extremen Ausnahmejahres. Der dargestellte Chart gibt ihm natürlich recht: Von etwa 1.75 auf etwa 6.00 sind locker mal 900%.

  2. Ich wünschte mir deutlich weniger Schnappatmung und eine Berichterstattung, die mehr die Realität abbildet.
    https://www.n-tv.de/wirtschaft/Dichtung-und-Wahrheit-ueber-die-Inflation-article22845757.html

    1. ist der Artikel von Marcello Fratzscher? :)

      1. Das ist zu 1.000 % das Werk von Marcello Fratzscherino! Der braucht endlich einen vernünftigen Gegner der ihn auf den Boden der Tatsachen zurückholt, und das kann nur Markus Fugmann sein! :-)

      2. @Markus Fugmann, nein, ist er nicht.

        Über eine Person, die einem nicht passt, Inhalte und eigene ideologische Ansichten zu transportieren, finde ich persönlich als Argument nicht in Ordnung.

        Was ist so falsch an folgender Aussage: „Deshalb können sich viele Verbraucher offenbar kaum noch erinnern, wie ungewöhnlich günstig sie im vergangenen Jahr getankt und im letzten Winter geheizt haben. Ein Großteil der aktuellen hohen Inflation ist tatsächlich nur eine Normalisierung nach diesen ungewöhnlichen Preisrückgängen des Jahres 2020. Das zeigt ein Vergleich der Preise mit dem Vor-Corona-Niveau. So liegt die Inflationsrate seit September 2019 im Jahresdurchschnitt noch immer leicht unter zwei Prozent – und damit auf dem Niveau, bei dem die Europäische Zentralbank Preisstabilität erreicht sieht.“

      3. @Markus Fugmann, keine Lust oder keine Argumente auf meine Antwort?
        War die Erwiderung von Marcuse Krallo? :)

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