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Interview mit Florian Homm: „Rosinen picken, Schrott shorten!“ Was Sie jetzt tun müssen!

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Die Stimme klingt vertraut: es ist dieses leichte Näseln, das charakteristisch ist für Florian Homm. Wir sprechen mit dem ehemaligen Hedgefond-Star am Telefon anlässlich seines neuen Buches „Der Crash ist da“:

  1. finanzmarktwelt.de: Herr Homm, Ihr neues Buch „Der Crash ist da“ ist ungeachtet des Titels eine sehr nüchterne, mit vielen Grafiken versehene Sammlung von Fakten zum Stand der Wirtschaft, der Schuldenexzesse und der Finanzmärkte. Wer Bücher schreibt, weiß, dass man damit nicht gerade das große Geld verdient. Was also war Ihre Motivation für dieses Buch?

 

Florian Homm: Um es kurz zu sagen: es geht mir darum, mein Wissen zu teilen, und das vor allem für eine junge Generation, der genau dieses Wissen weitgehend fehlt. Die Jungen sollten wissen: was kommt auf mich zu? Vielen ist nicht wirklich klar, dass sie in einem zunehmend riskanten Umfeld leben. Ich will zeigen, was auf uns zukommt, wie sich die Welt durch Digitalisierung verändert – und das ist gerade für junge Leute schon in Sachen Berufswahl wichtig, weswegen sich ein ganzes Kapitel des Buches mit den technologischen Trends befasst. Im Grunde geht es darum: was sollte man tun – und was sollte man unbedingt vermeiden!

Mein Ziel ist es, dass die Leser durch die Informationen, die ich gebe, in der Lage sind zur „Selbstbefähigung“, also auf einen Wissens-Stand zu kommen, der sie befähigt, selbständig fundierte Entscheidungen für ihre Finanzen zu treffen. Entscheidend ist dabei, das Wissen auch konkret anwendbar zu machen. Im angelsächsischen Sprachgebrauch wird das als „financial literacy“ bezeichnet. Ich will vor allem Investment-Know-How vermitteln. Und ich glaube, dass ich dafür auch gut prädestiniert bin, da selbst meine ärgsten Feinde mir ja nicht eine gewisse Grundkompetenz absprechen (lacht).

 

  1. finanzmarktwelt.de: Wie sehen Sie die Lage an den Finanzmärkten nach der starken Rally seit Ende Dezember? Geht das so weiter – oder sind Sie schon short?

 

Florian Homm: Kurzfristig ist die Lage schwierig – ich bin daher derzeit neutral positioniert, anders als im Jahr 2018, als ich 36% Net-short war. Eines sollte man aber bedenken: China hat alleine im Januar mehr als 1 Billionen Dollar an Krediten in die Märkte gepumpt, das ist mehr als Draghi in 14 Jahren geschafft hat (lacht). Aber wenn der Markt weitere 10% steigen sollte, dann werde ich beginnen, stärkere Short-Positionen aufzubauen.

 

  1. finanzmarktwelt.de: Wo sehen Sie derzeit gute Investitionsmöglichkeiten?

 

Florian Homm: Vor allem die völlig sklerotischen Finanzwerte Europas sind auf der Short-Seite interessant, kombiniert mit einer Long-Position in Gold. Aber auch für die US-Finanzwerte bin ich aufgrund des verlangsamten Kreditwachstums und der starken Fremdfinanzierung skeptisch.

Aber generell lautet mein Motto: Rosinen picken, Schrott shorten. Dabei fokussiere ich mich besonders auf Einzelwerte oder Branchen, ob als Aktie oder Anleihe.

Indizes dagegen meide ich meist – und das aus gutem Grund: selbst der marktbreite S&P 500 stieg im September 2018 auf ein Allzeithoch, obwohl die meisten Aktien in dem Index schon begannen zu fallen und nur wenige große und marktschwere Tech-Werte wie Amazon den Index nach oben hievten. Vom preisgewichteten Dow Jones mit seinen nur 30 Werten gar nicht erst zu reden. Der einzige Index, den ich jetzt schon shorte, ist der US-Nebenwerte-Index Russell 2000: einfach weil in diesem Index viele Werte extrem kreditgehebelt sind und sich bald teuer refinanzieren müssen. Aber die Short-Position im Russell 2000 ist zum Teil auch eine Absicherung (Hedge) für mein Depot, weil darin viele life science-Werte enthalten sind – und in dieser Branche habe ich einige Long-Positionen.

 

     4.finanzmarktwelt.de: Worin sehen Sie mittelfristig für die Märkte das größte Risiko?

 

Florian Homm: Ganz klar in dem Finanzierungs-Tsunami, der auf uns zurollt! Die Verschuldung der Unternehmen ist inzwischen gigantisch – und muss dann aufgrund des inzwischen deutlich höheren Zinsniveaus eben auch deutlich teurer refinanziert werden in den nächsten Jahren. Inzwischen sind fast die Hälfte der von den im S&P 500 gelisteten Unternehmen ausgegebenen Unternehmensanleihen auf Junk-Bond-Niveau – die Folge von meist sehr teuren Übernahmen, die durch Aufnahme neuer Schulden finanziert wurden. Ein Beispiel dafür ist die Übernahme von Monsanto durch Bayer.

Schwaches Umsatzwachstum, extrem tiefe Zinsen – das war die Motivation für das Leihen von Unmengen an Geld, um Konkurrenten zu kaufen. Und das wird sich rächen. „Schrott shorten“ lautet daher die Devise für mich in den nächsten Jahren. Die Firmen müssten jetzt eigentlich ihre Bilanzen verbessern – stattdessen aber kaufen sie weiter eigene Aktien zurück und nehmen dafür neue Schulden auf. Ich halte daher Ausschau nach Unternehmen, die schlecht aufgestellt sind in der nächsten Rezession.

 

  1. finanzmarktwelt.de: Wenn Sie „Schrott shorten“ wollen – was sind dann die „Rosinen“, die Sie picken werden?

 

Florian Homm: Grundsätzlich: wir sind in einer spätzyklischen Phase der Konjunktur, daher sollte man vor allem Zykliker meiden. Für mich besonders interessant sind daher solide und nicht-zyklische Unternehmen wie Fresenius Medical Care (FMC), die eine sehr gute Anleiherendite bieten. In dem neuen Buch habe ich ausführlicher dargelegt, was man im derzeitigen Marktumfeld machen kann – und das steht unter dem Motto „Substanz vor Glanz“!

Derzeit ist die Lage an den Märkten ja durchaus schwierig: der Anstieg der Aktienmärkte nach dem vorherigen Abverkauf ist vorwiegend eine Folge des Umschwenkens der Notenbanken. Aber wie schwach war die Erholung der Real-Wirtschaft bei dem immensen Aufwand, der durch die Notenbanken betrieben wurde!

Mittelfristig ist die Fallhöhe angesichts des Scheiterns der Geldpolitik der Notenbanken daher gewaltig, weswegen ich keine größere Wette auf langfristig weiter steigende Kurse eingehen würde, das wäre schlicht Harakiri.

 

  1. finanzmarktwelt.de: Wie schätzen Sie die Auseinandersetzung zwischen den USA und China ein?

 

Florian Homm: Mittelfristig halte ich den auf uns zurollenden Finanzierungs-Tsunami für wichtiger aus Sicht der Märkte. Aber natürlich ist der Handelskrieg ein wichtiges Thema. China macht derzeit gute Miene zum bösen Spiel, aber Peking wird in den nächsten Jahren unter großen Anstrengungen versuchen, sich vor allem im Tech-Bereich von den USA unabhängig zu machen. Aber bekanntlich ist das Thema Finanzierungs-Tsunami auch für China nicht gerade unwesentlich angesichts der immensen Verschuldung vor allem der staatlichen Unternehmen im Reich der Mitte. Markus Krall hat darüber ein Kapitel in dem Buch verfasst, wofür ich sehr dankbar bin!

Das Thema USA-China wird uns noch jahrelang begleiten – aber eines ist aus meiner Sicht sicher: Deutschland wird darunter besonders leiden. Trump nimmt sich erst China vor, aber die Frage ist doch: wer kommt als nächstes dran? Und da ist Deutschland wohl eher früher als später an der Reihe!

 

  1. finanzmarktwelt.de: Sie werden von vielen in die Schublade „Crash-Prophet“ gesteckt – zurecht?

 

Florian Homm: Wissen Sie: den meisten Büchern, in denen es um den Crash geht, mangelt es an Konkretem – das ist bei meinen Büchern anders, ich versuche zu zeigen, was man positiv tun kann.

Im Übrigen kenne ich viele Analysten und Autoren von Crash-Thesen, und die frage ich dann immer: was machst du denn selbst mit deinem Geld? Und die Antwort lautet häufig: ich habe große Teile meines Geld auf dem Sparbuch (lacht) – wirklich sinnvoll erscheint mir das nicht, eher wie kontinuierliche Geldvernichtung.

Aber eines möchte ich noch sagen: Demut ist für mich ein entscheidender Begriff. Ich habe z.B. 1994 selbst erfahren, wie es ist, wenn der Markt heftig gegen dich läuft – einige Trader haben damals, nachdem ich zuvor riesige Gewinne gemacht hatte, schon mit Papierkügelchen nach mir geschmissen und mich gefragt, wann ich endlich diese Trades auflösen würde.

Das war eine harte Lektion für mich. Daher ist es ganz wichtig, dass mein sein Ego zügelt und die Emotionen komplett rauslässt, aber dennoch mit Passion bei der Sache ist. Man muss jeden Tag bereit sein, dazu zu lernen. Dagegen jetten etwa viele Fondsmanager von einem Event zum nächsten und glauben, Sie wären Halbgötter – dabei laufen die meisten Fonds eher schwach und bieten eigentlich wenig Mehrwert, da sie in Krisenzeiten genauso voll investiert sind wie in Boomzeiten.

 

Sie können das Buch „Der Crash ist da“ direkt vom Verlag hier bestellen

6 Kommentare

6 Comments

  1. Prognostiker

    26. Februar 2019 11:58 at 11:58

    Deutschland muss schon den Grossteil der EU Scheisse plus die eigenen Probleme u.die Nachteile als vorgängiger Exportweltmeister verkraften. Braucht viel Mut oder Naivität um den DAX positiv zu sehen.

  2. Columbo

    26. Februar 2019 13:36 at 13:36

    Ich weiß nicht, ob das jemanden interessiert, aber es kann nicht schaden, sich gelegentlich mit dem Crash von 1929 zu beschäftigen.
    https://www.boerse.de/boersenwissen/boersengeschichte/Der-Boersencrash-des-Jahres-1929-69-seite,1,anzahl,20

    • Michael

      26. Februar 2019 15:28 at 15:28

      @Columbo, wenn ich mich recht erinnere, wurde vor kurzem einmal die Zeit der Weimarer Rebublik ins Spiel gebracht (ich glaube, da ging es um die Geldmenge). Das kam allerdings beim einen oder anderen nicht so gut an, ich hoffe, Ihnen bleibt das erspart.

  3. Pingback: Die heutigen Meldungen reichen aus, um zu erkennen – was wirklich läuft und wohl noch anrollt! | das-bewegt-die-welt.de

  4. Claus

    26. Februar 2019 22:57 at 22:57

    Kann mir denn einer sagen, wo ich Produkte finde, bzw. welche Zertifikate es gibt um den Russel 2000 zu shorten ?

    Danke schon jetzt.

  5. Hesterberg

    27. Februar 2019 11:08 at 11:08

    @Claus
    Ja, das kann ich. Als das flexibelste und kostengünstige Instrument erachte ich hier CFD’s. Allerdings bieten die meisten Anbieter den Russel 2000 nicht an. CMC Markets, der Branchenprimus, hat ihn unter dem Namen „US Small Cap 2000“ in seiner Produktliste. Für mich auch neben dem Nasdaq der interessanteste US-Aktienindex, um Short zu gehen.

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By Alastair Rae – [1], CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2229241

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Chinas staatliche Nachrichtenagentur Xinhua hat soeben noch einmal klar gemacht, wie Peking die Lage sieht. Man bluffe nicht, sei bereit, Schmerzen in Kauf zu nehmen, aber man werde hart zurück schlagen, so Xinhua:

„As the trade war between the United States and China escalates, the former, who started the fight, will bear the heavy brunt of its unilateralism and protectionism as China is well armed to deliver counterpunches.Tension between the world’s two largest economies reached a new height after the United States levied additional duties on Chinese goods and even used „national security“ concerns to bully Huawei, a major Chinese telecommunications company.“

Man habe vielfältige Möglichkeiten, zurück zu schlagen:

„Make no mistake, China is not bluffing. There are many possible options given the inter-dependency of the two economies. A trade war benefits nobody, but China has a resilient economy and abundant policy tools to weather further trade-war hits, while the U.S. long economic expansion has peaked and will soon start to feel the pinch.“

Und dann die Drohung gegen die Wall Street:

„U.S. stocks have fluctuated violently in the past two weeks over renewed fears of a worsening trade war. Possible financial spillovers could turn the almost decade-long bullish stock market into a bearish one, jeopardizing the recovering U.S. economy.
U.S. multinationals, which have reaped a lot via access to the vast Chinese market and global supply chain with reduced costs and enhanced competitiveness, would also be hit hard if their share in the market shrinks as the U.S. moves disrupt market order.“

Und Xinhua weiter:

„No doubt China will also suffer bruises during the fight, but further U.S. unilateral protectionist moves would only boost China’s morale and patriotism to unite as one formidable force to counter any challenges, as seen repeatedly in China’s history.

The United States shutting its door to Chinese products and investors will hurt involved players, but will help push China’s economic transition to become a self-made global innovator.

China has been striving to upgrade its industrial structure by adopting an innovation-driven development strategy. Chinese firms are investing heavily in research and development to expand technological independence.

Reducing reliance on exports to power growth, the country’s ongoing supply-side reform will unleash huge consumption. China has the world’s largest market with about 1.4 billion consumers, offering a growing pie, large and lucrative enough to attract any country to take a bite. The Belt and Road Initiative will help connect more markets.

The world’s largest developing economy has vowed its dedication to reform and opening up, which is actually the trump card that it holds against any unilateralism and protectionism.

Triumph will be in China’s hands as multilateralism and free trade is the trend of the times and enjoys global majority support.“

 


Peking
https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/

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