Anleihen

Investoren reißen sich um fünfjährige deutsche Bundesobligation mit steigender Negativrendite

Da der Verkaufskurs heute aber bei 102,23% lag, hat die Finanzagentur heute effektiv 53,7 Millionen Euro Gewinn gemacht für den deutschen Staatshaushalt....

FMW-Redaktion

Im Februar hatte die Finanzagentur Deutschland im Auftrag von Wolfgang Schäuble mit der Ausgabe einer Emissionsserie von fünfjährigen Bundesobligationen begonnen. Heute erfolgte im Rahmen dieser Serie die vierte Aufstockung. Nach ursprünglich 4 Milliarden Euro Angebot und danach folgenden 4, 4 und 3 Milliarden Euro bot man heute erneut 3 Milliarden Euro Volumen zum Verkauf an. Der Zinskupon liegt bei 0,00%.

Von Februar bis Mai verliefen die Emissionsrenditen dieser Serie von -0,28% über -0,45%, -0,45% auf zuletzt -0,31%. Heute nun gab es bei einen Angebot von 3 Milliarden Euro ein Nachfragevolumen der institutionellen Investoren von 3,76 Milliarden Euro für diese Ausgabe neuer Anleihen über eine Auktion. Ein Nachfragevolumen von 2,68 Milliarden Euro war ohne Kauflimit versehen. Also hätte die Finanzagentur Deutschland theoretisch fast die ganze Ausgabe zu jedem beliebigen Kurs durchführen können.

Der Verkaufskurs der heutigen Ausgabe liegt bei 102,23% (Anleihekurse notieren immer in Prozentpunkten). Da der Zins bei 0,00% liegt, entsteht somit eine Negativrendite für die Anleger, die in diesem Fall bei satten -0,46% liegt. Also eine Absage an die europäische Zinswende, die man eindeutig in dieser Ausgabe frischer fünfjähriger Anleihen ablesen kann. Innerhalb eines Monats nehmen es Anleger in Kauf, statt -0,31% jetzt sogar noch mehr draufzuzahlen mit -0,46%.

Das spiegelt auch die zuletzt rückgängigen Inflationsdaten für die Eurozone wieder, und die damit sinkende Wahrscheinlichkeit einer nahenden Zinswende. Letztlich an Investoren verkauft wurde heute nur ein Volumen von 2,41 Milliarden Euro. Damit konnte man theoretisch ausschließlich Kaufwillige ohne Kurslimit bedienen, und so den Kurs ohne Not selbst festlegen. Die Differenz von 586 Millionen Euro, die nicht verkauft wurde, verbleibt als sogenannte Marktpflegequote. Falls die Investoren (im Sekundärmarkt auch die EZB?) die Papiere sofort in die eigenen Bücher legen und dort fünf Jahre lang liegen lassen, wäre am freien Anleihemarkt keine Liquidität vorhanden.

Daher muss die Finanzagentur selbst für eine gewisse Handelbarkeit am Markt sorgen, mit eben dieser Marktpflegequote. Was sagt uns diese heutige Emission? Die Anleger wie auch die staatlichen Emittenten (in diesem Fall Deutschland) sehen basierend auf den jüngsten Inflationsdaten, dass die vor gut zwei Monaten schon angedachte Zinswende erst einmal auf die lange Bank geschoben wird. Man stellt sich auf beiden Seiten darauf ein, dass es bei kurzen Laufzeiten (2 und 5 Jahre) erstmal bei Negativrenditen bleibt.

Nochmal aus Steuerzahlersicht an Wolfgang Schäuble gerichtet – wie schon mehrmals dieses Jahr: Warum nicht einfach erstmal komplett umstellen auf 2 und 5 Jahre Laufzeit? Das bringt dem Bundeshaushalt jede Menge Zinsgewinne ein. Denn man rechne nur für die heutige Emission mal nach. In fünf Jahren muss die Finanzagentur die tatsächlich verkauften 2,41 Milliarden Euro zum Nennwert von 100,00% zurückzahlen, also 2,41 Milliarden Euro. Da der Verkaufskurs heute aber bei 102,23% lag, hat die Finanzagentur heute effektiv 53,7 Millionen Euro Gewinn gemacht für den deutschen Staatshaushalt.

Die Zeche zahlt der deutsche Michel, der glaubt, dass seine Lebensversicherung, private Rentenversicherung oder Fondspolice in 20 oder 30 Jahren seine Altersversorgung kräftig ergänzen wird. Denn genau diese Fondsgesellschaften stecken ihre Gelder in deutsche Anleihen, und zahlen jetzt sogar drauf. Wo der deutsche Steuerzahler jetzt als „Inhaber des deutschen Staates“ entlastet wird, zahlt der deutsche Michel als fleißiger Sparer bei seiner Altersvorsorge den Preis für diese Entlastung.



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