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IWF-Lagarde kapituliert vor Schäuble? Plötzlich braucht Griechenland keinen Schuldenschnitt mehr

Wenn das mal keine Überraschung ist. IWF-Chefin Christine Lagarde gab gestern Abend den ARD-Tagesthemen ein Interview. Was für ein Zufall, gerade dem deutschen Fernsehen, nicht in Frankreich oder...

FMW-Redaktion

Wenn das mal keine Überraschung ist! IWF-Chefin Christine Lagarde gab gestern Abend den ARD-Tagesthemen ein Interview. Was für ein Zufall, gerade dem deutschen Fernsehen, nicht in Frankreich oder in Spanien, sondern bei uns. Und gerade Wolfgang Schäuble ist derjenige, der sich konsequent dafür einsetzt, dass Griechenland keinen Schuldenschnitt erhält. Gleichzeitig ist Schäuble derjenige, der seinen Unions-Abgeordneten neben der Absage an einen Schuldenschnitt auch stets zugesagt hat, dass der IWF einen Teil des 86 Milliarden Euro-Rettungspakets für Griechenland (eher Umschuldungspaket) übernimmt.


Christine Lagarde. Foto: IWF/Gemeinfrei

Bis vor Kurzem hat der IWF stets darauf gepocht: Bevor wir (der IWF) am Hilfspaket für Griechenland teilnehmen, müssen Griechenlands Euro-Partner dem Land einen kräftigen Schuldenschnitt genehmigen. Man sollte also auf einen Teil oder bedeutenden Teil seiner Forderungen verzichten. Erst dann, wenn Griechenlands Schuldenlast für das Land auch tragfähig sei, wenn das Land in der Lage sei seine Schulden zurückzuzahlen, wäre der IWF bereit sich zu beteiligen – so war immer das klare und inhaltlich logisch nachvollziehbare Statement des IWF.

Aber dann gestern Abend dieser Auftritt von Christine Lagarde in der ARD. Ein Schuldenschnitt sei nicht mehr notwendig, so ihre Aussage. Zumindest vorerst nicht. Wer zwischen den Zeilen lesen kann, dem wird klar: Hier wird eindeutig das Tor ganz weit aufgemacht für die Teilnahme des IWF ohne wirklich ernsthafte Vorbedingungen, so wie es viele Beobachter schon seit Wochen vermuten. Lagarde sprach genau vom „harten Schuldenschnitt“, der nicht mehr notwendig sei. Damit ist gemeint die Schulden tatsächlich zu erlassen. Was logischerweise ein weicher Schuldenschnitt sein könnte, wird einem auch schnell klar. Denn jenseits von echtem Erlassen von Schulden sagte sie, die Euro-Geldgeber müssten die Kreditlaufzeiten ausweiten und Zinsen senken.

Ach ja, und Griechenland zeige Fortschritte und Reformwillen, so Lagarde. Natürlich war sie nicht in Berlin um nur den Tagesthemen ein Interview zu geben. Sie sprach vorher mit Angela Merkel genau über das Thema Griechenland. Wenn man schon die öffentlich verkündeten Worte hört, dürfte klar sein: Die Teilnahme des IWF ohne Bedingungen am Hilfspaket für Griechenland scheint ausgemachte Sache zu sein. Wolfgang Schäuble bekommt wohl also, was er will. Lagarde ist im Interview zu sehen hier ab Minute 3:30.



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4 Kommentare

  1. Anders konnte der Deal ja vor den Bundestagswahlen auch nicht laufen. Sonst wäre der schöne Überschuss der schwarzen Null ja schon mal gleich weg gewesen.
    Jetzt bleibt der IWF wahrscheinlich mit einem Mini-Betrag symbolisch drin und nach der Wahl kommt das böse Erwachen.

    Wie war das noch vor der Einführung des Euro: http://www.goldreporter.de/versprochen-gebrochen-euro-wahlwerbung1999/news/25266/

    1. Eher gerade weil in die hiesigen Landen bald Wahlen anstehen, spielt der IWF sein psychologisches Spiel. Die wollen die Regierung nur noch mehr in die Zange nehmen – die kennen ihr Geschäft und Wirken sehr gut. (man könnte fast Respekt vor deren Dreistigkeit haben)

      Zum Link und der Aussage „Muß Deutschland für die Schulden anderer Länder aufkommen?“ : gezwungen wurde niemand und konnte auch keiner werden, denn es erfolgte alles freiwillig. Man könnte die Situation jetzt rechtlich noch tiefer auseinander nehmen, aber so viel Zeit habe ich hier nicht.

  2. Es ist bezeichnet für die Dummheit der Deutschen, dass sie die Verluste der Banken aus der Finazkrise plus Zinseszins bezahlen und Griechenland dafür verantwortlich machen, ja es sogar noch von den Falschen zurück fordern oder glauben es jemals wieder zusehen. Und wäre das nicht schön dumm genug, zerstören die Deutschen auch noch auch halb Europa wirtschaftlich mit ihrer Niedriglohnpolitik und verschenken jedes Jahr ihren Exportüberschuss von rund 250 jMrd. Jeh länger dieser Betrug dauert umso mehr wird der Hass auf jene wachsen, die mit diesem Betrug umsetzen aber noch viel größer wird der Hass gegen jene, welche dabei helfen dieses Verbrechen an der Menschheit zu verschleiern und Desinformation betreiben.

    Die Spatzen Zischern schon und es hört sich irgentwie so an https://www.youtube.com/watch?v=yzTLqTnqadA

  3. Seltsam, keinen Schuldenschnitt? wo doch die Lagarde zugab, dass die Griechen statt 350 MRD Miese über 1 BILLION Miese haben? dazu 24 Billionen fauler Derivate! wird es desshalb weich, weil wir 100 Jahre weiterretten? ihr Deppen!

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