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Japan: Konjunktureinbruch – ein weiterer Absturz in der Dauerkrise

Japan wird mit seiner jahrzehntelangen Nullzinspolitik gelegentlich als Blaupause für Europa betrachtet. Hoffen wir es nicht..

Jetzt hat auch Japan die Zahlen für das zweite Quartal des Jahres bekanntgegeben: Mit 7,8 Prozent Schrumpfung zum ersten Quartal sehen die Daten auf den ersten Blick sogar besser aus als für die meisten westlichen Staaten (Deutschland minus 10,1 Prozent). Doch nur auf den ersten Blick, denn schließlich gilt es den Basisvergleich zu beachten – und der sieht für das Land in Fernost ziemlich bedenklich aus.

Japan und seine Dauerschwäche in der Konjunktur

Dieser Rückgang des Wachstums in Japan von fast acht Prozent war zwar der größte Einbruch seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1980 und zugleich ein Minus von 27,8 Prozent auf Jahressicht. Aber das weitere und große Problem ist, dass sich Japan bereits vor der Coronakrise in einer Rezession befunden hat und auch die letzten beiden Jahr ein extrem mageres Wachstum gebracht hatten.

Veränderung des Bruttoinlandsprodukts:

2019 plus 0,65 Prozent
2018 plus 0,32 Prozent

Dieser Wachstumseinbruch ist also von einer extrem niedrigen Basis aus abzuziehen. Was ebenfalls fatal ist: Japan hatte die Wirtschaft gar nicht so stark gedrosselt und zum Stillstand gebracht, wie manch anderer Industriestaat.

Dazu noch ein paar Daten:

Japans Konsumausgaben – 50 Prozent Anteil am BIP – fielen im Quartal um 14,2 Prozent zurück, mehr als von Analysten erwartet. Investitionen um 1,5 Prozent und der Rückgang im Export war allein für drei Prozent des BIP-Einbruchs verantwortlich. Japan hatte die Pandemie außerordentlich gut im Griff, vor einigen Wochen gab es unter 1000 aktive Infektionsfälle insgesamt und das in einem Land mit über 120 Millionen Einwohnern. Doch auch in Fernost steigen die Infektionszahlen wieder auf aktuell bis über 13.000 Fälle. Für das wachstumsschwache Japan kommt Corona auch zur Unzeit, die Umsatzsteuererhöhung im letzten Jahr von acht auf zehn Prozent im Oktober, zusammen mit den Folgen des Handelskriegs zwischen den USA und China, hatten dem Land bereits sehr stark zugesetzt und zu einer erneuten Rezessionsphase geführt.

Die astronomische Schuldenquote

Natürlich setzt auch im Land der aufgehenden Sonne die Regierung alles daran, die Folgen dieser Pandemie für die Wirtschaft des Landes und seine Bürger abzufedern. Trotz der Ankündigung der japanische Regierung für ein Hilfspaket in Höhe von 40 Prozent zum BIP und etwas „Helikoptergeld“ in Höhe von 800 Euro ist der Konsum stark eingebrochen. Die Stimmung im Lande ist praktisch im Keller, wie eine Umfrage der internationalen Medienagentur Kekst CNC ergeben hat – anders als in westlichen Staaten.

Demnach gaben die Japaner im vergangenen Quartal unglaubliche 14,2 Prozent weniger aus als ein Jahr zuvor. Die Japaner fürchten sich sehr vor dem Jobverlust und sie sehen natürlich die gigantische Staatsverschuldung von 240 Prozent zum BIP – vor Corona. Auch in Japan müssen die Staatsausgaben refinanziert werden sowie der Schuldenberg. Eine Erhöhung der Mehrwertsteuer auf das Doppelte innerhalb von nur vier Jahren zeigt dies jedem japanischen Konsumenten auf deutliche Weise.

Und jetzt steigen die Schulden weiter an.

Fazit

Japan wird mit seiner jahrzehntelangen Nullzinspolitik gelegentlich als Blaupause für Europa betrachtet. Hoffen wir es nicht. Über Jahre hinweg konnten die Schulden, die von der eigenen Bevölkerung in der eigenen Währung notieren, gestemmt werden. Mit ewig langen Phasen niedrigen Wachstums. Jetzt kam Corona und nochmal müssen die Schulden in weitere Höhen getrieben werden, von einem Niveau von 240 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt ausgehend. Wohin wird das führen? Kommt es zu einem Schnitt der Schulden aus der Bilanz der Notenbank, wie manche Ökonomen es schon vorhersehen – mit unabsehbaren Konsequenzen? Auch wenn das Land in seiner Kultur und Lebensweise der Bürger erhebliche Unterschiede zum Westen aufweist, wird man in Sachen Geldpolitik weiter gen Osten blicken.

Japan kommt durch die Coronakrise weiter in Schwierigkeiten



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1 Kommentar

  1. Die Realeinkommen in Japan fallenn seit 20 Jahren etwa um 1% pro Jahr. Da kann man schon mal im den Blick nehmen wann das Niveau auf das von Simbabwe gefallen ist. Die gerade geborenen Japaner können das in ihrer Lebensspanne noch schaffen.

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