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Marc Friedrich und Matthias Weik: Realtitätsverlust in Brüssel und Berlin

Wir können nur noch mit dem Kopf schütteln und sind fassungslos. Mittlerweile scheint sich der totale Realitätsverlust unter den EU-Granden in den Elfenbeintürmen in Brüssel breit zu machen. Anders lässt sich der Plan von EU-Kommissionspräsident Juncker, den Euro in der gesamten…

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Ein Gastkommentar der Bestsellerautoren Marc Friedrich und Matthias Weik

„Man kann die Realität ignorieren, aber man kann nicht die Konsequenzen der ignorierten Realität ignorieren.“
Ayn Rand

Wir können nur noch mit dem Kopf schütteln und sind fassungslos. Mittlerweile scheint sich der totale Realitätsverlust unter den EU-Granden in den Elfenbeintürmen in Brüssel breit zu machen. Anders lässt sich der Plan von EU-Kommissionspräsident Juncker, den Euro in der gesamten Europäischen Union einführen, also auch in den ärmeren osteuropäischen Ländern, nicht erklären. Ferner sollen alle EU-Länder der Schengenzone ohne Grenzkontrollen beitreten, wie EU-Diplomaten vor Junckers Grundsatzrede im Europaparlament sagten. Obendrein soll die EU weiter wachsen: Bis 2025 könnte sie um die 30 Mitglieder haben.

 

Finanzminister Wolfgang Schäuble findet die Idee gut. „Bundesfinanzminister Schäuble unterstützt die Pläne von EU-Kommissionspräsident Juncker – knüpft eine Erweiterung der Eurozone jedoch an die Erfüllung bestimmter Kriterien.“ Moment mal: Hat man nicht schon mal „bestimmte Kriterien“ gehabt und diese rigoros gebrochen? Waren diese Kriterien nicht Grundlage für die Währungsunion? Maastrichter Kriterien? Lissabonner Vertrag? No Bail Out Klausel etc. pp . Allesamt wurden diese Gesetze und Kriterien verletzt und gebrochen.


Die Autoren Matthias Weik und Marc Friedrich.

Wieso soll es dieses Mal funktionieren? Seit Jahren gibt es innerhalb der EU von oberster Stelle Vertragsbrüche               am                   laufenden                 Band…..

Offensichtlich haben die politischen Eliten den Ernst der Lage immer noch nicht erkannt. Weder die Griechenlandkrise, noch die Banken- und Finanzkrise, der Aufstieg der populistischen Parteien in ganz Europa noch die seit Jahren schwelende Eurokrise oder der Brexit haben zu einem dringend notwendigen Umdenken geführt.

Schauen uns wir die selbigen einmal an um zu sehen

Ein Blick auf die ökonomischen Fakten spricht eine deutliche Sprache und zeigt auf, dass es tatsächlich keineswegs so prächtig in der EU läuft wie es uns Herr Juncker und Konsorten berichten.
Entgegen der vielen Jubelmeldungen sehen wir die Lage in Europa keinesfalls positiv – sondern lieber realistisch. Einerseits sind die Zinsen weiterhin bei 0 und werden dort auch noch sehr lange bleiben. Andererseits steigen die Preise. Gegenwärtig haben wir eine Inflationsrate bei 1,8 Prozent. Der Internationale Währungsfonds (IWF) fordert, dass sich deutsche Sparer für längere Zeit trotz Nullzinsen mit stärker steigenden Preisen abfinden sollen. Wir fragen uns jedoch, warum wir das tun sollen?

Die irrsinnige EZB-Notenbankpolitik hat den deutschen Sparer bisher bereits heute über 436 Milliarden Euro gekostet und macht es den jungen Menschen immer schwerer adäquat für das Alter vorzusorgen. Nach wie vor versucht die EZB und die nationalen Notenbanken die Krise mit der Druckpresse zu lösen. Bis Ende des Jahres hat die EZB knapp 2,2 Billionen Euro aus dem Nichts erschaffen. Mittlerweile hat die EZB – unter der Ägide von Mario Draghi‘s – von dem Volumen der Bilanzsumme selbst die US-Notenbank FED überholt und es wird fleißig weitergedruckt – momentan 60 Milliarden Euro pro Monat. Niemals in der Geschichte der Menschheit wurde eine Krise nachhaltig mit der Notenbankpresse gelöst. Sollte es in der Eurozone tatsächlich so prächtig laufen, dann könnte das Aufkaufprogramm umgehend gestoppt werden und der Leitzins erheblich erhöht werden. Beides wird jedoch nicht geschehen. Hätten wir beispielsweise einen Zinssatz von fünf Prozent, dann wäre Finanzminister Schäubles „Schwarze Null“ passe und Frankreich, Spanien, Italien, Portugal und Griechenland hätten erhebliche bis unvorstellbare Probleme sich an den Märkten zu refinanzieren.

Ein weiteres Indiz dafür dass es in einigen Ländern Europas wirtschaftlich eben nicht gut läuft verrät uns ein Blick auf die Target2 Verbindlichkeiten. Diese haben unbeachtet einen neuen Rekordstand erreicht. Ganz vorne dabei ist unsere solide Bundesbank mit neuem Rekordstand von 852 Milliarden Euro. Auch hierfür haften im Übrigen wir Bürger! Es ist also nicht von der Hand zu weisen, dass es in Deutschland kontinuierlich auf- und in Spanien und Italien weiterhin abwärts geht.

Unserer Ansicht nach handelt es sich hierbei keinesfalls um ein nachhaltiges Geschäftskonzept. Das Geld werden wir nie wieder sehen. Ob man sich in Anbetracht dessen über den Exportweltmeistertitel – welchen wir zum Teil selber finanzieren – freuen sollen sei einmal dahingestellt. All dies wird uns vor der Bundestagswahl natürlich nicht erzählt. Es werden vielmehr Nebelkerzen geworfen und Nichtigkeiten besprochen.

Zweifellos ist der Euro viel zu schwach für uns und viel zu stark für den Süden Europas. Deutschland wird immer stärker und Südeuropa immer schwächer. Im Zins- und Währungskorsett des Euros werden die Länder Südeuropas keinesfalls mehr auf die Beine kommen.

Sollten zukünftig auch noch Länder – mit im Verhältnis zu Deutschland äußerst schwachen Volkswirtschaften – wie Bulgarien und Rumänien in die Eurozone kommen, dann hilft ein Blick nach Griechenland um zu erkennen, was diesen Ländern blühen wird. Griechenland ist nach wie vor bankrott. Dennoch erhält das Land laufend neues Steuergeld. Wie kann es sein, dass im Falle von Griechenland seit Jahren Insolvenzverschleppung betrieben wird? Wir können wir erwarten, das Geld von Griechenland wieder zu bekommen, wenn nicht einmal Deutschland als Exportweltmeister in Rekordjahren mit Rekordsteuereinnahmen und Rekordüberschüssen einen Cent Schulden zurückbezahlt. Lächerlich sind die Gewinne (1.34 Milliarden Euro) die Deutschland mit den Griechenlandanleihen verdient hat. Sie stehen in keinem Verhältnis zu den gegenüberstehenden Risiken des faktisch bankrotten Landes. Der Schuldenschnitt Griechenlands muss und wird kommen – jedoch erst nach der Bundestagswahl.

Waren die Krisen der letzten Jahre nicht heftig genug? Hat man denn gar nichts dazu gelernt? Der Euro funktioniert nicht! Nun will man die destruktive Währungsunion auf weitere Volkswirtschaften ausweiten, besser wäre es, wenn wir anfangen würden Länder von ihr endlich zu befreien (Griechenland, Italien, Spanien, Frankreich etc.) um den Menschen und der Wirtschaft zu helfen. So ist es nur ein langsamer volkswirtschaftlicher Tod auf Raten.

Bei so viel Weltfremdheit und Realitätsverlust darf man sich nicht wundern, wenn populistische Kräfte in Europa immer stärker werden und die nächsten Wahlen vielleicht sogar gewinnen.
Die Lage in Europa keinesfalls so rosig wie es uns Herr Junker darstellt. Es ist Zeit umzudenken und nicht noch mehr vom Gleichen zu fordern, von dem heute hinlänglich bekannt ist, dass es nicht funktioniert. Entweder hält die Realität Einzug bei der EU – „Sonst knallt’s“




Die beiden Ökonomen, Querdenker, Redner und Honorarberater Matthias Weik und Marc Friedrich schrieben 2012 gemeinsam den Bestseller “Der größte Raubzug der Geschichte – warum die Fleißigen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden“. Es war das erfolgreichste Wirtschaftsbuch 2013. In ihrem zweites Buch Der Crash ist die Lösung – Warum der finale Kollaps kommt und wie Sie Ihr Vermögen retten war das erfolgreichste Wirtschaftsbuch 2014. Im Jahr 2014 gelang ihnen mit „Der Crash ist die Lösung – Warum der finale Kollaps kommt und wie Sie Ihr Vermögen retten“ ein weiterer Bestseller. Das Buch wurde im Jahresranking ebenfalls zum erfolgreichsten seiner Gattung. 2016 ist ihr dritter Bestseller „Kapitalfehler – Wie unser Wohlstand vernichtet wird und warum wir ein neues Wirtschaftsdenken brauchen“ erschienen. Im April 2017 ist ihr viertes Buch „Sonst knallt´s!: Warum wir Wirtschaft und Politik radikal neu denken müssen“ das sie gemeinsam mit Götz Werner (Gründer des Unternehmens dm-drogerie markt) geschrieben haben, erschienen. Das Buch schaffte es auf Anhieb auf die auf Platz 1 der manager magazin und Handelsblattbestsellerliste. Matthias Weik und Marc Friedrich sind Initiatoren von Deutschlands erstem offenem Sachwertfonds dem FRIEDRICH&WEIK WERTEFONDS.Weitere Informationen über die Autoren finden Sie unter: www.friedrich-weik.de, bei Facebook unter www.facebook.com/friedrichundweik/ und bei Twitter www.twitter.com/FRIEDRICH_WEIK.

35 Kommentare

35 Comments

  1. Avatar

    Columbo

    15. September 2017 12:46 at 12:46

    Wen interessiert es schon, ob Griechenland bankrott ist oder Rumänien und Bulgarien zu schwach für die Eurozone sind? Es geht um Größeres, um Geopolitik. „Lebensraum im Osten“ hieß das vor 70 Jahren, heute sagt man Osterweiterung. Der Mensch hat das unstillbare Verlangen, anderen seine Überzeugungen, sein System aufzuzwingen und sich auszubreiten. Die Welt ist nicht genug. Wen wundert`s, wenn`s irgendwann wieder knallt.

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    Ralf55

    15. September 2017 12:59 at 12:59

    Absolut brillanter Artikel!
    Den sollten wirklich alle lesen.

    Großes Danke!

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    Beobachter

    15. September 2017 13:26 at 13:26

    Absolut brillanter Artikel, einverstanden, anderseits aber zu erwähnen dass jeder sich um Informationen bemühte Leser das alles schon weiss.Ein Grund dass diese idiotische Gelddruckerei nicht so viel nützt ist ( Artikel von Ernst Wolff auf dieser Plattform am 24.8. ) WEIL EIN GROSSER TEIL DIESES GELDES DIREKT INS FINANZCASINO FLOSS U.AKTIEN -ANLEIHEN U.IMMOBILIEN IN DIE HÖHE TREIBT , würde mich nicht wundern wenn auch Bitcoins damit gekauft wurden.

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    Eidgenoss

    15. September 2017 13:30 at 13:30

    Der Selbsternannte Hilfsnotenbänker „Marko“ der den Schweizern immer Ratschläge erteilt,sollte diesen Artikel einige Male durchlesen.

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    PK

    15. September 2017 13:44 at 13:44

    aha, jetzt dreht man also auch selber am großen Rad der Finanzindustrie und vertreibt einen Fonds. Wie war nochmal der Ratschlag aus „Der Crash ist die Lösung“ ?
    Man sollte auf gar keinen Fall bedrucktes Papier gegen anderes gedrucktes Papier eintauschen ? Und reihenweise solche Anlageprodukte verissen ?
    Na ja, die Gebühren die da auftreten werden ja fairerweise in selbigem Buch ausführlich erläutert und dam unaufgeklärten Anleger Begriffe wie Ausgabeaufschlag etc. erklärt.
    Ich hab gestern auf einer langen Reise mal wieder in das Buch alte Buch reingehört.
    Wenn man mal schaut, was da von den Prognosen seit 2014 eingetreten ist, muss man konstatieren: Gar nichts…
    Immer noch der Meinung, wir sehen erst einen Deflationären und dann erst den inflationären Schock ?

    Aber OK, das bedeutet nicht, daß das alles falsch ist was in dem Buch beschrieben wird. Vieles ist aber ganz bewusst überzeichnet, teilweise wird einfach mit falschen Zahlen jongliert. Mal wirds inflationsbereinigt dargestellt, mal nicht, je nachdem, wie es gerade dramatischer aussieht. Bei den Kosten der Bankenrettung für den Steuerzahler ist inzwischen auch klar, daß die damals vorgestellten Zahlen nicht stimmen, weil die Bad Banks inzwischen doch einiges verwerten konnten.

    Das alles ist schade, weil die Wahrheit auch schon schlimm genug ist und man es gar nicht nötig hätte hier so übertrieben und wissentlich weiter zu dramatisieren.

    Ansonsten, was die Meinung zu Junckers betrifft, stimme ich zu 100% überein. Ein Beispiel für einen komplett abgehobenen Politiker, der jede Bodenhaftung verloren hat. Wenn diese Leute unsere Zukunft bestimmen, dann gute Nacht.

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      Seba

      15. September 2017 16:44 at 16:44

      Sorry PK das stimmt so nicht ganz.
      Die beiden haben als einzige ihre Prognosen sogar online gestellt.
      Guckst Du hier: https://fw-redner.de/querdenker/eingetroffene-prognosen/
      Sind Sie ein Troll?

      • Avatar

        PK

        15. September 2017 17:24 at 17:24

        wer andere als Troll bezeichnet ist meist selber einer.
        Ich bezog mich konkret auf die Aussagen in dem 2014 veröffentlichten Buch „Der Crash ist die Lösung“ und nicht auf irgendwelche später nachgereichten Facebook Kommentare die in Ihrem Link aufgelistet werden. Inzwischen haben die 2 schon so viel geschrieben, daß natürlich vieles davon richtig ist.

        Für mich ist die Richtigkeit einer Prognose allerdings unabdingbar mit Timing verbunden, wenn man daran an der Börse profitieren will. Und hier liegen die 2 Herren bislang eben falsch was die Horrorszenarien aus den ersten Büchern betrifft.
        Und Aktien waren nunmal in den letzten 3 Jahren besser als die anderen dort bevorzugten Anlagen (Whiskey !?)
        Nur in der Finanzwelt kann man offenbar Prognosen stellen und über Jahre aufrecht erhalten ohne daß diese Eintreffen und wird immer noch dafür bewundert, weil sie ja theoretisch richtig sein mögen.
        Nur sind sie das auch ?
        Die Grundaussage des Buches, daß ein Zinseszinssystem mit exponentiellem Wachstum scheitern wird ist mathematisch sicherlich dann nicht richtig, wenn man den Zins auf Null setzt. So ein System kann zumindest theoretisch stabil sein. Es erfordert auch kein Wachstum mehr.
        Man sollte daher immer auch alternative Szenarien diskutieren.
        In dem Buch wird der ultimative Crash aber als unabdingbar dargestellt.
        Irgendwann in 15 Jahren nützt mir das aber alles nichts, wenn der Dax bis dahin auf 50.000 klettert.
        Leider gibt es kaum Möglichkeiten sowas mal ohne den ganzen „Systemhass“ zu diskutieren und sich dabei vor allem zu fragen, wie man heute noch Geld verdienen kann.
        Die Zeiten der Rendite sind nämlich keineswegs vorbei, wie die letzten 3 Jahre gezeigt haben. Auch diese Grundaussage des Buches ist falsch.
        Und sie wird falsch bleiben, in den Emerging Markets z.B. sind noch mehrere 100% BIP Steigerung möglich, alleine um unser Level zu erreichen.
        Wenn man aber nur wie ein Karnickel auf den möglicherweise kommenden Crash starrt und seine Goldmünzen unter der Matratze bewacht, wird viele Chancen sicher nicht wahrnehmen.
        Aber eine verpasste 100% Chance kostet letztendlich genauso viel wie ein Verlust.
        Grundsätzlich recht haben die 2 aber mit sehr sehr vielen recht was in dem Buch steht was die Zustandsbeschreibung und die Kritik an Banken, Politikern etc. betrifft. Deshalb ist das Buch auch trotzdem sehr lesenswert und ein kompletter Laie, der sich mit QE, Target2 etc. noch nie befasst hat ist sicher besser dran das Buch zu lesen als es bleiben zu lassen.
        Ich teile eben nur nicht die daraus getroffenen Schlussfolgerungen für die Zukunft, vor allem nicht was Aktien betrifft.

        • Avatar

          Columbo

          15. September 2017 18:54 at 18:54

          @Seba
          PK als Troll zu bezeichnen, ist schon gewagt. Sie sind ganz neu hier?

        • Avatar

          Walter Schmid

          15. September 2017 22:34 at 22:34

          @PK
          Wieder mal ein sehr lesenswerter Beitrag von Ihnen! Ich stimme Ihnen voll und ganz zu.

  6. Avatar

    Sascha

    15. September 2017 13:52 at 13:52

    50% Inflation von DM in €, außer Industrie da 1zu 1,
    In Deutschland ??

    Wie hoch war diese in anderen Ländern ?

    Jetzt wieder Richtung Osten Wander ?
    Das ist Fakt, Putin ahnt es .

    Was wird diesmal passieren ?

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    Walter Schmid

    15. September 2017 14:38 at 14:38

    Man sollte sich nicht über die Politiker wundern. In der Mehrheit sind sie entweder ziemlich einfältig oder realitätsfremd oder nur auf den eigenen Vorteil aus. Nicht wenige vereinen in sich sogar all diese Eigenschaften.

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    Rudolf Best

    15. September 2017 15:34 at 15:34

    Der Artikel, so richtig er ist, wird den EU Größenwahn nicht stoppen. Ein solcher Leviathan stirbt nur, wenn er unter seiner usurpierten eigenen Größe zusammenbricht. Es gibt viele Vergleiche zur EU, vom Turmbau zu Babel bis zu den Dinosauriern. Aber wo sich blanke Unfähigkeit, persönliche Politikerraffgier, Ignoranz, Dummheit, Alkoholismus/Drogenkonsum und Selbstbeweihräucherung zusammenfinden, blüht der Größenwahn. Glaube ja niemand, dies sein nur dem III. Reich vorbehalten gewesen. Man trifft dasselbe Phänomen mit leicht geänderten Parametern beim Nordkorea-UN-Getüm, bei der amtierenden, fingernägelkauenden Narzisstin im Amt der deutschen BK’in, bei Macron dem (Sonnen)-König der Geschminkten – diese nur pars pro toto – uvam. Es ist die Uneinsichtigkeit und Unfähigkeit, selbst im Angesicht der sich anbahnenden Katastrophe, eigene Fehler einzugestehen. Interessanterweise hat der vergleichbare Größenwahn, trotz vielfältiger anderweitiger Behauptungen, Donald Trump nicht erreicht. Aus einem gewichtigen Grund: Im Gegensatz zu den vorstehend genannten Beispielen hat Trump ernstzunehmende Gegner, in der eigenen Partei und bei den Demokraten, somit diverse Oppositionen. Korea-Kim, Juncker, Macron und Merkel insbesondere haben oder kennen alle keine Opposition, keine Checks&Balances wie in den USA.

    • Avatar

      Walter Schmid

      15. September 2017 22:36 at 22:36

      Wie treffend Sie es beschreiben! Ja, so ist es.

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    Wolfgang M.

    15. September 2017 19:57 at 19:57

    Wieder ein Topkommentar von PK mit einer Stringenz in seinen Ausführungen, die immer wieder beeindruckt. Zum Beispiel:
    „Für mich ist die Richtigkeit einer Prognose allerdings mit Timing verbunden, wenn man an der Börse verdienen will.
    Nur in der Finanzwelt kann man offenbar Prognosen stellen und über Jahre aufrechterhalten, ohne dass diese eintreffen und wird und wird immer immer noch dafür bewundert, weil sie ja theoretisch richtig sein können.“…. Dies sind Sätze, die nicht zutreffender und zugleich entlarvender sein können (banale Weisheiten werden manche feststellen). Aber das sind nun mal die Knackpunkte. Grüße in die Schweiz

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    Finanzarzt

    16. September 2017 13:13 at 13:13

    Leute die sogenannte Crash Propheten wie Homm, Faber u.s.w immer kritisieren weil sie schon einige Jahre noch nicht Recht bekommen haben ,finde ich auch nicht gut.
    Sie nehmen dabei in Anspruch dass Sie richtig lagen u.den Grund des Überschiessens der Aktienkurse (immense Gelddruckerei) vorhersehen konnten.
    Wenn mir mein Arzt mit 65Jahren eine akute Herzschwäche attestiert u.ich mit 70Jahren noch keinen Infarkt hatte ,werde ich nicht den Arzt kritisieren u.sagen er hätte eine falsche Diagnose gestellt, denn die Chance dass die Probleme auftreten werden dann jeden Tag grösser.

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      PK

      16. September 2017 17:45 at 17:45

      es ist aber ein Unterschied, ob ein Arzt eine Herzschwäche diagnostiziert, oder ob er Ihnen einen Herzinfarkt vorhersagt. Würden Sie einen Arzt nicht kritisieren, der Ihnen ein baldiges dahinscheiden prognostiziert, Sie alle entsprechenden Vorkehrungen treffen wie z.B. die Altervorsorge auf den Kopf hauen und dann überleben Sie doch ?
      Fabers Prognosen haben eine Trefferquote von <50%, sogar ein Münzwurf ist da besser. Hier haben sich einige die Mühe gemacht das mal auszuwerten:
      https://www.finews.ch/images/news/2017/08/Faber_Prognose_G.jpg
      Aber wie ich schon schrieb, solche wirklich dramatischen Fehleinschätzungen werden den Gurus offenbar vor allem von Anlegern verziehen, die selber seit Jahren als Bär unterwegs sind. Da man selber in der Einschätzung versagt hat fällt es wahrscheinlich leichter die gleichen Fehler auch bei den anderen zu verzeihen. Es tritt eher eine Art von Solidarisierung ein nach dem Motto: "Theoretisch liegen wir ja trotzdem richtig und sind vor allem schlauer als die anderen, die die ganzen Probleme nicht erkennen."

      Übrigens stimme ich ja in der reinen Zustandsbeschreibung in fast allem mit Friedrich und Weik überein, ich ziehe nur andere Schlüsse für die Zukunft. Zumindest wäre ich in den Aussagen über einen Crash viel viel vorsichtiger.
      Daß er kommt ist zu 100% sicher, weil die Aktien spätestens mit dem Erkalten des Universums, wenn das letzte Photon von einem Atom emittiert wurde,alle auf Null stehen werden. Nützt mir das was ?

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      Wolfgang M.

      16. September 2017 18:08 at 18:08

      Finanzarzt, bei Ihrer Kritik halte ich insbesondere das Arztbeispiel für einen Äpfel-Birnen-Vergleich. Wenn ein Arzt Ihnen ein Herzschwäche diagnostiziert und Sie 5 Jahre ohne Beschwerden leben, haben Sie eine glückliche Zeit. Da will unser Gehirn nicht kritisieren.
      Wenn Sie einem Marktprognostiker, der einen Crash vorhersagt, 5 Jahre bei steigenden Kursen gefolgt sind, verleben Sie in diesem Bereich eine unglückliche Zeit. Sie verdienen im günstigen Fall nur kein Geld. Ihr limbisches System wird ständig auf der Suche nach Baisse-Gründen sein – und bei Nichteintritt stets ein wenig Cortisol produzieren. Wenn dann der Einbruch kommt, der in einer Marktwirtschaft systemimmanent ist, stellt sich die Frage, ob Sie dann noch richtig investiert sind. Will sagen, unsere Psyche steht uns gerade bei Fehleinschätzungen manchmal sehr im Wege. Keiner hat die Glaskugel, aber ich habe mich vor zig-Jahren über den Spruch des Uralt-Spekulanten André Kostolany gewundert, „an der Börse ist 1+1 nicht 2, sondern 3-1“! Könnte in der Zeit der manipulierten Zinsmärkte ganz besonders gelten. Nix für ungut. Gruß

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      Gerd

      16. September 2017 18:08 at 18:08

      Der letzte Absatz für sich genommen ist sehr gut nachvollziehbar.
      Nur als Vergleich nicht so sehr tauglich.

      Weil die Crashpropheten sozusagen a l l e n 65-jährigen, bei denen sie eine Herzschwäche feststellen, diese nicht nur diagnostisch festhalten, sondern ihnen auch t a t s ä c h l i ch die traurige Mitteilung v e r k ü n d e n, d a s s sie bald einen Infarkt erleiden w e r d e n .
      Ich finde, dieser Vergleich würde viel weniger hinken. Die Ärzte machen das nämlich ganz und gar nicht so – nicht bei Herzschwäche.

      Ich persönlich finde es gut, wenn mir ein Anlageberater oder Börsenbrief (oder Buchautor) knallhart auch negative Fakten um die Ohren haut.
      Wenn sich daran aber auch noch wie unumstößlich die Aussage anschließt „und weil dem so ist, deshalb muss es einen Crash geben, u.s.w.“ dann halte ich das für gewagt bis verwerflich. Ähnlich wie der Hinweis auf einen angeblichen Geheimtipp, mit dem das Geld verxfacht werden kann.

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    Altbär

    16. September 2017 15:48 at 15:48

    Mehrere hundert % BIP Wchstum in den Schwellenländer,in einer globalisierten Welt wo alles verknüpft ist u.die westliche Welt trotz noch nie dagewesener Geldschwemme dahindümpelt, ausgesprochenem von jemandem der Andern gern Übertreibungen vorwirft, wenn es so wäre würden alle Firmen dorthin wandern u.die übersättigten Märkte in der westlichen Welt würden kollabieren inkl. Aktien was er ja eben nicht erwartet.

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      PK

      16. September 2017 17:27 at 17:27

      https://www.laenderdaten.info/durchschnittseinkommen.php

      Welchen Grund gibt es anzunehmen, Brasilien wäre nicht in der Lage den Abstand zu verringern (auch wenn 2015+16 aufgrund vieler politischer Skandale mies waren) ? Die Alterpyramide dort ist viel gesünder aufgestellt als bei uns und die gemittelten Wachstumsraten sprechen auch für ein Aufholen.
      Wenn das BIP dort um 100% steigt, ist es pro Kopf immer noch 1/2 so groß wie bei uns.

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      Wolfgang M.

      16. September 2017 17:42 at 17:42

      Altbär, mit Verlaub. Bevor Sie die Ausführungen von PK als unsinnig einschätzen, sollten Sie etwas die Statistiken bemühen. Beispiel BIP-Wachstum: China hatte 2007 ein BIP von 3,5 Bio $, 2016 schon 12 Bio $, das nach Bevölkerung gleich große Indien steht gerade bei gut 2 Bio $.
      2/3 von Deutschland, bei einer 16-fach größeren Bevölkerung. Wieso soll erst recht bei kleineren Ländern keine Verdoppelung möglich sein? Viele Staaten hätten dann erst einen Bruchteil des pro-Kopf-BIP eines Industrielandes. Natürlich gelingt dies nicht allen, z.B. Nordkorea mit seinem 12 Mrd. $-BIP. Der Knackpunkt ist hier, wie bei vielen Einschätzungen, die Basisrate.
      Sehen Sie sich mal die Entwicklung von Südkorea von einem Emerging Market zu einem Hochindustrieland an.
      Gruß

  12. Avatar

    Altbär

    16. September 2017 20:48 at 20:48

    @P.K.Sie haben in ein Wespennest gestochen,zufällig kenne ich die Verhältninsse in Brasilien sehr gut.Ein Grossteil der Bevölkerung hat den staatlichen Mindestlohn der sehr tief ist,Krankenversicherungen können sich nur die Reichen leisten.Ihre bessere Alterspyramide können Sie vergessen wenn fast alle nichts verdienen,habe zufällig vor 2Tagen die Situation mit einem Brasilianer besprochen.Ihre ewige Besserwisserei gegenüber allen Kommentaren u.anderen Meinungen geht mir schon lange auf den Keks.Vielleicht hat das BIP auch noch etwas mit Mentalität zu tun,noch nicht bemerkt dass Süditalien gegenüber dem Norden trotz Milliardenhilfe auf keinen grünen Zweig kommt ?

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      PK

      17. September 2017 08:37 at 08:37

      bin jedes Jahr im Schnitt 4 Wochen in Brasilien. Die Probleme dort (da ist es der schwache Norden der Probleme macht) sind mir durchaus bekannt, und zwar nicht nur vom Hörensagen. Aber gerade wo man mit wenig viel erreichen kann liegen die Chancen. Die Brasilianer sind endlich dabei, die ganzen Korruptionsskandale aufzuarbeiten, die sie die letzten Jahre gelähmt haben. Wenn hier die politische Situation etwas zur Ruhe kommt werden wir ganz sicher 2-3 Jahre mit BIP Wachstim >5% sehen. Können Sie jetzt auch wieder bestreiten, egal.

      Aber wenn Ihr Name Programm ist, verstehe ich, daß Sie aktuell schlecht drauf sind. Brasilien steht ja auch im Bovespa am Allzeithoch. Aber die, die momentan kaufen sind ja natürlich alles Idioten, die besser auf Sie oder Ihren Freund hören sollten.

  13. Avatar

    Altbär

    17. September 2017 12:20 at 12:20

    @P.K 1. Ich bin übrigens sehr gut drauf weil ich mich über jede weitere Übertreibung freue weil die Fallhöhe höher u.die Korrektur umso eher kommt.
    2.ca. 5% BIP Wachstum bei hoher Inflation = super
    3.Derjenige der die Korruption beseitigen kann ist noch nicht geboren.
    4.Ich bin nicht 4 Wochen im Jahr als Tourist in einem geschützten Ressort in Brasilien, aber ich kenne die Situation einer Person die täglich ca.11 Std. für den Mindestlohn arbeitet u.sich keine Krankenversicherung leisten kann u.teure Medikamente für eine kranke Tochter kaufen muss.
    5.Der Spruch anfangs dises Artikels:
    MAN KANN DIE REALITÄT IGNORIEREN ABER MAN KANN NICHT DIE KONSEQUENZEN DER IGNORIERTEN REALITÄT IGNORIEREN wird auch für alle Aktioholiker wahr werden. Übrigens an alle Tesla u.Bitcoin-Kritiker, wo ist denn der Unterschied zwischen einem aufgeblasenem Aktienmarkt generell zu diesen erwähnten Anlagen? Tesla u.Bitcoin sind nämlich nur die Spitze eines riesigen Eisberges!

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      PK

      18. September 2017 07:54 at 07:54

      zu 1: Mir ist nicht klar, wie man konkret an Übertreibungen auf der Shortseite Geld verdienen kann, ich habs in meiner Börsenlaufbahn nun schon oft genug probiert. Sind Sie jetzt short und sitzen das einfach aus ?
      Wenn nicht, dann muss man ja irgendein Einstiegssignal haben für die Eröffnung einer Shortposition ? In der Praxis wird man da in so einem Trend 10x ausgestoppt bis es klappt. Jede Korrektur bisher war eine Bärenfalle. Oder haben Sie gar keine Position und freuen sich einfach so wenn es scheppert ? Schadenfreude ?

      zu 2: BIP Wachstum wird immer Inflationsbereinigt angegeben

      zu 5:
      Ich sehe schon einen extremen Unterschied zwischen Tesla und z.B. dem Dax.
      http://www.finanzen.net/index/DAX/Dividenden
      wo zahlreiche Titel eine Dividende >4% aufweisen.
      Der Dax liegt im KGV aktuell kaum über seinem langjährigen mittel von 14.6, und das, obwohl die Anlagekonkurrenz bei Anleihen nicht mehr existiert.
      Blasen sehe ich bei den Währungen und Anleihen.
      Anleihen haben eine Rendite von ca. 0%.
      Es wird fast zwangsläufig einen weiteren Run in Aktien geben von den Versicherungen, privaten Anlegern die noch Geld am Sparbuch haben und den Zentralbanken.
      Der Dax kann problemlos auf 25.000 steigen und ist immer noch attraktiver als Bundesobligationen.

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    Gerd

    17. September 2017 15:17 at 15:17

    Der DAX war im Frühjahr 2015 schnurstracks auf über 12000 gestiegen. Das wollte ich mal wieder nicht wahrhaben und fing auch damals bei 11000 schon an, mich mit Knock-Out-Puts einzudecken.
    Da ich nicht mit Verlust verkauft hätte, würde ich in jedem Fall durchgehalten haben, aber dennoch – ich suchte im Internet zusätzlich nach einer Bestätigung für meine Richtungsentscheidung. Das wirkte beruhigend. So stieß ich auf FMW.
    Und da bin ich geblieben. Wenn ich die Seite (auch wegen der Kommentare) nicht gut fände, wäre ich wohl nicht mehr dabei.

    Der Nachteil ist aber, ich werde durch die hiesige Berichterstattung dahingehend beeinflusst, die Aussichten im Finanzwesen tendenziell argwöhnisch bis negativ zu betrachten. Ob ich will oder nicht. Stetige Wiederholungen wirken.
    Das muss nicht verkehrt sein – ich sollte mir nur im Klaren drüber sein, dass es so ist.
    Wie im wirklichen Leben. Die Gruppe von Freunden und Bekannten mit der sich der Mensch (besonders ein Heranwachsender) umgibt, übt enormen Einfluss auf sein Denken, seine innere Einstellung und auf sein Handeln aus.

    Warum schreibe ich das?
    Weil ich mir vorstellen kann, dass es einigen Anlegern hier ähnlich ergangen ist wie mir.
    Ich komme ganz konkret drauf wegen @Altbär, @….bär und @…..bär.
    Vielleicht ist es so, dass viele der irgendwann (so wie ich) auf dem falschen Fuß erwischten Anleger heute aus dem negativen Gedankenbild von gestern nicht mehr rausfinden. Obwohl sich das Aktienumfeld – zumindest für kurze bis mittlere Zeit und rein ökonomisch betrachtet – extrem aufgehellt hat.

    Mal raus mit der Sprache @Altbär, verlief es bei Ihnen ähnlich wie bei mir?

    P.S.:
    Ich bekomme zwangsläufig auch ein unterschiedliches Weltbild (ich meine jetzt nicht die Finanzmärkte) je nach dem ob ich ausschließlich die Süddeutsche Zeitung unter der Leitung von Chefredakteur H. Prantl lese oder ausschließlich eine „politisch nicht korrekte“ Publikation.
    Oder ob ich nur die „Tagesschau“ im TV sehe oder im Internet auch die lücken-und lügenentlarvende „Propagandaschau“.
    Das brennt sich so tief in die eigene Meinung ein, dass ich geneigt bin, jede gegenteilige Betrachtungsweise eines anderen Menschen als völlig daneben zu qualifizieren.
    Da hilft nur – wenn überhaupt – mindestens zweigleisig zu fahren beim Informieren. Das mach ich übrigens.

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      Wolfgang M.

      18. September 2017 09:25 at 09:25

      Ja Gerd, gerade wieder ein absolut zutreffender Kommentar, von wem wohl? Wie mit Shortprodukten Geld verdienen? Auch ich habe in meinem Börsenleben am meisten Geld verloren, mit dem Versuch den Markt zu shorten. Im Jahre 1999, beim Dax-Stand von 7000, von 3500 kommend. Nur leider stieg er rasch weiter auf 8000. Noch krasser im Jahre 2015, als der Index von 10000 auf 12390 stieg, innerhalb von 4 Monaten. Ein Short-Knockoutprodukt entwickelte sich in dieser Zeit von Hebel 5 auf Hebel 50, aber in der falschen Richtung. Theoretisch sogar zweimal. Ein Dax-Einbruch war jedesmal sowas von gut begründet worden, leider stimmte der Zeithorizont nicht. Seitdem heißt es für mich: Finger weg, von diesen Produkten, bei denen die Banken unglaublich verdienen. Deshalb hat PK mit seinem Timingargument sowas von recht. Eine längerfristige Schieflage ist sehr frustrierend und eine Shortspekulation ist aus meiner Sicht das Komplizierteste in diesem Geschäft. Denken Sie nur an den unglaublichen Anstieg der Vw-Aktie von 100 auf 1000, in rel. kurzer Zeit! Viele Grüße

      • Avatar

        Gerd

        18. September 2017 09:48 at 09:48

        Genau so ist es. Und PK beschreibt es ja wie immer hervorragend.
        Und auch Altbär bemerkte, dass man zwar ständig auf eine schöne Fallhöhe wartet. Die einem dann aber im entscheidenden Moment doch noch nicht hoch genug war und der Short-Einstieg dann verpasst wird – wie vor drei Monaten. Bzw. dass man dann auch nicht lange genug drin bleibt.
        Wobei das natürlich immer noch erfreulicher ist als eine effektive Totalschieflage, wie Sie die ja auch erlebt hatten.

        Aber jetzt versuche mir doch bitte mal jemand zu erklären, wo letztlich der Unterschied liegt zwischen dem Shorten mit Hebelwirkung und dem Erwerb von Hebel-Calls. Hinsichtlich der Gefährlichkeit. Der Notwendigkeit irgendwann den Einstieg zu wagen. Und des Absahnens der Banken – wie Sie erwähnen. Wenn ich verkehrt liege, liege ich verkehrt, denke ich. Da ist die Richtung egal, oder?
        Es sei denn, ich halte tatsächlich auf der Longseite wirklich nur die Aktie selber und bin in der Lage Kurseinbrüche aussitzen.

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          berti

          18. September 2017 09:59 at 09:59

          Das sehe ich auch so, da ist kein Unterschied, bei dem einen setz ich auf grün , bei dem anderen auf rot…,.

        • Avatar

          Wolfgang M.

          18. September 2017 12:56 at 12:56

          Gerd, es gibt schon einige Unterschiede, ob ich long oder short spekuliere.
          1. Trenddauer
          Ein Aufwärtstrend dauert in der Regel 3-mal so lange wie eine Baissephase. Wenn ich in einem A-Trend short aufgestellt bin, kann ich mit vielen Hebelprodukten viel Geld verlieren, weil der Zeitwertverlust der Derivate besonders ins Geld schlägt.
          2. Kursverläufe
          Während A-Trends meistens wie eine schräge Ebene aussehen, geht es bei Trendwechseln oft sturzbachartig nach unten. Wer nach dem 19. Juni 2017 nicht gleich dabei war, hatte nach ein paar Tagen schon die Hälfte Downtrend versäumt. Geht ja auch nicht anders, sondern würde man dauernd in Fallen tappen.
          3. Quantitative Aspekte
          Während es in A-Trends oft mehrere 100% nach oben geht (Dax 2009 – 3600, 2017 – 12900), war die Fallhöhe bisher max. 73%. Wenn Sie mit Hebeln arbeiten, müssen Sie mit größerem Risiko arbeiten, bereits nach 60 Börsentagen ist statistisch schon das meiste passiert, vor einer massiven Gegenbewegung.
          Aus meiner Erfahrung ist das Timing zu einem Downtrend schon deutlich schwerer. Gruß

          • Avatar

            berti

            18. September 2017 13:27 at 13:27

            ok. Danke für die Statistiken!

    • Avatar

      Gerd

      18. September 2017 13:47 at 13:47

      Sehr aufschlussreich. Danke, Wolfgang M.

  15. Avatar

    Altbär

    17. September 2017 19:59 at 19:59

    @Gerd, Ich habe keine Mühe zuzugeben dass ich als Bär einiges an Papiergeld verloren habe in den letzten 2-3 Jahren obwohl es im DAX einige schöne Möglichkeiten gegeben hat .Das Schwierige ist das Timing, die Börse kann nach oben jahreweise übertreiben,die Korrekturen dauern meistens nur kurz u.wenn man den Einstigieg nicht erwischt ist der Spuk wieder vorbei.Z.B.Hoch 2015 bei ca .Dax 12400 war ich überzeugt dass er fallen müsste.Die Analysten von Börse online de( tägliche Analyse ) sahen noch eher 12800- als Hoch -Einstiegu.Korrektur verpasst.Beim letzten Hoch beim Juni Verfall bei ca.12940 war ich Short bei 12890 war aber wegen der Macron Euphorie u. den Analysten zu vorsichtig u.wurde ausgestoppt. d. h.Baisse wieder verpasst,immerhin ca. 1000. Punkte .Folgerung, die Koorrekturen kommen immer unverhofft.Übrigens bin ich nicht der Meinung dass sich das Börsenumfeld verbessert hat, mindestens nicht in den USA.Ein Ökonom hat soeben geschrieben.Wenn man sieht dass sich die Börsenkurse parallel mit der Bilanzsumme der Notenbanken entwickelt haben , müssten mit der Verkleinerung der Bilanzen auch ohne Zins Erhöhungen die Aktien korrigieren.Übrigens gibt es da auch noch eine Zeitbombe mit den ETF. ( alle kaufen das gleiche nur weil es steigt u.niemand weiss was darin ist . ( Googeln Sie mal Fred Hickey, die Frage ist nur wann die Bombe losgeht)
    Mein Ziel ist also bei der nächsten Baisse die sicher kommt voll dabeizustehen.Wenn sogar hochstehende Finanzleute sagen dass QE u.Gelddrucken “ ein noch nie DAGEWESENES EXPERIMENT MIT UNGEWISSEM AUSGANG SEI ,bin ich eben überzeugt dass der Ausgang schon ungewiss aber nicht schön endet. Noch zur Presse ,von der halte ich auch nich sehr viel.
    2Beispiele: Vor einigen Monaten hat die Finanzspezialistin
    bei Börse vor acht erklärt wie riesig die Gewinne von DE an den Griechen -Krediten sind, dieser Tage wurde auf dieser Plattform alles relativiert.Im Moment wird gerade in meinem Land Tesla in der Presse als Super Pionier gefeiert während ich am gleichenTag lese dass der Verlust pro Auto beim neuen Modell sei ca.10000-. Euro
    beträgt .Übrigens beim DAX ging es mir ähnlich wie Ihnen,ich meinte bei etwa 11000 wäre es Zeit einen Short zu wagen u.war viel zu früh.Sie sollten mit mir jetzt kein Bedauern haben,dank der unglaublichen Gelddruckerei profitiere ich jährliche mit Immos die ich schon 35 Jahre besitze mit einem schönen Sümmchen u.das noch einige Jahre wenn ich den“ nie kommenden“ Zinsanstieg fest auf 5-10 Jahre mache.Also denke ich wir sind fast ein wenig Leidenskollegen,hoffe aber dass Sie als Fastbär u.ich als Alt- Neu- oder als Glücksbär bald etwas zu feiern haben.

    • Avatar

      berti

      18. September 2017 10:00 at 10:00

      Ich hoffe es für Sie und mich auch :-)

  16. Avatar

    Altbär

    18. September 2017 10:51 at 10:51

    @Gerd, so sehe ich das auch, ob Short oder Long ,der Erfolg hängt nur vom Timing ab.Da ich beim Aktienmarkt mehr Chancen für eine Korrektur sehe als einen grösseren Anstieg probiere ich eben einen gestuften Short Einstieg zu erwischen u.ich hoffe wirklich dass der DAX nochmals höher kommt.Zudem kann ich mit dieser Situation sehr gut schlafen u.leben u.nicht wie Jemand meinte dass ich schlecht drauf sei.
    Frage,wie wohl ist einem überzeugten Aktionitiker der 70% seines Vermögens in Aktien hält,ja klar die werden dann alle am Hoch aussteigen können, wenn das so wäre würden nämlich die Aktien an einem Tag 40% Verlieren.
    Zur Erinnerung,Entscheid der SNB 2015 =Frankenschock.
    ZUR,ANLEIHENBLASE, klar gibt es auch eine Anleihenblase,gemäss Albert Edwards vor allem bei Unternehmensanleihen, aber wenn die platzt heisst das höhere Zinsen =Marktverwerfungen u.5Minuten später krachen die Aktienmärkte ,das ist genau das heutige Problem ,weil es mehrere Blasen gibt ( teilweise auch Immoblase ) Es spielt keine Rolle welche zuerst platzt.

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Trump gegen Biden: Fernsehdebatte in voller Länge

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Die viel beachtete Fernseh-Debatte zwischen Trump und Biden ist zu Ende. Für die Aktienmärkte ist wohl zentral, dass beide Seiten weiter unversöhnlich scheinen – und Trump einmal mehr an einer geordneten Übergabe, sollte er die US-Wahl verlieren, starke Zweifel gesät hat.

Der Ton war durchaus rüde – auf CNN ist die Rede von einer „shitshow„..

Hier die Debatte Trump gegen Biden in voller Länge:

 

 

 

Die Fernsehdebatte zwischen Trump und Biden

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Staatsverschuldung auf Rekordhoch gestiegen – hier die Details

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Deutschland-Flagge

Es ist kein Wunder. Im Zuge der Coronakrise explodiert die deutsche Staatsverschuldung, wie in anderen Ländern auch. Heute hat das Statistische Bundesamt Details zum Stichtag 30. Juni 2020 veröffentlicht. Die Schulden der öffentlichen Hand (Bund, Länder, Gemeinden und Sozialversicherungen einschließlich aller Extrahaushalte) gegenüber nicht-öffentlichen Einrichtungen lag Ende Juni bei 2,1089 Billionen Euro. Dies ist ein Rekordhoch bei der Staatsverschuldung nach dem vorigen Hoch bei 2,0683 Billionen Euro Ende 2012.

Staatsverschuldung wächst um 210 Milliarden Euro in sechs Monaten

Interessanter als der Langfristvergleich ist aber eher das aktuelle Bild. Wie sieht die Veränderung von Dezember 2019 zu Juni 2020 aus, also genau in der Zeit, wo die Staatsverschuldung durch die Coronakrise angefacht wurde? Es war ein Anstieg von 210,1 Milliarden Euro oder +11,1 Prozent! Die Statistiker sagen zu dem Anstieg Zitat: „Der Anstieg ist im Wesentlichen dadurch begründet, dass die öffentlichen Haushalte finanzielle Mittel für Maßnahmen zur Bewältigung der Corona-Krise aufnahmen„.

Interessant: Die Sozialversicherung konnte laut heutiger Veröffentlichung der Statistiker ihren Schuldenstand gegenüber dem Jahresende 2019 um rund 5 Millionen Euro (-8,8 %) auf 52 Millionen Euro reduzieren. Frage: Wie hat man das geschafft bei derart vielen neuen Arbeitslosen und folglich deutlich weniger Einnahmen? Die Staatsverschuldung auf den drei Ebenen Bund, Länder und Gemeinden wird von den Statistikern im Detail erläutert. Hier im Wortlaut:

Schulden des Bundes wachsen um 163 Milliarden Euro

Mit Ausnahme der Sozialversicherung waren am Ende des 1. Halbjahres 2020 alle Ebenen des Öffentlichen Gesamthaushalts stärker verschuldet als zum Jahresende 2019. Am stärksten stieg in diesem Zeitraum die Verschuldung des Bundes, und zwar um 13,7 % beziehungsweise 163,0 Milliarden Euro auf 1 351,5 Milliarden Euro.

Schulden der Länder steigen um 46,1 Milliarden Euro

Die Länder waren zum Ende des 1. Halbjahres 2020 mit 624,9 Milliarden Euro verschuldet, dies entspricht einem Anstieg um 8,0 % beziehungsweise 46,1 Milliarden Euro gegenüber dem Jahresende 2019. Die Verschuldung ist in allen Ländern gestiegen, prozentual stieg sie in Sachsen (+89,6 %), Bayern (+30,6 %) und Bremen (+20,4 %) am stärksten. Die Länder mit dem höchsten absoluten Zuwachs waren Nordrhein-Westfalen (+17,0 Milliarden Euro), Bremen (+6,1 Milliarden Euro) und Niedersachsen (+4,1 Milliarden Euro).

Auch bei den meisten Ländern stand die höhere Verschuldung größtenteils im Zusammenhang mit der Corona-Krise. In Bremen ist der Anstieg vor allem auf Schuldenaufnahmen für die Bereitstellung von Barsicherheiten für Derivat-Geschäfte zurückzuführen.

Schulden der Gemeinden und Gemeindeverbände nehmen um 1,1 Milliarden Euro zu

Der Schuldenstand der Gemeinden und Gemeindeverbände erhöhte sich im 1. Halbjahr 2020 gegenüber dem Jahresende 2019 um 0,8 % beziehungsweise 1,1 Milliarden Euro auf 132,4 Milliarden Euro. Hier war die Entwicklung unterschiedlich: Die Schulden stiegen vor allem in Gemeinden und Gemeindeverbänden in Schleswig-Holstein (+5,4 %), Hessen (+4,2 %) und Niedersachsen (+2,2 %). Dagegen sanken die Schulden insbesondere im Saarland (‑14,4 %), Sachsen (‑7,3 %) und Thüringen (-4,7 %).

Der Rückgang in den saarländischen Gemeinden und Gemeindeverbänden ist zum großen Teil dadurch begründet, dass im 1. Halbjahr 2020 das vom Land verwaltete „Sondervermögen Saarlandpakt“ 300,0 Millionen Euro der Kassenkredite der Gemeinden und Gemeindeverbände übernommen hat.

Lesen Sie beim Klick an dieser Stelle den gestrigen hochinteressanten Artikel von Wolfgang Müller mit dem Titel „Coronakrise: Wie viel Reserven hat der deutsche Staat noch?“

Grafik zeigt aktuelle Staatsverschuldung nach Bundesländern

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Spiegel-Kolumnist fordert „Kapitalismus-Reform jetzt“ – eine Gegenrede

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Geld ist das Symbol von Kapitalismus

Thomas Fricke ist als regelmäßiger Kolumnist auf Spiegel Online einem bundesweiten Publikum bekannt. Und wenn man seine vor drei Tagen veröffentlichte Kolumne mit dem Titel „Kapitalismus-Reform jetzt!“ genau durchliest, dann wird einem klar: Thomas Fricke ist kein knallharter Kommunist, Sozialist oder Gegner des marktwirtschaftlichen Modells. Genau so wenig, wie ich ein knallharter Marktliberaler bin. Zum Beispiel wäre ich gegen die Privatisierung von Wasserwerken. Öffentliche Daseinsvorsorge von wichtigen Kernaufgaben wie der Wasserversorgung haben in privater Hand nichts zu suchen. So möchte ich es nur mal an diesem Beispiel festmachen, dass der totale Wahn des freien Marktes nicht meine Sache ist. Dennoch fühle ich mich genötigt auf den Artikel von Thomas Fricke eine Gegenrede zu schreiben, weil ich mit vielen (nicht allen) seiner Aussagen so nicht einverstanden bin.

Gleich vorweg erstmal eine Zustimmung zu den Aussagen von Thomas Fricke. Manchmal werden marktwirtschaftliche Erfolgsgeschichten geschrieben, nachdem ein großer staatlicher Anschub geleistet wurde. So basiert (mein Beispiel) zum Beispiel der Erfolg des Silicon Valley zu guten Teilen auf den enormen Forschungsgeldern, welche die US-Regierung zum Start des Kalten Kriegs in die Bereiche Raketentechnik, Mikroelektronik etc steckte (mehr dazu hier und hier). Es nützt aber nichts einfach nur eine große Masse an Geld zu geben. Bei den Geldempfängern muss der Drang da sein zu forschen, etwas erschaffen zu wollen, voranzukommen, innovativ zu sein. Ist dies nicht der Fall, dann läuft es so, wie Daniel Stelter es gerade erst eindrucksvoll am Beispiel Berlin beschrieben hat (hier nachzulesen). Leicht vereinfacht ausgedrückt: Der mit Abstand größte Empfänger im deutschen Länderfinanzausgleich, die Stadt Berlin, saugt vor allem von Bayern und Baden-Württemberg immer mehr Geld ab. Je schlechter man wirtschaftet, desto mehr Finanzhilfen erhält man. Man braucht selbst nicht innovativ zu sein. Man kann sich in jeder Menge sozialistischer Experimente und Träumereien ergehen – kein Problem, denn zahlen tut jemand anders. Aber gut, ich schweife ab. Zurück zur Kolumne von Thomas Fricke.

Der böse Kapitalismus ist schuld?

Kommen wir nun zu einer These von Thomas Fricke, die gleich in der Headline-Aussage unter dem Titel der Kolumne zu finden ist, die da lautet „Märkte scheitern gerade in solchen Krisen“. Gemeint ist wohl die derzeitige Coronakrise. Dazu muss man sagen: Dass der Kapitalismus in so einer Zeit scheitert – das ist einfach eine unfaire Betrachtungsweise. Denn in einer Zeit, wo der Staat dem Markt verbietet tätig zu sein (Geschäfte müssen zwangsweise schließen, Flugzeuge dürfen nicht fliegen etc), wie soll der Teilnehmer am freien Markt da seinen Lebensunterhalt verdienen können? Der Kapitalismus war wochenlang zu großen Teilen abgeschaltet, und es war den Menschen (aus guten Gründen) nicht erlaubt an der allgemeinen Wertschöpfung teilzunehmen, die ihren Lebensunterhalt sichert. Deswegen git es derzeit diese Probleme! Das soll kein Vorwurf gegen die Regierung sein. Aber zu behaupten, dass die Märkte (also der Kapitalismus) gerade in diesen Zeiten scheitern, ist absurd. Hier Thomas Fricke auszugsweise im Zitat: „Wenn Regierungen wie Notenbanker in Corona-, Finanz- und anderen Großkrisen eingreifen, tun sie das, weil eben jene Marktkräfte nicht funktionieren, nach denen solche Krisen theoretisch entweder gar nicht vorkommen dürften – oder sich alles von selbst regulieren müsste. Tut es eben nicht.“

Die völlig falsche Sichtweise auf die Schere zwischen Arm und Reich

Auch ist ein wichtiger Themenblock von Thomas Fricke die immer weiter wachsende Ungleichheit bei den Vermögen. Der einfache Spruch lautet (ich formuliere mal frei heraus): Die Reichen werden immer reicher, die Armen immer ärmer. Das ist ungerecht, und daran ist der böse Kapitalismus schuld. Richtig? Nein, eben nicht. So schreibt Thomas Fricke, dass wenn seit just den Neunzigerjahren Reich und Arm so drastisch auseinandergedriftet sind, dann nicht, weil zu viel interveniert wurde, sondern weil Marktkräfte zu immer stärkerer Konzentration von Vermögen beitragen – wer viel hat, bekommt auch umso leichter mehr davon“. Da macht es sich Thomas Fricke nun mal viel zu einfach, so möchte ich es sagen. Er übersieht völlig den Grund, warum denn Arm und Reich gerade in den letzten Jahren immer mehr auseinander gedriftet sind. Es gibt zwei betroffene große Asset-Blöcke, nämlich Aktien und Immobilien. Ihre Preise steigen seit Jahren immer weiter an, und mehren in der Tat den Reichtum der Reichen immer weiter, während die Armen davon nichts haben. Im Gegenteil, die Armen dürfen die Lasten ständig steigender Wohnungsmieten tragen, und haben immer weniger zum Leben übrig.

Was hat denn dazu geführt, dass Preise für Aktien und Immobilien trotz Finanzkrise und Coronakrise (vereinfacht gesagt) eigentlich nur steigen, steigen, und steigen? Die Notenbanken haben, um alle Krisen und Probleme aus der Welt zu schaffen, die Zinsen jahrelang immer weiter gesenkt, und letztlich abgeschafft. Damit haben die kleinen Leute, die nur das Sparbuch nutzen, Jahr für Jahr dank Inflation reale Wertverluste. Das große Geld strömt seit Jahren von zinslosen Anleihen in den Aktien- und Immobilienmarkt. Dazu kommt noch, dass die Notenbanken mit ihren Anleihekaufprogrammen in Billionenhöhe die großen institutionellen Anleger teilweise vom Anleihemarkt verdrängen. Auch diese Anleger stürmen in Aktien und Immobilien. Keine Zinsen mehr, also kauft man Aktien und Immobilien auf der Suche nach Rendite. Und dieser Trend läuft seit Jahren, und wurde zuletzt durch die Notenbank-Orgien im aktuellen Jahr 2020 nur noch weiter angefacht!

Würde der Kapitalismus unbeeinflusst durch die Notenbanken einen freien Marktzins bilden können, dann wäre der Zins wohl so hoch, dass die kleinen Sparer real einen jährlichen Zinsgewinn erzielen würden. Geldanlagen in Anleihen wären attraktiv, und große Institutionelle wären nicht in Aktien oder Immobilien geflohen. Und noch etwas. Bei einem viel höheren Zinsniveau (das derzeit planwirtschaftlich von Notenbanken verzerrt wird), wäre es für die großen Konzerne vor allem in den USA unattraktiv, in obszönem Ausmaß Kredite aufzunehmen, um damit eigene Aktien an der Börse zurückzukaufen. Diese Aktienrückkäufe sind seit Jahren auch ein Grund für die massiv steigenden Aktienkurse der großen Konzerne. In einem echten, freien, nicht von Notenbanken und Politik beeinflussten Markt wäre diese Vermögenspreisblase bei Aktien und Immobilien in dieser Form wohl nicht entstanden, und die Ungleichheit zwischen Arm und Reich wäre zwar da, aber nicht so schlimm wie heute. Thomas Fricke verdreht in seiner Kolumne diese Mechanismen völlig.

Besserer Staat, nicht mehr Staat

Relativ hilflos stehe ich der Aussage von Thomas Fricke gegenüber, dass Menschen in ehemaligen Industriehochburgen AfD, Trump und Brexit gewählt hätten, weil es dort an zu wenig Staatseinfluss gegeben hätte. Bei der Argumentation komme ich kaum noch mit. Das Phänomen Donald Trump hatte ich jüngst in einem eigenen Artikel besprochen mit dem Titel „Donald Trump ist nicht das Problem, sondern das Resultat eines Problems“. Die meisten „Medienprofis“ glauben doch tatsächlich, dass das Problem weg ist, wenn Trump und AfD weg sind. Dass die Leute vor allem Trump gewählt haben wegen dem großen jahrzehntelangen Versagen seiner Vorgänger (egal ob Demokrat oder Republikaner), möchte man am besten ganz ignorieren. Nicht noch mehr politische Bevormundung und Staatseingriff braucht es, sondern schlicht und einfach nur gute Politik!

Thomas Fricke sagt, dass erst wenn wir im Land wieder überall Glasfaser haben, würde es sich lohnen, in entlegenere Regionen zu investieren, was es bisher nicht tut. Da mag er recht haben. Aber: Wenn man um Deutschland rundherum schaut, laufen Netzabdeckung, Digitalisierung (vereinfacht gesagt) überall deutlich besser als bei uns – das wird nicht an zu wenig Staat in Deutschland liegen, sondern eher an schlechter beziehungsweise inkompetenter Politik in Deutschland!

Der böse Kapitalismus und die Finanzkrise

Thomas Fricke schreibt: „Wenn es 2008 zur größten Finanzkrise seit Jahrzehnten kam, dann ja nicht deshalb, weil Staaten zu viel eingegriffen haben, sondern weil sich Finanzmarktakteure in ein irres System aus gegenseitiger Verschuldung auf weitgehend freien Märkten verlaufen hatten – und weil dem zu wenig staatliche Grenzen gesetzt wurden. Eine Krise, die bis heute nachwirkt, etwa in Form von Nullzinsen.“ Das ist natürlich die aller leichteste aller Übungen, nämlich sinngemäß zu sagen: Leute, schaut auf die Finanzkrise 2008, die Marktwirtschaft hat hier ihre häßliche Fratze gezeigt. Aber so einfach ist es nun mal nicht. Drei große Akteure haben (das ist meine Meinung) zu gleichen Teilen zur Finanzkrise 2008 beigetragen. Als da wäre US-Regierung und US-Notenbank. Die unausgesprochene Staatsraison der Amerikaner lautete schon lange vor der Finanzkrise, dass jeder Amerikaner (weil man ja die größte, reichste und mächtigste Nation der Welt sei) das Recht habe in seinem eigenen Haus zu leben.

Deswegen schufen Regierung und Notenbank absichtlich ein Umfeld von immer weiter sinkenden Zinsen und Deregulierung am Hypothekenmarkt. Genau so aber waren die Konsumenten schuld, die oft (aber nicht immer) sehenden Auges in die Katastrophe schlitterten, weil sie Häuser kauften, die sich sich gar nicht leisten konnten. Und drittens waren es die Banken, die unbedingt Geld verdienen wollten durch hochverzinste Immobiliendarlehen. Egal wie, es mussten Kredite verkauft werden. Diese toxische Kombination schuf die Immobilienkrise in den USA, und nicht ein simples Scheitern des Kapitalismus. An der Finanzkrise haben ALLE Institutionen und Personengruppen in den USA „mitgewirkt“. Der Kapitalismus war Teil des Problems, aber nicht das alleinige Problem. Diese Krise zeigte, dass der Kapitalismus in der Tat einen gesetzlichen Rahmen benötigt, der auch überwacht werden muss. Aber der gesetzliche Rahmen sollte nicht zum Erstickungstod des Marktes führen.

Was uns bevorsteht

Meiner Meinung nach liegt das Problem nicht im Kapitalismus, und auch nicht in einem heraufziehenden Kommunismus. Sondern in einer Art schleichender Lawine, welche unzählige sozialistische Ideen über uns bringt, eine immer größere Staatswirtschaft, einen immer größeren Apparat der Sozialindustrie, mit immer mehr Steuern und Abgaben, Beschränkungen und Verordnungen. Wichtig ist nur, dass man gerade im Zuge der Coronakrise gerade diejenigen Kräfte ausbremsen sollte, die jetzt ihre große Chance sehen, auf die sie so lange gewartet haben. Endlich Abkehr vom Markt, endlich Verstaatlichungen, mehr Regulierung (siehe Mietpreisdeckel in Berlin uvm). Solche Auswüchse wie in Berlin dürften erst der Anfang sein, wenn im Zuge der Coronakrise der Ruf nach mehr Staatswirtschaft immer lauter wird.

Vor allem nach der nächsten Bundestagswahl dürfte in der Post-Corona-Zeit der Drang hin zu mehr Staatswirtschaft zunehmen. Was die dann neu formierte Regierungskoalition (raten sie mal welche das sein wird) vor hat, lässt sich natürlich schwer erahnen. Aber für jeden der denkt, ihn persönlich würde eine zunehmende Staatswirtschaft und zunehmende staatliche Restriktionen nicht betreffen, der schaue mal ins grün regierte Ländle. In Baden-Württemberg wurde nämlich beschlossen, dass das Landesnaturschutzgesetz geändert wird. Dabei geht es um die Gestaltung von Vorgärten auf Privatgrundstücken – Schottergärten auf Privatgrundstücken werden verboten. Tja, Sie als Hausbesitzer dürfen dann nicht mehr selbst bestimmen, ob sie Steine oder Rasen vor ihrem Haus auslegen. Das ist nur ein winziger, kleiner Vorgeschmack auf das, was uns bevorstehen dürfte.

Es ist zu befürchten, dass uns in Sachen Sozialindustrie und Umweltregulierung ein neuer gigantischer Bürokratieapparat bevorsteht, der jede Menge neue Vorschriften und Einschränkungen mit sich bringt. Dieser Apparat bedeutet viele schöne neues Jobs für die jeweilige Klientel. Und man wird viele dieser neuen Ämter, Jobs und Regulierungen mit der Headline versehen: „Der Kapitalismus konnte es eben nicht, deswegen muss es jetzt der Staat richten. Corona, Finanzkrise, Armut, Ungleichheit – der Kapitalismus hat hier gezeigt, dass der Staat hier viel stärker eingreifen muss, also machen wir das jetzt“. So wird das Motto wohl lauten.

Thomas Fricke wünscht sich unter anderem, dass (Zitat) „Politiker dazu beitragen, dass bei drohenden wirtschaftlichen Umbrüchen in den betreffenden Regionen viel früher neue Perspektiven geschaffen werden – und viel systematischer schon dafür gesorgt wird, neue Firmen anzulocken, die am besten zu den Leuten und Ressourcen vor Ort passen“. Dazu kann man als mahnendes Negativbeispiel die ostdeutschen Kohlereviere erwähnen, wo tausende Jobs verloren gehen. Wohl aus Angst, dass die AfD dort wegen solchen Job-Verlusten mehr Zulauf bekommt (meine persönliche Vermutung), hatte man schon letztes Jahr schnell eine Idee. Es mussten sofort Job-Versprechen her für die neuen Arbeitslosen. Und siehe da: Von Kohleabbau direkt hinüber in die Staatswirtschaft. So sollen von 8.000 Kumpel, die ihren Jobs verlieren, für 5.000 von ihnen neue Jobs bei Behörden geschaffen werden, genau in den Regionen wo die Jobs verloren gehen. Neue Staatsjobs schaffen, wofür genau? Mal sehen? Irgendwas fällt uns da schon ein? Wie produktiv werden diese neuen Behörden sein?

Klar ist nur: Die privaten Arbeitnehmer in Deutschland müssen diese zusätzlichen Behördenjobs dann zukünftig dauerhaft auch finanzieren, mit ihrem Steueraufkommen. Es gilt, so meine bescheidene Meinung, dem Drang nach immer mehr Staat, höheren Steuern und immer mehr Regulierung Einhalt zu gebieten. Nur fällt das dank Corona ziemlich schwer, weil es sich so wunderbar leicht aussprechen lässt, dass der böse Kapitalismus das Problem sei. Nicht mehr Staat und mehr Regulierung, sondern bessere Politik und intelligentere Regulierung, das sollte das Ziel sein! Die Aufforderung von Thomas Fricke zur Reform des Kapitalismus dürfte von all zu vielen Menschen als Unterstützung ihres Wunsches angesehen werden, den freien Markt zu bekämpfen und immer weiter abzuschaffen, anstatt ihn zu reformieren.

Übrigens: Wer mehr Staat will, mehr Schulden, mehr Staatswirtschaft, der scheint bei Marcel Fratzscher, Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, genau an der richtigen Adresse zu sein (hier unser letzter Bericht zu seiner Person). Er ist bekannt als regierungsfreundlicher Kommentator in volkswirtschaftlichen Fragen. Siehe folgender aktueller Tweet:

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