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Markus Krall mit knallharten Aussagen über die Krise

Claudio Kummerfeld

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Inflation voraus laut Markus Krall

Markus Krall wird als CEO der Degussa von vielen Medien gerne in die Ecke der Crashpropheten und Schwarzmaler gestellt. Sein in „höheren Kreisen“ zweifelhafter Ruf mag womöglich daher rühren, dass er eine ziemlich deftige Wortwahl benutzt, die wenig diplomatisch daherkommt. Wir bei FMW bemühen uns immer offen für alles zu sein, und auch an die Aussagen von Markus Krall stets ohne Vorbehalte heranzugehen.

Markus Krall über die große Krise

Ganz aktuell hat die Mission Money ein neues Interview mit Markus Krall veröffentlicht, gedreht in der Goldkammer der Degussa. Die aktuell optisch gute Lage an den Märkten sei nach seiner Meinung eine Illusion, die durch das Helikoptergeld der Notenbanken verursacht werde. Als Land und Kontinent sei man bereits pleite. Es gebe einen großen Selbstbetrug in Form fauler Kredite und Insolvenz-Verschleierung. Wenn die Zombieunternehmen kippen, würde man erst sehen, wie pleite die Volkswirtschaft sei.

Laut Markus Krall würden auch zahlreiche Vermögensverwalter die tatsächliche wirtschaftliche Lage so sehen wir er – nur würden sie weiterhin versuchen noch solange Gewinne an den Kapitalmärkten einzustreichen, wie die Party läuft, die von den Notenbanken am Leben gehalten werde. Frage unsererseits an Sie liebe LeserInnen: Dreht sich also alles nur noch darum, wie lange die Notenbanken noch Munition haben? Oder haben die Notenbanken endlos Munition, und die Party geht endlos weiter? Oder funktioniert die Munition an den Märkten irgendwann nicht mehr?

Die Coronakrise sei der klassische schwarze Schwan, so Markus Krall. Finanzmärkte und Realwirtschaft hätten sich spektakulär voneinander entkoppelt. Die gute Lage am Aktienmarkt könne laut seiner Aussage nur etwas mit dem Geldzufluss der Notenbanken zu tun haben. Aber wie lange geht die Party noch?

Geldmenge und Zombieunternehmen

Das neu geschaffene Zentralbankgeld steige laut Markus Krall derzeit exponentiell – hierzu präsentiert er einige interessante Aussagen. Und es gebe derzeit viel mehr Zombieunternehmen, als er es vor Jahren prognostiziert habe. Der Bilanzbetrug der EZB zögere den Crash nur hinaus, durch ausgesetzte Insolvenzen, und durch Banken, die ausgefallene Kredite nicht mehr aus Verluste abschreiben würden (wir haben über dieses Thema schon oft berichtet).

Wann die Party endet

Solange die EZB das gesamte Bruttosozialprodukt der Eurozone noch nicht für das Gelddrucken abgeschöpft habe, solange gehe ihre Politik irgendwie noch gut, so Markus Krall. Dazu liefert er eine komplexe Erläuterung des Geldschöpfungspotenzials der EZB. Die von der Notenbank gehaltenen Staatsanleihen seien nichts mehr wert, weil die Mitgliedsstaaten der Eurozone längst pleite seien. Wenn die wertlosen Assets in der Bilanz der EZB das Bruttosozialprodukt der Eurozone übersteigen, dann sei „Ende Gelände“, so formuliert es Markus Krall. Dann kommt also der große systemische Zusammenbruch, den auch die EZB nicht mehr mit Gelddrucken aufhalten kann?

Erst Deflation, dann die große Inflation

Die Rechnung bei einer kräftigen Inflation zahlen laut Markus Krall die Bürger mit ihren entwerteten Spareinlagen, entwerteten Lebensversicherungen etc. Welche systemischen Lösungsansätze sieht er? Man könne zum Beispiel über Nacht der Euro abschaffen und die Target2-Salden abschreiben. Sachwerte würden vor Inflation schützen. Zunächst aber komme die Deflation (wie aktuell den dritten Monat in Folge), die Voraussetzung für die folgende kräftige Inflation sei. Denn die Notenbanken würden in der derzeitigen deflatorischen Phase gegen die Krise andrucken. Mit der beginnenden Inflation würden die Menschen zuerst Gold und Immobilien kaufen – später dann alles was vermeintlich Werte erhalte und besser sei als Papiergeld, wie zum Beispiel Autos oder Waschmaschinen.

Sozialismus oder Freiheit

Und Markus Krall predigt wie schon seit Monaten auch heute, dass die Menschen nach dem großen systemischen Zusammenbruch die Wahl hätten. Man könne sich für den Sozialismus entscheiden oder für die Freiheit. Nicht die Marktwirtschaft sei derzeit am Scheitern, sondern der Geldsozialismus, so seine Worte. Es müsse und werde der Goldstandard kommen in Verbindung mit einem freien Wettbewerb von Währungen.

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29 Kommentare

29 Comments

  1. Avatar

    Peter Sallister

    2. November 2020 19:09 at 19:09

    Der große Zusammenbruch wird wohl sehr wahrscheinlich nicht kommen. Einfach weil sich nicht ebenbürtige „Gegner“ gegenüber sitzen. Der Markt und der Staat.
    Der eine muß sich an die Regeln halten, der Staat macht im Notfall was er will.

    Die Lösung läuft über eine fein geregelte Verteilung von Staatsschulden auf die Bürger. Lateinisch „inflatio“, Aufblähung, deswegen riecht es dabei oft so streng. Von Könnern in Szene gesetzt merkt der Normalbürger aber dabei nur wenig, weil gekonntes timing im Spiel ist.

    Griechenland u. a. sind Teil des Konzepts.

    Es gäbe genug Gründe sich darüber aufzuregen und dabei auch von Sauerei zu sprechen. Auch von Ungerechtigkeit und Verarschung.
    Aber die Welt der Börsenanalysten hat hierbei einen zu engen Blickwinkel.

    Die Regierenden in den Staaten leben in einer ganz anderen (Vorstellungs-)Welt. Für sie sind die Börsianer eine Interessensgruppe wie Tausend andere auch. Jede schreit, blökt und fordert.

    Die Regierenden haben den Staat als Ganzes und sein unbedingtes Funktionieren im Auge. Und die Möglichkeiten die sie haben setzen sie dazu gnadenlos ein.

    Die Zusammenbrüche, die Herr Krall prognostiziert werden im Vorfeld erkannt und gebannt. Reimt sich sogar, lach.
    Dennoch sind die Kralls dieser Welt notwendig und erfüllen einen guten Zweck. Aber die erhaltenden Kräfte setzen sich mit dem Staat an der Spitze letztenendes durch …, ohne Katastrophe.

    Das ist wie Bayern München mit Sonderrechten. Wenn der Gegner mit 2:0 führt kann Bayern als Einziger die Regeln ändern und bestimmt, daß die gegnerische Mannschaft ab sofort nur noch 5 Feldspieler auf dem Platz haben darf … zum Wohle des Ganzen natürlich.
    Damit habe ich fertig.

  2. Avatar

    Columbo

    2. November 2020 19:44 at 19:44

    @Peter Sallister

    “…Aber die erhaltenden Kräfte setzen sich mit dem Staat an der Spitze letztenendes durch …, ohne Katastrophe…”

    Aha, ich hätte da eine Frage:
    Wie war das mit den „erhaltenden Kräften“ 1914 und 1929 und 1939 und…?

  3. Avatar

    leftutti

    3. November 2020 00:45 at 00:45

    Es ist mal wieder Zeit für die inzwischen zwei-wöchentliche Predigt und düstere Vision des goldenen Propheten, der wegen seiner üblichen ziemlich deftig-dämlichen Wortwahl, die wenig diplomatisch daherkommt, kaum neue Jünger findet. (@ Claudio Kummerfeld, eine treffende Einschätzung, wie ich finde).

    Und Markus Krall predigt wie schon seit Monaten auch heute, dass die Menschen nach dem großen systemischen Zusammenbruch die Wahl hätten. Man könne sich für den Sozialismus entscheiden oder für die Freiheit. Sozialismus oder die Freiheit?!
    Keine anderen Möglichkeiten? Man lasse sich diese angeblichen zwei einzigen ultimativen Alternativen auf der Zunge zergehen.

    Krall kommuniziert wie immer laut und unverhohlen, aber unbewiesen, Inhalte, die Corona-befeuert umso drastischer klingen, aber an einfachen Fragen unsererseits an Sie, liebe LeserInnen bereits scheitern könnten. Weil Meister Krall seit so vielen Jahren daneben liegt und ähnlich wie „The Donald“ seine golden Fake News zwar laufend und laut als Wahrheit verkauft, aber nie entsprechend begründet oder Fragen dazu beantwortet:

    Dreht sich wirklich alles nur noch darum, wie lange die Notenbanken noch Munition haben?

    Wie oft kann Krall seine ultimativen zeitlichen Limits noch hinauszögern, bis seine bGlaubwürdigkeit leidet? Wie lange hat er noch Munition?

    Sind die Mitgliedsstaaten der Eurozone längst tatsächlich längst pleite? Wann ist man pleite?
    Ist nicht alles relativ im Vergleich weltweit (Vertrauen, Schuldenstand, Machtverhältnis)?

    Sollte nicht seit langem schon eine „brutale“ Inflation kommen?

    Hat Krall die „vorgelagerte“ Deflation nicht erst kürzlich nach deren Eintritt opportunistisch-nachträglich in seine Hyper-Inflations-Szenarien integriert, nachdem die Hyperinfaltion eine Pause eingelegt hat?

    Dreht sich die Kernfrage tatsächlich um Sozialismus oder Freiheit?

    Ist soziales Handeln, Zusammenhalt, Emphatie, Umwelt- und Klimaschutz, Generationen übergreifendes Denken tatsächlich Teufelswerk?

    Sitzt der Teufel nicht viel tiefer, im christlich-konservativen, frustrierten Ego einer überkommenen Persönlichkeit, die neuen Herausforderungen und Realitäten hilflos gegenüber steht?

    • Avatar

      Mike Lohmann

      3. November 2020 15:41 at 15:41

      Es ist schon erstaunlich, dass man Gelddrucken ohne Ende ohne die geringste reale Wertabdeckung als völlig unproblematisch ansehen kann. Nur Ökonomen wie u.a. Fratzscher sehen das als unproblematisch an. Aber sogar Kinder ohne Schulbildung wissen, dass ungedeckte Schecks früher oder später platzen werden. Dazu braucht man nicht mal all die unzähligen Zusammenbrüche der Finanzsysteme in der Vergangenheit zu kennen. Dass man nun in DE wiederum solche Vorgänge überhaupt gutheissen kann, ist wohl kaum noch zu verstehen.

    • Avatar

      asisi1

      3. November 2020 16:54 at 16:54

      Ist doch völliger Schwachsinn , was sie da schreiben.
      Ich war 40 Jahre selbstständig tätig und kann nur bestätigen was M. Krall schreibt.
      Nicht das Kapital stand vor meiner Tür und wollte immer mehr Geld von mir, sondern der kriminelle Staat und seine Vollstrecker. Mehr Fleiß , bedeutete immer mehr Steuern und Abgaben und wofür? Für dummes Zeug und um die politischen Fehler etwas ab zu mildern!
      Wenn heute der Staat dem arbeitenden Bürger ca. 70-80% der Geldes, durch Steuern und Abgaben nimmt, ist es ein Verbrecher Staat, der mitsamt seinen Parasiten abgeschafft gehört.

  4. Avatar

    Frustutti

    3. November 2020 12:24 at 12:24

    Da hat einer sehnlichst auf die Predigt der Wahrheit gewartet um seinen Frust gegen die Person wieder abzulassen. Er hört lieber Predigten im Stile von Fratscher und Co.. Er wird immer dämlicher und man könnte auch fragen wie lange er noch Munition für seine dummen Fehlschüsse hat?

    • Markus Fugmann

      Markus Fugmann

      3. November 2020 19:09 at 19:09

      @Frustutti, bitte keine persönlichen Angriffe!

  5. Avatar

    Peter Sallister

    3. November 2020 15:03 at 15:03

    Wie war das mit den „erhaltenden Kräften“ 1914 und 1929 und 1939 und…?

    Damals waren diese Kräfte zu weit lokal verteilt, die Kommunikation unter den Bürgern weltweit kaum vorhanden, der Einzelne leichter für dumm zu verkaufen, die Regierungen unkontrollierbarer.

    2008 ließ man Lehmann noch absaufen um ein Exempel zu statuieren und hätte beinahe so eine Katastrophe angerichtet wie von Dr. Krall beschrieben.

    Heute ist man weiser, die Wohlverhaltensphasen von Schuldnern werden ständig gekürzt, die Schuldensituationen von Ländern werden „verstanden“ und eher großzügig behandelt, Schicksalschläge wie Hotelbesitzer sein in Coronazeiten werden umgelegt auf die denen es noch richtig gut geht.

    Das paßt nicht jedem. Mir an manchen Tagen auch nicht. Es wird schwieriger das Umfallen von Dominosteinen vorauszusehen. Weil plötzlich eine helfende Hand aus dem Nichts auftaucht und den Stein wieder aufrichtet. Eine Lufthansa-Aktie müßte nicht schon längst tot sein, sondern analog zu PC-Spielen ausgerottet. Das kann einen wütend machen wenn man anlagemäßig darauf gesetzt hatte.

    D. h. die bewahrenden Kräfte setzen sich immer mehr durch was in vielen Augen eine positive Kulturleistung ist. Andere sprechen von schwachmachender Verweichlichung.

    • Avatar

      asisi1

      3. November 2020 16:58 at 16:58

      66% der Deutschen werden mittlerweile vom Staat alimentiert!
      Das solch ein Unsinn nicht ewig weiter gehen kann, müsste jedem Idioten klar sein.
      Die 18 Millionen „Netto Steuerzahler“, werden diesen Spuk nicht auf Dauer mitmachen, also folglich knallt es und das muss unbedingt sein!

  6. Avatar

    Claudia

    3. November 2020 17:40 at 17:40

    Leute wie Leftutti leben nach meinen Erfahrungen fast immer vom Vater Staat. Ich kenne viele Unternehmer, die fleißig zum Erfolg der deutschen Wirtschaft beitragen und Steuern zahlen. In den Kernaussagen Kralls zum Funktionieren einer Marktwirtschaft, zur Schuldenpolitik der Notenbanken und zur Qualität unsere politischen „Elite“ sind sie ausnahmslos seiner Meinung.

    • Avatar

      leftutti

      3. November 2020 19:10 at 19:10

      Was sind denn Leute wie Leftutti für Leute? Welche Erfahrungen haben Sie und wie gut kennen Sie mich, dass Sie derartige Einschätzungen abzuliefern wagen?

      Ich kann Ihnen versichern, ich lebe nicht und lebte noch nie vom Vater Staat. Ich zahle brav meine Steuern, vermutlich deutlich mehr als Sie. Ich habe weder BaFöG während meines Studiums bezogen, noch war ich bisher auch nur einen Tag arbeitslos gemeldet. Ich koste nichts und zahle viel.

      • Avatar

        Claudia

        3. November 2020 19:49 at 19:49

        @Leftutti, aber Sie sind unverheiratet und kinderlos, richtig?

        • Avatar

          Lausi

          3. November 2020 20:38 at 20:38

          Als aufmerksamer Kommentar-Leser kann ich Ihnen verraten: Leftutti ist nicht kinderlos! Ob Herr Leftutti aber verheiratet, geschieden, verwitwet oder in „wilder Ehe“ lebt, kann ich Ihnen leider nicht sagen. ;-)

        • Avatar

          leftutti

          4. November 2020 10:12 at 10:12

          @Claudia, was spielt denn das für eine Rolle? Wen interessiert das denn?

          Sind Sie derzeit auf der Suche? Dann empfehle ich Parship und ähnliche Plattformen.

          Oder sind Sie einfach Datensammler(in) für die NSA, politische Institutionen oder dubiose Gruppierungen?

  7. Avatar

    Lausi

    3. November 2020 20:04 at 20:04

    „Freiheit statt Sozialismus“ – dieser Spruch wurde schon vor 40 Jahren von der CDU/CSU ausgegeben – und schon damals fand ich diesen abstoßend. Man sollte sich vielleicht eines vor Augen führen: Der beklagte „Notenbank-Sozialismus“ ist doch nur die letzte zwingende Konsequenz des bestehenden „realen Kapitalismus“, schlicht und einfach weil alles zusammenbrechen würde bzw. der Schuldenturm kollabieren würde, wenn nicht jeder und alles von der Notenbank gerettet werden würde. 30 Jahre nach dem Scheitern des „realen Sozialismus“ ist nun der „reale Kapitalismus“ am Scheitern! Irgendwie witzig, oder?

    • Markus Fugmann

      Markus Fugmann

      3. November 2020 20:37 at 20:37

      @Lausi, sehr guter Kommentar! Der scheinbar besiegt Sozialismus kommt durch die Hintertür wieder rein – er beläßt zwar die Eigentumsverhältnisse, aber schränkt dessen Nutzung ein früher oder später – siehe Mietendeckel in Berlin als erstes sozialistisches Element im Kapitalismus..

      • Avatar

        asisi1

        4. November 2020 07:02 at 07:02

        Sehr guter Kommentar!

  8. Avatar

    Lausi

    3. November 2020 21:29 at 21:29

    Danke für die Blumen, lieber Markus! ;-) Der Mietendeckel in Berlin wird grandios scheitern, bzw. garantiert nicht die gewünschte Wirkung erzielen. Schon jetzt ist es wie in den 70-ger Jahren, wo man nur durch hohe „Abstandszahlungen“ an eine günstige Altbauwohnung kam. Dieses nur als eine von vielen anderen negativen Wirkungen dises – in meinen Augen – undurchdachten und ungerechten Mietendeckels.

    Als relativer „Linker“ bin ich durchaus ein Freund der Marktwirtschaft, nur müssen mMn dabei gewisse Rahmenbedingugen festgelegt werden, bzw. Ziele definiert werden, wie z.B. keine ausufernde Ungleichheiten bei der Vermögensverteilung oder keine Umweltzerstörung die der Menschheit die Grundlage entzieht. Das muss nicht gleich Sozialismus heißen, nur eben gewisse Grenzen ziehen. Das Kartellamt wird ja auch nicht als sozialistisches Teufelszeug angesehen, sondern als sinnvolle Institution, weil bei der „reinen Marktwirtschaft“ eben gewisse Fehlentwicklungen überhaupt nicht auf dem Bildschirm erscheinen bzw. keine Bedeutung haben. Wäre schön, wenn nach dem Kollaps nach diesen Prinzipien eine neue Wirtschaftsordnung aufgebaut werden würde – sofern das „post-kollapsische Mittelalter“ nicht zulange andauern sollte… Aber das ist natürlich ziemliche Zukunftsmusik – jetzt freue ich mich erstmal auf einen spannenden Wahlabend! :-)

  9. Avatar

    Krallenmann

    4. November 2020 07:36 at 07:36

    Aber Lausi, sehr oft unterstützen sie die Krall – Kritiker und somit indirekt das Gelddrucken, was wiederum ein Grund für die grosse Umverteilung von unten nach oben ist. Tönt nach Widerspruch.

    • Avatar

      leftutti

      4. November 2020 10:07 at 10:07

      @Krallenmann, klingt nur nach Widerspruch für jemanden, der nicht differenziert denken kann. Der nur Schwarz oder Weiß kennt, Krall oder Untergang. Oder der die Kommentare Anderer einfach nicht bis zu Ende liest, weil er mit seinem krall’schen Filter vor Augen nur nach wenigen Schlüssel- und Reizwörtern sucht, um dann sofort reflexhaft seine Kommentare abzusetzen. Sei es als Frustutti oder Krallenmann.

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    D.Webre

    4. November 2020 10:37 at 10:37

    Markus Krall ist sicherlich ein ausgewiesener Experte für das Bankwesen, Ökonomie und Wirtschaftspolitik. Daran gibt es überhaupt keinen Zweifel. Seine nach der klassischen Lehre gemachten Analysen treffen sicherlich ins Schwarze.

    Wo ich jedoch Zweifel habe, ist, ob die von Herrn Krall gemachten Analysen überhaupt noch eine Geltung im Hinblick auf das derzeitige Finanzgebaren der Notenbanken und Staaten haben.

    Wie soll die, von Herrn Krall postulierte, freie Marktwirtschaft nach Hayek, Mises und Smith realisiert werden, wenn das Ganze höchstens in einem selbstbestimmten Nationalstaat ohne geopolitische Machtinteressen, internationale Finanzinteressen und globale, oligarchieähnliche Strukturen funktioniert?
    Haben wir das? Werden wir das je haben? Ist das realistisch?

    Es sind ideale Theorien, die so noch nie in der Praxis gelebt wurden. Sie basieren auf gemeinschaftlichen Grundwerten und Einsichten, die in dieser Form allgemein und weltweit schlichtweg nicht vorhanden sind.

    Und jetzt ziehe ich mir einmal den Aluhut der vollkommen irrationalen Befürchtungen auf:

    Es könnte eventuell sein, dass der wertschöpfende Mittelstand mit seinen Produktionsmitteln und Mitarbeitern wohlmöglich zum Spielball der Finanzindustrie, der Notenbanken, des Lobbyismus und der nationalen und internationalen Politik geworden ist.

    Vielleicht könnte es sein, dass der Mittelstand erst ausgetrocknet, verschuldet und dann unter der scheinheiligen Vorgabe, eine nachhaltigere oder grünere Wirtschaftsweise zu verfolgen, aufgekauft und übernommen wird. Dann kämen die Plattformwirtschaft 2.0 und Public-Private-Partnerships.

    Vielleicht droht eher eine globale, technokratische Oligarchie als der, nur in der Theorie funktionierende, Sozialismus, den der Herr Krall stetig heraufziehen sieht?
    Aber dann würde Herr Krall konsequent den falschen Baum anbellen, und er müsste sich auch nicht so viele Sorgen machen.

    Auf einen wie auch immer gearteten Sozialismus hätten nämlich Jene, die momentan die geballte Macht in den Händen halten, überhaupt keine Lust. Möglicherweise möchte man jetzt nur ohne Gegenwehr das „Spielgeld“ gegen realwirtschaftliche Werte eintauschen? Dazu bräuchte es dann die von Herrn Krall so oft zitierte „kreative Zerstörung“ – nur eben anders als vielleicht von ihm gedacht.

    So, jetzt ziehe ich mir den Aluhut wieder ab.

    Vielleicht ist es aber auch so:

    Wir müssen jetzt weltweit gemeinsam eine Naturkatastrophe, ausgelöst durch einen neuartigen Virus bewältigen, so dass wir danach gemeinschaftlich in eine nachhaltigere, gerechtere und freiheitlichere Zukunft gehen können. Die Politik aller demokratischen Volksparteien und die Medien unterstützen uns dabei nach bestem Wissen und Gewissen. Die internationale Gemeinschaft der Staaten und Organisationen steht jetzt in der Krise fest zusammen. Auch die großen Technologie- und Finanzunternehmen der Welt stellen sich ihrer Verantwortung, und helfen tatkräftig dabei mit, eine nachhaltigere Weltwirtschaft mit größerer Verantwortung für die Allgemeinheit nach dem Stakeholder-Prinzip und unter Einsatz neuester technologischer Mittel zu verwirklichen.

    Hach – jetzt habe ich wieder diesen verträumten Blick.

    • Avatar

      D.Webre

      8. November 2020 11:52 at 11:52

      So deutlich habe ich Herrn Dr. Krall bisher noch nicht sprechen hören.
      Das macht meinen obigen Beitrag obsolet.

      alphaTrio – Der große NEUSTART | Dr. Markus Krall, Dr. Markus Elsässer & Florian Homm:
      https://www.youtube.com/watch?v=xtuxlqCQJBk

  11. Avatar

    Columbo

    4. November 2020 13:08 at 13:08

    Auffällig ist, daß es nur mehr Schwarz-Weiss-Denken gibt. Im Großen(Weltpolitik)wie im Kleinen(FMW Kommentare).
    Die goldene Mitte, Kompromisse, Diplomatie sind nicht mehr gefragt. Die Gehirne des modernen Menschen schaffen das möglicherweise nicht mehr, vielleicht weil schon digital degeneriert, auf Ja oder Nein, Aus oder Ein programmiert.
    Schwarz-Weiss-Denken hat uns immer schon Unglück gebracht.

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    globalvoterorg

    5. November 2020 03:36 at 03:36

    Wenn man Freiheit oder Sozialismus postuliert, ist das, per se, schon eine Überforderung der Gemeinde, die hier kommentiert. Es geht darum, ob wir Menschen nur die linke Seite der Hirnhälfte aktiv „betreiben“ oder auch, dazu, die rechte! Freiheit, heisst, nämlich, Kreativität und Freude am Leben und hat jetzt mal mit der Ökonomie und derer idiotischen Theorien und Theoremen nichts zu tun! Keine exakte Wissenschaft! Sozialismus ist der, der typischen linken Hirnseite. Par excellance!
    „Boulo, Metro, Dodo!“ Wie die „feinen“ Franzosen es auf den Punkt bringen. Denken lassen und Steuern abdrücken, bis der Arzt kommt!? Was der Allgemeinheit, auch Dr, Krall, einfach nicht aufgeht oder es keiner auszusprechen wagt, ist, die Tatsache, daß die „Herren“ der Zentralbanken, den Kommunismus, nicht allein, nur, auch insbesondere den Sozialismus erfanden, um uns „Unterbelichteten“ (oder Ungläubigen) davon abzuhalten darüber nachzudenken, wie KRIMINELL das FIAT SchuldgeldSystem, eigentlich, ist! Der Sozialismus ist AMORALISCH. Ist die Freiheit, MORALISCH !? Nicht nur, wie wir „die Insider“ wissen. Aber, die Freiheit ist kreativer und lustiger. Wollt ihr denn Mensch sein, oder noch nur Maschine!? (Wie Fam. Schwab das so angedacht hätte!)

    • Avatar

      Bert

      7. November 2020 08:40 at 08:40

      Guten Morgen, Globalvoterorg, nachdem ich mir noch einmal die hier publizierten Kommentare durchgeschaut habe, möchte ich insbesondere Ihnen für Ihre Einbringung einer wahrhaft vielschichtigen Perspektive danken. Ja, der Sozialismus – egal in welchem neuen und „schicken“ Gewand er nun einherkommt – ist amoralisch. Er steigt aus dem offenbar nicht trocken zu legenden Morast aus Dummheit, Dünkel, feister Aufseherei und Kontrollwahn hervor. Und ja, die Freiheit ist nicht per se moralisch. Aber sie ist eine helle Lichtung, verglichen mit diesem Morast. Ihnen und den Menschen mit Geist und gutem Willen ein schönes, kreatives und fröhliches Wochenende! Bert.

    • Avatar

      Ernie

      7. November 2020 12:20 at 12:20

      @Globalvoterorg
      Leider ist das Hemisphärenmodell längst überholter populärwissenschaftlicher Unsinn, basierend auf verklärten Mythen und dem Wunsch nach einfachen Erklärmodellen für einfach gestrickte Denker. Solche, deren kognitive Fähigkeiten von einer komplexen, sich ändernden Realität weit überfordert sind.
      https://de.wikipedia.org/wiki/Hemisphärenmodell

      Wenn es überhaupt noch ein paar eindeutige Zuordnungen gibt, fällt lustigerweise gerade die Freiheit in den Bereich der linken Hälfte. Also haben Sie den ultimativen Quatsch zum Besten gegeben.
      Für abstrakte Begriffe wie Freiheit oder Liebe ist überwiegend die linke Hirnhälfte zuständig.
      https://www.dasgehirn.info/aktuell/frage-an-das-gehirn/linke-und-rechte-hirnhaelfte-verschiedene-welten

      Doch grämen Sie sich nicht, mein Kumpel Bert findet Ihre Abhandlung vielschichtig und prima.

  13. Avatar

    Bert

    6. November 2020 18:02 at 18:02

    Dr. Krall liegt richtig, aber er überzeichnet zuweilen, vor allem in Bezug auf die zeitlichen Parameter. Mithin haben sich die Führungsebene der EU – und bald noch mehr auch der USA – sowie unsere verantwortungsvoll handelnde Bundeskanzlerin, ferner Experter wie Peter Altmaier und Olaf Scholz, folgendem Dogma verschrieben: Modern Monetary Theory MMT. Diese zu erklären, würde hier zu weit führen. Aber bezeichnend für die MMT ist die Erkenntnis von Francois Hollande, ein bedeutender Denker und vormals französischer Staatspräsident: „Das kostet nichts, das zahlt der Staat“. Wer an dergleichen bzw. MMT glaubt, sollte nicht auf Krall hören, sondern die Qualitätsmedien lesen und auf seine Lebensversicherung und Buchgeld hoffen. Wer an Geldschöpfung aus dem Nichts und MMT nicht recht glauben mag, der sollte rational investieren – und wird vermutlich besser damit fahren. Dr. Krall gibt diesbezüglich halbwegs vernünftige Investitionshinweise. Ich selbst habe mich gern mit seinen Ansichten befasst, tendiere aber eher Richtung Dr. Stelter, Dr. Ehrhardt oder Prof. Dr. Sinn. Dass ich mit rationalem Investieren wenigstens die eine Million (Gegenwert jetzt als Sachwert ! Kein Geldschrott) schaffe, ist klar. Bedenken habe ich eher mit den Interventionisten und Sozialisten, die davon einiges wegknabbern oder teilenteignen möchten. Da diese Leute aber nun einmal nicht die Hellsten sind, kann man sie auch überlisten. Selbst 1922 ff. in der Sowjetunion, 1948 ff. in Polen, Ungarn und der Tschechoslowakei waren sie zu überlisten. In diesem Sinne darf ich mit einem Zitat von Alfred Tetzlaff („Ein Herz und eine Seele“) schließen: „Der Sozi ist nicht grundsätzlich dumm, er hat nur viel Pech beim nachdenken“ (1975 wurden solche Sendungen noch in ARD und den Dritten Programmen gebracht – heute undenkbar).

    • Avatar

      leftutti

      6. November 2020 20:35 at 20:35

      @Bert, könnte es unter Umständen sein, dass Sie das, was 1975 gemeinhin unter Sozialismus oder Kommunismus verstanden wurde, noch immer in einen gedanklichen Topf mit dem schmeißen, was man heute, 45 Jahre später, aus konservativ-„freiheitlicher“ Sicht darunter postuliert? Und fleißig darin umrühren, damit bloß nichts anbrennt.

      Sie beziehen sich im Hinblick auf die BRD auf eine Zeit (1969 bis 1982), in der Willy Brandt und Helmut Schmidt Bundeskanzler waren. Heute würde man diese Personen als linksversiffte Ultra-Kommunisten steinigen. Damals waren sozialismus“kritische“ Sendungen und Zitate, ja gar Öffentlicher Rundfunk und TV im Allgemeinen also toll. Heute sind sie linke Mainstream-Qualitätsmedien, weil sie nicht die kruden Ansichten einer lächerlichen Minderheit von „Freidenkern“, Verschwörungskapern und Realitätsverweigerern teilen.

      Vielleicht sollten Sie einmal darüber nachdenken, ob nicht ein gewaltiger und fundamentaler Unterschied zwischen Sozialismus und sozialer Marktwirtschaft besteht. Auch wenn Leute aus der ehemaligen DDR letztere nicht mehr kennenlernen durften, weil sie in die unselige, fast Trump-ähnliche Kohl-Ära integriert werden sollten.

  14. Avatar

    globalvoterorg

    10. November 2020 16:17 at 16:17

    @ Ernie. Wenn Sie meinen Kommentar, vorurteilslos, lesen /geht das überhaupt!?), dann erkennen sie, daß hier keiner Seite des Hirns etwas zugeordnet wurde! Natürlich ist die linke/rechte Seite des Gehirns Methapher polemisch! Aber, es regt an!
    Des weiteren bin ich „Fan“ von Prof. Hüther. https://www.youtube.com/watch?reload=9&v=b6V36eJtO-I
    Wir werden verbildet. Der Sozialismus/Kommunismus hat mit sozial nichts am Hut. Illusionen der materiellen Gleichverteilung, wie die Demokratie eine Illusion der gleichen Machtverteilung ist.
    Mit anderen Worten, wenn wir uns nicht über unsere archaischen Denkgefängnisse Gedanken erlauben, kommen wir nicht weiter. Ohne menschliche Qualität geht gar nichts! Alle Hierachien, wie der Sozialismus oder, auch, der Kapitalimus müssen weg!

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Aktienmärkte: Corona und der Anstieg der Zahl der Aktionäre

Die Internetblase im Jahr 2000 und der folgende Jahrhunderteinbruch des Dax (- 72 Prozent) haben lange Jahre Spuren hinterlassen. Während es nach den Daten des Deutschen Aktieninstituts im Jahre 2001 noch 12,85 Millionen Aktionäre in Deutschland gab, pendelte der Wert seit Jahren nur noch an der 10-Millionen-Marke. 2019 war die Zahl der Anleger noch einmal zurückgegangen, 9,7 Millionen direkte Aktionäre in Deutschland.

Jetzt kam die Coronakrise, die einen Boom beim Aktienhandel durch die Privatanleger ausgelöst hat. „Retail Bros“, oder Handelsbrüder, hat die englische „Financial Times“ die neuen Anleger genannt. Seit Längerem gibt es eine „Crypto Bros“, das Pendant mit Kryptowährungen.

Der Trend, der aus den USA herüberschwappt

Der Name ist in der Finanzberichterstattung in aller Munde: Robinhood, ein ehemaliges Start-up aus Kalifornien, welches in den vergangenen Monaten einen Boom verstärkt hat. Der Broker hat bereits über 13 Millionen Kunden, von denen drei Millionen allein seit Anfang des Jahres bis Herbst dazu kamen. Bemerkenswert: Die Hälfte der neuen Kunden sind Aktienneulinge. Star der Szene ist David Portnoy, Inhaber des Sport-Blogs Barstool Sports, der mit seinen superoptimistischen Börsentweets (Aktien und Aktienmärkte würden immer steigen etc.) eine ganze Community antreibt. Hinzu kommt die Entwicklung zum nahezu kostenlosen Börsenhandel, durch E-Trade und Schwab weiter vorangetrieben. So haben manche Arbeitslose ihre 600 Dollar-Wochen-Schecks zum Zocken eingesetzt.

Der Anstieg der Online-Depots in Deutschland

Eine Studie von Comdirekt, Consorsbank und ING zeigte eine deutliche Zunahme der Zahl der Aktionäre unter 25 Jahren. Viele junge handeln auch auf Plattformen wie dem Handybroker Trade Republic. Kaufgebühren von einem Euro pro Trade oder gebührenfreie Sparpläne haben schon zu sechsstelligen Kundenzahlen geführt.

Auch die klassischen Onlinebroker profitieren davon. Konkret wurde die Comdirect, die mit 232.000 neuen Kunden innerhalb der ersten neun Monate vom größten Depot-Wachstum seit 20 Jahren spricht.

Der Vormarsch der Jungen

Wie bereits erwähnt, sind es vor allem die ganz jungen deren Interesse für die Aktienmärkte gewachsen ist, wie die Studie aufzeigt. Nach 26 Prozent, der unter 25-jährigen, die im vergangenen Jahr die Aktienanlage nutzen, sind es derzeit bereits 39 Prozent. Die Steigerung gegenüber 2017 beträgt sogar 22 Prozent. Aber auch bis zur Generation Ü 50 hat sich die Zahl der Aktionäre gesteigert. Was die Börsenplätze sicherlich erfreut, dürfte nicht unbedingt für die herkömmlichen Geschäftsbanken gelten. Denn der Drang zu Online- und Discountbrokern ist unübersehbar.

Ein schnelles Hin und Her

Noch etwas zeichnet die neue Generation Börsianer aus. Die Haltedauer von Aktien ist so kurz wie nie. In den USA lag diese im Sommer diesen Jahres gerade noch bei circa fünfeinhalb Monaten, im letzten Jahr hatte sie noch achteinhalb Monate betragen. Ein Trend, der schon seit Jahrzehnten zu beobachten ist. Aus Daten der New Yorker Börse zeigt sich, dass man vor dem Jahrhundertwechsel Aktien noch durchschnittlich 14 Monate im Depot vor einer Umschichtung beließ. Die Ausnahme:

Nach der Finanzkrise von 2008 wurde das bisherige Haltetief von sechs Monaten erreicht. Krisen beschleunigen anscheinend das Handeln von Wertpapieren.

Wie könnte es anders sein: Auch in Europa ist die gleiche Aktientendenz zu beobachten. Hier ging den Erhebungen zufolge die Haltedauer von Aktien von sieben Monaten zum Jahresende 2019 sogar auf weniger als fünf Monate zurück.

Kein Vergleich mit dem Verhalten des Langfristinvestors Warren Buffett, der seinen Titeln bisher im Schnitt 11 Jahre die Treue hält, auch folgt ein Teil der jungen Generation nicht dem Rat der ungarischen Börsenlegende Kostolany: „Aktien kaufen und dann schlafenlegen.“

Allerdings gibt es heutzutage auch den großen Trend zu langfristigen Sparplänen, monatliche Einzahlungen kleinerer Investmentsummen für die Altersvorsorge. Beides wurde möglich durch eine ganz andere Gebührenstruktur. Zocken zum Nulltarif, nicht nur bei Aktien und Optionen, selbst bei Staatsanleihen oder Junk-Bonds hat sich die Umlaufgeschwindigkeit der Papiere deutlich erhöht.

Wird das eine erhöhte Rendite bringen? Vielleicht kurzfristig im besonderen Jahr 2020. Ältere Börsenexperten sind davon überzeugt, dass die Masse der Anleger durch das Hin und Her auf keine durchschnittliche Rendite von acht Prozent pro Jahr kommen wird. Das Ergebnis sollte Volatilität sein, also ein größeres Auf und Ab in den Märkten mit Vielen, die teuer kaufen und dann billig wieder aussteigen.

Fazit

Ist es ein Trend in Deutschland, die Hinwendung vor allem der jüngeren Generation zum Anlagevehikel Aktie, oder eher ein Warnzeichen für die Aktienmärkte mit dem Vergleich zur Internetblase des Jahres 2000? Damals gab es es Tausende von neuen und noch unerfahrenen Daytradern, die glaubten mit dem raschen Handel reich werden zu können. Das Ergebnis ist bekannt. Es gibt aber einen großen Unterschied zur Gegenwart. Damals warf eine 10-jährige Bundesanleihe fast noch das ganzen Jahr über Renditen von über fünf Prozent ab, selbst Lebensversicherungen waren noch attraktiv. Anders die Gegenwart. Wie soll langfristig ein Kapitalstock aufgebaut werden in dem jetzigen Zinsumfeld? Bei einem vermutlich noch länger anhaltenden Zustand der finanziellen Repression. Selbst wenn die Zinsen über die 0-Prozent-Marke stiegen, wäre dies wahrscheinlich einer gestiegenen Teuerungsrate geschuldet.

Es ist also mehr als notwendig, sich mit dem Kapitalmarkt zu beschäftigen, nicht so sehr mit Hebelprodukten auf Tesla oder FANGMAN-Aktien, sondern eher mit langweiligen Sparplänen. Nach dem wundersamen Jahr 2020 mit den vielen Home-Aktivitäten (Home Office, Home Schooling, Home Shopping, Home Banking) sollte es beim aggressiven Home Trading der RobinHoodies zunächst einmal einen schmerzhaften Ausleseprozess geben.

Die Jungen entdecken die Aktienmärkte

 

 

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Richard David Precht: Künstliche Intelligenz und unsere Zukunft!

Markus Fugmann

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„Wir gehen in die zweite ganz große industrielle Revolution hinein!“, sagt der Philosoph Richard David Precht. Damit stehen wir vor einscheidenden Veränderungen nicht nur der Wirtschaft, sondern auch der Gesellschaft. Die erste industrielle Revolution beendete die Herrschaft des Adels und der Kirche – die derzeit ablaufende zweite Revolution durch künstliche Intelligenz verändert vor allem die Arbeitswelt und damit die Produktionsverhältnisse grundlegend. Nun versuchen uns Ökonomen stets zu versichern: kein Problem, es fallen zwar viele Jobs weg, aber es würden eben auch viele neuartige Jobs geschaffen werden. Das ist eine schöne Perspektive, sie hat aber leider einen kleinen Makel: sie stimmt nicht, sagt Richard David Precht zur sogenannten „Kompensations-Theorie“.

Die Menscheit jedenfalls ist durch diesen Wandel überfordert, der Boden, auf dem wir stehen, wackelt erheblich – und so entsteht zunächst einmal die Sehnsucht danach, die gute alte Welt mit ihren Werten wiederzubeleben. Ausdruck dieses Versuchs sind etwa Trumpin den USA oder die AfD in Deutschland. Aber einer der einschneidenden Änderungen im politischen Bereich wird sein, dass die Parteien, die mit der ersten industriellen Revolution entstanden und aufgestiegen waren, unter gehen werden.

Richard David Precht über schwache KI und starke KI

Richard David Precht unterscheidet zwischen schwacher und starker künstlicher Intelligenz – und führt Beispiele an, worin sich diese beiden unterscheiden. Was bedeutet das aber für uns praktisch? Wird vor allem durch „starke“ KI, also einer KI, die tiefgehende Lernprozesse leisten kann, etwa der Niedriglohn-Sektor wegfallen? Eher nicht – denn je mehr Menschen in bestimmten Bereichen verdienen, umso interessanter wird der Einsatz einer starken KI zur Kosten-Ersparnis, während sich der Einsatz im Niedriglohnsektor gar nicht lohnen würde.

Was bleibt, was wird untergehen – und welche Bereiche werden sich durchsetzen? Es werde derjenige technische Fortschritt kommen, der gesellschaftlich akzeptiert wird, dazu ein Bedürfnis befriedigt und sich gleichzeitig zu einem erfolgreichen Geschäftsmodell machen läßt, sagt Richard David Precht. Folgender Vortrag des Philosophen ist ein „must see“!

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Der Philosoph Richard David Precht über Künstliche Intelligenz

Richard David Precht

Von Foto: © JCS‘, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=62733272

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Arbeitsmarkt positiv gestimmt? Mehr neue Jobs bei IT als Entlassungen in der Gastronomie?

Claudio Kummerfeld

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Laptop mit Aufklebern

Kann das wirklich sein? Ist es das vorgezogene Weihnachtswunder am deutschen Arbeitsmarkt, mitten im zweiten Lockdown? Wenn man ein Wirtschaftsforschungsinstitut für verlässlich und seriös hält, dann doch in erster Linie das ifo-Institut! Und man möchte den Forschern bei ifo wirklich nichts Böses unterstellen. Aber ist es wirklich realistisch, dass die Stimmung am deutschen Arbeitsmarkt derzeit sogar besser wird, weil die IT-Dienstleister mehr neue Stellen schaffen wollen, als gleichzeitig in Restaurants, Bars, Hotels, Reisebüros etc verloren gehen?

Kann man sich das vorstellen? Gibt es überhaupt zehntausende oder hunderttausende neue IT-Experten in Deutschland, die auch so viele neue Stellen besetzen können? Ist die Nachfrage nach solchen Dienstleistungen wirklich so stark gestiegen in den letzten Wochen? Klar, dank Corona verlagert sich sehr viel des Geschäftslebens ins Internet. Aber wirklich, nochmal mit gesundem Menschenverstand nachgedacht: Können diese neuen Jobs hunderttausende Jobs ersetzen, die bei Gastro und Co verloren gehen? Es fällt wirklich schwer das zu glauben.

Aber das ifo-Institut hat sich das nicht ausgedacht. Nein, man macht für sein Beschäftigungsbarometer Umfragen bei ca 9.500 Unternehmen. Sie werden gebeten ihre Beschäftigtenplanungen für die nächsten drei Monate mitzuteilen. Also, kann das wirklich sein? Die IT fängt den Arbeitsmarkt auf in dieser Krise? Hier die Aussagen vom ifo-Institut im Wortlaut:

Etwas mehr deutsche Unternehmen als im Oktober denken über Neueinstellungen nach. Das ifo Beschäftigungsbarometer ist im November auf 96,7 Punkte gestiegen, von 96,4 Punkten im Oktober. Die zweite Welle hat vorerst keine größeren negativen Auswirkungen auf den deutschen Arbeitsmarkt. Die Entwicklung ist jedoch über die Branchen hinweg sehr heterogen.

In der Industrie ist das ifo-Barometer leicht gestiegen. Jedoch ist die Zahl der Unternehmen mit Entlassungsplänen weiterhin größer als die jener, die mit steigenden Mitarbeiterzahlen rechnen. Die Dienstleister planen eher Mitarbeiter einzustellen. Getragen wird die Entwicklung vor allem von den IT-Dienstleistern. In der Reisebranche und dem Gastgewerbe dagegen sind Entlassungen nicht zu vermeiden. Im Handel hat das Barometer leicht nachgegeben. Dort planen die Firmen derzeit mit konstanten Mitarbeiterzahlen. Die Bauindustrie sucht weiter neue Mitarbeiter, um ihre aktuellen Aufträge abarbeiten zu können.

Hier die vier Einzelsektoren mit einzelnem Chart:

Grafiken zeigen Beschäftigungsbarometer für den deutschen Arbeitsmarkt

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