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Markus Krall-Prognose: Beschleunigt die Politik jetzt sein Crash-Szenario?

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Hat Markus Krall recht mit seinem Crash-Szenario? Bankentürme in Frankfurt

Glaubt man den (fundiert vorgetragenen) Prognosen des Bankenexperten Markus Krall, dann könnte die Politik in Deutschland die anstehende große Krise der Banken sogar noch verschärfen, und das Crash-Szenario des Herrn Krall nur noch beschleunigen. Und das, während die Politik auf den ersten Blick doch alles richtig zu machen scheint? Aber erstmal ein paar Schritte zurück. Was ist hier los? Seit gestern gibt es Gerüchte und Berichte (zum Beispiel im Manager Magazin), dass die deutsche Finanzpolitik (vertreten durch Finanzministerium, BaFin und Bundesbank in einem Ausschuss) den Beschluss fassen könnte, die Kapitalanforderungen für die Banken zu lockern.

Kapitalanforderungen lockern gegen die Krise?

Aufgrund der Überhitzung am Immobilienmarkt hatte man noch letztes Jahr Angst, dass die Kreditausfälle bei den Banken steigen könnten. Daher hatte man beschlossen, dass der sogenannte antizyklische Kapitalpuffer aktiviert wird. Demnach müssen zumindest nach aktueller Regelung die Banken in Deutschland ihr Kernkapital um 0,25 Prozentpunkte aufstocken, und das bis Juli diesen Jahres. Dabei geht es wohl um gut 5 Milliarden Euro zusätzlicher Kapitalbeschaffung. Das wäre natürlich grundsätzlich eine gute Sache, denn damit würde die Kapitalbasis der Banken zumindest ein klein wenig gestärkt werden. Das Szenario von Markus Krall, zu dem wir gleich noch kommen, würde sich damit hinauszögern.

Aber wie die aktuellen Berichte besagen, könnte (es ist noch nichts beschlossen) die deutsche Finanzpolitik im Zuge der Coronavirus-Krise auf die Idee kommen diese zusätzliche Kapitalaufstockung außer Kraft zu setzen oder abzuschwächen. Damit müssten die Banken nicht noch auf Teufel komm raus neues Eigenkapital auftreiben bis Juli, und auf ganz kurze Sicht wäre das Leben für die Banken etwas leichter. Aber auf Sicht von ein, zwei Jahren, da wäre diese schwächere Kapitalbasis vermutlich verheerend. Markus Krall dürfte jetzt um so mehr die Alarmglocken läuten! Und lässt sich die Politik eventuell noch andere Kniffe einfallen, damit die Banken animiert werden noch mehr Kredite herauszureichen, womit der Zinsdruck nach unten noch mehr zunimmt?

Auch wenn es in Deutschland noch keine offiziellen Maßnahmen gibt. Aber was wünscht sich die Politik weltweit in Zeiten dieser Coronavirus-Krise, wo Unternehmen kräftige Umsatzeinbußen verbuchen müssen, und Probleme haben Gehälter zu zahlen? Richtig, die Banken müssen/sollen kulant mit ihren Kreditkunden sein, möglichst viele neue Kredite vergeben usw. Sollte die deutsche Politik diese Kapital-Lockerung vornehmen, und sollte die EZB morgen aller Voraussicht nach die Zinsen senken (zwei gute Gründe), dann übt das noch mal deutlich mehr Druck auf die Banken aus. Hallo, Markus Krall?

Markus Krall und sein Crash-Szenario

Dadurch sinkt die Zinsmarge der Banken wohl noch weiter, und der Angebotsdruck der Banken, nämlich immer mehr Kredite an die Kreditkunden zu vergeben, nimmt immer weiter zu. Und trotz wachsenden Kreditvergabe-Volumens machen die Banken strukturell immer weniger Gewinne, oder sogar Verluste, wenn sie all ihre Kosten dagegen rechnen (das beklagen jetzt schon Sparkassen-Verbände). Und genau da wären wir endgültig angelangt beim Szenario des Markus Krall. Seiner Meinung nach, die er seit geraumer Zeit vertritt (hier unser letzter Bericht zu dem Thema), werden die deutschen Banken in ihrer Gesamtheit Ende 2020 oder Anfang 2021 mehr Verluste als Gewinne machen.

Und damit würde ihre Eigenkapitalbasis insgesamt abschmelzen. Damit würde (folgerichtig) die Kreditvergabekapazität der Banken sinken müssen, worauf hin eine Lawine des wirtschaftlichen Zusammenbruchs eintrete. Markus Krall hat mehrfach betont, dass dieses Szenario durch eine Rezession oder sonstige negative Ereignisse auch schon früher eintreten könnte. Ist das Coronavirus genau so ein Ereignis? Mehr Kreditausfälle. Immer mehr Kreditvergabe, weniger Kapitalanforderungen, immer weniger Zinsmarge bei den Banken, letztlich erodierendes Eigenkapital, und los geht es mit dem Crash-Szenario von Markus Krall? Gut möglich.

Aber wir bleiben dabei, wie schon in den letzten Monaten. Markus Krall ist ein wirklicher Experte und Insider der Bankszene. Sein Szenario ist fundiert erklärt. Aber ob es genau so eintreten wird – das ist nicht sicher – dafür gibt es zu viele Variablen. Aber bis jetzt läuft der Bankenmarkt so, wie von ihm vorhergesagt. Abwarten, ob der Crash letztlich so eintritt, und ob die Politik kurzfristig den Banken erlaubt auf zusätzliches Kernkapital zu verzichten. Und ja, morgen schauen wir auf die vermutlich nächste Zinssenkung der EZB.


Hier ein Vortrag von Markus Krall aus Sommer 2019. Gerne erst ab Minute 23 anschauen!

7 Kommentare

7 Comments

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    Marcus

    11. März 2020 15:49 at 15:49

    Das war ja wieder klar, das die Bankenlobby das Virus zum Anlass nimmt um alles dafür zu tun das Regulierungen zurückgedreht werden, was J.P Morgan ja in Sachen Repo auch gerne hätte. Zudem möchte die Bankenlobby auch gerne, das die IFRS 9 Bilanzierungsregel ebenfalls gleich mit abgeschafft wird. Im Handelsblatt steht zudem ein Artikel nachdem die EZB Bankenaufsicht morgen ähnliches ankündigen wird.

    Letztendlich wird das Coronavirus diese Entwicklung welche Markus Krall vorhersagt, wahrscheinlich nur beschleunigen, und gütiger Mithilfe der Regulierer.

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    Hesterbär

    11. März 2020 16:38 at 16:38

    Das Krall-Szenario wird früher eintreten, als vorhergesagt. Wir dürfen gespannt sein, welche Maßnahmen sich die EZB einfallen lässt, um die Banken zu retten. Wenn die EZB zu halbherzig vorgeht (wovon auszugehen ist), wird sie keine Wirkung entfalten können.

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    Columbo

    11. März 2020 19:24 at 19:24

    Natürlich wird die EZB Banken retten und sicher nicht halbherzig, sondern aus vollen Rohren. Heute hat von der Leyen gesagt „In diesem Moment sind wir alle Italiener“, was ich ihr hoch anrechne.
    Ob am Ende Frauen die Welt retten, keiner weiß es.

    • Avatar

      Claudia

      11. März 2020 23:17 at 23:17

      @Columbo, ob am Ende die Männer die Welt retten, steht ebenfalls in den Sternen. Bisher waren es die Männer, die die Welt an den Rand der Zerstörung gebracht haben. Wir werden sehen 👩‍🦰

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    Androloge

    12. März 2020 01:04 at 01:04

    Wir alle sollten ein letztes Krall-Otte-Festival abhalten, bevor uns das Virus dahinrafft.
    Ein letztes Mal singen, zum Schloss, zum Schloss. Ein letztes Mal die schwarz-rot-goldene Fahne schwenken.

    Dieser Stahl der Freiheitsliebe wurde nicht im Lotterbett des Konsums geschmiedet!
    Sein Ursprung war in China, in USA, in Russland.

  5. Pingback: Must-Read! Aktuelles vom 12. März 2020 – Teil 2 | das-bewegt-die-welt.de

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    Tulpenzwiebel

    13. März 2020 13:40 at 13:40

    Es gibt ein Update der World of Value – Dr. Markus Krall: Coronavirus ist nicht Schuld an der Krise
    Sehr passend… https://www.youtube.com/watch?v=wgfTq7SRynI

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Nasdaq, Tesla, Netflix – aktueller Blick auf den Hype

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Fernbedienung vor Fernseher mit Netflix-Programm

Gestern noch bei 11.070 Punkten im Hoch, so fällt der Nasdaq aktuell auf 10.434 Punkte. Ein schneller Absturz. Aber halt. Was war denn bitte vorher los? Was für ein Wahnsinns-Hype, was für ein Goldrausch!. Am 20. Februar lag der Nasdaq 100-Index noch bei 9.737 Punkten. Das war der Auftakt zum großen Börsencrash. So kräftig sind einige Tech-Konzerne dem Gesamtmarkt bis jetzt enteilt, dass sie den Nasdaq mit hochziehen konnten.

Nasdaq und Tesla

Dieses Thema bespricht der Chef-Aktienhändler der Baader Bank im folgenden brandaktuellen Video. Kann es so einfach nicht mehr weitergehen im Nasdaq? Auch wichtig: Tesla sieht er eher als Datenkrake. Zwar technologisch weit vor der Konkurrenz (hier eine positive Sichtweise auf den Autobauer), dennoch sei der Aktienkurs von Tesla irrsinnig hoch. Auch wird dies klar anhand von im Video erwähnten Beispielen, wie stark sich einzelne Bankanalysten in ihrem Meinungen unterscheiden. Und ja, das ist wirklich ein Wahnsinn, so möchte ich es bestätigen!

Wette auf Netflix-Zahlen am Donnerstag

Wichtig wird jetzt in Sachen Tech die Aktie von Netflix. Die Firma ist wohl einer der größten Corona-Krisengewinner. Wo die Menschen in der Coronakrise nicht rausgehen konnten und jetzt vermutlich immer noch vermehrt zuhause rumsitzen, suchen sie natürlich nach einer Beschäftigung. Viele, sehr viele Menschen werden diese Beschäftigung wohl im Glotze-Gucken bei Netflix, Amazon, Sky und Co gefunden haben. Nur die Frage lautet: Wie viele neue Abos hat Netflix im letzten Quartal abgeschlossen? Im 1. Quartal waren es 15,77 Millionen neue Abonnenten.

Die Aktie stand im Februar direkt vor dem Crash-Start bei 392 Dollar. Gestern waren es im absoluten Nasdaq-Höhenrausch 574 Dollar. Aber bis jetzt kommt die Aktie zurück auf 508 Dollar. So schnell kann ein Long-Zocker dick im Minus sein. Donnerstag Abend (wir werden berichten) präsentiert Netflix dann seine Quartalszahlen. Das wird ein wichtiges Ereignis für die gesamte US-Börse werden. By the way… schauen Sie sich das folgende Video gerne in voller Länge an, die Aussagen sind interessant.

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Markus Koch LIVE zum Handelsstart in New York – Bankzahlen im Fokus

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Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE zum Handelsstart in New York. Er bespricht die vor wenigen Minuten veröffentlichten Quartalszahlen von JP Morgan, Wells Fargo und Citi. Die Finanzdaten bespricht er ausführlich.

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Wells Fargo und Citigroup: Quartalszahlen liegen vor

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Die Quartalszahlen von Wells Fargo und Citigroup wurden soeben veröffentlicht. Hier die wichtigsten Eckdaten, zunächst von Wells Fargo.

Der Erlös (Umsatz) liegt bei 17,8 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 21,58/erwartet 18,6).

Das Ergebnis liegt bei -0,66 Dollar pro Aktie (Vorjahresquartal 1,30/erwartet -0,16). Ein Verlust von 2,4 Milliarden Dollar im zweiten Quartal!

Kreditvorsorge 9,5 Milliarden Dollar nach 0,5 Milliarden Dollar vor einem Jahr.

Die Aktie von Wells Fargo notiert vorbörslich mit -3,8 Prozent.

Kommentar von Wells Fargo im Wortlaut:

“We are extremely disappointed in both our second quarter results and our intent to reduce our dividend. Our view of the length and severity of the economic downturn has deteriorated considerably from the assumptions used last quarter, which drove the $8.4 billion addition to our credit loss reserve in the second quarter. While the negative impact of the pandemic is unprecedented and many of our business drivers were negatively impacted, our franchise should perform better, and we will make changes to improve our performance regardless of the operating environment.

“Though our income performance was weak, our capital and liquidity continues to be extremely strong with both our CET1 ratio and LCR increasing from the end of the prior quarter. However, it is critical in these uncertain times that our common stock dividend reflects current earnings capacity assuming a continued difficult operating environment, evolving regulatory guidance, and protects our capital position if economic conditions were to further deteriorate. Given this, we believe it is prudent to be extremely cautious until we see a clear path to broad economic improvement. We are confident that this eventual economic improvement combined with our actions to increase our margins will support a higher dividend in the future,” Scharf added.

“I’m proud of the hard work and dedication of our employees through these challenging times to support our customers, communities, and each other. Our regulatory commitments remain our top priority and while we have more work ahead of us, we continue to devote all necessary resources to this effort,” Scharf concluded.

Wells Fargo Finanzdaten

Wells Fargo-Quartalszahlen - Wells Fargo Logo
Foto: Gabriel Vanslette CC BY 3.0

Citigroup

Bei der Citigroup liegt der Erlös (Umsatz) bei 19,77 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 18,76/erwartet 19,1).

Das Ergebnis liegt bei +0,50 Dollar pro Aktie (Vorjahresquartal 1,95/erwartet +0,28).

Kreditvorsorge 7,9 Milliarden Dollar nach 2,1 Milliarden Dollar vor einem Jahr.

Die Aktie der Citigroup notiert vorbörslich mit +1,1 Prozent.

Kommentar des Citigroup CEO im Wortlaut:

“While credit costs weighed down our net income, our overall business performance was strong during the quarter, and we have been able to navigate the COVID-19 pandemic reasonably well. The Institutional Clients Group had an exceptional quarter, marked by an increase in Fixed Income of 68%. Global Consumer Banking revenues were down as spending slowed significantly due to the pandemic.

“We entered this crisis from a position of strength. During the quarter, our regulatory capital increased and our CET1 ratio improved to 11.5%, comfortably above our new regulatory minimum of 10%. We continued to add to our substantial levels of liquidity and our balance sheet has plenty of capacity to serve our clients. With a sharp emphasis on risk management, we are prepared for a variety of scenarios and will continue to operate our institution prudently given this unprecedented situation,” Mr. Corbat concluded.

Citigroup Finanzdaten

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