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Nach Abstufung auf „Junk“: Aktienmarkt in Istanbul und Lira stark unter Druck

Moody´s hatte am Freitag die Türkei abgestuft - nun haben zwei der drei großen Ratingagenturen die Türkei als "junk" eingestuft. Aktien, Anleihen und Lira mit den größten Verlusten seit dem gescheiterten Putsch im Juli..

FMW-Redaktion

Der Aktienmarkt in Istanbul (BIST 100), die türkische Lira wie auch türkische Staatsanleihen sind stark unter Druck heute, nachdem am Freitag Abend Moody´s die Kreditwürdigkeit der Türkei von Ba1 auf Ba3 abgestuft hat – das ist eine Stufe unter „investment grade“ und wird damit im „Volksmund der Finanzmärkte“ als „junk“ bezeichnet.

Als Begründung für den Schritt führt Moody´s an, dass das Risiko nach dem Putsch sich erhöht habe, dass die Kapitalzuflüsse abebbten, die Devisenreserven weiter fallen würden und damit eine Zahlungskrise wahrscheinlicher würde:

“The risk of a sudden, disruptive reversal in foreign capital flows, a more rapid fall in reserves and, in a worst-case scenario, a balance of payments crisis has increased. This slow deterioration in Turkey’s credit profile will continue over the next two to three years and the balance of risks are better captured at a Ba1 rating level.”

In Reaktion auf die Abstufung fällt die türkische Lira zum US-Dollar auf den tiefsten Stand seit acht Wochen:

usdtry26-09-16
(Chart Dollar-Lira)

Der türkische Leitindex, der Borsa Istanbul 100 Index fällt heute 4% (unter Druck vor allem Banken-Werte), die Rendite (=Risikoprämie) für türkische Staatsanleihen steigt so stark (45 Basispunkte), wie seit dem gescheiterten Putsch nicht mehr und liegt nun bei 10%. Gleichzeitig steigen die Preise für Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps, CDS) auf türkische Staatsanleihen um 15 Basispunkte.

Nachdem S&P die Türkei schon kurz nach dem gescheiterten Staatsstreich abgestuft hatte, ist nach dem Schritt von Moody´s die Ratingagentur Fitch die einzige Agentur von Bedeutung, die die Türkei noch nicht mit „junk“ rated. Globale Fondsmanager haben meist als Bedingung für Investments, dass mindestens zwei der drei führenden Ratingagenturen ein investment grade vergeben haben. Nach der Abstufung könnten laut einer Studie von JP Morgan institutionelle Anleger nun gezwungen sein, türkische Staatsanleihen im Volumen von 8,7 Milliarden Dollar zu verkaufen.

Für die Türkei, das ein Handelsbilanzdefizit ausweist in der Höhe keines anderen der G20-Staaten, sind weitere Mittelzuflüsse zur Finanzierung der Handelsbilanzdefizite essentiell. Besonders die kürzliche Attacke Erdogans auf die Zentralbank (siehe hierzu den Artikel „Erdogan will „Säuberung“ der Zentralbank, Finanzaufsicht schon handlungsunfähig – deutsche Medien schweigen“) sorgt dabei nicht gerade für die Beruhigung internationaler Investoren. Die türkische Finanzaufsich ist bereits handlungsunfähig, nachdem drei ihrer fünf Mitglieder ihres Amtes enthoben wurden unter dem Vorwurf, sie seien Anhänger Gülens.



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