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Warum Negativzinsen nicht mehr zu verantworten sind – Expertenaussage

EZB-Zentrale in Frankfurt

Nullzinsen und auch Negativzinsen verbrennen Erspartes. Wer hart arbeitet und Geld auf die hohe Kante packt, kann dabei zusehen, wie die Inflation die Rücklagen auffrisst. Denn auch wenn sich nominal am Sparguthaben vielleicht nichts ändert, oder wenn Negativzinsen das Guthaben nur minimal auffressen – abzüglich der Inflation (aktuell 7,4 Prozent) geht enorm viel Kaufkraft verloren. Das Ersparte wird entwertet. Von einigen Direktoren der EZB hörte man letzte Woche Aussagen, dass es von der Null-Linie aus eine Anhebung des Leitzinses für die Eurozone im Juni oder Juli geben könnte. Aber wie ich schon die letzten Tage sagte – man darf annehmen, dass die EZB keine großen Schritte macht. Und wenn sie handelt, dann nur sehr zögerlich. Dass eine Zinswende dringend geboten ist, und dass die Negativzinsen endlich abgeschafft gehören, wird aktuell von Experten eindringlich gefordert.

Negativzinsen sind mit so hoher Inflation nicht mehr zu vereinbaren -Expertenaussage

Die Ökonomen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) haben dazu aktuell eine Mitteilung veröffentlicht. Die Geldpolitik der EZB bescherte Unternehmen, Haushalten und Staaten laut Aussage des IW über Jahre günstige Zinsen. Negativzinsen seien mit einer Inflationsrate von über sieben Prozent aber nicht mehr zu vereinbaren. Die EZB müsse bei der nächsten Zinsentscheidung am 9. Juni die Zinswende beschließen und einen Ausblick über weitere Schritte geben.

Während es im vergangenen Jahr so aussah, als sei die Inflation eine Kombination aus mehreren Einmaleffekten, scheint sie sich laut Aussage des IW nun zu verhärten. Die Inflation wirke sich ungerecht aus. Vor allem ärmere Haushalte könnten sich nur schwer schützen. Lebensnotwendige Ausgaben für Lebensmittel, Wohnen und Heizen machen bei ihnen einen größeren Anteil der Gesamtausgaben aus als bei reicheren Haushalten. Ein Haushalt, der weniger als 900 Euro monatlich zur Verfügung hat, muss laut IW für diese Posten fast 63 Prozent seines Budgets ausgeben. Bei einem Haushalt mit einem monatlichen Einkommen von 5.000 Euro sind es knapp 40 Prozent. Die hohe Inflation wirke daher ungerecht – umso wichtiger sei es, dass sie nicht aus dem Ruder läuft.

„EZB verfehlt Ziele bei der Inflationsbekämpfung“ – keine Angst vor Zinsanhebung

Das IW hält fest: „Die EZB hat ihr Inflationsziel von zwei Prozent pro Jahr deutlich verfehlt“. Im vergangenen Jahr sei sie zu zögerlich gewesen, und habe auf einen Rückgang der Inflation gesetzt. Grund hierfür sei auch die Erfahrung aus dem Jahr 2011. Damals stieg die Inflation auf drei Prozent an, die EZB hatte zwei Zinserhöhungen von jeweils 0,25 Prozentpunkten beschlossen. Als einige Länder des Euroraums daraufhin in die Rezession rutschten und eine Deflation befürchtet wurde, sei die EZB gezwungen gewesen die Leitzinsen 2012 auf null Prozent zu senken.

Muss die EZB also die Negativzinsen nicht mehr aufrechterhalten? Denn die aktuelle Situation ist laut IW mit 2011/2012 nicht vergleichbar. Denn das Ziel bei der Inflationsbekämpfung sei nicht wie 2011 um einen Prozentpunkt verfehlt worden, sondern um fünf Prozentpunkte. Zudem bekamen Banken für Geldanlagen bei der EZB deutlich höhere Zinsen. Der Einlagenzins stieg 2011 von 0,25 auf 0,75 Prozent, derzeit sind es minus 0,5 Prozent. Es besteht laut IW also nicht das Risiko, dass bei einem leichten Zinsanstieg aus Inflation plötzlich Deflation wird. Viel höher sei das Risiko, dass sich die hohe Inflation verfestigt. Ein längeres Abwarten führe dann dazu, dass die EZB zur Inflationsbekämpfung die Wirtschaft stark abbremsen muss. Umso wichtiger sei es, dass die Währungshüter jetzt zügig handeln.

Längeres Warten nicht mehr verantwortbar

Da Zinserhöhungen einige Monate brauchen, bis sie in der Wirtschaft ankommen, werden die Preise laut IW zunächst mit einer ähnlich hohen Rate wie in den vergangenen Monaten steigen. Das bekommen vor allem verschuldete Haushalte zu spüren. Neben höheren Preisen für Lebensmittel und Energie werden sie auch mehr für Zinszahlungen ausgeben müssen. Ein längeres Zaudern der EZB lasse sich nicht mehr verantworten.



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