Allgemein

Notenbanken: Transatlatische Einigkeit zwischen Fed und EZB

Der große Stimulus für die Märkte hält unvermindert an, in einer Allianz von geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen der Notenbanken und Regierungen. Fast täglich les- und hörbar an der Einigkeit, aber auch dem parteipolitischen Gezänk um ein weiteres Rettungspaket in den USA zur Stützung der Wirtschaft und damit indirekt auch der Aktienmärkte. Jetzt kommt auch in Europa wieder Bewegung in die Szene, erste Äußerungen aus dem Führungskreis der EZB lassen darauf schließen.

Notenbanken: Die doppelten Rettungspakete

In den USA ist man sich über die Notwendigkeit weiterer staatlicher Rettungsmaßnahmen einig, nur über die Höhe wird noch gestritten, zudem verhindert die Wahltaktik vor dem 3. November eine Einigung. Zusätzlich gibt es unterschiedliche Vorstellungen über die Verwendung des billionenschweren Pakets. Gleichzeitig steht die Federal Reserve der Coronapolitik tatkräftig zur Seite mit der Zusicherung des Fed-Chefs Jerome Powell, die Zinsen bis 2023 nicht antasten zu wollen, auch wenn es zu einem Überschießen der Inflationsrate über die Zielzone von zwei Prozent hinaus kommen sollte. Ja und nicht zu vergessen, die aus dem gesetzlichen Auftrag der Fed abgeleiteten Absicht der Notenbank mit der Geldpolitik so lange akkommodierend zur Seite zu stehen, bis wieder Vollbeschäftigung herrschen wird (Maximum Employment). Wann immer dies auch sein wird. Klar, dass hierbei die europäische Seite schon alleine aus der Sicht der Währungspolitik nicht untätig bleiben kann.

Die Signale aus dem EZB-Tower

Nachdem man vonseiten der Europäischen Zentralbank in den letzten Wochen erst einmal eine abwartende Haltung eingenommen hatte, um die Wirkung der eingeleiteten Maßnahmen zu überprüfen, kommt jetzt wieder Bewegung auf im Sinne einer Ausweitung der geldpolitischen Maßnahmen. Die wirtschaftlichen Auswirkungen der zweiten Coronawelle in Europa und die Entwicklung des Wechselkurses geben anscheinend Anlass zum Handeln, zunächst verbal. Darauf deuten schon die Äußerungen des wichtigen Mannes im EZB-Direktorium, Chefvolkswirt Philip Lane hin, der die „Poltikerin“ Christine Lagarde ganz stark beeinflusst. In einem Interview mit dem Wall Street Journal hatte der Ire auf die Konjunkturrisiken hingewiesen und angedeutet, dass die EZB bereit sei, geldpolitisch mehr zu tun. Was bedeutet dies? Ausweitung des Anleheaufkaufprogramns (PEPP) von 1,35 Billionen Euro, um weitere 500 Milliarden Euro, wie von Ökonomenseite gemutmaßt wird?

Der Chefökonom dämpfte allerdings die Erwartungen einer raschen zinspolitischen Aktion mit dem Hinweis, dass man erst die Haushaltspläne der EU-Staaten für 2021 sehen wolle, die in Kürze vorlegt werden müssten.

Dann könne man sehen, wie viel fiskalische Stützungsprogramme die Länder in ihren Budgets vorgesehen hätten. Es gäbe derzeit so viel Unsicherheit über den weiteren Verlauf des Infektionsgeschehens, außerdem hatte man schon erkennen können, dass der Chefökonom sehr wohl die Stärke des Euro im Auge hat.

Die Präsidentin der EZB, Christine Lagarde hingegen, warnte zunächst einmal in einem Gespräch mit dem IWF vor einer zu raschen Beendigung der staatlichen Hilfen in der Coronakrise. Man dürfe Maßnahmen wie Staatsbürgschaften und Kurzarbeitergeld nicht plötzlich stoppen. „Sie hoffe, dass Politiker dies verstehen würden und man abwartet bis die Wirtschaft wieder Tritt gefasst hat“, so die Ex-Politikerin. Klingt doch alles so wie die Statements von Jerome Powell in Richtung Politik. Eine seltene Allianz in Zeiten einer Pandemie. Der Termin für die nächste EZB-Sitzung ist der 29. Oktober.

Anleihemärkte haben es bereits eingepreist

In Erwartung weiterer Anleihekäufe durch die EZB haben die Investoren am Anleihemarkt schon reagiert. Bei italienischen Staatsanleihen wurde zu Wochenbeginn schon kräftig zugelangt. Die Rendite der zehn- und 30-jährigen Staatsanleihen fielen am Montag auf ein Rekordtief von 0,697 und 1,557 Prozent. Damit liegt die Risikoprämie für zehnjährige italienische Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen liegt nur noch bei 1,25 Prozentpunkten, dem niedrigsten Abstand seit April 2018. Auch in Spanien und Portugal beträgt die Differenz zu zehnjährigen deutschen Bundesanleihen gerade noch rund 0,70 Prozentpunkte. Was für eine Zinswelt, scheinbar ohne Risiko – ermöglicht durch die Notenbanken.

Was ein weiteres Absinken der Kapitalmarktzinsen für Folgen für die Kapitalmärkte hat, habe ich in meinem gestrigen Artikel über die langfristige Entwicklung der US-Zinsen versucht darzustellen.

Fazit

Bei allen wirtschaftlichen, politischen und epidemiologischen Risiken, die es derzeit zuhauf gibt, kommt man nicht umhin festzustellen, dass das Schmiermittel der Märkte, der monetäre Stimulus, auch in Europa weiter injiziert wird. Da die Bilanzen der Notenbanken mit ihrer Ausweitung fast schon eine direkte Korrelation mit der Aktienmarktentwicklung aufweisen, kann man mit der gebotenen Vorsicht eigentlich nur zu dem Schluss kommen: An der Geldpolitik der Notenbanken wird eine mögliche Jahresendrally nicht scheitern.

Einigung der Notenbanken - die Fed und die EZB mit ähnlichen Maßnahmen



Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

2 Kommentare

  1. Der erneute Versuch mit Geld Wohlstand zu drucken. Gold wird die monetäre Illusion für alle sichtbar machen.

  2. Wie sagte mal ein Mafiaboss… wenn die Mafia in der Regierung sitzt und die Gesetze nach belieben für ihre Interessen macht, gibt es eben dann für jede noch so grosse Schweinerei keine Straftat mehr, da ja dann auch Gelddrucken, Insolvenzverschleppung, Bilanzbetrügereien etc. etc. gesetzeskonform sind und somit auch keine Straftaten der Mafiosi mehr sind/wären.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Meist gelesen 7 Tage