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Öffentliche Schulden – 40 Milliarden Euro in 12 Monaten – Sachsen bald schuldenfrei, Hamburg als einziges Bundesland mit Schuldenzuwachs

Redaktion

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Öffentliche Schulden werden in Deutschland derzeit aus nachvollziehbaren Gründen spürbar abgebaut. In allen Bereichen sinken derzeit die Schuldenstände. Addiert man den gesamten Staatsapparat aus Bund, Ländern, Kommunen und Sozialversicherungen, so ist die Schuldenlast laut Statistischem Bundesamt vom 1. Quartal 2017 auf das 1. Quartal 2018 um 40,1 Milliarden Euro oder 2% gesunken auf 1,948 Billionen Euro. Im Vergleich vom 4. Quartal 2017 auf das 1. Quartal 2018 war es ein Rückgang von 18 Milliarden Euro oder 0,9%.

Alle vier Teilbereiche bauen Schulden ab. Sogar finanziell schwache Bundesländer wie das Saarland, Bremen oder Berlin schaffen es Schulden abzubauen. Als einziges Bundesland verzeichnet Hamburg einen Schuldenzuwachs von 1,6% im Jahresvergleich. Anders als vom neuen Hamburger Bürgermeister jüngst verkündet, scheint es in Hamburg finanziell nicht so rosig und solide zu laufen. Natürlich muss die Lage in der Hansestadt immer in Verbindung mit der Neuverschuldung betrachten, die durch die gigantischen Garantiezahlungen für die HSH Nordbank entstehen.

Und diese Kosten laufen weiter. Just in diesen Tagen wird Hamburg genau wie Schleswig-Holstein jeweils weitere 3 Milliarden Euro Schulden machen um die Haftungszahlung für die HSH endgültig erfüllen zu können. Aber halt – Schleswig-Holstein konnte trotz der gleich großen Belastung durch die HSH in Sachen Neuverschludung exakt bei +-0 landen in der heutigen Verkündung. Warum konnte Hamburg das nicht schaffen? So gut hat man in Hamburg wohl doch nicht gewirtschaftet. Sachsen hat schon seit geraumer Zeit enorm hohe Prozentraten beim Abbau seiner Schulden. Im aktuellen Jahresvergleich sind es -19,7%. Die jetzt noch vorhandenen 1,4 Milliarden Euro Schulden sollte man in überschaubarer Zeit abbauen können. Dann lebt man in einem schuldenfreien Bundesland – welch große Vorteile das haben wird!

Öffentliche Schulden

Hier das Statistische Bundesamt im Wortlaut zu den einzelnen Teilbereichen:

Der Schuldenabbau fand auf allen Ebenen statt. Die Verschuldung des Bundes verringerte sich gegenüber dem Ende des ersten Quartals 2017 um 12,4 Milliarden Euro beziehungsweise 1,0 % auf 1 232,4 Milliarden Euro. Der Bund konnte seine aufgenommenen Kassenkredite um 8,5 Milliarden Euro (– 30,3 %), seine Kredite um 2,0 Milliarden Euro (– 4,3 %) und seine Wertpapierschulden um 1,9 Milliarden Euro (– 0,2 %) abbauen.

Einen noch stärkeren Rückgang verzeichneten die Länder: Sie waren zum Ende des ersten Quartals 2018 mit 578,4 Milliarden Euro verschuldet. Das entspricht einem Rückgang um 4,0 % beziehungsweise 24,1 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahresquartal. Hohe prozentuale Rückgänge gab es in Sachsen (– 19,7 %), Baden-Württemberg (– 19,2 %), Brandenburg (– 9,0 %), Bayern (– 5,9 %) und Hessen (– 4,6 %). Einen wesentlichen Anstieg meldete nur Hamburg (+ 1,6 %). Dafür waren hauptsächlich Schuldenaufnahmen im Zusammenhang mit dem Komplex um die HSH Nordbank verantwortlich.

Der Schuldenstand der Gemeinden und Gemeindeverbände sank gegenüber dem Ende des ersten Quartals 2017 um 2,5 % (– 3,6 Milliarden Euro) auf 137,5 Milliarden Euro. Mit Ausnahme des Saarlands (+ 0,3 %) haben die Gemeinden und Gemeindeverbände aller anderen Länder ihre Schuldenstände reduziert. Die prozentualen Rückgänge waren in Mecklenburg-Vorpommern (– 11,4 %), Sachsen (– 7,0 %), Thüringen (– 5,5 %), Sachsen-Anhalt (– 4,0 %) und Nordrhein-Westfalen (– 3,3 %) besonders hoch.

Die Sozialversicherung war zum Ende des ersten Quartals 2018 mit 432 Millionen Euro verschuldet. Das waren 2,0 % beziehungsweise 9 Millionen Euro weniger als am Ende des ersten Quartals 2017.

11 Kommentare

11 Comments

  1. Avatar

    frank

    26. Juni 2018 14:25 at 14:25

    Mit 40 Milliarden können wir unsere Neuen Einwohner 2 Jahre lang finanzieren oder einfach zusätzlich 200.000 importieren.

  2. Avatar

    GN

    26. Juni 2018 14:54 at 14:54

    …soweit diese kurze Momentaufnahme, die mich an den größten Finanzversager der Nation, Thilo Sarrazin, erinnert. Nachdem dieser Versager alles in Grund und Boden gespart hatte, konnte er 2006 mit Ach und Krach einen ausgeglichenen Haushalt vorweisen. Nachdem man dieses „Finanzgenie“ 2009 zur Bundesbank weglobte, stellte man fest, daß der Tolle Finanzsenator wieder ein Haushaltsloch von 9 Milliarden EUR seinen Nachfolgern hinterließ….

    Zudem hat er durch die vorsätzliche Zerstörung des Berliner sozialen Wohnungsbaus, einen Schaden von 1 Mrd. EUR verursacht. Leidtragende seiner tollen Politik sind natürlich die Habenichtse….SPD halt, da fühlt man sich den Reichen veroflichtet…

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    burberg

    26. Juni 2018 15:08 at 15:08

    Das ist richtig, dass man spart. Dann kann man nachher wenigstens einen kleinen Teil der geplatzten Target 2 Schulden der Nachbarn ausgleichen.
    Ich würde auf Deubel komm raus investieren in Straßen, Schulen, Netze usw, am Besten, man gibt die Aufträge an die Europäischen Nachbarn, um die Targetzahlen zu egalisieren. Nach dem großen Knall hat man dann wenigstens was, was man noch sehen und anfassen kann.

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      tm

      26. Juni 2018 15:21 at 15:21

      Nehmen wir mal an, die Target2-Forderungen verfallen teilweise: Weshalb werden dann Ihrer Meinung nach aus den bisherigen Forderungen auf einmal Verbindlichkeiten, die man erfüllen muss – und vor allem gegenüber wem?

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        burberg

        26. Juni 2018 16:23 at 16:23

        @tm Sei so nett und schau das mal unter Professor Sinn nach, das würde hier den Rahmen sprengen.
        In Kurzform, ich dir Geld leihen,Du kaufen Waren bei mir mit dem geliehenen Geld, Du gehen insolvent, ich schauen in Röhre.

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          tm

          26. Juni 2018 16:52 at 16:52

          :-) oh man:
          In Kurzform: ich dir Geld leihen,Du kaufen Waren bei mir mit dem geliehenen Geld, Du gehen insolvent, ich schauen in Röhre, du nicht haben nun auf einmal Schulden, sondern nur keine Forderung mehr…

          Also nochmals, weil das anscheinend schwer zu verstehen ist: Wenn eine Forderung ausfällt, wird daraus keine Verbindlichkeit. Die Forderung ist dann eben weg. Wenn also die Target2-Forderungen teilweise ausfallen, steigen dadurch nicht die Schulden.

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          Petkov

          26. Juni 2018 17:16 at 17:16

          Aus einer Forderung wird dann eine Verbindlichkeit, wenn jemand so dumm war, Bürgschaften einzugehen. Und genau das hat ja Merkelistan über verschiedenste Rettungsschirme und sonstige perverse Konstrukte getan. Geht zugegebenerweise etwas über das Thema Target2 hinaus und betrifft weniger eine bilaterale Beziehung, sondern ist vielmehr im Kontext der Währungsgemeinschaft zu sehen, aber die Grundaussage ist ja an sich nicht falsch.

          Aber @TM, ich wundere mich aktuell, warum Sie sich so erbittert über kleinste Rechtschreibfehler echauffieren, aber ein paar hundert Milliarden als „Peanuts“ ansehen. Die Einstellung finde ich jedoch keineswegs falsch. Leeren Sie bitte sofort all Ihre Konten, bitte auch Dispokreditrahmen ausschöpfen, packen Sie alles in ein Kofferchen (bitte kleine Scheine) und sagen Sie mir, wo wir uns treffen. Ich nehme alles und zahle es natürlich brav zurück. Auch mit Zinsen, null problema, Kollega. Musst du nur bissle warte, weißt du… Ich zahlen zurück, ich schwör’s, Mann.

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            tm

            26. Juni 2018 17:31 at 17:31

            oh man oh man, jetzt wird es haarsträubend. Sie haben sonst nicht viel mit Finanzen zu tun, oder?

            Sie gestehen es doch letztlich ein, dass eine Forderung, die ausfällt nicht zur Verbindlichkeit wird. Und mit Target2 hat das ohnehin nichts zu tun, sondern wenn überhaupt mit Bürgschaften, wie Sie ja nun auch zugeben.

            Also mal gaaaaanz langsam: Bei Leistungsbilanzüberschüssen entsteht immer eine Forderung des Überschusslandes gegenüber dem Defizitlanz. Da Deutschland seit ca. 15 Jahren erhebliche LB-Überschüsse erwirtschaftet, beträgt die deutsche Nettoauslandsposition ca. 2 Bio. Euro – davon machen die Target-Salden knapp die Hälfte aus. Nun wunder ich mich ein wenig, dass Sie die Target-Beträge offenbar als riskanter ansehen als etwa Forderungen gegenüber der Türkei oder der Ukraine. Sie scheinen sogar davon auszugehen, dass alle Euroländer pleite gehen und 0% der Schulden jemals bedient werden. Das halte ich vorsichtig gesagt für eine sehr gewagte Annahme.

            Wenn Sie keine Forderungen gegenüber dem Ausland wollen – was ich nachvollziehen könnte – müsste Deutschland dauerhaft eine ausgeglichene LB aufweisen und zunächst einmal über Jahre hohe Defizite. Wie wollen Sie das erreichen?

            Und nein, ich echauffiere mich nicht erbittert über kleinste Rechtschreibfehler – ich weise lediglich darauf hin, wenn ich in den Texten der Redaktion welche finde. Daraufhin echauffieren sich Leute wie Sie erbittert über mich.

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            Petkov

            27. Juni 2018 07:33 at 07:33

            Ich hoffe Sie haben „sonst nicht viel mit Finanzen zu tun“, vor allem nicht beruflich, ansonsten wären Sie ein Paradebeispiel für die negativen Auswirkungen des Fachkräftemangels. Damit Deutschland herbe Verluste erleidet, ist es nicht erforderlich, dass alle €-Länder pleite gehen. Und selbstverständlich ist es wegen des hirnrissigen Rettungsschirmschlamassels möglich, dass Deutschland eigene Forderungen quasi selber begleichen muss (und die der anderen €-Partnern). Da Deutschland überdurchschnittlich hohe Bürgschaften eingegangen ist, kann man durchaus sagen, dass beispielsweise Österreichs Forderungen gegenüber Italien teilweise Deutschlands Verbindlichkeiten sind. Bilanztechnisch ist es zwar etwas anders, aber Bilanzen sind heutzutage leider dafür da, um frisiert zu werden.

            Es geht darum, offen die praxisnahen Auswirkungen politischen Versagens anzuprechen und nicht begriffliche Haarspalterei zu betreiben. In diesem Sinne muss ich @Burberg grundsätzlich zustimmen und genau das war die Intention meines Beitrags.

            Ach übrigens: dass Sie die Türkei und die Ukraine bzgl. der Kreditwürdigkeit in einen Topf schmeißen, zeigt nur wie umnebelt Ihr finanzpolitischer Durchblick ist. Bei allen politischen, kulturellen und religiösen Bedenken gegenüber der Türkei, muss jeder einsehen, wie stark ihre Wirtschaft eigentlich ist. Was dort alles produziert und exportiert wird, ist beachtlich. Dazu kommt der Tourismus usw. Und nicht zuletzt die stärkste Armee Europas. Fazit: manche Target2-Forderungen halte ich absolut für riskanter als die Forderungen gegenüber der Türkei.

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    tm

    27. Juni 2018 08:10 at 08:10

    „. Bei allen politischen, kulturellen und religiösen Bedenken gegenüber der Türkei, muss jeder einsehen, wie stark ihre Wirtschaft eigentlich ist. “

    Dumm nur, dass die TRY alleine in den letzten 5 Jahren um über 50% gegenüber dem Euro abgewertet hat und die deutschen Forderungen gegenüber der Türkei nun entsprechend weniger wert sind. Prima, wie gut Sie sich auskennen…. schonmal ne Uni von innen gesehen?

  5. Avatar

    Wolfgang M.

    27. Juni 2018 08:42 at 08:42

    Nur ein bisschen Faktisches zur wirtschaftlichen Situation der Türkei. Das Land ist mit 337 Mrd. $ im Ausland verschuldet. Diese Summe entsprach vor zwei Jahren den Gegenwert von 1000 Mrd. türk. Lira, letzte Woche aber schon 1600 Mrd. Deshalb ist dieses Land eines der meist betroffenen Staaten einer weiteren Dollarstärke.
    Gruß

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Gastronomie-Krise: Harte Fakten, weniger Insolvenzen, großes Problem

Claudio Kummerfeld

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Umgedrehtes Glas

Es ist kein Geheimnis. Die Gastronomie ist zusammen mit anderen Branchen wie Reisebüros, Airlines, Solo-Selbständigen uvm von der Coronakrise brutal getroffen worden, frontal und mit voller Wucht. Für den Zeitraum März bis August hat das Statistische Bundesamt heute harte Fakten für die Gastronomie geliefert. Der Umsatz der Branche lag im Vergleich zu März bis August 2019 um 40,5 Prozent tiefer. Man überlege sich das Mal. 40 Prozent weniger Umsatz in so einem großen Vergleichszeitraum. Das kann doch eigentlich kein Unternehmer überleben.

Hinzu kommt, was inzwischen auch kein Geheimnis mehr ist, dass die Insolvenzen in Deutschland in den letzten Monaten deutlich geringer ausfielen als im Vorjahr. Dies lag einerseits an Finanzhilfen des Staates und am Kurzarbeitergeld. Aber vor allem lag es an der großen staatlich genehmigten Insolvenzverschleppung. Bis vor Kurzem war die Insolvenzantragspflicht nämlich seit März ausgesetzt. Nun aber dürften ab Oktober und ab Januar die Insolvenzzahlen vermutlich deutlich ansteigen. Zitat von den Statistikern:

Von März bis Juli 2020 meldeten in dieser Branche 753 Unternehmen Insolvenz an – das waren 126 weniger als im Vorjahreszeitraum und 135 weniger als von März bis Juli 2018. Ein Grund dafür ist, dass die Insolvenzantragspflicht für Unternehmen zum 1. März 2020 ausgesetzt wurde, was über alle Wirtschaftszweige hinweg zu einem Rückgang der Insolvenzen führte. Im Juli 2020 beantragten bundesweit 146 Gastronomie-Unternehmen Insolvenz, das waren 16,1 % weniger als im Juli 2019. Dieser Rückgang entspricht der Gesamtentwicklung: Insgesamt wurden im Juli 2020 in Deutschland 16,7 % weniger Insolvenzen angemeldet als im Vorjahresmonat.

Grafik zeigt Umsätze in der Gastronomie in der Coronakrise

Unsere Meinung dazu: Die Charts zeigen eine spürbare Erholung in der Gastronomie. Der größte Teil des Tals ist für einige Bereiche der Branche demnach durchschritten. Selbst wenn man annehmen würde, dass von nun an die Umsätze in der Gastronomie wieder laufen wie früher, ist für die breite Öffentlichkeit unsichtbar ein Riesenproblem für die Branche entstanden. Oft wurden Bankkredite und Ladenmieten gestundet. Sie müssen nun zusätzlich zu den wieder aufgenommenen monatlichen Zahlungen nachgezahlt werden. Und im Zuge der Krise haben viele Unternehmer Kredite in aufgenommen. Das bedeutet: Selbst wenn die Umsätze wieder laufen sollten, wäre die monatliche Kostenbelastung für viele Betriebe deutlich höher als vor der Krise, und für viele Unternehmer ist das wohl dauerhaft nicht tragbar. Eine auf mehrere Quartale ausgedehnte Pleitewelle könnte folgen, und das nicht nur in der Gastronomie.

Weitere Details zu Umsatzrückgängen in der Gastronomie von den Statistikern im Wortlaut:

Innerhalb der Gastronomie besonders stark betroffen waren all jene Lokale, die ihr Geld mit dem Ausschank von Getränken verdienen: In dieser Sparte fiel der Umsatz von März bis August 2020 um 45,5 % geringer aus als im Vorjahreszeitraum. Dagegen konnten Restaurants, Gaststätten und Imbisslokale offenbar mit Lieferdiensten und Ab-Haus-Verkäufen einen Teil des Gästeschwunds kompensieren: Hier lagen die Umsätze von März bis August 2020 um 29,3 % unter denen des Vorjahreszeitraums (Caterer: -42,1 %).

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Wie die Entwicklungsländer versuchen die Krise zu überleben

Hannes Zipfel

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Coronakrise sorgt in Entwicklungsländern für immense Probleme

Viele Schwellenländer standen bereits vor dem Ausbruch der Pandemie vor großen finanziellen Problemen. Einige von ihnen waren bereits unmittelbar vom Staatsbankrott bedroht. Wie gehen die Entwicklungsländer mit der Zusatzbelastung durch die Corona-Krise um, trotz bereits zum Teil überbordender Schuldenstände und weniger effizienter Staatsstrukturen und Sozialsysteme? Können sie die Krise finanziell überhaupt überleben oder lösen sie eine globale Pleitewelle bei Staaten aus?

Lage der Entwicklungsländer spitzt sich zu

Momentan schauen in Zeiten der Pandemie die westlichen Ökonomen vor allem auf die Entwicklungen vor der eigenen Haustür. Doch gerade das stark vom Export abhängige Deutschland sollte auch die Entwicklungen jenseits der Hauptabsatzmärkte Europa und USA im Auge behalten. Der Wachstumsbeitrag der Entwicklungsländer für die Weltwirtschaft betrug bislang immerhin drei Viertel des globalen Gesamtwachstums. Dieser Trend soll sich laut dem Analysehaus Ashmore und dem IWF auch in Zukunft fortsetzen (Daten aus 2019). Doch dazu müssen die Schwellenländer zunächst die Pandemie ökonomisch und gesellschaftlich überleben.

Grafik zeigt globalen Wachstumsbeitrag der Entwicklungsländer

Wuchsen die Ökonomien der als Schwellenländer eingestuften Staaten in den letzten 20 Jahren durchschnittlich um 5,9 Prozent pro Jahr, so droht ihnen im Jahr 2020 die erste Rezession mit einer wirtschaftlichen Kontraktion in Höhe von durchschnittlich 3,3 Prozent. Davon geht der Internationale Währungsfonds (IWF) in seiner aktuellen Publikation „Emerging And Frontier Markets: Policy Tools In Times Of Financial Stress“ aus. Doch es könnte noch viel schlimmer kommen, wenn sich die Konjunkturlage im Zuge wirtschaftlicher Einschränkungen durch die Pandemie nochmals verschlechtert und bereits jetzt stark geschwächte Länder weitere Belastungen verkraften müssen.

Besonders Staaten wie Venezuela, Argentinien, Pakistan, die Türkei, Chile, Indien etc. haben jetzt schon massive wirtschaftliche Probleme bis hin zu Währungskrisen und der teilweisen Zahlungsunfähigkeit zu meistern. Am Anfang der Pandemie hatte eine beispiellose Kapitalflucht eingesetzt, bei der innerhalb kürzester Zeit über 100 Milliarden US-Dollar von internationalen Investoren aus Schwellenländern abgezogen wurden. Die Situation war von der Dimension her damit bereits im Frühling 2020 dramatischer als während der Weltfinanzkrise. Länder wie Argentinien, die Ukraine und Chile gerieten an den Rand des Staatsbankrotts. Und so könnte die sich mit der Pandemie weiter ausbreitende Rezession lediglich der Vorbote einer neuen Schwellenländerkrise sein.

Ein globales Problem

Die Budgets und logistischen Möglichkeiten zur Stützung der heimischen Wirtschaft, zur Gesundheitsversorgung und zur Aufrechterhaltung sozialer Mindeststandards sind im Gegensatz zu den entwickelten Volkswirtschaften in den Schwellenländern deutlich geringer ausgeprägt und damit anfälliger für Krisen. Selbst der Kollaps einzelner Entwicklungsländer ist nicht mehr auszuschließen (Failed States).

Wird diese Entwicklung zum Massenphänomen, bekommen auch die Industrieländer ernste Probleme. Dabei geht es nicht nur um die finanzielle Kosten, die über die Anteile der Industriestaaten an der Weltbank und dem IWF in Form von Nothilfen oder Kreditstundungen gewährt werden, sondern auch um massive Migrationsbewegungen, die sich längst in Gang gesetzt haben und zu gesellschaftliche Spannungen führen können. So sind allein wegen der sich weiter zuspitzenden humanitären Katastrophe in Venezuela ca. 4,8 Millionen Menschen oder 15,6 Prozent der Gesamtbevölkerung seit 2016 aus dem Land geflohen. Diese Massenbewegung, auch bekannt als Bolivarian diaspora, wirkt sich auch auf die Aufnahmeländer belastend aus.

Dabei ist Venezuela alles andere als ein Einzelfall: Laut der UNO Flüchtlingshilfe waren noch nie so viele Menschen wie heute auf der Flucht vor Armut und bewaffneten Konflikten. Ende 2019 lag die Zahl der Menschen, die weltweit auf der Flucht waren, bei knapp 80 Millionen – mehr als ein Prozent der Weltbevölkerung. Im Vergleich zum Vorjahr waren das fast neun Millionen Menschen mehr. Seit 2010 hat sich die Zahl der Menschen auf der Flucht verdoppelt. Für das kommende Jahr wird mit einer deutlichen Intensivierung der globalen Fluchtbewegung in Folge steigender Armut gerechnet. Für die Entwicklungsländer und vor allem für ehemalige Kriegsgebiete wie Syrien bedeutet dies, dass für den Wiederaufbau und für die Erwirtschaftung von Wohlstand und Steuereinnahmen dringend benötigte Menschen dauerhaft verloren gehen.

Maßnahmen gegen den Kontrollverlust in den Entwicklungsländern

Der IWF und die Weltbank haben bereits im April Mittel mobilisiert, um die Corona-Folgen für die Entwicklungsländer abzufedern. Dadurch sind zunächst die akuten Zahlungsbilanzprobleme vieler ärmerer Länder abgemildert worden. Doch das war lange vor der zweiten Corona-Welle. Im Sommer war es durch Notkredite des IWF in Höhe von 100 Milliarden US-Dollar, die in Rekordgeschwindigkeit ausgezahlt wurden, noch gelungen, den sofortigen finanziellen Kollaps der Entwicklungsländer abzuwenden.

Zusätzlich zu den Notfallmaßnahmen des IWF hatten die G20-Staaten ein Schuldenmoratorium für die ärmsten 43 Entwicklungsländer beschlossen. Laut Weltbank sorgt diese Maßnahme in den betroffenen Staaten für eine Entlastung beim Schuldendienst von 11,5 Milliarden US-Dollar in diesem Jahr. Nun ist in Anbetracht der zweiten Corona-Welle bei den G-20-Staaten bereits eine Verlängerung des Schuldenmoratoriums bis Mitte 2021 im Gespräch. Doch auch das könnte nicht reichen, wenn die Pandemie und deren ökonomische Folgen den nach wie vor recht optimistischen Prognosen der IWF-Ökonomen folgen.

Geld spielt keine Rolle

Auch der am 27. Dezember 1945 gegründeten IWF war in seiner 75-jährigen Geschichte bisher noch nie mit einer derartigen Krise globalen Ausmaßes konfrontiert. Und so fordert die Direktorin dieser supranationalen Institution, Kristalina Georgieva, das Vermögen des Fonds von einer Billion Euro auf 2 Billionen Euro zu verdoppeln, da andernfalls im Zuge einer zweiten oder sogar dritten Corona-Welle dem Fonds die Mittel auszugehen drohen.

Doch woher kommt das Geld des Internationalen Währungsfonds (IWF)? Zum einen kann der IWF sogenannte Sonderziehungsrechte vergeben, die nichts anderes als Buchkredite der Institution an seine Mitglieder darstellen. Zum anderen kommt Geld (und Gold) über Quotenregelungen direkt von den Mitgliedsstaaten, die zu den Nettozahlern gehören, wie z B. Deutschland oder die USA. Diese Staaten müssen sich gleichwohl für die Zahlung dieser gigantischen Summen selbst zusätzlich verschulden. Da der private Kapitalmarkt diese Schuldenmassen zu für die Schuldner tragfähigen Zinsen nicht mehr schultern kann, springen die Notenbanken ein und drucken das Geld (digital).

Nichts anderes tun aktuell auch die Zentralbanken vieler Entwicklungsländer, um ihre Staaten flüssig zu halten. Da dies bei Staaten mit ohnehin schwachen Währungen gleichwohl gefährlich ist und schnell zu einem Kollaps des Außenwertes der Währung führen kann, müssen die Geldpolitiker der Schwellen- und Entwicklungsländer andere Wege zur Unterstützung der Wirtschaft und des Staates gehen.

Nahezu alle Zentralbanken senkten daher zunächst die Zinssätze. Die größten Notenbanken intervenierten an den Devisenmärkten, entweder mit eigenen Reserven oder mit Geldern des IWF bzw. US-Dollar-SWAP-Linien der US-Notenbank Fed. Etwa die Hälfte der Institute senkte die Mindestreserveanforderungen für Banken, um das Finanzsystem liquide zu halten und die Kreditbedingungen zu lockert. Rund 20 Zentralbanken der Entwicklungsländer haben zum ersten Mal überhaupt quantitative Lockerungen vorgenommen (Geldmengenausweitung), um Staats- und Privatschulden am Sekundärmarkt zu erwerben, die sonst keine Käufer mehr fanden.

Die Folgende Grafik zeigt sehr anschaulich, dass anders als in den Industrieländern mit vermeintlich starken Währungen die Notenbanken der Entwicklungsländer primär über qualitative Maßnahmen agierten. Aber nicht aus purer Vernunft, sondern weil ihnen schlicht und einfach das Privileg der momentan noch konsequenzlosen Gelddruckens in beliebiger Höhe verwehrt ist. Daher ist es nur fair, dass Staaten wie die USA oder Länder der Eurozone ihre Geldschöpfungsprivilege im Interesse der durch die Pandemie in Existenznöte geratenen Entwicklungsländer einsetzen.

Grafik zeigt Unterstützung der Notenbanken

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Bundesbank: Erholung der Industrie läuft, Dienstleistungen problematisch

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Deutschland Flagge

Die Bundesbank hat heute ihren Monatsbericht für Oktober veröffentlicht. Demnach verliert der wirtschaftliche Aufschwung deutlich an Schwung. Die Wirtschaftsleistung in Deutschland dürfte im dritten Vierteljahr 2020 stark angestiegen sein. Gemessen am vierteljährlichen Bruttoinlandsprodukt könnte die deutsche Wirtschaft damit bereits etwas mehr als die Hälfte des drastischen Einbruchs im ersten Halbjahr wieder wettgemacht haben. Trotzdem dürften noch etwa 5 Prozent im Vergleich zum Vorkrisenniveau vom letzten Vierteljahr 2019 fehlen.

Aus heutiger Perspektive dürfte sich die wirtschaftliche Erholung im laufenden Vierteljahr zwar fortsetzen, dabei jedoch eine erheblich langsamere Gangart einlegen. Die Industrie ist gemäß der Bundesbank-Aussagen nicht das Problem, sondern der Bereich Dienstleistungen, der ja von erneuten Corona-Restriktionen direkt betroffen ist. Die deutsche Exportindustrie profitiert derweil zum Beispiel durch die wieder gut laufende Konjunktur in China. Hier die Bundesbank mit ihrer Headline-Aussage zur Industrie:

Dem Monatsbericht zufolge hat die Industrie nach dem besonders starken Einbruch im Frühjahr bis Juli bemerkenswert aufgeholt. Im August habe die Erholung zwar eine Verschnaufpause eingelegt, im Mittel der Monate Juli und August sei die Industrieproduktion dennoch gegenüber dem stark gedrückten Frühjahrsquartal kräftig angestiegen (+13,5 %). Gleichwohl verfehlte sie das Vorkrisenniveau aus dem vierten Quartal 2019 immer noch um gut ein Zehntel. Die Auftragseingänge hätten jedoch weiter zugenommen und beinahe wieder das Vorkrisenniveau erreicht.

Und hier die Headline-Aussagen zum Dienstleistungssektor:

Während sich die Stimmung bei den Industrieunternehmen laut Umfrage des ifo Instituts etwas aufhellte, trübte sie sich bei den Dienstleistungsunternehmen im September zum ersten Mal seit dem Frühjahr wieder etwas ein, schreibt die Bundesbank. Insbesondere Branchen wie das Gastgewerbe dürften durch die zuletzt stark gestiegenen Infektionszahlen und die deshalb in einigen Regionen ausgeweiteten Eindämmungsmaßnahmen belastet werden. Die Fachleute gehen davon aus, dass die Wirtschaftsleistung im laufenden Vierteljahr wohl nur noch vergleichsweise wenig steigen wird.

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